Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

GPS in China: Stimmt die Google-Karte oder das Satellitenbild?

Hadmut
26.7.2011 13:44

Kennt sich jemand mit GPS in China aus?

Ich war vor zwei Jahren mal in Peking, habe aber damals bewußt mein GPS zuhause gelassen. Ich habe damals irgendwo gelesen, daß der Einsatz von GPS-Geräten in China verboten sei und daß amerikanische Studenten, die die Folgen des Erdbebens in China untersuchten und dazu GPS-Geräte dabei hatten, höllischen Ärger bekamen, obwohl sie eine behördliche Erlaubnis dafür hatten. Weil die Erlaubnis nur einer Behörde dafür nicht reicht. Und mir das Reisebüro damals auch dringend davon abgeraten hat, es darauf ankommen zu lassen. Der Hintergrund ist wohl, daß China aus militärischen und polizeilichen Gründen keine genauen Landkarten erlauben will.

Seltsamerweise sind in Peking dann jede Menge Leute mit Navigationssystem an der Scheibe herumgefahren, ich habe auch Touristen mit GPS herumlaufen sehen, und keiner der Polizisten oder Soldaten hat sich irgendwie dafür interessiert. Und obwohl wir in so einem behördlich vermittelten (und mit Sicherheit überwachten) Touristen-Luxus-Hotel mit offizieller Wechselstube, offiziellem Internet-Zugang usw. untergebracht waren (wo ich also erwarten würde, daß die alle Vorschriften piepexakt einhalten), lagen da in den Zimmern sogar Werbezettel über einen GPS-/Naviverleih. Man scheint sich wohl nicht generell daran zu stören, aber es gerne als Vorwand zu nehmen, wenn man sich an etwas stören will.

Jedenfalls habe ich hinterher versucht die Orte, an denen die Reisegruppe damals war, aus der Erinnerung und mittels Namen, Google usw. auf Googlemaps wiederzufinden. Und dabei festgestellt, daß die Google-Maps Straßenkarte gegenüber dem Google-Maps Satellitenbild von Peking mehrere hundert Meter in Ost-West-Richtung verschoben war. Beruht meines Wissens auch auf den gesetzlichen Vorgaben aus Peking.

Generell tendiere ich daher dazu, meine Orte anhand der Karten-Koordinaten zu notieren, egal ob sie stimmen oder nicht, weil man sie auf den Karten leichter wiederfindet.

Die Frage ist aber: Weiß irgendwer hier, ob die Karten oder die Satellitenfotos mit den wirklichen Koordinaten übereinstimmen?

16 Kommentare (RSS-Feed)

anonym
26.7.2011 14:57
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“Weil die Erlaubnis nur einer Behörde dafür nicht reicht.”

Erinnert mich an den Lonely-Planet-Eintrag über irgendeine Wüstentour.

“You need an endless number of permits: military permit, mountain permit, foreign policy permit, … XY can organise them for you.”


anonym
26.7.2011 15:21
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Hadmut
26.7.2011 15:23
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Ja, genau das.


schigger
26.7.2011 20:54
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Mh, ohne es jetzt genau zu wissen, tendiere ich dazu, dass die Karte wohl die genauere Angabe ist, und zwar aus folgenden Gründen:

1. Wenn Navigationsgeräte in China funktionieren, so müssen die eingebauten Straßendaten mit den tatsächlichen zumindest halbwegs übereinstimmen. Ich vermute jetzt einfach mal, dass auch die z.B. in Android-Handys eingebaute Navigationsfunktion geht – und die benutzt Maps. Wenn Google hier also nicht zwei verschiedene Versionen ausliefert (und die Funktion in China verfügbar ist) – wird die Straßenkarte wohl eher stimmen.
2. Eine Karte lässt sich leichter “korrigieren” als ein Satellitenbild – wenn aus einer Karte ein vermeintlich militärisch wichtiges Objekt verschwindet, fällt einem das nur auf, wenn man davor steht. Ein Satellitenphoto auf diese Weise zu modifizieren dürfte sehr umständlich sein, zumal es in China wahrscheinlich ständig auf Zuruf der Behörden geschehen müsste.

Sind zwar auch nur Vermutungen, aber nicht ganz unbegründet denke ich.


kryptart
26.7.2011 22:24
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Karten basieren auf einer bestimmten Projektion und geben die Realität entsprechend verzerrt wieder. Landkarten sind eher flächentreu, Seekarten aus naheliegenden Gründen winkeltreu.
Satellitenbilder bzw. Luftaufnahmen und Karte stimmen zumindest theoretisch dann überein, wenn die Aufnahmen an die entsprechende Projektion angepaßt werden, das ist aufwendig und nicht ganz einfach.
Daher passen die Aufnahmen, die man als Normalbürger zu sehen bekommt, eher schlecht zu den Karten. Ich nehme an, daß das bei Aufnahmen für militärische Zwecke anders ist.
Aufnahmen für die Landvermessung jedenfalls werden extrem genau über einem Koordinatenraster entzerrt. Dementsprechend sollten GPS-Daten mit der Karte übereinstimmen, mit Satellitenaufnahmen hingegen nicht unbedingt.
Was GoogleEarth/GoogleMaps angeht, ich vermute die passen die Richtigkeit von Fall zu Fall an, auf welche Weise sie das tun oder lassen, weiß nur Google.


Hadmut
26.7.2011 22:33
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@kryptart: Hilft hier aber überhaupt nicht weiter, denn Du hebst auf die Kartenprojektion ab. Die Googlemaps Karten und Satellitenfotos sind aber einheitlich auf Mercator mit gleichen Parametern gerechnet, und das ergibt sich weder aus Foto/Karte noch aus See/Land ein Unterschied. Im Rest der Welt sind die ja auch deckungsgleich gerechnet.

Nur in China sind sie eben gegeneinander verschoben.

(Wobei man man an den Grenzen zu anderen Ländern prüfen könnte, ob die Karte oder das Satellitenbild einen Sprung macht.)


kryptart
26.7.2011 22:51
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Das meine ich ja, das weiß nur Google.
Ich nehme an, die treffen mit Staaten als auch Institutionen (z.B. Geheimdiensten) bestimmte Absprachen zu bestimmten Regionen/Objekten, vielleicht hat China verlangt alles einfach um x Meter zu verschieben.
Der Sinn von solchen Aktionen ist sowieso in jeder Hinsicht zweifelhaft, schon allein weil es jeder merkt, der mal einen genaueren Blick auf die Karte wirft.


Werner
26.7.2011 23:50
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@Hadmut: Das Satellitenbild macht keine Sprünge, aber die Natur. 🙂 Ich habe die Stelle gefunden, wo der nächste ICE entgleisen wird. (In der Nähe habe ich mal gewohnt und meine Fahrradtouren auf der Karte verfolgt, deshalb habe ich das gefunden.) Gib in maps.google.com ein:
Festhallenbrücke, Haltingen, Weil am Rhein, Deutschland
und guck Dir den Schienenverlauf unter der Brücke an. Interessant. (In Rußland sind die Schienen nur unwesentlich gerader.)


Hadmut
26.7.2011 23:56
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@Werner: Na, das läßt sich halt einfach nicht vermeiden, wenn Satellitenfotos, die aus verschiedenen Blickwinkeln aufgenommen wurden, zusammengepackt werden müssen. Das ist ja noch gering, weil der Versatz nur ungefähr ein Meter ist. Da hab ich schon schlimmeres gesehen (und selbst bei Panoramaaufnahmen aus der Hand mehr Murks produziert).

Gib mal “Peking Verbotene Stadt ein” , lass es in der Skalierung, daß sie etwa ein Drittel der Bildschirmhöhe einnimmt (das rechteckige Gelände mit Mauern und Wasser außenrum) und klick dann zwischen Karte und Satellitenfoto hin und her. Da siehst Du mal eine ganze Stadt zur Seite hüpfen.

(Was übrigens den Verdacht nahelegt, daß die Fotos korrekt und die Karten falsch sind)


kryptart
27.7.2011 0:38
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Tja, seit es halbwegs genaue Karten gibt, sind sie auch manipuliert und/oder geheim gehalten worden.
Die allgemeine Verbreitung von Satellitenaufnahmen und internationalen GPS-basierten Kartendienste dürfte für einige Leute/Institutionen ein ziemlicher Schlag ins Kontor gewesen sein.


Marc
27.7.2011 0:41
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Gut zu wissen, meine Schwester plant aktuell eine Asienreise mit dem Bulli (Indien-China-Russland).
Es war vorgesehen die ganze Tour über einen GPS-Tracker die Route plotten zu lassen, für China werden die sich jetzt definitiv nochmal informieren.


aga80
27.7.2011 9:07
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Wenn ich mir den Nachfolger, des Nachfolgers meiner Kamera anschaue, werden GPS Daten in Kameras in absehbarer Zeit zum Standard.
Je nach Anwendungsprofil, währen da gescheite Karten schon was feines.

http://tiny.cc/tda9p

Ich fände es nicht schön, wenn in Zukunft Touris in div Ländern verhaftet werden, weil sie diese Dienste auch nutzen möchten und das GPS mitloggen lassen.


Werner
27.7.2011 22:11
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“Peking Verbotene Stadt” – Interessant. Aber ich habe noch etwas gefunden. Normalerweise kann man bei Google Maps in der Kartenansicht “Labels” anklicken und bekommt dann den Straßenverlauf mit den Straßennamen über die Karte gelegt. Da gibt es in Deutschland respektive Mitteleuropa immer einen kleinen Versatz. Ich denke, daß dieser Versatz daher kommt, daß der Straßenverlauf aus amtlichen Geodaten entnommen ist und Google die nicht deckungsgleich mit den Satellitenbildern hinbekommt. Für Peking (den Rest Chinas habe ich nicht getestet) ist jedoch “Labels” gesperrt! Wahrscheinlich hat bei Google jemand gemerkt, daß die Diskrepanz zu groß ist und die Funktion gesperrt.


Christian
2.8.2011 2:14
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Hallo Hadmut,

bin etwas spät dran (da gerade auf Reisen), aber ich hoffe, die Info hilft dir trotzdem weiter. Es die Google-Karten, die verschoben sind. Man erkennt das schon daran, dass die Satellitenbilder ggü. den Karten verschoben sind.

Ich lebe in China, und OffMaps/OffMaps2 (zwei auf OSM basierende iPhone-Apps) sind für mich wichtige Hilfsmittel hier. Beide funktionieren per GPS sehr gut. Aus der App lassen sich Koordinatenlinks per Mail verschicken. Auf OSM zeigen die Koordinaten auf den richtigen Ort, auf Google Satellitenbilder auch, auf der Karte ist der Zielort immer verschoben. Es gibt teilweise sogar chinesische Apps, die diesen Verschiebung ausgleichen.

Warum das so ist? Keine Ahnung.

Übrigens brauchen Kartendienste in China eine Lizenz, und in neuester Zeit greift die Regierung da auch etwas härter durch und hat einige lokale Dienste abgeschaltet, die ohne Lizenz operierten. M.W. hat Google allerdings eine solche Lizenz.


Hadmut
2.8.2011 10:32
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@Christian: Dann ist die Verschiebung sicherlich Auflage der Lizenz. Danke!


Christian
2.8.2011 15:14
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Hadmut, ganz so leicht ist es nicht. Chinesische Dienste weisen die Verschiebung nicht auf… Bing etc. habe ich noch nicht probiert.