Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Elektroautos im Katastrophenfall

Hadmut
10.9.2017 13:01

Aktuelles Ereignis zum Nachdenken.

Ein Leser brachte mich auf den Gedanken: In den USA sieht man doch gerade die Massenflucht aus Florida, es gab ja auch jede Menge Berichte von Leuten, die da mit Fliegern und öffentlichen Verkehrsmitteln nicht mehr rausgekommen sind.

Man solle sich nun mal überlegen, was da los wäre, wenn die jetzt alle Teslas oder ähnliche Elektroautos hätten.

Überlegen wir mal:

Unterstellen wir, dass der Tankfüllstand zufällig gleichverteilt ist, dürften die meisten PKW in der Regel einen im Durchschnitt halb vollen Tank haben, vor so einer Katastrophe mit Ansage vielleicht auch besser aufgetankt. Man könnte also mit jedem funktionsfähigen Auto, das herumsteht, im Mittel so ungefähr 250 bis 400 Kilometer fahren. Florida ist etwa 800 Kilometer lang, für viele Bewohner (wohnen ja nicht alle ganz unten) mit einem spritsparenden Auto (ich weiß, USA…) käme man also mit quasi einer Tankfüllung und autark (von den Staus mal abgesehen) aus Florida heraus nach Norden.

Selbst wenn der Füllstand nicht reicht: Energie durch Benzin und Diesel ist mit wenig Aufwand portabel, kann mit Tanklastwagen transportiert und leicht umgefüllt werden, man kann da immer etwas improvisieren oder bestehende Tankstellen behelfsmäßig – notfalls durch das Militär – wieder auffüllen und im Notbetrieb mit Generator betreiben. (Ich habe mal vor 20 Jahren mit leerem Tank an einer Tankstelle gestanden, an der der Strom ausgefallen war. Sie hatten aber noch die älteren Zapfsäulen mit mechanischer Anzeige. Der machte die Klappe auf, steckte eine Kurbel rein und hat mir 10 Liter gekurbelt, damit ich erst mal weiter komme.)

Was aber ist mit Elektroautos?

Da kann man nicht einfach so geladene Akkus durch die Gegend fahren. Die Reichweiten sind mäßig, damit kommt man im Mittel dann vielleicht 100 bis 200 Kilometer (und das auch eher nicht vollgeladen), dann müssen die lange laden und dafür brauchen die enorme Infrastruktur.

Stellt Euch vor, ganz Florida hängt seine Elektroautos zum laden an das Stromnetz. Völlig egal, ist eh zusammengebrochen.

Das könnte sich in der Krise zum echten Problem entwickeln. Obwohl gerade Florida da auch eine Lösung haben könnte. Wenn nämlich jeder Autobesitzer sein Hausdach mit Solarzellen zupflastert, könnten Elektroautos bei der dortigen Sonnenintensität (die es nunmal nicht überall gibt) dezentral und ohne Stromnetz trotzdem geladen werden. Jedenfalls, solange man noch Haus, Dach und Solarzellen drauf hat. Was viele dann eben nicht mehr haben werden.

Bei WELT läuft gerade so eine seltsame Live-Übertragung, in der jemand wortlos im Auto mit laufendem Scheibenwischer durch das menschenleere stürmische Miami fährt. Abgesehen von der Frage, was das bringen soll, war unklar, warum jemand so bekloppt ist, das zu tun (es sei denn, es ist ein Polizeiauto oder sowas, das patroullieren muss).

Das wäre natürlich ein Brüller, wenn in solchen Fällen autarke Fahrzeuge patroullieren und Hilfsmittel wie Wasser, Kettensägen und so weiter mitführen und Leute aufnehmen könnte. Wobei autarke Fahrzeuge gerade unter solchen Wetterbedingungen und Trümmern auf den Straßen völlig überfordert sein dürften.