Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Technik die begeistert

Hadmut
19.2.2012 21:59

Mir schreibt gerade ein Leser, daß sie direkt neben einem Kernforschungsreaktor eine Geothermie-Anlage aufbauen würden.

Geothermie: Das sind die, die gaaanz tiefe Löcher in die Erde bohren, um da Wärme raufzuholen. Dabei bohren sie manchmal irgendwelche Kreideschichten an, in die dann Wasser reinläuft, das dann damit reagiert, das ganze zum Aufquellen bringt, und den ganzen Boden in der Umgebung so hebt und verbiegt, daß darüber ganze Ortschaften kaputt gehen. Hatten wir schon mehrfach, beispielsweise in Staufen.

Und angeblich bohren sie sowas gerade ungefähr einen Kilometer vom Forschungsreaktor Garching weg. Behaupten jedenfalls die da. Entgegen irgendwelchen Sicherheitsrichtlinien.

Mir fehlt im Moment gerade die Zeit, mich damit näher zu befassen. Obwohl das direkt bei mir um die Ecke ist. Vielleicht sollte ich schon mal meinen Krempel packen?

Was haltet Ihr davon?


6 Kommentare (RSS-Feed)

Hanz Moser
19.2.2012 22:11
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Was bin ich froh Mieter und nicht Eigentümer zu sein 😀


Harald
20.2.2012 0:30
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Aufquellen geht, so wie ich das in den Nachrichten verfolgt habe, relativ langsam – da bleibt vermutlich noch genug Zeit zum Kofferpacken. 😉

Ein Erdbeben würde mich da vermutlich mehr beunruhigen:
http://bazonline.ch/basel/stadt/Erdbebenrisiko-deutlich-zu-gross-fuer-Geothermie-in-Basel/story/12803210

Ich muss bei der ganzen Sache irgendwie an ein Kind denken, das zum ersten Mal mit einer Nadel in einen Luftballon piekt und lernt, dass der dabei kaputtgeht. 🙂

Die Amis hatten mal ein Problem mit Erdgas: http://allthingsnuclear.org/post/5356177758/fission-stories-39-ripley-wouldnt-believe-it
Aber da kann ja auch nichts passieren… 😉


Numbercruncher
20.2.2012 1:07
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Dass in der Ecke gebohrt wird, schreiben auch Leute, die mit den Löchern ihr Geld verdienen: http://www.ewg-garching.de/newssingle/article/einweihung-der-geothermieheizzentrale/?tx_ttnews%5BbackPid%5D=29&cHash=dab6b766f8
Gibt sogar noch eine zweite Bohrung nicht arg viel weiter weg, ist aber scheinbar alles schon ein paar Jahre her.

Klingt für mich auch alles andere als vertrauenerweckend, aber ich kenn mich mit der Materie gar nicht aus (hab mir dafür schon mal Staufen angeschaut…).


Hadmut
20.2.2012 1:11
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Naja, hat ja auch Vorteile. Wenn dann aus dem Reaktor die Suppe ins Erdreich sickert, stehen die Chancen nicht schlecht, daß es am Bohrloch auch wirklich warm wird. Vielleicht leuchtet’s da sogar…


Also ich seh da keine Gefahr.

Erstens hat der FRM-2 nur eine thermische Leistung von 20 MW, was recht wenig ist im Vergleich zu einem Kernkraftwerk mit einer elektrischen Leistung von gut über 1 GW, d.h. thermisch sind Kernreaktoren dann schon bei 4 GW, bei denen haben alleine die Pumpen eine Leistung von 20 MW.
Zweitens ist das ein Schwimmbadreaktor, also nicht Dampf unter hohem Druck, sondern ein offenes Becken.
Drittens ist das Gebäude ziemlich massiv, mit meterdicken Stahlbetonwänden, trotz der im Vergleich zu einem Kernkraftwerk kleinen Ausmaße. Sollte sich im Boden tatsächlich was tun, dann wird das Gebäude sicher nicht einstürzen oder auch nur Risse bekommen, sondern höchstens etwas schief stehen. Beim alten FRM-1 war das anders, der Aufbau des Reaktors war ähnlich, aber nur das “Atomei” mit dünner Alu-Hülle, die gar nichts aushält.

Fünftens ist die Geologie eine andere: Das Alpenvorland ist seismisch nicht aktiv, zudem ist dort die Münchner Schotterebene mit vergleichsweise lockerem Gestein, wo sich oberflächennah keine großen Spannungen aufbauen können; der Oberrheingraben ist was anderes, das ist eine tektonisch aktive Gegend, wo es immer wieder auch mal zu stärkeren Beben kommt, alle paar hundert Jahre auch zu verheerenden Beben. Eine Geothermiebohrung kann zwar keine (spürbaren) Erdbeben verursachen, wohl aber in einer Region, wo das Gestein unter Spannung steht, das Fass zum Überlaufen bringen und ein Erdbeben auslösen, das ansonsten später und/oder an einem etwas anderen Ort begonnen hätte.

Sechstens ist in eine tektonisch aktive Region wie der Oberrheingraben deshalb für die Geothermie interessant, weil man nicht tief bohren muss, um zu hoher Temperatur zu kommen (bohren ist sehr teuer); die haben dann nach Wasser nach unten gepresst, das sich am Gestein erwärmt. In der Münchner Gegend ist es anders, dort hat man keine so hohe Temperaturzunahme mit der Tiefe, allerdings hat man am Grund des Molassebeckens einen warmen Grundwasserstrom gefunden. Soweit ich weiß hat man also weder ein Festgestein, bei dem man mit hohem Wasserdruck die Klüfte erweitert, noch tektonische Spannungen, die man damit auslösen könnte.

Bleibt also nur noch die Gefahr wie in Staufen; das war m.W. eine Gips-Schicht, die in Wasser aufquillt. Wie Harald richtig sagt, geschieht das sehr langsam. Aber nachdem die Gesteine im Molassebecken während der Entstehung der Alpen (und entsprechend Entstehung des Vorlandbeckens) vom Wasser dorthin geschwemmt wurden, kann ich mir nicht vorstellen, dass es dort wasserfreie Schichten gibt. Die müssten eher in heißem Klima durch Austrocknen flacher Seen oder Lagunen entstanden sein, schätze ich.


Jasmin81
28.2.2012 17:56
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Die Geothermie-Anlage in Staufen war noch verhältnismäßig klein und sollte alleine der Energieversorgung des Rathauses dienen. Nicht vorzustellen was bei einer größeren Anlage mit dem Ort passiert wäre. Hier ein Video mit den verheerenden Auswirkungen durch Geothermie Bohrungen speziell im Ort Staufen, was aufgrund seiner Bodenbeschaffenheit traurige Berühmtheit erlangte.

Geothermie: Fluch oder Segen?