Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Piraten sind schuld: 14 Männer und eine Frau

Hadmut
19.9.2011 17:33

Ich krieg schon wieder zuviel.

Quer durch die Blätter, die Blogs, durch Twitter zieht sich ein Thema: Warum ist unter den 15 Abgeordneten (bzw. Leuten auf der Liste) der Piraten in Berlin nur eine Frau? Und irgendwo stand auch, daß die Piraten fast nur von Männern gewählt wurden.

Und dann solche saudummen abgeleiteten Fragen wie: Sind die frauenfeindlich? Können Feministinen/Lesben die überhaupt wählen?

Warum wird eigentlich immer dann, wenn bei irgendeinem X weniger als 50% Frauen rumlaufen (völlig egal ob nun Piraten, Vorstandsposten, Stellen bei den Grünen,…), dem X die Schuld daran gegeben? Warum sind die Piraten daran schuld, daß sich zuwenig Frauen zu ihnen begeben?

Warum wird nie den Frauen ein Vorwurf daraus gemacht, daß sie nicht zu X gehen?

Genausogut könnte man daraus folgern, daß Frauen sich nicht um Internet, Datenschutz, Transparenz usw. kümmern. Oder zu faul sind, eine neue Partei auf die Beine zu stellen. Oder, oder, oder. Nirgends habe ich eine Schlagzeile der Art „Sind die Berliner Frauen desinteressiert an Netzthemen?” gefunden. Nein, die Frage ist immer nur, ob die Piraten nicht mit Frauen umgehen wollen/können.

Wie konnte es passieren, daß es so gesellschaftlich antrainiert wurde, zu jedem beliebigen X, bei dem zuwenig Frauen beteiligt sind, immer dem X und nicht – wie es logisch wäre – der einzigen Gemeinsamkeit, nämlich den Frauen, die Schuld daran zu geben?

25 Kommentare (RSS-Feed)

Martin
19.9.2011 18:11
Kommentarlink

Ich glaube, Physiker sind auch Frauenfeindlich, so wenige wie im Hörsaal sind. Da muss man jetzt aber ganz dringend was machen …


Bzzz
19.9.2011 18:44
Kommentarlink

@Martin: Möglicherweise. Wie wärs mit: In der freien Wildbahn welche einfangen, fesseln & knebeln, in den Hörsaal schaffen?

Ich bin mir nur nicht sicher, ob das nachhaltig ist (die Bestände an frei herumlaufenden Frauen werden an jener Fangstelle schnell schwinden, sowas spricht sich ja herum), und ein Gewöhnungseffekt wird auch nach fünf Vorlesungen am Stück quer durch alle Semester wohl nicht eintreten. Ganz schlechte Prognose für so ein Unterfangen… 😉


Alex
19.9.2011 18:46
Kommentarlink

Ich denke es gibt zwei Effekte:

1) Verzerrte Wahrnehmung.
Das ist was Du hier anprangerst.
Und um es noch spitzer zu sehen, hätte man auch noch darauf hinweisen können, dass in Fällen wo es mehr als 50% Frauenanteil gibt, grundsätzlich die Männer zu doof, faul uninteressiert oder/und einfach sowieso schuld sind.

2) Schmutz werfen damit was hängen bleibt.
Ich denke diese Fokusierung auf die Ungleichgewichtung im Geschlecht der Abgeordneten wird benutzt um das negative Attribut “frauenfeindlich” zu schmeißen.
So wie auch die Sache “mit der Kipo” immer wieder aufgeworfen wird.
Aber die unglaubliche Inkompetenz nicht die Schulden in Berlin zu kennen.
(Interessant hab ich keinen Bericht bisher gesehen, ob der Spitzenkandidat die Schulden mitlerweile kennt – also gelernt hat, und auch wird ausserhalb von youtube nie die Unfähigkeit unserer alteingesessenen Politiker vorgeführt (besonders nicht von unseren Qualitätsjournalisten) )
In die gleiche Richtung schlagen meiner ansicht nach die Erklärungsmuster für den Erfolg der Piraten, etwa “schicke, hippe Alternative und eine Form der Protestwahl” (muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: ~9% gültiger Stimme einfach mal mehr oder weniger die Wahlkompetenz absprechen, weil sie nicht mehr die eigene Partei (also richtig) gewählt haben.)


Steffen
19.9.2011 19:05
Kommentarlink

Dann drehen wir doch einfach mal den Spieß um, und beschuldigen ganz frech die ganzen Kindergärtnerinnen, Hebammen, Krankenschwestern oder Grundschullehrerinnen der Männerfeindlichkeit, und daß es ganz alleine ihre Schuld sei, daß sich nicht mehr Männer für diese Berufsfelder interessieren. Und daß es komplett die Schuld der Ehefrauen sei, daß Männer sich nicht mehr um die Hausarbeit und die Kindererziehung kümmern.

Oder noch pointierter: Dann sind die Feministinnen selbst ganz alleine dran schuld, daß nicht mehr Männer die Sache des Feminismus unterstützen *evilgrin*

Aber ich fürchte, wenn man so etwas als Mann behauptet, daß wird die komplette feministische Gemeinde augenblicklich vor Zorn und Wut explodieren…


cbx
19.9.2011 19:06
Kommentarlink

Das ist die alte Geschichte mit der Diskriminierung. Nicht Diskriminierung an sich ist schlecht, sondern nur jene, die in die falsche Richtung geht.

Die feministischen Fundamentalisten haben da ganze Arbeit geleistet und uns hinterrücks so konditioniert, dass wir – wie Du schreibst – völlig unreflektiert glauben, dass Frauen weiterhin diskriminiert werden müssen – nur diesmal halt im Sinne von “bevorzugt”.

Das Witzige daran ist, dass offenbar wirklich wenige (Männer und Frauen) sich darüber im Klaren sind. Insofern kann man das gar nicht oft genug schreiben.

Ich habe da auch einen bösen Text dazu: http://cbx.amadyne.net/blog/articles/1001/identitaets-sinn-und-ueberhaupt-vollkrise


iz
19.9.2011 19:46
Kommentarlink

Ausserdem fehlen der/die Quoten-
schwule/lesbische
schwarze
asiate
moslem
budhist
nativeindian
behinderte
..

Die bekommen wir niemals auf 15 Plätze unter.


tonne
19.9.2011 20:49
Kommentarlink

Kommt ja noch besser:

“Die Piratenpartei lehnt die Erfassung des Merkmals “Geschlecht” durch staatliche Behörden ab. Übergangsweise kann die Erfassung seitens des Staates durch eine von den Individuen selbst vorgenommene Einordnung erfolgen.”

(aus dem Wahlprogramm 2011
http://berlin.piratenpartei.de/index.html%3Fp=4227.html

Deutlicher kann man zu diesem Thema den Mittelfinger nicht hinhalten 😉


Hadmut
20.9.2011 0:50
Kommentarlink

@tonne: Und damit kommen die jetzt? Das hätte ich vor 27 Jahren gebraucht, als sie die Männer zur Bundeswehr eingezogen haben…


euchrid eucrow
19.9.2011 23:47
Kommentarlink

Deutlicher kann man zu diesem Thema den Mittelfinger nicht hinhalten

ja, besser geht es nicht. politik von menschen für menschen. mit fehlern, unwissen und allem, was dazu gehört. es sei ihnen von vornherein verziehen.
habt ihr die pressekonferenz gesehen?


tonne
20.9.2011 3:00
Kommentarlink

😉 Damals hättest Du noch nach Berlin ziehen können.

Nee aber im Ernst: besser spät als nie. Gilt für die meisten Themen, die da jetzt hochkommen. Ein transparenter Staat wäre schon vor 30 Jahren eine gute Idee gewesen.


yasar
20.9.2011 7:37
Kommentarlink

@iz

Nehmt eine behinderte budhistische schwarze Lesbe, dann eine asiatische schwule muslimin und dazu noch eine hübsche indianische Inderin und schon habt Ihre alle ethjnischen Gruppen drin.

🙂


Christian
20.9.2011 9:37
Kommentarlink

Schade, dass die einfachste Erklärung die Leute oft nicht zufriedenstellt:

SPIEGEL ONLINE: Deine Partei gilt als Männerverein, auf der Landesliste der Piraten warst du die einzige Frau. Warum ist das so?

Graf: Ich finde es schade, dass darauf so viel Wert gelegt wird. Auch ich hätte gern mehr Frauen auf der Liste gehabt, aber viele Mitstreiterinnen haben sich von sich aus dagegen entschieden, zu kandidieren. Immerhin haben wir 100 Prozent unserer Frauen auf der Liste ins Abgeordnetenhaus bekommen. (lacht) Mich stört das nicht – auch in meiner Schulklasse war ich eins von zwei Mädchen.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/leben/0,1518,787114,00.html


Sascha Maier
20.9.2011 10:04
Kommentarlink

Wie ein konstruktiverer und tiefer gehender Umgang der Piraten mit ihrem eigenen Anspruch „Gesellschaftsstrukturen, die sich aus Geschlechterrollenbildern ergeben, werden dem Individuum nicht gerecht und sind zu überwinden“ aussehen könnte, erklärt die Gender-Beraterin Regina Frey, die sich gegen eine Quote ausspricht:
http://genderbuero.blogspot.com/2011/08/berliner-wahl-das-geschlecht-der.html?showComment=1314033652620#c1664411242988125871 (und das nicht erst seit letztem Sonntag, sondern schon seit dem 22.8.11)


Hadmut
20.9.2011 10:15
Kommentarlink

Die darin zitierte Quelle http://aggregat7.ath.cx/2010/03/10/zum-genderthema-in-der-piratenpartei erscheint mir besser und liegt mir persönlich viel näher: Nämlich der Ansatz der Piraten, das Geschlecht schlichtweg als irrelevant anzusehen und damit das Gegenteil dessen zu tun, was die Grünen da machen, nämlich künstlich Unterschiede aufzubauen. Denn der Ansatz der Grünen, Gleichberechtigung (oder „Gleichsstellung”) zu erreichen, indem man künstliche Unterschiede einführt, funktioniert nicht.

Der Ansatz der Parteien, ihre Frauenquote gar nicht erst zu zählen, weil das schon wieder eine Geschlechterunterscheidung wäre, erscheint mir da sehr viel sinnvoller.


Carsten
20.9.2011 12:00
Kommentarlink

Vielleicht interessiert in diesem Kontext auch folgender Artikel: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,787222,00.html#ref=rss


Alex
20.9.2011 12:41
Kommentarlink

Ach, das ist doch kein Artikel.
Wenn man Böse ist könnte man das Hetzschift nennen (Forderung nach einer undemokratischen und grundgesetzwidrigen Partei)

Eigentlich sollte man die meisten Kommentatoren von bild weder verlinken noch überhaupt lesen, denn dann besteht dass sie aufgrund von Irrelevanz durch lesenswerte Kommentatoren ersetzt werden.


EI
20.9.2011 13:19
Kommentarlink

Man beachte den Satz “Die Männer machen, was sie immer machen, sie verengen das Blickfeld, vernachlässigen Körper- und Familienpflege […]”.


Hadmut
20.9.2011 13:36
Kommentarlink

@EI: Das ist alles relativ.

Kann auch darunter verstehen, daß sie sich auf etwas konzentrieren, statt sich mit allem und jedem zu befassen, und daß sie nicht täglich eine Stunde damit verbringen, sich die Beine zu rasieren, die Bikini-Zone zu optimieren und die Maniküre und Pediküre zu vervollkommnen. Männer lackieren sich eher selten die Fingernägel, und auch nicht alle verwenden Haarspray und Make-Up. Viele dieser Unholde (mich eingeschlossen) belassen es bei Wasser, Seife und etwas Deo. Aus weiblicher Sicht ist das vernachlässigt.


euchrid eucrow
20.9.2011 17:38
Kommentarlink

der männliche körper ist selbstreinigend. =)


Hadmut
20.9.2011 17:52
Kommentarlink

Kann ich nicht uneingeschränkt bestätigen…


Ralf Muschall
20.9.2011 21:45
Kommentarlink

Hadmut
20.9.2011 21:48
Kommentarlink

Ja klar, Männer sind böse, weil sie sich ihren Nußkuchen selbst machen, aber den Frauen nicht noch obendrein den Kuchen backen, den sie gerne essen.

Womit wir wieder beim Arbeitsplatzproblem sind: Männer müssen sich ihren Kuchen selbst backen, Frauen erwarten von Männern, daß die ihnen den Kuchen backen.

(Eine unsympathische Person…)


Alex
20.9.2011 22:45
Kommentarlink

@hadmut, zwecks nußkuchen

Ich würde da nicht reininterpretieren, dass die Posterin das von Dir Geargwöhnte fordert.
Mir kommt das als eine neutral gemeinter, beschreibender Vergleich vor.


Hadmut
20.9.2011 23:27
Kommentarlink

@Alex: Es muß nicht unbedingt sein, daß sie das selbst fordert, sondern auch, daß sie nur Frauen als solches fordernd neutral beschreibt. Wäre das besser? Nein.


paul
22.9.2011 20:07
Kommentarlink

Bin seit 35 Jahren Freiberufler (E-Technik) und habe übern’n Daumen bei und mit 50 Firmen gearbeitet, mit sicher 200-300 Ingenieuren und ca. 5 Ingenieurinnen.
Männer sind echt Schweine – sagt dann die Frau, die sich nicht für Technik interessiert und sich über das Geschlechterverhältniss in den Entwicklungsbüros aufregt.