Ansichten eines Informatikers

Das elementare Problem des akademischen Gesichts- und Existenzverlustes

Hadmut
12.9.2017 23:18

Wie sich die Hochschulen in eine unlösbare Sackgassensituation gefahren haben.

Im Areo Magazine schreibt eine Lawrence Belluci
über seine Erfahrungen im postmodernen PhD-Programm einer brasilianischen Stadt.

Ein Problem ist auch da, dass sie eine Ideologie, einen Kult um ihre Gurus aufgebaut haben:

People like Derrida, Foucault, Deleuze and other French “intellectuals” are virtually worshipped as gods throughout the humanities. Personally, I have always been skeptical of the French intelligentsia, and that was part of the reason why I’d given up graduating in psychology — a field where, to my surprise, postmodernism was endemic. Eventually, I graduated in law, a subject that was comparatively free of the nonsense.

Er zeigt auf, dass nicht mal die Postmodernisten selbst sagen können, was sie da machen und was das sein soll, weil jeder etwas anderes darunter versteht, aber er sieht eine fatale Gemeinsamkeit:

While there are several distinctions and divergences amongst authors, there is a single characteristic that is common to all postmodernists: they have very loose standards for valid justifications. During most of the history of philosophy, it was accepted that when you put forth an idea, you should argue for its validity. It was also common sense that the stronger the argument, the easier it would be convincing others of the idea’s validity.

The so called postmodernists had a different view on the matter. They apparently thought that all this arguing is too much of a hassle, so they decided to make it simpler by drastically lowering the standards of what should count as an argument. That is why you can find sentences such as: “It is the horizon itself that is in movement: the relative horizon recedes when the subject advances, but on the plane of immanence we are always and already on the absolute horizon.” (That is an actual sentence from What is Philosophy, by the French duo Deleuze and Guattari.) The first and most obvious thing about this sentence is how convoluted and apparently meaningless it is. But while there are ways by which one can navigate the jargon and find some meaning in these words, there is no justification for it; no argument to demonstrate that “on the plane of immanence we are on the absolute horizon.”

Bedeutungsloses Gerede, das nie bewiesen wird. Entspricht in weiten Teilen auch unseren Geisteswissenschaften. Und es ist der Grund, warum man aus dem Bundesverfassungsgericht heraus die Promotionsanforderungen nicht anerkannt hat, denn sowas funktioniert eben nur in völliger Abwesenheit jeder Anforderungen.

Eine wichtige Frage ist, was „Professoren“ eigentlich dazu bringt, auf solchen Unfug hereinzufallen:

So that does bring up the question of why anyone would accept this type of thinking. Why have so many professors accepted that someone could dispense themselves from the burden of arguing their own ideas? Quite simply, if you do accept that Foucault or Deleuze’s ideas need little or no justification, then your ideas need little or no justification as well. And that is an offer many people would not (and did not) refuse.

Das erklärt aber nur die Frühzeit der Entwicklung. Inzwischen habe wir das entgegengesetze Problem: Nämlich nicht mehr, dass Professoren dumm wurden, sondern dass man Dumme zu Professoren gemacht hat. Die waren erst wissenschaftsunfähig, und wurden dann zu Professoren gemacht. Und das zeigt sich dann unmittelbar in der Symptomatik akademischer Unfähigkeit:

Another point that I think is often neglected is that postmodern academics are not opposed in principle to debate; they are just very, very, bad at it. When addressing a group of converts, in general, a professor or a lecturer will attempt to use common sense, comprehensible arguments at first. That will normally go on without problems as most candidates already agree with the ideas being presented, but, eventually, someone (mostly myself) will disagree.

This may surprise some of you, but postmodern academics are virtually incapable of defending their ideas. In retrospect, that should be obvious; the French offered a set of rhetorical tools that would allow anyone to appear knowledgeable without actually having knowledge and avoid debate by hiding behind jargon and simple formulaic sentences — who would be more attracted by this offer than people who have a hard time with knowledge and debate?

Unfortunately for the postmodern activist, their main tool — epistemic relativism (the idea that truth is a construct dependent upon some subjective factor, such as one’s culture) may be efficient to silence opposition, but is nothing but a hindrance when attempting to actually coordinate with others to achieve something. That is obvious when we think about it: if all ideas have the same value, what would be the point of saying anything?

Auch das schon oft Thema hier im Blog: Die Inkompetenten machen es sich einfach, indem sie einfach jede beliebige Behauptung als gleichwertig hinstellen und damit beliebigen Senf behaupten können.

Und daraus ergibt sich dort, mehr aber noch hier, weil wir Professoren verbeamten, ein ganz enormes Problem:

I don’t mean to be too harsh. Most of my colleagues and professors are very good, decent people, whom I appreciate on a personal level. But it must be understood, especially by those opposing postmodern ideas, that it is not a matter of simply convincing gender theorists and post-structuralists to let go of their false beliefs and join the rational conversation — if these academics let go of the postmodern faith, they will have nothing left to justify their professorships and research grants.

Das ist ein katastrophales Problem. Wissenschaftler machen Fehler. Stellt sich etwas als Fehler heraus, dann machen sie halt was anderes. Wissenschaftler sind aufgrund ihrer Kenntnis wissenschaftlichen Arbeitens im Grunde genommen ziemlich flexibel und ungebunden, sie können sich im Rahmen ihrer Sachkunde und wissenschaftlichen Ausrichtung weit bewegen, und es stellt auch keine wesentliche Hürde dar, sich in die Methodik benachbarter Fächer einzuarbeiten, um noch weiter zu gehen.

Postmodernisten aber können gar nichts.

Wenn man denen sagt, sie sollten mit dem postmodernen Blödsinn aufhören, haben sie nicht mal mehr etwas, womit sie noch vortäuschen könnten, etwas zu tun. Wissenschaftlich arbeiten können die nicht.

Das ist insbesondere in Deutschland eine absolut verfahrene Situation, weil die Universitäten, Fakultäten, Lehrstühle ja nur über eine begrenzte Zahl von Professuren und begrenzte Forschungsgelder verfügen. Man bekommt diese Leute aber nicht dazu, etwas anderes zu tun, denn wer mit 30, 40, 50 noch so unbeschreiblich dumm ist, auf diesen Unfug hereinzufallen, der wird es nie mehr schaffen, noch wissenschaftlich zu arbeiten. Die Stellen sind wissenschaftlich praktisch tot bis zum Eintritt der Pensionierung.

Feuern kann man die Leute auch nicht. Unkündbar. Natürlich gibt es im Beamtenrecht schon die Möglichkeit, jemanden zu feuern, wenn er seine Aufgaben nicht (mehr) erfüllt. Das ist aber dann schwierig, wenn man die Leute schon von vornherein eingestellt hat, um Blödsinn zu treiben. Bei einem herkömmlichen Professor könnte man noch sagen, der ist durchgeknallt, den können wir nicht mehr brauchen. Aber wenn es zum Streit mit einer Postmodernistin/Genderistin kommt, und die Sache vor Gericht geht, dann wird das Gericht zuallererst mal in die Stellenbeschreibung sehen, die der Ausschreibung und Auswahl zugrundegelegt wurde. Und wenn da von vornherein drinsteht „Labert dummes Zeug für W3“, dann wird das schwierig. Sehr schwierig.

Zu entscheiden, dass die dann lebenslang bezahlt werden, aber einfach gar nichts mehr machen, geht auch nicht, es muss ja zumindest ein Lehrdeputat vorgetäuscht werden, denn wie sollte man das einer Bevölkerung erklären, dass völlig unfähige Leute auf Lebenszeit als Professoren verbeamtet werden, die einfach nichts können und auch nichts mehr tun müssen?

Die Universitäten haben sich eine mächtige Ladung radioaktiven Sondermülls in die Bude geholt, sie können nicht mit ihm leben, sie können nicht ohne ihn leben, und austauschen oder loswerden können sie ihn auch nicht mehr.

Und der Steuerzahler zahlt’s.

Schöne neue Welt.

Wer finanziert sowas? Der Steuerzahler.