Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Der Sexismus der Münchner Grünen

Hadmut
14.9.2011 1:28

Ich war gerade bei einer Veranstaltung der Grünen bzw. eines ihrer Bundestagsabgeordneten, die in der Münchner Geschäftsstelle der Grünen stattfand. Eigentlich bin ich nur hin, weil ich eingeladen war, die Veranstaltung war aber sehr gut und lohnend. (Mehr dazu in einem späteren Blog-Artikel.) Bei der Anmoderation sagte aber jemand von den Grünen etwas, was mich fast vom Stuhl gehauen hat.

Er sagte nämlich, daß man heute nämlich wegen des mehrheitlich von einer separaten Organisation stammenden Publikums auf die sonst bei den Grünen übliche Redequotierung verzichte – normalerweise dürften Redebeiträge aus dem Publikum bei ihnen immer nur strikt abwechselnd nach Geschlechtern erfolgen, also nach einem Mann immer nur eine Frau und umgekehrt reden darf.

Ich dachte, ich höre nicht recht. Wie kann man denn auf eine so bescheuerte Idee kommen?

Mal abgesehen davon, daß es eine Verhöhnung und Verleugnung jeglicher Intellektualität ist, wenn nicht der reden darf, der den passenden Gedanken im Kopf hat, sondern der, der das richtige zwischen den Beinen hängen hat, ist es für mich ein Zeichen eines völlig kaputtideologisierten Richtig- und Gerechtigkeitsgefühls, wenn man da für einen Teil der Bevölkerung so eine extra Vordrängel-Schlange einrichtet. Da werden doch von vornherein Frauen und Männer als verfeindete und auf Rederechte eifersüchtige Parteien selbst bei solchen Themen gegenübergestellt werden, die mit dem Geschlecht überhaupt nichts zu tun haben. Wenn ich sowas höre, kommt bei mir die Assoziation von Leuten mit einem nicht intakten Selbstverständnis auf, die sich mangels eigener Persönlichkeit über irgendwelche fiktiven und aufgebauschten Pseudoansprüche definieren müssen. Kennt Ihr von Loriot den Sketch mit dem Kosakenzipfel? Wie kleine Kinder, die sich um irgendwelche Nichtigkeiten streiten, weil ihr Selbstwertgefühl davon abhängt. Eigentlich sollte das Rederecht in der Reihenfolge der Wortmeldung erfolgen. Ich bin der chauvinistischen Altherrenauffassung, daß man auch Frauen zumuten kann sich zu melden, wenn sie was sagen wollen (analog zu meiner ebenso altertümlichen Auffassung, daß Frauen sich ebenfalls normal um Arbeitsstellen bewerben sollen, statt sie über eine Frauenquote nachgeworfen zu bekommen).

Es hat bei mir aber noch weitaus bösere Assoziationen geweckt. Nämlich die der Apartheid.

Ich war neulich in Kapstadt. Dort merkt man an jeder Ecke und in vielen Museen, daß die Leute dort unglaublich froh und superstolz darauf sind, daß sie das Apartheid-Regime überwunden haben. Nie wieder sollten dort irgendwelche Rechte danach vergeben werden, als was man geboren wurde. Im Museum haben sie die alten Parkbänke mit der Beschriftung, ob sich dort Weiße oder Schwarze setzen dürfen. Sie legen allergrößten Wert darauf, das abgeschafft zu haben, und daß man sich dort hinsetzt, wo man Lust hat und wo frei ist, und nicht, wo es einem irgendwelche Vorschriften vorschreiben. Und es ist mir sehr positiv und angenehm aufgefallen, daß die das in der Realität auch tatsächlich so machen – wenn ich mich irgendwo hingesetzt habe, wo es viele Bänke gab, wurde ich als offensichtlich Fremder nicht wie in manchen anderen Ländern gemieden, sondern die Leute haben sich viel eher einfach dazugesetzt, was eigentlich immer lustig zuging. Das hat mir sehr imponiert. Auch in den USA gibt es im Civil Rights Museum in Memphis die berühmte Sitzbank aus dem Omnibus, bei dem sich erstmals eine Schwarze weigerte, sich an die Rassen-Sitzordnung zu halten. Ich mußte deshalb an diese Sitzbänke denken. Apartheid-Systeme verteilen Sitzbänke nach Hautfarben. Grüne verteilen Rede-Zeitslots nach Geschlecht. Also nach dem, als was man geboren wurde.

Finde ich ganz schrecklich. No go. Nicht wählbar.

Und es stößt mir vor allem deshalb sauer auf, weil ich kürzlich schon einmal so ein Erlebnis hatte (mir damals aber das Bloggen darüber verkniff):

Kürzlich fand in verschiedenen Städten Deutschlands der sogenannte Slut Walk statt, auch in München. Im Prinzip halte ich das für gut und berechtigt, und das Anliegen entspricht ja auch ziemlich meiner Sichtweise und Grundhaltung. Die Sache interessierte mich vor allem deshalb, weil der Slut Walk ja der exakte Gegenentwurf zu extremen arabisch-islamischen Ansichten ist, daß die Frau sich komplett zu verschleiern und zu verstecken hat, damit sie mit ihren Reizen nicht den Mann provoziert, und daß an Vergewaltigungen die Frau stets selbst schuld sei und obendrein schwer zu bestrafen wäre, weil sie sich nicht genug verschleiert hat. Leser meines Blogs wissen, daß ich mich mit diesem Ansatz nicht anfreunden kann. Der Slut Walk dagegen dient dem Vertreten der Sichtweise, daß die Frau sich an-/ausziehen kann, wie sie will, der Mann hat die Finger wegzulassen und ist für sein Benehmen selbst verantwortlich. Die Sichtweise entspricht meinem eigenen Freiheits- und Gerechtigkeitsgefühl sehr viel mehr. (Einräumen will ich allerdings, daß sich das etwas geändert hat, seit ich hier im Dirndl- und Lederhosen-Land wohne. In der Wiesn-Zeit, die gerade wieder anfängt, kann man sich in München vor überquellenden Dekolletes, wogenden Brüsten, enormen Mengen von Holz vor den Hütten nicht mehr retten. Das geht hier von frühmorgens bis in die Nacht, auch im Büro rennen die fast alle mit Extrem-Auslagen und Push-Ups herum. Erstens geht mir sowas relativ schnell auf den Wecker, zumal wirklich nicht alles schön ist, was da rausgedrückt wird. Zweitens ist mir nicht ersichtlich, welche Reaktion die Kollegin eigentlich erwartet, wenn sie damit reinkommt und sich umständlich ausladend herunterbeugt, um mir etwas auf den Tisch zu legen, oder sich beim normalen Gang-Gespräch auffällig in „Präsentierhaltung” begibt. Ist es nun sexuelle Belästigung, es zu bemerken oder gar zu gucken, oder ist es Beleidigung, so zu tun, als wäre nichts? Was um alles in der Welt bringt Frauen dazu, am Arbeitsplatz wie die Wahnsinnigen zwei bis drei Wochen lang – und manchmal auch darüber hinaus – mit ihren blanken Möpsen zu winken und gleichzeitig sexuelle Neutralität zu erwarten? Und warum gilt es schon als sexuelle Belästigung, wenn ein Mann mal dreckig grinst, und als Kündigungsgrund, wenn er einen anzüglichen Witz erzählt?

Warum ist Frauen das Darbieten ihrer Brüste eigentlich so wichtig? Selbst in der mörderischen Sonne australischer Steinwüsten, wo Sonnenschutz wirklich Not tut, rennen die hemmungslos im tief hängenden Spaghettiträger-Leibchen herum. Kürzlich hat einer die Profilfotos auf Facebook untersucht, und zwar nur die ersichtlich selbstgeschossenen. Auch hier ein enormer Drang zum aus-/einladenden Dekollete.

Warum eigentlich? Und wer „belästigt” hier eigentlich wen sexuell?

Versteht mich nicht falsch. In München und auf der Wies’n laufen verdammt hübsche Mädels herum, die verdammt gut im Dirndl aussehen. Dirndl schmückt enorm. Aber zuviel ist zuviel. Im doppelten Sinne. )

Wie dem auch sei, mich hat der Slut-Walk als exakter Gegenentwurf zur Verschleierung interessiert. Und als ich nach dem Termin gegoogelt hatte, kam ich auf eine Vorbereitungsverstanstaltung bei den Grünen, im selben Raum, in dem ich vorhin bei einer anderen Veranstaltung war. War halt abends sowieso in der Innenstadt, da bin ich da halt auch mal vorbei. Wieviel der Slut Walk mit den Grünen zu tun hat, kann ich nicht sagen. Wenn die Vorbereitungsveranstaltung aber in deren Geschäftsstelle stattfindet, jedenfalls mehr als gar nichts.

Die Veranstaltung damals hätte ich mir sparen können. Ein ganzer Raum voller biestiger, männerhassender Weiber, die sich total in dem Bedrohungsmodell verankert hatten, daß grundsätzlich und immer jeder Mann potentiell über jede Frau herfällt und alles betatscht, begrapscht und als Selbstbedienungsladen auffasst. Außer mir nur zwei weitere Männer dort, die aber den Eindruck machten, als würden sie mit aller Kraft versuchen, keine zu sein und nicht aufzufallen. Bei dieser Veranstaltung wäre diese Geschlechter-Rede-Quote sogar von Vorteil für mich gewesen – nur daß ich zu dem, was ich da gehört hatte, lieber erst gar nichts sagen wollte. (Zumal die Tatsache, daß ich in diesem Fall Vorteilsnehmer einer Ungerechtigkeit gewesen wäre, überhaupt nichts daran geändert hätte, daß diese Redequote eine Ungerechtigkeit ist.) Die haben eigentlich die ganze Zeit nur im Kreis herumventiliert, daß Männer Strolche und Täter und Frauen permanent begrapschte dauervergewaltigte Opfer sind. Zwar wurde ich da nie direkt angesprochen oder angesehen, aber dieser Täter-Opfer-Vorwurf wurde mehrfach in einer solchen Allgemeingültigkeit und Ausnahmslosigkeit erhoben, daß er sich explizit und gewollt gegen jeden Mann richtete. Ich mußte schwer an mich halten, um nicht mal zu erklären, daß sie sich über ihre Attraktivität in einem enormen Irrtum und Selbstbetrug befänden, und jedenfalls was mich beträfe, trotz meiner eindeutig und ausschließlich heterosexuellen Orientierung, für sie nicht die allergeringste Gefahr irgendwelcher sexuellen Näherungen bestünde. Ich habe aus der Erwägung heraus davon abgesehen, daß ich ungünstig saß und die ganze Meute sich zwischen mir und dem einzigen Fluchtweg befand.

Weil ich an dem Samstag des Slut Walks ebenfalls in der Innenstadt war, bin ich – trotz der abstoßenden Vorveranstaltung – doch mal zum gucken hingegangen.

Schrecklich. Erbärmlich. Lächerlich.

Ein Haufen fast ausschließlich hässlicher, meist sogar ziemlich fetter Weiber. Die meisten ein Gang wie ein Nilpferd auf High Heels. Viele, die so tun, als hätten sie Strapse an, in Wirklichkeit aber nur ne gewöhnliche Strumpfhose mit aufgedruckten Strapsen anhatten. Es ist absurd, wenn Weiber mit ungewaschenen Haaren, übersät mit Hautunreinheiten, penetrantem Zigarettengeruch, viele so fett daß breiter als hoch, hässlich wie die Nacht, hundsmiserabel geschminkt, angezogen wie vom Sperrmüll, Oberweite irgendwo bei Triple-E, herumlaufen und sich sich auf die obernackten Brüste schmieren, daß das ihre wären und man(n) sie nicht angrapschen dürfe. Realitätsverlust in Körbchen. Nichts brächte mich dazu, die Dinger freiwillig anzufassen, nicht mal auf deren ausdrückliche Anforderung vor Zeugen. Und dann kreischt noch irgendwer durch ein Megaphon, daß man nicht mehr begrapscht und vergewaltigt werden wolle. Grotesk. Absurd. Ich habe den Eindruck, daß ausgerechnet die am meisten gegen Grapschen und Vergewaltigung krähen, um die jeder einen Bogen macht, und die sich nun einfach einreden, ein Lustobjekt zu sein.

Was bringt Menschen dazu, sich selbst so lächerlich, sich so zur Witzfigur zu machen?

Was bringt Frauen mit völlig deformierten Beinen, mit geschätzen 10 bis 20 kg Übergewicht allein um die Hüften, mit Speckfalten, in denen sie Geldbeutel und Schlüsselbund unterbringen könnten, mit Cellulite, die man in mehreren Schichten ausspachteln könnte, dazu, sich in enge Tops und Miniröcke zu zwängen, deren Platzen man jederzeit befürchten muß? Und dann zu glauben, das wäre sexuell reizvoll? Ich erwarte nicht von Menschen, daß sie schön sind. Ich bin auch keine Schönheit. Aber muß man sich selbst so erniedrigen? Muß es wirklich sein, daß man seiner Umwelt solchen Anblick zumutet und dann noch skandiert, man möge nicht begrapscht werden?

Auch ansonsten war es doof. Kein Witz, kein Esprit, nur dumpfes Männer-Gebashe. Mühsam und dämlich bekritzelte Schilder. Eine hüpfte da ständig hin und her und wedelte mit ihrem Schild herum. Ich sagte, sie soll’s doch mal stillhalten, damit man lesen kann, was drauf steht, sonst bringt’s ja nichts. Ich weiß nicht mehr, was drauf stand, aber ich habe ihr empfohlen, es doch wieder dauerhaft zu schütteln.

Das wäre ja alles noch OK gewesen. Soll jeder nach seiner Facon selig werden. Ich habe zwar eine schlechte Meinung davon, ist mir aber alles noch recht.

An einem Punkt ging mir das aber über die Hutschnur: Die ganze Veranstaltung ging ja im Kern um nichts anderes, als die Bewahrung der körperlichen Integrität schon gegen unerwünschte Berührung und alles darüber, um das mal auf einen Nenner zu bringen. Ein völlig berechtigtes Ansinnen.

Wiederholt aufgefallen ist mir dabei aber, daß gerade die Teilnehmerinnen, die da so gegen Männer krakeelten, meine körperliche Integrität überhaupt nicht achteten. Es war nicht nur, daß viele dort auch in dichter Menge unbekümmert rauchten und es sie nicht im geringsten störte, daß andere den Dreck ins Gesicht bekommen und genötigt wurden, wegzugehen (nicht nur ich, habe ich auch bei anderen beobachtet), und die dann noch ordinär-ausfällig frech wurden, wenn man was sagte. Ich (und diverse andere Leute haben ebenfalls darüber geschimpft) wurde auffallend häufig in ziemlich rüpelhafter Weise angerempelt, betont rücksichtslos, ich hatte den Eindruck, manchmal bewußt. Oft hatten die aber auch große Rucksäcke auf dem Rücken und keine Rücksicht darauf genommen, wer die Dinger ab- oder ins Gesicht bekommt, wenn sie sich damit drehen. Mir ist das ein paar Mal passiert, und die wurden dann noch rotzfrech und ausfällig, wenn man sie höflich aufforderte, etwas aufzupassen. Irgendwann wurde mir das zu blöd, und als die nächste vorbeikam, die dann noch einen extra hohen und weit auslandenden Rucksack mit irgendwelchem Krempel obendrauf umhatte, und mir das Ding im Vorbeigehen ins Gesicht gehauen hätte, hab ich den Rucksack eben mal mit der Hand weggestoßen. Ausweichen wäre nicht gegangen, weil direkt hinter mir Leute standen. Oh, war da was los. Die waren wirklich der Meinung, daß man sich das als Mann von ihnen gefallen lassen müßte. Männer dürften sich nicht gegen Frauen wehren, wie ich mir sowas erlauben könnte. Gerade die körperliche Integrität, die sie für sich beanspruchen, gestehen sie Männern (ober überhaupt anderen Leuten, Frauen haben sie auch oft angerempelt) nicht zu. Doppelmoral.

Glaubwürdigkeit gleich Null. Eine fast reine Pöbel- und Rempelveranstaltung überwiegend übelriechender, abstoßender Leute, die jedenfalls auf mich keinen sonderlich geistigen Eindruck machten. Aber felsenfest davon überzeugt, daß sie alle Sexobjekte wären und Männer ständig versuchten, über sie herzufallen.

Ich respektiere den Slut Walk, aber wie bei einem Theaterstück geht selbst die beste Veranstaltung schief, wenn sie mit den falschen Leuten besetzt ist.

Diese dubiose Veranstaltung hatte bei mir aber schon einen ziemlich üblen Nachgeschmack hinterlassen, was den Umgang der Münchner Grünen mit dem Verhältnis zwischen Mann und Frau angeht. Die Sache mit den Redequoten hat heute dann den Rest erledigt.

21 Kommentare (RSS-Feed)

Entitaet
14.9.2011 2:10
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Sehr guter Beitrag. Meine Anmerkungen dazu:

Das, was du da im Kleinen beschreibst, wirkt für einen halbwegs kritischen Leser im Grunde nur noch lächerlich.

Die Grünen kann ich als politische Gruppierung inzwischen nur in sehr kleinen — beinahe homöopathischen — Teilen wirklich Ernst nehmen.

Dennoch ist heute viel so genanntes “grünes Gedankengut” quasi salonfähig geworden.
Das zeigte sich zuletzt sehr deutlich am Umgang mit und auch in der (Querschnitts-)Summe der veröffentlichten Meinung zu der Unfallserie in Fukushima im März d. Jahres, mit allen derzeit bekannten Folgen.
Manchmal kann ich nicht so viel essen, wie ich mich übergeben möchte.


Jens
14.9.2011 7:20
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Seit ich über Umwege mal auf dem “wunderbaren Blog” medienelite gelandet bin, habe ich mich immer gefragt, welcher Typ Mensch hinter Beiträgen wie http://medienelite.de/2011/08/25/slutwalks-und-solidaritat oder http://medienelite.de/2011/09/08/safer-spaces-redebeitrag-beim-berliner-slutwalk steht. Ich hatte gehofft meine Vorurteile nicht bestätigt zu bekommen. Scheint aber alles schlimmer als befürchtet.


Die Qualität Deiner Artikel scheint mit der Wut zu korrelieren. Wir sollten das mal untersuchen.

Nach dem Bachelor of hairdressing und dem Bachelor of carpentry jetzt der Bachelor of gender sorting?

Die Grünen sind schon lange nicht mehr wählbar. Es gibt keine wählbaren Parteien mehr. Man sollte gezielt Einzelkämpfer in das Parlament schicken, schon wegen dem Fraktionszwang.

Carsten

Von allen Despotismen ist der der Doktrinäre oder religiösen Erleuchteten der ärgste. Sie sind so eifersüchtig auf den Ruhm ihres Gottes und den Triumph ihrer Idee, daß ihnen kein Herz bleibt für die Freiheit, die Würde, nicht einmal für die Leiden der lebenden wirklichen Menschen.
Michail Alexandrowitsch Bakunin


EI
14.9.2011 8:44
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Das mit den Redelisten (und noch viel mehr) steht übrigens im “Frauenstatut” der Grünen: http://www.gruene-partei.de/cms/default/dok/15/15336.das_frauenstatut_von_buendnis_90die_grue.htm.


yasar
14.9.2011 9:13
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Vielleicht ist das der wahre Grund warum die Araber Ihre Mädels zum verhüllen zwingen. 🙂


yasar
14.9.2011 9:17
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Ernthafterer Nachtrag:

Eine Verhüllung hat in diesem Fall natürlich den Vorteil, daß ein Mann natürlich nicht so wie Du in die Verlegenheit kommt, nicht zu wissen, ob die Dame mit Ihren Möpsen Dich jetzt anmachen will, sich einfach nur ohne Hintergedanken bekloppt bekleidet oder sich von Dir belästigt fühlt, wenn Du auch dort hinschaust, was sie Dir zeigt.


Ein ganz hervorragender Beitrag!

– Excellent beobachtet
– höchst anschaulich geschildert
– scharfsinnig analysiert
– schlüssig argumentiert

Trotz der desillusionierenden Faktenlage: hoher Unterhaltungswert!


Flo
14.9.2011 16:36
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“Das mit den Redelisten (und noch viel mehr) steht übrigens im “Frauenstatut” der Grünen: http://www.gruene-partei.de/cms/default/dok/15/15336.das_frauenstatut_von_buendnis_90die_grue.htm.”

Das ist ja fast noch besser als Hadmuts Blogeintrag 😀

Oh man, ohne Worte -.-”

Hadmut, danke! 🙂


Die.Frau.vom_Josh @ _[°|°]_
14.9.2011 18:35
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Nun hat mich mein Männe erfolgreich auf Deine Seite gebracht, und dann das: Selten so gelacht vor einem Monitor, vielen Dank.
😉


_Josh @ _[°|°]_
14.9.2011 21:07
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Mir ist spontan das folgende Bonmot von Al Bundy eingefallen:

Eine fette Frau kam heute in den Schuhladen und wollte etwas für Weihnachten. Ich hab’ ihr gesagt, sie soll auf den Händen laufen, sich einen Weihnachtsstern in den Arsch schieben und als hässlichste Tanne der Welt gehen. Und die hat dann auch noch den Nerv sich zu beschweren, nur weil sie so fett ist.


Turtle
14.9.2011 21:52
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Das die Gruenen, und nicht nur die, idR eine sogenannte “quotierte ErstrednerInnen”-Liste haben ist ja nun nix Neues und eigentlich auch keinen Rant mehr wert.

Und wenn sich dicke Frauen in der Öffentlichkeit nackt zeigen wollen, ist das nicht unbedingt eine Erniedrigung. Der eigene Geschmack gilt eben nicht universal. Anständiges Verhalten würde man aber erwarten.


Hadmut
14.9.2011 22:04
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@Turtle: Ich wußte es nicht. Woher soll man sowas denn wissen?

Und soll man nur, weil es nicht mehr neu ist, keine Meinung mehr darüber haben dürfen?


rjb
15.9.2011 2:29
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@Carsten Thumulla, “Nach dem Bachelor of hairdressing und dem Bachelor of carpentry jetzt der Bachelor of gender sorting?”
Gibt’s doch, heißt nur ein bißchen anders. Z.B. hier:
http://www.sowi.ruhr-uni-bochum.de/genderstudies/


Anna Freud
15.9.2011 3:10
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Warum kümmern sich die Grünen nicht mal wieder mehr um schmelzende Polkappen??

Ich hab mal in dem Buch “Die Ordnung der Familie” (im Vorwort) einen tollen Satz gelesen, in etwa so: “Nur weil die Frauen in der Geschichte häufig von Männern unterdrückt wurden, darf man nicht unter den Teppich kehren, dass sie an dieser Unterdrückung auch immer wieder selbst mitgearbeitet haben.” (der Kontext im Buch ist die Vernichtung des Ammenwesens, woraus “die Mutter” als alleinige Herrscherin übers Kind hervorging, was bekanntermaßen heute wieder ein Problem von Frauen ist, weil schlechte Väter, keiner kümmert sich, Benachteligung allerinerziehender Mütter (und der seltener alleinerziehenden Väter) usw.)

Diese Redequoten-Sache nach Geschlecht ist für mich genau so ein “für die eigene Unterdrückung arbeiten”, weil es diese Geschlechtsfixiertheit, die die Unterdrückung _ist_, so dermaßen zementiert, dass es ein intellektueller Graus ist.

Ich hoffe ja, dass in 100-200 Jahren die Menschen auf unsere Zeit zurückschauen und sich ein zweites Loch in den Hintern lachen, weil wir so dümmliche Streiterein geführt haben.


@ Anna
Die Leute, die in 100 – 200 Jahren über uns lachen haben an ihren eigenen Ideologien zu knabbern. Sie sehen diese ebensowenig, wie wir, die über die Leute vor 100 – 200 Jahren lachen.

Man muß sich gegen Ideologien wehren. Die Masse kann das nicht. Sie ist im festen Griff der Massenmedien. Es wird so weitergehen.

Carsten

“Wir haben hier eine ganz verrückte Theorie vor uns. Die Frage ist nur,
ob sie verrückt genug ist, um richtig zu sein.” Nils Bohr


Werner
15.9.2011 10:51
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Zum Slut Walk, Frauenquote und dem Feminismus allgemein gibt es ein schönes Bonmot von Charles Bukowski: “Feminismus existiert nur, um hässliche Frauen in die Gesellschaft zu integrieren.” Wenn ich so mein Umfeld Revue passieren lasse, dann scheint was dran zu sein.


Felix aus Frankfurt
15.9.2011 10:53
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Ich persönlich finde auch schlimm, dass bei vielen Parteien die Listenplätze bei Wahlen quotiert nach Geschlecht vergeben werden und habe mal im Wahlkampf an einem grünen Wahlkampfstand zu einem Wahlkämpfer gesagt, dass ich seine Partei leider nicht wählen könne, weil ich sie aufgrund dieser (und anderer Tatsachen) für undemokratisch halte. Er konnte (oder wollte) meine Argumente aber nicht nachvollziehen.


slowtiger
15.9.2011 21:39
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Seit wann ist die Legitimität eines politischen Anliegens abhängig vom Aussehen derjenigen, die es vorbringen? Und, von “ungewaschen” und “zigarettenrauchend” einmal abgesehen, wer hat dich zum Richter über korrektes Körpergewicht, richtiges Schminken, passende Kleidung gemacht – vor allem aber darüber, wer “begrabschenswert” sei oder nicht?

“Wer Höflichkeit fordert, muß höflich sein” – soweit klar. Ich verstehe nur nicht, wieso du dermaßen aufs Aussehen abhebst, obwohl genau das eine der Kernforderungen des Slutwalks ist – nämlich Menschen nicht nach Aussehen oder Kleidung zu beurteilen bzw unterschiedlich zu behandeln.

Wenns dich nervt, dann geh dahin, wo du es nicht siehst. Auf der Straße geht das. Und wenn dich die Dekolletees deiner Kolleginnen nerven, so kannst du das durchaus mal freundlich zur Sprache bringen.


Hadmut
15.9.2011 21:48
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@slowtiger: Schwätzer!

Jeder kann rumlaufen, wie er will. Keiner muß schön sein. Aber so wie jeder rumlaufen kann, wie er will, darf ich auch eine Meinung haben, wie ich will. Und sie äußern. Und wer sich in einer Straßendemo exponiert, stellt sich damit zur Beurteilung, das ist ja gewollt.

Zweitens fühle ich mich beleidigt und angegriffen, wenn dort Leute mit dem Megaphon (oder auch in politischen Veranstaltungen) öffentlich rumposaunen, daß grundsätzlich alle Männer Sexualtäter, Vergewaltiger, Belästiger und alle Frauen Opfer sind. Wenn jemand einen solchen Vorwurf erhebt, der auch auf mich als Mann abzielt, dann darf ich auch entsprechend kommentieren und die Absurdität aufzeigen. Ich muß den Vorwurf nicht stillschweigend hinnehmen. Wenn Du Dich als sowas hinstellen lassen willst, bitte, kannst Du machen. Aber ich nicht.


Anna Freud
16.9.2011 18:47
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@ Carsten: Ich denke (und hoffe vielleicht ein wenig), der Unterschied liegt darin, dass die Menschen in 100-200 Jahren auch schon fast 300 jahre Fortschrittsideologie hinter sich haben. Kein Jahrhundert hat sich kollektiv für so dermaßen chosen und Spitze von allem und jedem gesehen wie das 20. Jh. das tat (das war geschichtlich das erste Mal so ein Wahnsinnsding inkl der Verkündiguung des Endes der Geschichte). In kaum einem Jahrhundert wurde so auf alles vorherige niedergeschaut wie im letzten. Hocchmut kommt aber vor dem Fall und naja, das mit dem Schaden und dem Spott ist ja auch bekannt. Jemand wie Jürgen Dahl hat das immer gut kommentiert. Naja und jemand wie Nitzsche hat sich drüber lustig gemacht, als es gerade noch in den Kinderschuhen war, aber gleich auch noch über alles, was daraus erwachsen würde.
Da wir heute noch an den Wirkungen diees “erhabensten aller jahrhunderte” ( 🙂 ) knabbern und an dem, was Heidegger mal “die Scham, ein Mensch zu sein” nannte (als Folge der ganzen Geschichte von ca. 1900- ca. 1950), ist das mit dem Lachen noch bissi was schwer. Aber ich bin mir sicher, das kommt. Nicht die Hoffnung stirbt zuletzt, sondern der Humor.


Hauke Laging
4.10.2011 15:18
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Fast alles im Zusammenhang mit Quotierung ist mir ein meiner Partei wirklich peinlich. Ich sehe da drei Hauptprobleme:

1) Die Frauen sind nicht bereit, sich auf die Hälfte der Macht zu beschränken. (Man stelle sich mal die maßlose Empörung vor, wäre das umgekehrt!)

2) Die Frauen sind nicht bereit, ihren fairen Beitrag zur Emanzipation zu leisten.

3) Die identitätsstiftende Quotierungsgeilheit hat den Blick für den Zusammenhang von einer Maßnahme und dem angestrebten Zweck völlig verdrängt.

Im Ergebnis geht es NICHT um Gleichberechtigung, sondern um die Bevorzugung von Frauen. Und zwar die absolute Bevorzugung (also unabhängig von einem niedrigeren Frauenanteil).

Die Rednerquotierung bei nicht geschlechtsrelevanten Themen (also solchen, bei denen nicht mal die Mehrheit der Frauen das behauptet) ist ja nur lächerlich. So richtig pervers wird es aber, wenn Rednerlisten geschlossen werden, weil keine Frau mehr reden will. Das ist keine Theorie, sondern Praxis. So wird eine Partei von einem Ort, an dem über Politik geredet wird, zu einem Ort, an dem das Reden über Politik anderen verwehrt wird. Man könnte zynisch Fragen, warum Frauen sich in Vorstände, auf Delegiertenplätze und in Parlamente wählen lassen, wenn bei 60+ Frauen im Raum auf dem letzten Berliner Parteitag der Grünen nach viel gutem Zureden vom Podium gerade mal drei Frauen (aus dem “Publikum”) Interesse daran haben, zum Thema des Parteitags zu reden? Das meine ich mit fairem Beitrag. Es ist keine Benachteiligung von Frauen, wenn mangels Alternative nur noch Männer weiterreden. Vielleicht sollte der Saal in Zukunft immer in Gelächter ausbrechen, wenn das Podium mal wieder nur einen Namen in der Frauenbox findet. Vielleicht wäre das hilfreich.

Es wird übrigens noch schlimmer. Solange Posten nicht bezahlt werden, finden sich normalerweise nicht mehr interessierte Frauen, als es Frauenplätze gibt (die anderen sind SELBSTVERSTÄNDLICH, denn es geht ja NICHT um GLEICHberechtigung, keine Männerplätze, sondern “offene Plätze). Das führt dazu, dass man als Frau, nicht de jure, aber de facto automatisch gewählt wird. Egal, wie ungeeignet. So reproduziert lustigerweise ausgerechnet die Quote das Klischee, dass Frauen in Führungspositionen weniger auf die Reihe bekommen: Weil oft genug jede Frau, die man irgendwie überreden konnte, dort neben den besten aus einer Auswahl von Männern steht. Und den Vergleich natürlich verliert. Meines Erachtens ist die Quote nur zu retten, wenn man sie an die Anzahl der Kandidatinnen koppelt: Wenn vier Frauenplätze vorgesehen sind, aber nur vier Frauen antreten, dann wird die Anzahl der Frauenplätze auf drei reduziert. Auswahl muss sein, ansonsten geht die Quote in perversem Umfang zu Lasten der Demokratie.

Es gibt übrigens noch die Strategie “Listenquotierung für Fortgeschrittene”, die geht so: Man nimmt eine Einzellliste (Delegierte für Landes- oder Bundesparteitage) und teile die in viele kleine Schnipsel auf, von denen man dann behaupte, es seien alles einzelne Listen, die wiederum (völlig unabhängig von allen anderen) quotiert werden müssten. Jeder ungerade Schnipsel ist dann eine Frau mehr. Betrachten wir zwei etwa gleich große Kreisverbände, beide stellen vier Delegierte. Fast immer wird die Folge sein, dass beide zusammen vier Männer und vier Frauen aufstellen. Wechseln nun einige Mitglieder von dem einen Kreisverband in den anderen, dann hat der eine nur noch vier, der andere aber fünf Delegierte. Im Ergebnis werden dann fünf Frauen und drei Männer aufgestellt. Bei jeder Wahl.

Angesichts solcher Ungeheuerlichkeiten erscheint schon nachrangig, dass die Frauenförderer bei den Grünen in den letzten Jahrzehnten nichts Substanzielles auf die Reihe bekommen haben, um diese peinliche Gesamtsituation zu verbessern. Man hat ja die Quote. Warum soll man sich kümmern und sie dadurch irgendwann abschaffen? Ja, da müsste man, äh, frau schon bescheuert sein. Oder sich nicht als was Besseres ansehen.

Die wahre Schande ist aber: Es wird dieser ganze Zirkus veranstaltet, obwohl Frauen bei den Grünen nicht diskriminiert werden.

Ich wurde neulich auf ein feministisches Blog gelotst, das sich mit dieser Frage befasst (bzw. der Artikel) und habe auch da ein paar Kommentare verfasst:

http://antjeschrupp.com/2011/09/19/die-etablierten-parteien-die-piraten-und-die-frauen