Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Marathon

Hadmut
24.9.2017 11:20

Draußen laufen jede Menge Leute vorbei.

Nachdem der Berlin-Marathon direkt hier vorbeiführte, und ich das zwar warum und trocken von meinem Küchenfenster aus hätte sehen können, aber zu klein, habe ich mich vorhin mal an die Straße gestellt.

Im Fernsehen sieht man nur noch zwei an der Spitze, aber vorhin war es noch eine ganze Spitzengruppe – alles Afrikaner. Und dann kam erst mal eine Weile niemand mehr. Das merkt man auch als Laie direkt, dass die da ein ganz anderes Leistungsniveau bringen.

Mir ist aber etwas anderes aufgefallen: Die Laufstile.

Oder etwas direkter gesagt: Die Vielfalt der Laufstile.

Bei vielen, vor allem Profi-Läufern, sieht man, dass deren Körperschwerpunkt kaum von einer geraden, linearen Bewegung abweicht, fast als würden sie auf Schienen fahren.

Wisst Ihr, woran die mich erinnern?

Kängurus.

Man denkt immer, Kängurus würden durch die Gegend hüpfen, und manchmal tun sie das auch (ich hab mal so ein ganz kleines, kaum mehr als Knie-hoch, ganz locker über einen ca. 2,30 hohen Zaun springen sehen, als wäre es gar nichts). Wenn man aber mal Filmaufnahmen von großen Kängurus sieht, die mit hoher Geschwindigkeit weite Strecken rennen, dann geht bei denen der Schwerpunkt auch nicht rauf oder runter, sondern bewegt sich fast auf einer Höhe mit praktisch konstanter Geschwindigkeit, und das Auf und Ab der schweren, weil muskulösen Beine wird ausgeglichen durch ein Gegen-Auf-und-Ab des als Gegengewicht ebenfalls großen Schwanzes. Man hat errechnet, dass die Viecher unglaublich energiesparend weite Strecken zurücklegen können.

Auch bei Amateuren sieht man das, aber da findet man dann auch Leute, die regelrecht hüpfen, die im Prinzip so eine Girlandenlinie (oder die Linie eines exzentrischen Punktes auf einem rollenden Rad) ziehen, und jeden Schritt hoch und runterspringen. Nicht nur Energieverschwendung, sondern auch Gift für die Gelenke. Ein Ex-Kollege hat sich damit mal einen Ermüdungsbruch eingehandelt.

Generell sollte man manchen Leuten im eigenen Interesse empfehlen, mal Lauftrainer für den Bewegungsablauf zu konsultieren.

Was mich auch mal interessieren würde: Kann es die Läufer eigentlich beeinträchtigen, wenn vor ihnen her ein Motorrad und sie dessen Abgabe einatmen? Bei den Bahnradfahrern gibt es ja in manchen Disziplinen mit fliegendem Start ein Bahnenmotorrad. Früher haben die wüst geknattert, inzwischen sind sie elektrisch. Warum also werden bei solchen Veranstaltungen nicht Elektrofahrzeuge eingesetzt? Gibt ja auch elektrische Motorräder.

Kurios ist die Methode, wenn jemand über die Straße will und den Pulk queren will. Es gibt natürlich immer Spinner, vorhin habe ich eine Frau gesehen, die sich zum Zugucken am Straßenrand in Laufklamotten warf, und als es ihr reichte, einfach quer durch die Läufer lief. (Ist mir beim Nachtskaten mal passiert, dass da einfach eine quer durchrannte, ich konnte gerade noch ausweichen, aber andere stürzten.) Dann leiten sie die Leute mit viel Bohai und Fähnchen und roten Seilen erst auf einer Seite der Verkehrsinsel vorbei, damit Fußgänger die dann freie Seite überqueren können, und dann mit neuem Theater die Läufer auf die andere Seite der Verkehrsinsel umzuleiten.

Erstaunlich auch, wie sich das in die Länge zieht. Im Fernsehen sieht man, dass die Spitze gerade auf das Ziel zuläuft, während hier bei Kilometer 14 die Straße noch voll ist.

Was mir als Zuschauer auf die (unbeachtlichen) Nerven ging: Wenn Leute (hier: die Ordner) am Rand stehen und wie die Bekloppten in Trillerpfeifen blasen und ohrenschmerzenden Krach machen.

Keine Ahnung, ob die Läufer das positiv, negativ oder gar nicht auffassen. Aber mich würde es stören.