Wie macht NiUS das nur?
Eine Antwort darauf, was ich mich schon gefragt habe?
So ein Blog zu betreiben und zu befüllen ist ja schon eine Menge Arbeit. Mich hält das schon auf Trab, wobei ich gerne einräumen will, dass ich nicht mehr so leistungsfähig bin wie vor 20 Jahren, aber immerhin bin ich damit ja auch meist alle 365 Tage im Jahr beschäftigt, und weiß, dass mir die Arbeitszeit hinten und vorne nicht reicht.
Und dann kommt einer wie Reichelt mit NiUS daher und stampft eine Riesen-Medienplattform mit jeder Menge Texten, Videoproduktion, Fernsehstudio und so weiter aus dem Boden, macht nahezu einen ganzen Fernsehsender auf.
Ich habe mir schon überlegt, warum der das kann und ich nicht. Gut, nun ist der jünger und Berufsjournalist, war Chefredakteur oder so etwas bei BILD, kennt die Leute, kennt die Methoden, kennt das Geschäft, hat einen Namen.
Trotzdem: Das muss ja alles erst einmal finanziert werden, und all die Bildrechte müssen eingekauft werden, die ganzen Graphiken gemacht, die Videos geschnitten, das Studio gebaut, die Kameras bedient … Leute, das ist eine Menge Arbeit. Das kostet. Das muss man erst einmal verdienen. Und viele Online-Medien haben große Schwierigkeiten, das Geld noch reinzubekommen.
Ich achte ja selbst darauf, dass ich mit den Ausgaben im Rahmen dessen bleibe, was ich mit dem Blog auch reinholen kann, weshalb ich keine Angestellten habe, keine Agenturfotos verwende und so weiter.
Nun gab es ja schon Hinweise, dass da ein Millionär mit der Geldspritze steht. Da dachte ich mir, na, gut, wenn mir einer die Millionen hinlegt und ich das einfach einkaufen kann, dann kann ich das auch. Leute einzustellen, die einem das alles machen, ist so schwer dann nicht.
Ich glaube dem SPIEGEL zwar grundsätzlich nichts mehr ungeprüft, aber nehme zur Kenntnis, wen und was die angreifen.
Das Unternehmen hinter dem rechtspopulistischen Portal »Nius« hat im Jahr 2024 seine Verluste ausgeweitet. Die Firma gehört dem früheren »Bild«-Chefredakteur Julian Reichelt und einem Multimillionär. https://t.co/95Gn3wI0wH
— DER SPIEGEL (@derspiegel) May 19, 2026
Die Dachgesellschaft Vius, die das Rechts-außen-Portal »Nius« betreibt, hatte im dritten Jahr von dessen Bestehen noch mehr Verlust gemacht als in den Vorjahren. Die Bilanz weist für 2024 einen Jahresfehlbetrag von fast 16,2 Millionen Euro aus. Zuerst hatte das Nachrichtenportal »T-Online« darüber berichtet .
2022 verzeichnete die Dachgesellschaft Vius den Bilanzen zufolge einen Verlust von drei Millionen Euro, 2023 waren es 13,8 Millionen.
Als Quelle wird T-Online angegeben, die ich ebenfalls für nicht glaubwürdig halte und als mit der langen Zange anzupacken betrachte:
Gotthardt hält die Firma am Leben und hat sich dafür im Gesellschaftsvertrag zusichern lassen, dass ein eventueller zukünftiger Gewinn so lange nur an ihn fließt, bis von ihm zugeschossenes Geld zuzüglich sechs Prozent Zinsen ausgeglichen sind. t-online hat Vius Fragen zu der Bilanz geschickt und wollte wissen, was das Unternehmen zu den Zahlen und deren Interpretation sagt, hat aber keine Antwort erhalten.
Minus von 16,2 Millionen Euro
Doch wie mit “Nius” Gewinn gemacht werden soll, ist angesichts der Zahlen völlig unklar. Die Gesellschaft hat im Unternehmensregister ihren Jahresabschluss für 2024 vorgelegt, und der sieht tiefrot aus: Bei einer Bilanzsumme von gut sieben Millionen Euro lag 2024 das Minus, der Jahresfehlbetrag, bei knapp 16,2 Millionen Euro. Den Kosten stehen weiterhin kaum Erlöse gegenüber.
Fraglich ob das stimmt oder Diffamierung ist.
Kann aber natürlich auch sein, denn mir leuchtet das ja auch nicht ein, wie NiUS finanziell funktioniert.
Aber andererseits beruhigt es mich auch ungemein, denn ich denke mir „Ach, so kann ich’s ja auch …“ Mit einem Minus von 16 Millionen im Jahr ist das leicht, könnte ich so etwas locker auch. Dann kauft man es einfach ein. Inhalte. Mitarbeiter. Studio. Design. Produktion. Es gibt für alles Leute, die einem das für Geld professionell machen.
Es tritt dieses entspannende Gefühl ein, das man von der Redewendung „andere kochen auch nur mit Wasser“ kennt. Oder eben mit Geld statt Wasser. (Mir ist diese Redewendung so in Erinnerung geblieben, weil ich bei irgendwelche Olympischen Spielen oder einer Weltmeisterschaft im Eishockey mal den Moderator nach einem mauen Spiel habe sagen gehört habe „Hier kochen alle nur mit Wasser. Außer den Russen, die kochen mit Champagner.“
Es beantwortet meine Frage, warum der da so ein Riesen-Ding hingestellt hat und ich nicht. Weil ich mir selbst auferlegt habe, nicht mehr auszugeben, als ich reinhole.
Was mir aber schon lange durch den Kopf geht: Was würde ich eigentlich machen, wenn ich reich wäre und ein paar Millionen verschenken könnte?
Ich würde auch so etwas wie eine Stiftung machen. Eine, die Medientechnik möglichst kostengünstig unter das Volk bringt. Für Museen, Ausstellungen, Schulen, Blogger, Amateurproduzenten wie Podcaster, Youtuber. Also Software erstellt und kostenlos verteilt, Anleitungen und Tutorials publiziert, wie man mit einfachen PCs, Raspberries und so weiter machen kann. Den ganzen Kram, für den man so viel Zeit und Geld verbrennt, bis man sich das zusammengesammelt hat.
Ich bin da noch geprägt von „Der offene Kanal“. Zu der Zeit, als ich auf dem Gymnasium in der Oberstufe war, und das Kabelfernsehen aufkam, gab es in Deutschland einen einzigen Sender, der – Vorgänger der Social Media und des Webs – Privatleuten erlaubte, selbst Fernsehen zu machen und zu senden. Kostenlos. Und der Brüller war, dass dieser einzige Sender in ganz Deutschland nur etwa 300 Meter von meiner Schule weg war. Weil es noch keine günstigen tauglichen Amateuervideokameras gab, konnte man sich dort – kostenlos – eine professionelle Fernsehkamera ausleihen, damals noch so ein Riesen-Trumm, das man auf der Schulter trug wie eine Panzerfaust. Teuer wie ein Einfamilienhaus. Aber nur, wenn man vorher den – ebenfalls kostenlosen – Einweisungskurs gemacht hat. Also habe ich mit einem Kumpel diesen Kurs belegt und in zwei, drei Stunden gelernt, wie man grundlegend Fernsehen macht. Tatsächlich getan haben wir das nie, weil wir keine Idee hatten, was man senden könnte, und auch keine Zeit, und uns auch das Risiko zu groß war, so ein teures Ding auszuleihen. Es gab dieses Youtube-Feeling noch nicht. Andere sendeten dann lausig schlechte Videos von privaten Geburtstagsfeiern, die keine Sau interessierten, sowas wollten wir dann auch nicht machen. Aber es hat mich gewissermaßen geprägt, und die Hardware ist ja auch immer billiger und leistungsfähiger geworden. Ich fand das aber großartig, dass man das damals angeboten hatte. Das war irgendeine öffentlich-rechtliche Pflicht.
Mir ging oft durch den Kopf, wie man Schulunterricht modernisieren würde und was ich heute Schulkindern beibringen würde. Uns hat man damals im Kunstunterricht mit Wasserfarben, Töpfern und so weiter gefoltert, was sicherlich durchaus seine Berechtigung hat, aber nicht die ganze Schulzeit von der 5. bis zur 10. durch hat.
Ich würde heute im Kunstunterricht – zusammen mit Physik – mal ein halbes Jahr, zumindest für die, die das lernen wollen, Fotografie lehren, Technik und Gestaltung und so. Und im Weiteren, in Zusammenarbeit mit Deutsch, wie man Videos produziert. Ich kann mich erinnern, dass wir damals immer wieder Gedichte auswendig lernen und vor der Klasse aufsagen mussten. Ein Lehrer sagte mal, dass es dabei nicht nur um das Gedicht gehe, das sogar weitgehend egal ist, sondern es auch darum gehe, dass man lernt, sich vor einen Haufen Leute zu stellen und zu reden, und ein auswendig gelernter Text das erleichtert. Viele Jahre später, da war ich schon im Beruf, erfuhr ich von Bekannten, dass deren Sprössling für die Schule lernen muss, einen Powerpoint-Vortrag mit dem Beamer zu halten. Jeder Schüler muss Vorträge halten. Finde ich großartig. Und heute wären es dann Youtube- oder Tiktok-Videos. Eigentlich sollte jede Schule ein Videolabor und einen Klassensatz Kameras haben (die vermutlich ruckzuck kaputt wären…).
Ich finde es wichtig, dass das gemeine Volk Zugang zu Medientechnik erhält. Es kann eigentlich nicht angehen, dass es 16 Millionen im Jahr kostet, so etwas zu machen. Es muss nicht gleich so professionell sein – im Gegenteil, Youtube und Tiktok zeigen ja, dass die Zuschauer gerne auch einfacher gemachte Videos annehmen. Das muss nicht alles so nach tollem, großem Studio aussehen.