Ansichten eines Informatikers

Die Dicke im Flugzeug

Hadmut
19.5.2023 13:39

Einige Leserkommentare. Update: War angeblich ein Fake-Video, siehe hier.

Ich hatte von der Dicken geschrieben, die nicht durch die Flugzeuggänge kommt.

Einige Leser hatten angemeckert, dass das Video gestellt sei, weil das Flugzeug ja leer wäre.

Deshalb ist das Video ja noch nicht „gestellt“, sondern nur eben kein regulärer Flug, aber sowohl sie als auch das Flugzeug echt. Das ist ja völlig real, weil beim abfliegenden Flugzeug die Sitze ja auch genau da sind. Nur bekäme man beim normalen Bording Ärger, wenn man da filmt und so langsam macht. Das spielt ja für die Darstellung der Breitenverhältnisse keine Rolle, ob noch andere Leute im Flieger sind oder das gleich startet.

Wichtiger dagegen ist die Frage, wie das eigentlich zu den Evakuierungsanforderungen passt, dass ein Flugzeug in soundsoviel Sekunden (waren es nicht 100?) evakuiert werden können muss.

Dieser Illusion gebe ich mich sowieso nicht hin, weil sowas in der Regel im Hangar mit sportlichen Studenten getestet wird, die nur dafür kommen und keine Panik haben, sondern genau wissen, was von ihnen erwartet wird, und die nicht erst ihren Krempel einsammeln, sondern als Wettbewerb ansehen. Das mag sein, dass sportliche Studis, die es darauf anlegen und sonst nichts dabei haben, koordiniert und ohne jeden Streit und ohne Überlegung, sondern als Team arbeiten, es hinbringen, so ein Flugzeug in 100 oder wieviel Sekunden zu evakuieren.

Das ist in der Realität nicht so. Da dürfte an Bord erst einmal Streit ausbrechen, und Panik und Dummheit die Kontrolle übernehmen. Deshalb schrieb ich ja auch schon, dass ich zwar gerne fliege und keine Angst vor Piloten und Flugzeug habe (bis auf den Fall in der Cessna, als die Pilotin sich plötzlich abschnallte, zu mir sagte, ich solle mal fliegen, sich rumdrehte und nach hinten krabbelte, um sich um den kotzenden Passagier auf der Rückbank zu kümmern, da habe ich erst mal geguckt, wo die versteckten Kameras sind, um dann aber festzustellen, dass das Ding schön geradeaus fliegt, wenn man einfach alles festhält, das gab mir aber doch zu denken), aber sehr wohl vor den Passagieren, weil ich mich bei dem Gedanken grusele, was die im Falle einer Panik oder eines Unglücksfalles tun würden. Da gibt es ja Leute, die dann unbedingt ihr Bordgepäck auspacken und normal aussteigen wollen, und alles blockieren, weil sie ihre Ohrhörer verloren haben. Es gab doch neulich mal einen Fall einer Maschine, die beim Landen in Brand geraten war und aus der nur die Passagiere der ersten Klasse leben rauskamen, weil die den Gang blockiert haben, weil sie alle noch ihr Gepäck aus den Fächern holten. Irgendwo gab es auch schon ein Bild aus den 70er Jahren, bei dem die Leute per Mittelnotausgang auf den Tragflächen standen und versuchten, da runterzuspringen – mit zwei Koffern in den Händen.

Könnt Ihr Euch noch an die Notwasserung eines Airbus durch Chesley Sullenberger im Hudson in New York erinnern? Dabei ist das Flugzeug vorzeitig abgesoffen, weil man bei einer Wasserung nur die Türen vorne öffnen darf, hinten sinkt das Flugzeug ein und kommt mit der Türkante unter die Wasserlinie. Die Stewardessen habe es aber nicht geschafft, eine Passagierin in Panik davon abzuhalten, die hintere Tür zu öffnen, womit dann das eisige Wasser in das Flugzeug lief, obwohl das ja eigentlich weitgehend dicht ist.

Viele Leute fragen sich ja, wo der sicherste Platz im Flugzeug ist. Vorne? Über den Tragflächen? Hinten? Die vorne gelten als die Gefährlichsten, weil Flugzeuge bei Unglücksfällen vorne meist brechen, vorne eher aufprallen und vorne die Kräfte etwas höher sind. Ich weiß aber von Flugzeugingenieuren und Piloten, dass das, was wirklich überlebensrelevant ist, schlicht und einfach die Entfernung zum nächsten Notausgang ist. Ist die Entfernung zu groß, hat man zu viele Idioten im Weg und kommt nicht mehr raus. Hat man mehr als drei, vier Leute vor sich, hat man ein Problem. Und muss notfalls mit Gewalt über die drübersteigen. Das sagen sie natürlich nicht und zeigen es auch nicht in den Katastrophenvideos. Aber es wäre realistisch.

Auf meinem letzten Flug saß ich weit vorne und konnte es nicht sehen, aber zwei Sekunden nach dem Aufsetzen auf der Landbahn, noch vor dem Abbremsen, brüllte die Stewardess, die vorne mit dem Rücken nach vorne hinter dem Cockpit sitzt und auf die Passagiere schaut, höllenstinksauer, aber auch im Notfallton (auf englisch) in das Mikro „Setzen Sie sich sofort wieder hin und schnallen Sie sich wieder an. Sofort!“ Es gibt Idioten, das ist sagenhaft. Und auf Youtube und Twitter wimmelt es ja von Handyvideos von Schlägereien an Bord von Flugzeugen. Ich stelle mir dann immer vor, wie die sich vor dem Notausgang darum prügeln würden, wer zuerst raus darf. Oder ob die überhaupt intellektuell befähigt wären, den Notausgang zu öffnen, wenn es notwendig ist, und es bleiben zu lassen, wenn nicht.

Nun fragen einige Leser – zu Recht – wie das mit einer so Dicken dann eigentlich im Notfall läuft.

Das ist eine gute Frage.

Zwar werden manche den Standpunkt vertreten, dass wenn sie zur Tür reinkam, sie da auch wieder rauskommt. Die Frage wäre noch, wie schnell sie durch die Gänge kommt, auch da kann man aber argumentieren, dass es bei den Menschenmassen nicht schnell gehen kann. Was aber bei Rauch in der Kabine, wenn man unten kriechen muss?

Richtig problematisch sind aber die kleinen Notausgänge, die es bei manchen Flugzeugen (z. B. 727) über den Tragflächen gibt, die ja nur kleine Luken sind, die nach außen geöffnet, oder je nach Flugzeugtyp rausgeworfen werden müssen.

Da passt die nicht durch.

Was macht man dann? Wenn so eine vor einem in der Luke feststeckt?

Die würden es ja dann auch nicht einsehen, dass sie nicht passen und wenigstens die anderen rauslassen. Vor meinem geistigen Auge sehe ich das, wie die dann vor dem Notausgang um sich schlägt, und Vorträge über Diskriminierung und Fat Shaming hält, damit alle gleich sterben, während das Flugzeug brennt.

Sowas kann dann wirklich zur Katastrophe werden.

Und die sehen es dann auch nicht ein, wenn man es ihnen sagt.

Ein Leser hatte vorgeschlagen, analog zu den Kästen, die am Flughafen stehen, in die das Bordgepäck reinpassen muss, auch Kästen für Passagiere aufzustellen, in die die Passagiere reinpassen müssen. Das hätte ich mir schon oft gewünscht, wenn ich eingezwängt im Sitz saß, weil der Nachbar noch ein Drittel meines Platzes mitbelegt, weil er zu breit ist.

Ein anderer hatte vorgeschlagen, dass man am Gate eine Waage aufstellt und die Leute nach Gewicht zahlen lässt.

Wie auch immer.

Ich sehe jedenfalls die Gefahr, dass hier durch Politik, Zeitgeist, Toleranzzwang, Antidiskriminierung und so weiter richtig schwere Gefahrensituationen entstehen und es Tote gibt.

Und es ist eine Frage der Zeit, wann die dann auch Pilotin werden wollen und erwarten, damit ins Cockpit zu kommen.

Das ist insofern heikel, als es die Diskussion bezüglich zu kleiner Frauen im Cockpit schon gab. Es ist auch schon wieder zehn Jahre her (Junge, wie die Zeit vergeht…), als ich diesbzüglich nach Flügen einfach mal im Cockpit gefragt habe, was man von der Diskussion zu halten habe und ob das ein Problem ist oder nicht. Weil ich weiß, dass die Flugzeughersteller eine Position vorgeben und markieren, auf der die Augen zu sein haben, damit man alles richtig sehen kann. Ob man trotzdem an die Pedale und alle Schalter kommt. Wäre ja übel, wenn man in einer Krisensituation den Schalter nicht erreicht oder das Pedal nicht durchtreten kann. Antwort: Nee, nicht mehr, heute ist alles verstelltbar und Fly-by-wire. Mir sagte mal jemand, dass das bei den älteren Kisten mit Uhrenladen und mechanischer Steuerung durchaus ein ernstes Problem sei, bei den neuen elektronischen aber nicht mehr.

Viele werfen die Frage auf, warum es keine Passagiersitze für Extrabreite gibt. Ich war mal vor 20 Jahren im Six Flags Magic Mountains in Los Angeles, ein riesiger Achterbahn-Park. Da hatten die Achterbahnen zwischendrin auch doppelt oder sogar dreifach breite Sitze für Extrafette. Solche fordert man inzwischen auch für die Passagierplätze in Flugzeugen. In der Praxis würden sich da dann wohl die Kinder oder kleinere Frauen zum Schlafen quer legen.

Es ist aber eine Frage der Zeit, bis sie, ebenfalls wie die zu Kleinen, auf Diskriminierung klagen und verlangen, dass auch 250-kg-Frauen Pilotin sein können. Dann gibt es vorne nicht mehr zwei Pilotensitze, sondern nur noch eine breite Bank über die ganze Cockpitbreite.

Stellt Euch einfach Jabba the Hut im Cockpit des Millenium Falcon vor.