Ansichten eines Informatikers

Danisch gegen Popper

Hadmut
21.5.2026 21:46

Sorry, Leute, aber das sehe ich grundsätzlich anders.

Ich bin anderer Meinung.

[Nachtrag]

Ich hatte über französisch Geisteswissenschaften geschrieben:

Und die haben uns dann solchen Quatsch wie Gender und den ganzen Feminismusmist beschert. Weil die zusammen mit Leuten wie Karl Popper, der lehrte, dass alles wissenschaftlich ist, bis es widerlegt wird, ein ganzes Universum aus frei erfundenen Behauptungen auf Steuerzahlerkosten erschaffen haben.

(Ursprünglich war das letzte Wort „hat“, den Satzbaufehler habe ich nachträglich korrigiert.)

Dazu bekam ich eine Flut von Zuschriften, ich hätte dem armen Karl Popper schwer Unrecht getan, denn der sei doch erbitterter Gegner der Frankfurter Schule gewesen und habe sich mit Adorno und Habermas massiv gezofft.

Außerdem sei Popper der Auffassung gewesen, dass überhaupt nur das Wissenschaft sein könne, was falsifizierbar ist, wozu es also ein Experiment gebe, was dies falsifizieren könne (falls es nicht stimmt).

Eine Auswahl:

Sie tun Popper Unrecht

Sehr geehrter Herr Danisch,

Karl Popper wendete sich ebenfalls gegen linke Pseudotheorie, die Frankfurther Schule usw. Nur weil “Falsifikation” so negativ klingt, war er kein Dekonstruktivist. Die Linken haben sicherlich mit dem Falsifikationsprinzip argumentiert, aber um Gültiges abzuräumen, nicht wie von Popper gemeint, um ungültig Gewordenes aufgrund neuer Tatsachen abzuräumen. Sie lassen sich doch von jedem Handwerker korrigieren und zeigen her, wie einsichtsfähig sie in irgendwelchen Detailfragen sind. Nun lesen Sie doch zumindest mal eine Zeile von Popper, bevor Sie ihn zusammen mit den linken Ideologen in einen Sack tun. Prinzipiell hauen Sie lediglich auf einen andern Danisch ein.

Popper

hat gelehrt, daß (nur!) das, was widerlegt werden könnte, Wissenschaft ist. Das ist pure Physik, so wie Sie das auch
vor einigen Tagen geschrieben hatten.

Der ist nur (absichtlich?) falsch rezipiert worden. Popper war einer von den wirklich Guten

Popper

Hallo Hadmut,

Popper war der Gegner von Adorno und Habermas. Poppers kritischer Rationalismus sagt nicht, “dass alles wissenschaftlich ist, bis es widerlegt wird”, sondern dass der Wissenschaftler sich irren kann und deswegen versuchen muss, seine eigene Theorie zu widerlegen – tut er das nicht, betreibt er eben keine Wisssenschaft. Popper besteht also auf Falsifizierbarkeit, weil er der Meinung ist, dass sich komplexe sachen sowieso nicht belegen lassen, sehr wohl aber widerlegen. Popper war ein expliziter Gegner der marxistischen Denkweise, zu seiner Zeit Adorno und Habermas.

Die Franzosen und Popper

Werter Hr. Danisch,

mir dünkt, Ihnen ist ein Lapsus unterlaufen.

Sie schreiben in (https://www.danisch.de/blog/2026/05/21/ein-franzoesisches-eingestaendnis-ueber-geisteswissenschaften/) folgendes:
“Weil die zusammen mit Leuten wie Karl Popper, der lehrte, dass alles wissenschaftlich ist, bis es widerlegt wird, ein ganzes Universum aus frei erfundenen Behauptungen auf Steuerzahlerkosten erschaffen hat.”

Da tun sie dem guten Sir Karl Raimund Popper aber sehr, sehr unrecht.
Popper sagt nämlich das Gegenteil: daß gutes wissenschaftliches Arbeiten beinhaltet, zu suchen, Thesen aktiv zu falsifizieren; man als guter Wissenschaftler also aktiv versuchen muß, die eigenen Thesen zu widerlegen. Erst wenn man sie nicht widerlegen kann, steht eine These auf festem Boden. Das ist ein zentrales Element seines kritischen Rationalismus.

Würde die “wissenschaftliche” Welt so arbeiten, hätten wir wokismus. critical race theory und den ganzen anderen Müll erst gar nicht.

Meiner Einschätzung nach sind Sie daher jemand, der aufgrund seines rationalen Denkens Popper sehr nahesteht – auch wenn Sie sich dessen nicht bewusst sind. Was aber kein Wunder ist, da rationales Denken zwangsläufig zu gleichen Schlüssen kommen muß…

Ich zitiere Wikipedia:
Poppers in der Öffentlichkeit bekanntestes Werk ist The Open Society and Its Enemies (deutsch Die offene Gesellschaft und ihre Feinde) von 1945. Darin rechnet er detailliert mit den Gedankensystemen von Platon, Hegel und Marx ab, die seiner Meinung nach totalitäre Systeme theoretisch begründet und praktisch befördert haben.”

Mir scheint es jedenfalls, daß Sie ohne Kenntnis Poppers Werk in ihrem blog zu sehr viel ähnlichen Schlussfolgerungen gekommen sind.

Jetzt muß nicht alles an Popper gut finden – sein Werk ist groß – aber schauen sie doch mal unter “positivismusstreit” nach, wie er sich zu Habermas/adorno (“Frankfurter Schule”) geäußert hat. Ich zitiere wieder wikipedia:

“Popper kritisiert dort die Sprache Adornos und Habermas’ als Obskurantismus (…)Um diese Behauptung zu belegen, „übersetzte“ er prägnante Teile von Texten, die Adorno und Habermas (…) in eine allgemeinverständliche Sprache. Nach Poppers Meinung seien diese nicht nur nicht unter dem Aspekt der leichten Versteh- und Kritisierbarkeit geschrieben worden, sondern möglicherweise sogar mit genau gegenteiliger Intention: Große Worte könnten, so Popper, auch dazu dienen, intellektuell bescheidene Inhalte so unverständlich zu formulieren, dass eine Kritik bewusst erschwert oder verhindert werde.”

Selten so einen Blödsinn gelesen. Verzeihung, Herr Danisch, aber Popper sollten Sie schon ein bisschen mehr Hirn zugestehen. Es gibt in der Wissenschaft diskutables und indiskutables. Popper hat dafür einiges an Regeln aufgestellt.

Sehr geehrter Herr Danisch,

im Bezug auf die Forumlierung “Karl Popper, der lehrte, dass alles wissenschaftlich ist, bis es widerlegt wird,” darf ich darauf hinweisen, dass er das natürlich nicht gelehrt hat. Sein Argument war, dass was nicht widerlegbar ist, auch nicht wissenschaftlich sein kann, was selbstredend etwas völlig anderes ist.

Sorry, Leute. Es tut mir wirklich leid. Aber ich sehe das anders.

Darf ich Euch mal einen erste Knüppel zwischen die Beine werfen und darauf hindeuten, dass einer der übelsten Protagonisten der woke-linken Seuche George Soros ist. George Soros war Student und glühender Verehrer des Philosophen Sir Karl Popper an der London School of Economics. (Stichwort: Baerbock, Georg Restle, Luisa Neubauer) Geprägt durch Poppers Hauptwerk „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“, gründete Soros die Open Society Foundations, die sich weltweit für demokratische Prinzipien, Menschenrechte und den Abbau von Diskriminierung einsetzen.

Wenn einer wie Soros ein glühener Verehrer von Popper ist und seine Stiftung nach dessen Buch benennt und den Krieg gegen die „Feinde der Demokratie“ und so weiter führt, dann kann Popper ja nicht so ein erbitterter Gegner des linken Gehampels gewesen sein. Das passt ja schon mal nicht zusammen.

Außerdem wird hier so wie „Der Feind meines Feindes ist mein Freund“-Denke argumentiert, dieses bipartite Denken, als gebe es nur einen Bösen. Ich hatte das schon an anderer Stelle kritisiert, nämlich wenn damit argumentiert wird, dass die Russen so herzensgut sein müssten, weil doch die Amerikaner per Konsens und allgemein anerkannt die ganz Böse seien und die Russen unbestreitbar ihre Gegner. Dann müssten von den Mafia-Clans, die sich in Berlin gegenseitig beschießen auch die meisten ganz gute, nette Leute sein.

Man kann also nicht aus

  • Habermas war ein Idiot
  • Popper hatte Streit mit Habermas

folgern, dass Popper der tolle schlaue Mensch war, der total Bescheid weiß, was Wissenschaft ist. Beiden Prämissen stimme ich voll zu, aber der Konklusion nicht.

Das hat Popper schon richtig erkannt, dass die Soziologen Blender und Schwätzer sind. Popper war keineswegs dumm.

Er war aber auch nicht so schlau, dass er gemerkt und vermieden hätte, genau denen, die er da kritisierte, in die Hände zu spielen. Stichwort: Soros – dessen linke gesellschaftssabotierende Stiftung hätte ohne Popper wohl nicht oder nicht so gegeben. Man kann argumentieren, dass Soros Popper falsch verstanden hat. Aber Popper kritisierte doch gerade Schwurbelsprache, und man könnte, wenn man ein Missverständnis unterstellt, durchaus fragen, warum Popper sich dann nicht so ausgedrückt hat, dass sogar Soros es verstanden hätte. Und immerhin war Popper mal Mitglied der kommunistischen Partei. Wenn der also Gegner der Frankfurter Schule war, dann eher so ein innerkommunistischer Streit wie Mussolini gegen Stalin, und keine grundsätzliche Gegnerschaft.

Popper gilt als Gegner induktiven Denkens, aus der Beobachtung der Fälle auf die Allgemeinheit zu schließen, und der Ablehnung der Verifikation, bezeichnet als Positivismus.

Und das halte ich nicht einfach nur für falsch, sondern auch für schwach.

Denn in der Mathematik gehört die vollständige Induktion zu den mächtigsten Beweismitteln, ebenso das Beweisen durch Vorrechnen, und in der Informatik die Programmverifikation zu einem wichtigen Werkzeug. Anscheinend kannte Popper das alles nicht. Denn was Popper nicht verstanden hat: Verifikation und Falsifikation sind keine getrennten, verschiedenen Methoden. Wenn ich in der Mathematik oder Informatik etwas positiv nachweise, dann ist das die Falsifikation aller anderen Möglichkeiten aus einer endlichen oder aufzählbar, in manchen Fällen auch überabzählbar unendlichen Menge. Wenn ich beweise, dass x=3 sein muss, falsifiziere ich damit über einer Grundmenge (N, Q, …) alle anderen Lösungen. Wenn man also wie Popper sagt, dass die Falsifikation der goldene Weg und die Verifikation der Holzweg sei, dann hat man den Zusammenhang zwischen beiden nicht verstanden. Dann sind das schöne, scheinbar leicht verständliche, aber eben keine richtigen Worte.

Ich nehme es mal aus Wikipedia:

Popper ist bekannt für seine Ablehnung der hergebrachten positivistisch-induktivistischen Sicht, der zufolge die wissenschaftliche Methode durch Verallgemeinerungsschlüsse von Beobachtungen auf wissenschaftliche Theorien gekennzeichnet sei. Er dreht den Prozess um. Deduktive Basissätze spielen in Poppers Kritischem Rationalismus eine Rolle, da sie konkrete Beobachtungen formulieren, die zur Falsifikation allgemeiner Theorien herangezogen werden können. Die Methode nannte er das empirische Falsifikationsprinzip. Danach seien wissenschaftliche Theorien lediglich unsichere Spekulationen, die die empirische Wissenschaft durch Suche nach widersprechenden Beobachtungen umzustoßen versuche.

Popper ist außerdem bekannt als Gegner des klassischen Ansatzes in der Erkenntnistheorie, dem zufolge eine Annahme auf dem Fundament einer Begründung stehen muss, damit sie vernünftig ist. Popper ersetzte ihn durch die „erste nicht begründungsorientierte Philosophie der Kritik in der Geschichte der Philosophie“:[1] Nicht mehr die Feststellung, dass einer Behauptung die Begründung fehlt, soll genügen, damit sie verworfen werden darf, sondern es muss ein logischer Widerspruch zu den Tatsachen vorliegen. Im Bereich der politischen Philosophie ist Popper bekannt für seine Theorie der offenen Gesellschaft, in der er den Historizismus kritisierte und die Demokratie verteidigte.

Tut mir leid, aber das ist eben Quatsch. Zugegeben, schöner Quatsch, prächtig Philosophenfutter, aber immer noch Quatsch. Quatsch mit Zuckerguss.

Denn damit schaltet er das Hirn praktisch völlig aus, und reduziert alles zuerst auf empirische Beobachtungen, um dann zu sagen, dass empirische Beobachtungen nichts bringen. Er schüttet damit das sprichtwörtliche Kind mit dem Bade aus, weil ihm das linke Geschwätz zuwider ist und der damit einerseits gleich alles auskippt, andererseits dem Geschwätz aber wieder Tür und Tor öffnet,

Klar, linke Philosophen hassen ihn schon: Poppers vergiftetes Erbe

Der Philosoph Karl Popper sah im Falsifikationsprinzip ein Kernelement wissenschaftlichen Arbeitens. Doch impliziert dieses nicht nur eine problematische Trennung von Forschung und Ethik, sondern wurde in den letzten Jahrzehnten auch zunehmend von Klimawandelleugnern oder Impfskeptikern missbraucht – mit fatalen Folgen.

Fragt man philosophisch imprägnierte Forscher, wieso Wissenschaft funktioniert, werden sie sich – zumindest im englischsprachigen Raum – meist auf den Philosophen Karl Popper (1902–1994) berufen. Wissenschaft, werden sie einem erklären, maßt sich nicht an, die letzten Antworten auf alle Fragen zu liefern, sondern gibt sich mit dem Widerlegen zufrieden. Sie ist ein unerbittliches Instrument zur Ausmerzung falscher Thesen. […]

Popper warnte Wissenschaftler, ihre Theorien nie als richtig hinzustellen. Der Wahrheit einer Hypothese könne man sich durch experimentelle Prüfung und Bestätigung lediglich sukzessive annähern. Da man nach der Logik der Induktion nie jene unendliche Menge an Beweisen sammeln kann, die einem Gewissheit für alle möglichen Fälle verschaffen würde, sollte man wissenschaftliches Wissen nicht als wahr, sondern als noch nicht widerlegt oder nur vorläufig ansehen.

[…]

Es ist durchaus bemerkenswert, dass Poppers lautstärkste Anhänger aus Biologie und Field Sciences kamen: John Eccles, der australische Neurophysiologe, Clarence Palmer, der neuseeländische Meteorologe, Geoffrey Leeper, ein australischer Bodenkundler, und sogar Hermann Bondi, ein österreichisch-britischer Physiker, der am spekulativen Ende der Kosmologie einzuordnen ist. Das heißt, gerade Wissenschaftler, deren Arbeit am wenigsten in Laborversuchen zu widerlegen war, orientierten sich bei der Rechtfertigung ihrer Wissenschaft an Popper. Offenbar suchten sie in ihm eine Art epistemologische Stütze. Eine umfassendere Perspektive auf dieses Rätsel liefert ein Verweis auf den „Physikneid“, der den Field Sciences manchmal zugeschrieben wird: die relativ geringe Anerkennung, die sie in wissenschaftlichen Zirkeln und in der Öffentlichkeit erfuhren. Popper schien Abhilfe gegen dieses besondere Leiden zu bieten.

Ich habe leider nur eine englische Übersetzung von Poppers Werk „Logik der Forschung. Zur Erkenntnistheorie der modernen Naturwissenschaft.“. Ich weiß nicht, ob es das irgendwo frei zum Download gibt, und das ist auch schwer herauszufinden, denn es gibt so unglaublich viele Trittbrettfahrer, die ihren Sekundärschrott genauso nennen, dass man vor lauter Mitessern den Pickel nicht mehr findet. Am penetrantesten taucht da ein Sammelwerk herausgegeben von einem Herbert Keuth auf, was auf den ersten Blick wie das Original, auf den zweiten Blick wie billiges Schinden von Publikationsverzeichniseinträgen wirkt.

Popper war offenbar – und zu Recht – angewidert vom blöden Geschwätz der Frankfurter Schule, das inhaltlich willkürliches Geblubber war, und formal hinter komplizierter Schwurbelsprache versteckt, damit es keiner merkt. Also hat er sich einen Wissenschaftsbegriff gebastelt, mit dem er einerseits versuchte, Geschwätz im Stil der Frankfurter Schule den Garaus zu machen, nach dem Drehtürprinzip aber anderem Geschwätz die Tür öffnete, nämlich indem er die Anforderungen an die Wissenschaftlichkeit so schnitzte, dass sie zwar die Frankfurter Schule angriff, aber zur Einladung für andere Idioten und Schwätzer wurde. Mit seinem Ansatz, dass man sich ständig selbst zu widerlegen versuchen sollte (was grundsätzlich stimmt, wo ich noch zustimme), alles andere aber ablehnte (wo ich nicht mehr zustimme), hat er sich anscheinend am Prinzip der Dialektik orientiert oder davon verleiten lassen, bei dem immer These und Antithese zur Synthese verrührt werden, was aber auch Humbug ist.

Popper hat mit seinem Standpunkt jedenfalls solchem Quatsch wie Gender Studies (auch wenn der die zum Zeitpunkt seiner Werke noch nicht kennen konnte) und all die Steuergeldveruntreuungsschwätzer, die wir heute Professoren zu nennen die auf dem Weltmarkt unverzeihliche Torheit besitzen) Tür und Tor geöffnet, obwohl er das mit Blick auf die Fankfurter Schule sicherlich nicht wollte, indem er sagte, dass nicht bereits das Fehlen einer Begründung zum Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit reicht, sondern man etwas konkret widerlegen muss.

Dabei sind ihm fundamentale Denkfehler unterlaufen:

  1. Es muss sich erst einmal jemand finden, der sich die Zeit nimmt, das Geld hat, die Mühe macht, die Lust hat, sich damit zu befassen. Etwas wird nicht schon deshalb zur Wissenschaft, weil gerade keiner Lust und Zeit hat, es zu widerlegen.
  2. Er regte sich über Schwurbelsprache auf, macht mit seiner Sichtweise aber jedes dumme Geschwätz zur Wissenschaft, wenn es nur hinreichend unverständlich in Geschwurbel verhabermast wurde.
  3. Er verlagert die Last der Wissenschaft vom Täter auf das Publikum, als wären alle anderen, nur nie der „Wissenschaftler“ selbst dafür verantwortlich, die Spreu vom Weizen zu trennen. Als wäre er eine Feministin, die auch nie für etwas selbst verantwortlich ist. Auch wenn er dazu sagte, dass der „Wissenschaftler“ sich selbst bemühen solle, sich zu widerlegen (was die wenigsten tun).
  4. Ich halte es für fundamental falsch, Wissenschaftlichkeit an a) Widerlegbarkeit und b) Noch-nicht-widerlegt-worden sein zu binden. Das ist viel zu billig. Damit konnte man damals Bücher schreiben und heute noch Geisteswissenschaftler beeindrucken, aber nicht mich.
  5. Der kannte das Antifa-Prinzip noch nicht: Wer widerlegt, bekommt aufs Maul.
  6. Der kannte das AStA/USta-Prinzip noch nicht: Wer widerlegt, wird ausgeladen oder gefeuert.
  7. Der kannte das SPD/Grünen-Prinzip noch nicht: Wer widerlegt, bekommt kein Geld mehr.
  8. Der kannte das DFG-/Peer-Review-Prinzip noch nicht: Wer widerlegt, bekommt keine Publikation mehr raus.
  9. Der kannte das Klima-Prinzip noch nicht: Wer widerlegt, ist kein „renommierter Wissenschaftler“ und dessen Meinung damit unbeachtlich.

Es tut mir leid, aber: Popper ist zwar eindeutig besser als Habermas. Aber nicht gut genug um gut zu sein. So richtig ist das auch nichts. Nur weil man meint, dass ein guter Käse Löcher haben muss, macht man aus Löchern alleine noch keinen Käse.

Meine abweichende Auffassung von Wissenschaft

Ich halte von Popper zwar mehr als von Habermas, aber auch nicht so wirklich viel, weil ich seine Sichtweise – ich habe allerdings sein Buch noch nicht gelesen, sondern nur darüber und Zitate daraus – auch nicht für tauglich halte, sondern eben auch für so Philosophengeschwätz nach dem Schema Papier ist geduldigt und Academia kauft alles.

Dabei ist meine Auffassung von Wissenschaft zumindest auf den ersten Schmeck aromatisch gar nicht mal so weit weg von Popper. Denn nach meiner Auffassung ist wissenschaftliches Arbeiten das systematische und zuverlässige Vermeiden bekannter Fehler und das Erkennen neuer Fehler bei der Wissensgewinnung. Während sich Popper eher auf das gewonnene Wissen selbst bezieht und sich überlegt, ob man es verifizieren oder falsifizieren kann, bezieht sich meine Auffassung auf die Methodik dahinter und ob sie geeignet ist, bekannte Fehler (wozu auch die Denkfehler gehören) zu vermeiden. Was voraussetzt, dass man sie kennt.

Mir geht es also nicht so sehr darum, ob eine Aussage wissenschaftlich ist, sondern ob der Weg dahin wissenschaftlichen Anforderungen genügt. Wenn sich eine Aussage als falsch erweist, dann ist nach Popper die Aussage falsifiziert. Nach Danisch ist aber die Methode entweder nicht richtig angewandt, oder die Methode disqualifiziert.

Philosophen wie Popper ventilieren viel heiße Luft um die Frage, was denn wahr und was falsch ist, was man als wissenschaftlich ansieht und was nicht, während mein Zugang dazu deutlich handwerklicher und bodenständiger ist. Denn Wissenschaft ist nicht nur die Wissensgewinnung, sondern viel mehr noch die Wissensweitergabe, deren Dokumentation.

Deshalb ist es für mich keineswegs der erste Schritt zu fragen, ob eine Aussage richtig oder falsch, verifiziert oder falsifiziert ist. Das ist eine Wertung, die kommt in meiner Sicht der Dinge erst viel später und hängt vom jeweiligen Stand des Wissens – und es Katalogs bekannter Denk- und Methodenfehler – ab.

Wissenschaft fängt nach meiner Wissenschaft sehr viel früher an, nämlich in der Nachvollziehbarkeit. Noch lange, bevor ich frage, ob etwas falsch oder richtig ist (oder was das überhaupt in diesem Zusammenhang und Fach sei), will ich eine nachvollziehbare Dokumentation, wie die Aussage, die angebliche Erkenntnis zustandekam. Ganz egal ob richtig oder falsch. Denn in vielen Fällen kann man erst dann, wenn man weiß, wie jemand zu einer Aussage kam, die Verifikation/Falsifikation angehen oder Verfahrensfehler entdecken.

Eine zentrale Voraussetzung, um etwas zu verifizieren oder falsifizieren, ist in den meisten Fällen, erst einmal das Zustandekommen der Erkenntnis nachzustellen. Nachzuvollziehen. Nachzuspielen. Dann sieht man meistens schon, wo der Fehler liegt, oder kann ihn finden. Popper wird oft mit einfachen Beispielen zitiert, meist mit dem Beispiel weißer Schwäne: Man könne nicht wissenschaftlich sagen, dass Schwäne immer weiß sind, weil man gar nicht in der Lage sei, sich alle Schwäne anzuschauen. (Anmerkung: Ich war schon in Perth, Australien, bekannt für seine schwarzen Schwäne.) So anschaulich das Beispiel, so dämlich: Weil es intuitiv sehr einfach ist, sich einen Schwan anzuschauen, wenn man ihn erste einmal hat. (Fotografen haben eine sicherlich sehr deutlich von Popper abweichende Auffassung davon, was weiß und was schwarz ist.) Das schwätzt sich halt so leicht dahin, weil das mit den Schwänen jedem Laien einleuchtet, aber tatsächlich bringt das nicht viel.

Wenn einer sagt, dass alle Schwäne weiß seien, ist es meines Erachtens falsch, damit zu antworten, dass man das nicht wissen kann, weil man nicht alle Schwäne ansehen kann und es deshalb auch nicht falsifizieren kann.

Die kanonische Danisch-Reaktion darauf wäre: „Erzähl mal, wie kommst Du darauf?“ Vielleicht beruhte die Aussage ja gar nicht auf dem Betrachten von Schwänen. Es gibt ja auch andere Wege der Erkenntnis.

Die Gender-Theorie

Ich habe meine Wissenschaftsauffassung schon lange vor dem Gender-Mist gebildet, eigentlich schon im Streit mit den korrupten und unfähigen Professoren der Karlsruher Informatik-Fakultät, die es überhaupt nicht interessierte, was falsch und was richtig ist und die keinerlei Kriterien benennen konnten, sondern sogar explizit erklärten, dass sie alles willkürlich bewerten und einfach ihre Rangordnung zählt, sonst nichts. Dass die einfach völlig willkürlich und ohne Grundlagen spontan entscheiden, was falsch und was richtig sein soll.

Andererseits habe ich auch schon schlauen, guten Leuten Fehler aufzeigen können und müssen, und da war das Problem nicht, dass die Leute dumme, korrupte Lügner waren, sondern „Du hast bei Deiner Vorgehensweise hier an dieser Stelle einen Fehler gemacht.“

Leser kennen meine Vorliebe, Denkfehler aufzudecken – besonders dass eine Korrelation noch keine Kausalität ist, post hoc ergo propter hoc, Simpson-Fehler, Confirmation Bias, doppelte Maßstäbe, Motte-and-bailey, und so weiter und so fort.

In den allermeisten Fällen braucht man sich nämlich gar nicht erst mit der Frage herumzuschlagen, ob das Ergebnis falsch oder richtig ist, wenn schon die Methode, der Weg dorthin so marode ist, dass die Aussage ohnehin wertlos ist.

Und genau das habe ich im linken und geisteswissenschaftlichen Umfeld, besonders den Gender Studies, aber auch Politikern und Journalisten, immer wieder beobachtet: Man muss sich gar nicht die Mühe machen, die Leute zu falsifizieren. Es reicht, die Leute zu fragen, wie sie darauf kommen. In den allermeisten Fällen können sie das selbst nicht erklären, oder sie blamieren sich damit gleich selbst. Die allermeisten „Wissenschaftler“ sind nämlich keine, sondern einfach dumm wie ein halbes Küchenhandtuch, und leben davon, einfach nachzuplappern und die Konformitätswelle zu reiten.

Und deshalb ist das so gefährlich, weil das Surfen der Konformitätswelle die Wahrscheinlichkeit eliminiert, dass irgendwer einen falsifizieren würde – und wenn doch, gilt er dann als unbeachtlich und nicht renommiert, wird dabei übergangen. Und das läuft dann in die Popper-Falle, Konformität für wissenschaftlich zu halten. Siehe Gender. Siehe Klima.

Die Schwan-Methode nach Popper funktionert gegen Gender nicht: Wenn jemand behauptet, es gäbe mehr als zwei Geschlechter – wie soll man das falsifizieren? Soll man jedem Menschen der Welt in die Unterhose schauen?

Ach, würden da die Popper-Anhänger sagen, dann möge man doch Poppers Notausgang folgen: Wenn es keine Methode zur Falsifizierung gibt, dann sei die Behauptung, dass es viele Geschlechter gibt, eben nicht wissenschaftlich. Falsch gedacht. Denn die Genderisten betreiben ja keine Aussage der Art, dass es 17 Geschlechter gibt, sondern sie bestreiten umgekehrt, dass es genau zwei Geschlechter gäbe. Und dann bringen sie irgendwen, der sich als „non-binär“ bezeichnet und für das Geschlecht Pfefferminz nach Sonnenuntergang hält, womit nach Popper die Ansicht der zwei Geschlechter gar schon widerlegt sei.

Das heißt, dass in Poppers Ordnungsschema der Gender-Quatsch sogar befördert wird, weil die eben (im Zirkelsschluss, auch ein Denkfehler) sagen, dass doch die Erfahrung, dass es Leute gibt, die sich für ein Telefon, einen Petunientopf, einen Fahrkartenschalter oder die Uhrzeit Viertel nach Zwölf halten, durch den Erfahrungssatz widerlegt sei, dass es (nur) Mann und Frau gebe oder das Geschlecht von Geburt an festgelegt sei. Poppers Ansatz führt also auch zu Unsinn als Wissenschaft, und er hat dem Unfug damit durchaus Vorschub geleistet, weil ganze Fakultäten und insbesondere Marxismus und Feminismus nur noch aus dem Schwachsinn bestehen, dass jede frei erfundene, x-beliebige Behauptung als Wissenschaft gilt, solange sie keiner widerlegt hat. Was erstens keiner tun wird, weil den Mist sowieo keiner liest, und wenn, dann nicht versteht, was das Geschwurbel eigentlich sagen soll, und sich dann um die, die doch widerlegen, die Antifa oder der Verfassungsschutz kümmern.

Fragt man die Genderisten aber, wie sie denn darauf kommen, dass es mehr als zwei oder nicht genau zwei Geschlechter gibt, dann bekommt man meistens gar keine Antwort oder Schläge/Rauswurf/Nazikeule angedroht, und in den wenigen Fällen, in denen man eine Antwort bekommt, fallen diese in drei Kategorien:

  • Michel Foucault/Simone de Beauvoir/Judith Butler haben das so gesagt. Das heißt, sie wissen nicht, wie man darauf kommt, und delegieren die Bringschuld einfach an jemand anderen, vor allem die „anerkannten Autoritäten“ des Fachs, weil man erhofft, dass sich jeder selbst disqualifiziert, der ihre Aussagen anzweifelt.
  • „Es wäre doch so schön, wenn es so wäre.“ – Also gar kein Weg dorthin, sondern eine gedankliche Phantasie, die man ethisch, moralisch besser bewertet. Es ist so, es muss so sein, weil es so viel schöner wäre.
  • Wir brauchen das zum Kampf gegen das Patriarchat. Oder wir bekommen Forschungsgelder dafür. Nutzbringendes Lügen. Akademischer Straßenstrich.

Meiner Erfahrung nach ist das der weit sinnvollere, effektivere und wissenschaftlichere Ansatz als der Poppers von der Falsifizierung, der übrigens auch in Religionsfragen stets erfrischend ist: Noch bevor man etwas verfiziert oder falsifiziert, jemanden aufzufordern, mich (eben das Publikum, den Auditor, den Prüfer,…) dazu zu bringen, demselben Trampfelpfad der Erkenntnis zu folgen: Wie kommst Du darauf, dass es x Geschlechter/Gott/menschgemachten Klimawandel gibt? Bring mich dazu, genauso zu denken wie Du!

Und die allermeisten „Wissenschaftler“ scheitern bereits daran, einen anderen dazu zu bringen, die angeblich Erkenntnis nachzuvollziehen – wohlgemerkt, noch lange, bevor es überhaupt um Verifikation oder Falsifikation geht. Es geht dabei noch nicht um richtig oder unrichtig, wahr oder falsch. Es geht erst einmal nur darum, den Pfad von einem allgemeinen, nachprüfbaren, bekannten Wissensstand zur Erkenntnis zu erkennen, nachzugehen.

Damit erledigen sich die meisten Behauptungen schon.

Ein weiterer Fehler Poppers ist nämlich, dass er Unwissenschaftlichkeit an die Falsifizierung bindet. Das funktioniert aber nicht, wenn einer auf unwissenschaftliche Art rein zufällig eine zutreffende Aussage als Glückstreffer macht. Dann nämlich ist sie, weil sie stimmt, nicht falsifizierbar, aber noch lange nicht wissenschaftlich. Auch wenn jemand 6 Richtige im Lotto tippt, war es immer noch Zufall und keine wissenschaftliche Methode.

Ich halte Poppers Ansatz aber auch aus einem anderen Grund für falsch. Nämlich weil er induktives Schließen, das Denken an sich, ausschließt und alles auf Beobachten reduziert. Als könnte wir nur gucken und nicht denken.

Beispiel: Unzählige Male habe ich hier im Blog berichtet, dass ich als Jugendlicher meinem Vater geholfen habe, Federvieh unterschiedlicher Art aufzuziehen. Ich war der, der in der Schule immer die anderen gegruselt hat, weil ich ab und an ein Tütchen lebender Mehlwürmer in der Hemdentasche hatte, die ich aus der Zoohandlung in der Stadt als Lebendfutter mitbrachte, um die Viecher zu füttern, und mir gerne einen Spaß daraus machte, die Tüte anderen zum Naschen hinzuhalten, als böte man Pfefferminz oder saure Drops an. Zu diesen Zuchtexperimenten gehörte, dass mein Vater eines Tages 12 befruchtete Eier (Zwerglachshühner) und eine „Kunstglucke“ (Brutmaschine) mitbrachte, um die Hühnerzucht aufzunehmen. Aus sechsen der Eier schlüpften Küken, die zunächst ununterscheidbar waren (es gibt Leute, die können Männchen und Weibchen auch bei Küken unterscheiden, aber wir konnten es nicht), und aus denen dann 3 Hähne und 3 Hühner wurden, deren Verhalten sich mit deren Hühnerpubertät, nämlich der Ausbildung von Deckfedern unterschiedlicher Farbe, auch schlagartig änderte. Die Viecher haten niemals Kontakt zu anderen Hühnern, keinerlei Vorbilder, wir können sie auch nicht durch unterschiedliche Behandlung beeinflusst haben, und trotzdem wussten sie ganz genau, wie sich ordentliche Hähne und ordentliche Hühner zu verhalten haben, und zwar gänzlich unterschiedlich. Die Hähne setzten sich auf den Komposthaufen und krähten vorbildlich und laut, die Hühner gackerten um die Eier.

Damit ist experimentell verifiziert (= die Gegenthese falsifziert, weshalb die Unterscheidung in Verifikation und Falsifikation nicht sonderlich taugt), dass es angeborenes, mithin in der DNA codiertes geschlechtsbezogenes Verhalten gibt. Experimentell bewiesen.

Hätte ich das nach Popper nicht schlussfolgern dürfen, weil ich nur 6 und nicht alle Hühner der Welt beobachtet hatte? Das Schwanproblem?

Oder ist es doch wissenschaftlich, weil ich damit den falsifizierenden Gegenbeweis zur These lieferte, dass es kein angeborenes Geschlechtsverhalten gäbe, und die Hebamme dem Neugeborenen das Geschlecht zuweist? Was machen dann all die Tiere, die ohne Hebamme geboren werden?

Es ist nicht mal eindeutig erkennbar, ob ein solches Experiment Verifikation oder Falsifikation wäre.

Poppers Thesen sind auch quantitativ unsinnig.

Gut, man kann sagen, dass wenn man 1000 weiße Schwäne gesehen hat, dennoch nicht sagen kann, dass alle Schwäne weiß sind, weil es auch schwarze geben könnte.

Blafasel.

Ich beobachte aber seit einem halben Jahrhundert in der Natur und in Zoos/Gefangenschaft, dass es bei praktisch allen Tierarten Männchen und Weibchen gibt. Nach Popper würde mir das noch keine Aussage erlauben, dass es zwei Geschlechter gibt, weil ich sie ja nicht alle gesehen habe. Und sich schon selbst widersprechen, weil ich der Behauptung, dass es fünf Geschlechter gibt (oder für jedes n > 2), falsifizierend entgegenhalten könnte, dass dies meiner Erfahrung widerspreche. Ist meine Beobachtung also nun relevant oder nicht?

Mathematisch betrachtet kann ich sagen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass es ein anderes als die beiden Geschlechter gebe, sehr, sehr, sehr gering sein muss, wenn mir in über 50 Jahren der Beobachtung auf allen Kontinenten noch keines davon begegnet ist. Das schließt per se noch nicht aus, dass es eines gebe, aber drückt die Wahrscheinlichkeit sehr, sehr weit runter. Stichwort: Yeti, Wolpertinger, Ilwetritsche. Die hat auch noch keiner gesehen, was nicht heiße, dass es sie nicht gibt. Ich habe in Neuseeland trotz aller Bemühungen noch keinen lebenden Kiwi selbst gesehen, weder in der Natur, noch im Zoo, und trotzdem gibt es sie.

Nun fangen wir aber das Denken an:

Wenn es andere Geschlechter gibt, die aber so selten sind, dass ich sie trotz intensiver Suche noch nicht entdecken konnte – welche Funktion sollten sie dann haben?

Wozu sollte die Evolution sie – außerhalb genetischer Betriebsunfälle, aber wenn ich ein Auto gegen die Wand fahre, entsteht dabei ja auch keine neue Automarke, nur weil es dann anders aussieht – entwickelt haben, wenn es sie gar nicht braucht? Wenn ich experimentell prima beweisen kann, dass Mann und Frau, Männchen und Weibchen das mit der Fortpflanzung ziemlich sicher zu zweit hinbekommen? Welche Funktion sollte ein drittes (oder weiteres) Geschlecht dabei haben? Das des Videofilmers, der das aufnimmt und auf die Pornoplattform hochlädt? Das Fortpflanzungskonzept beruht, sogar bei vielen Pflanzen, auf dem Konzept der großen Eizelle als voll funktionsfähiger Zelle mit halbem Chromosomensatz und als Samen mit nur Transportfunktion und andere Hälfte. Und daran wird auch nicht viel zu ändern sein, weil jede mir bekannte DNA, sofern funktionsfähig und nicht Trisomie, auf zwei Chromosomensätzen beruht. Und damit kann es logisch auch nur zwei Donatoren geben. Wo sollte da ein drittes Geschlecht herkommen? Welche Funktion sollte das haben? Es gibt eine Folge in Star Trek: Enterprise, in der man das mal durchexerziert und eine Spezies erfindet, in der es neben Mann und Frau ein drittes Geschlecht gibt, weil die bei der Zeugung ein Enzym dazugeben müssen, damit es klappt. Die müssen also, wenn sie ein Kind zeugen wollen, immer jemanden vom dritten Geschlecht dazuholen. Eine solche Mitwirkung wäre beim Menschen aber nicht bekannt.

Warum, wozu also sollte die Evolution ein drittes Geschlecht entwickeln, dessen Funktion niemand benennen kann und das nach empirischer Beobachtung auch nicht benötigt wird?

Das ist induktives, logisches Denken, das bei Popper aber einerseits keine Daseinsberichtigung hat, weil induktiv-positiv, dann andererseits aber dazu taugen soll, anderen Aussagen als „Lebenserfahrung“ entgegengehalten zu werden?

Sorry, Leute, aber das gefällt mir nicht.

Ich sehe, dass der das gut gemeint hat. Aber gut gemeint ist nicht gut gemacht.

Diese ganzen Wissenschaftstheorien darüber, was wissenschaftlich und was wahr und unwahr ist, könnt Ihr Euch weitgehend an den Hut stecken. Wissenschaft ist keineswegs so erkenntnistheoretisch, wie Ihr Euch das vorstellt, und auch nicht irgendwelchen epistemologischen Theorien und Modellen zugänglich. Man kann sich nicht einfach irgendwas ausdenken und dann sagen, das sei Wissenschaft und das andere eben nicht.

Wissenschaft ist, so sehr Euch das stinken mag, in erster Linie eine durchaus handwerkliche Tätigkeit, nämlich verdammt nochmal einfach aufzuschreiben, was man getan hat, damit andere es – auch Jahrhunderte oder Jahrtausende später – nachvollziehen und nach dem jeweiligen Stand des Wissens nachprüfen oder widerlegen können.

Und sie ist die Kunst, und damit das Wissen darüber, alle bekannten Fehler systematisch zu vermeiden.

Das hat überhaupt nichts mit diesem Philosophengeschwafel zu tun, sondern ist schlicht und einfach ein ordentliches Handwerk, nämlich sauberes, nachprüfbares, sorgfältiges Arbeiten mit Kenntnis des Bekannten.

Geisteswissenschaftler versuchen gerne, da irgendwelche Theorien und Epistemologien zu bauen, was denn Wissenschaft und was Wahrheit ist, das ist aber Geblubber und bringt nichts. Man muss schlicht und einfach ordentliches und sorgfältiges Arbeiten lernen, wozu gehört, das sauber zu dokumentieren und nachvollziehbar zu machen. Wenn man was im Hirn hat, fallen einem viele Fehler schon auf, wenn man es sauber hinschreibt.

Und das ist der zentrale Fehler der Geisteswissenschaftler, den aufzudecken man auch keinen Popper mit seinem Falsifikationskram braucht, der ohnehin nicht taugt. Bevor man nämlich Aussagen in falsch und richtig, in wissenschaftlich und unwissenschaftlich unterteilt, wäre die Forderung (nach Danisch) zuerst: „Schreib verdammt nochmal auf, wie Du darauf kommst, damit ich das nachvollziehen kann! Falsch und richtig kommt später – erst muss ich wissen, was Du behauptest und wie Du darauf kommst!“

Und deshalb halte ich nicht so viel von Popper wie die Leser, die mir schreiben. Und deshalb halte ich Poppers Ansichten für problematisch, weil sie den Gender- und Geisteswissenschaftlerquatsch auch noch befördern – auch wenn er das nicht wollte.

Nachtrag: Ein Punkt war mir beim Schreiben noch durch den Kopf gegangen und dann habe ich ihn doch vergessen reinzuschreiben: Es gab vor einiger Zeit Berichte darüber, dass sich Forscher daran gemacht hatten, „Studien“ und „Experimente“ der Soziologen aus deren Veröffentlichungen nachzustellen. Ich weiß die genaue Zahl nicht mehr, aber erschreckend viele, 70, 80 oder 90% der Studien waren überhaupt nicht nachvollziehbar, nicht nachstellbar.

Die muss und kann nicht falsifizieren, da reicht eigentlich – wie in so vielen Fällen – bereits das Prädikat „nicht nachvollziehbar“, um sie zu erledigen. So etwas kommt aber bei Popper eigentlich nicht vor, weil das Nachvollziehen, das Nachstellen, nämlich das Bestätigen durch Dritte, eine in seiner Sicht wertlose Verifikation wäre.

Die meisten geistes- und sozialwissenschaftlichen Erkenntnisse scheitern bereits daran, dass sie tatsächlch oder gedanklich nicht nachvollziehbar sind, und sich damit die Frage, ob sie verifiziert oder falsifiziert werden können, gar nicht stellt, weil man ja gar nichts auf dem Tisch hat, was man verifizieren oder falsifizieren könnte.

Ich halte die Nachvollziehbarkeit deshalb für ein enorm wichtiges und gar nicht zu überschätzendes Kriterium der Wissenschaftlichkeit – und daran scheitern schon viele und erreichen erst gar nicht die Stufe, auf der nach richtig oder falsch, verifizierbar oder falsifizierbar gefragt wird.

Es war einer meiner wesentlichen Kritikpunkte in meinem Promotionsstreit, dass die Promotionsordnung zwar den Nachweis zu „selbständigem wissenschaftlichem Arbeiten“ liefern soll, aber die Fakultät und mithin die Prüfer überhaupt nicht wussten, was „wissenschaftliches Arbeiten“ sein soll. Es gibt zwar Fakultäten, die das im Doktorstudium (!) zumindest pro Forma lehrten, aber so etwas gab es in Karlsruhe gar nicht.

Ich hatte vor einigen Jahren auch eine Broschüre, eine Anleitung der Gender Studies der Humboldt-Universität zum wissenschaftlichen Arbeiten kritisiert, weil letztlich alles, was darin zu „wissenschaftlichen Arbeiten“ stand und dafür gefordert wurde, nur war, dass man lückenlos alle Quellen angibt, von denen man abschreibt, weil der – seit von zu Guttenberg – einzige akademisch bekannte Verstoß gegen das „wissenschaftliche Arbeiten“ das Plagiat ist. Das ist eine rein formale Anforderung für das Plagiat, denn abgeschrieben ist es trotzdem. Qualitative, handwerkliche, inhaltliche Anforderungen haben sie nicht.

Und deshalb springen auch so viele auf Popper: Weil sie dann meinen, dass sie ohnehin nichts beweisen müssen, weil das unzulässiger Positivismus wäre. Auch wenn viele das nicht wahrhaben wollen, ist Popper damit – wenn auch wider Willen, aber aufgrund qualitativer Mängel – ein Wegbereiter des leeren Geschwätzes an den Universitäten, besonders in den Geistes- und Sozialwissenschaften.