Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Der Negativ-Wahlkampf

Hadmut
24.9.2017 12:12

Geht mir gerade fürchterlich auf die Nerven.

Wahlkampf ist für mich eigentlich eine Art Wettbewerb.

Jeder soll(te) darstellen, was er kann und was wer will und warum man ihn wählen sollte. So wie ich mir im Restaurant bestelle oder im Supermarkt kaufe, was ich haben will. Da steht dies und jenes im Angebot, und dann wählt man, was einem am meisten zusagt.

Draußen findet gerade der Berlin-Marathon statt. Da rennt jeder für sich und so schnell er kann. Und es gewinnt einfach der, der am schnellsten rennt. Ist bei Wettrennen eben so.

Dieses Jahr hauen sie aber alle auf die Wähler ein, wen sie nicht wählen sollen.

SPIEGEL Online dreht gerade durch und schreibt, wen man warum auf keinen Fall wählen soll und warum alle vermeintlichen Gründe falsch sind.

Hier im Treppenhaus des Wohnhauses liegen solche Karten aus:

Kein so wirklich greifbares Impressum, ein obskurer „Artists Without a Cause e.V., Skalitzer Str. 10997 Berlin“ wird als Adresse angegeben, nicht mal mit Hausnummer. Laut Whois haben sie Hausnummer 200,

Und so weiter und so weiter.

Das ist nach meinem Empfinden kein Wettbewerb und damit keine demokratische Wahl. Mich stört diese Art des Wahlkampfes ganz enorm. Wenn mir jemand positiv sagt, dass ich die Partei X wählen soll, dann weiß ich, wo das her kommt, nämlich aus dem Umfeld der Partei X, oder zumindest gibt derjenige zu erkennen, was er will.

Wenn aber jemand nur noch damit kommt, dass ich Y nicht wählen soll, dann ist nicht mehr erkennbar, was derjenige im Schilde führt und welche und wessen Interessen und Absichten er verfolgt. Und das geht nach meinem Empfinden in einem Wahlkampf gar nicht. Meines Erachtens gibt es bei einer Wahl ein Wahlgeheimnis nur auf Seiten des Wählers, bei der aktiven Wahl. Auf der Seite der Gewählten, des passiven Wahlrechts, darf es nach meinem Verständnis solche Heimlichtuerei nicht geben. Das ist nicht das, was ich unter Demokratie verstehe.

Mich beunruhigt daran noch etwas anderes:

Es treten ja nun eine ganze Menge Parteien an, viele irrelevant, die Großen dürften wohl CDU/CSU, SPD, Grüne, Linke, FDP, AfD sein. Also letztlich 6 nennenswerte Bewerber.

Das wird aber zugespitzt auf „Demokraten gegen AfD“. Das heißt, dass CDU/CSU, SPD, Grüne, Linke, FDP im Prinzip zu einem Klotz, einem Kartell verschmelzen, die sich auch von ihren Aussagen nicht mehr unterscheiden. Zieht man davon jetzt AfD ab, die man ja nicht wählen kann, darf, soll, will, wie auch immer, dann heißt das, dass im Ergebnis keine Wahl mehr bleibt.

Ich weiß nicht, wofür CDU, Grüne, FDP stehen, außer für leere Phrasen. Die SPD steht für „Gerechtigkeit“, und alles, was ich dem entnehmen kann, ist, dass sie Leuten wie mir Geld wegnehmen und die Karriere kaputtmachen wollen.

Ich weiß an keiner Stelle, was ich positiv wähle, wofür ich mich entscheide, wenn ich da irgendwo ein Kreuz mache.

Ich hege die Befürchtung, dass sie es nicht einmal selbst wissen, aber irre Angst vor einem Machtverlust haben.