Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Der junge berliner Deutsche aus Mannheim von Heidelberg

Hadmut
25.1.2022 19:44

Seltsam.

Ich hatte gestern zum Mordanschlag in der Heidelberger Uni geschrieben, dass man sich gedulden müsse, weil die Polizei ja auch erst ermitteln muss, sowas eben dauert, vor allem, wenn sie noch mit Bombenfallen und sowas rechnen müssen, und erfahrungsgemäß mindestens 24 Stunden ins Land gehen, bis man verlässliche Informationen bekommt.

Tatsächlich gab es ja auch schon reichlich Falschinformationen, die in Umlauf gesetzt wurden, darunter ein der Name einer Person, die damit gar nichts zu tun hat, aber fälschlich als Täter hingestellt wurde. Dann hieß es, es sei ein Impfgegner, dann wieder ein Veganer. Es wird inzwischen immer viel Mist in Umlauf gesetzt. Gerade weil man nichts weiß, sind so viele bereit, alles als Information aufzunehmen, was von manchen dann eben auch bewusst ausgenutzt wird. Insofern wirkte es zwar seltsam, war aber durchaus in diesem Punkt hilfreich von der Uni mitzuteilen, dass keine Ausländer betroffen seien, weil damit unvermeidlichen Spekulationen um einen Rechtsradikalen der Wind aus den Segeln genommen wurde.

Tatsächlich fällt mir auf, dass die Presse sich mit Wertungen gerade extrem zurückhält, nicht mal das sonst selbstverständliche, ubiquitäre, sofort einsetzende (und wie ich schon mal beschrieben habe, sachlich einfach unzutreffende) Gerede vom „feigen Mord“. Amokläufe mit Mord sind vieles, aber feige nun eigentlich nicht, vor allem, weil sie ja meist mit dem Tod des Täters enden.

Beachtlich daher, dass ich noch nirgends nähere Angaben zum Täter gefunden habe. Normalerweise haben doch noch abends die BILD und am nächsten Tag alle Zeitungen irgendein Bild des Täters und Angaben wie „Vorname N. (18)“, und irgendwas über die „kruden Thesen“ und „was lief schief im Leben des…“.

Hier heißt es immer nur: 18, aus Mannheim, Deutscher. Sonst nichts. Kein Bild, kein Vorname, nichts.

Inzwischen ist die Rede von einer lange zurückliegenden psychischen Erkrankung. Bei Mördern gibt es ja eigentlich nur zwei Typen: Die radikalisierten Rechtsradikalen mit Hasse und Hetze, und die psychisch kranken Einzelfälle, über die man kein weiteres Wort verliert. Ist ja heute auch schon wieder verdächtig still.

Das stinkt irgendwie eine Meile gegen den Wind.

Zumal die Sache ja selbst dann, wenn die Polizei da völlig dicht halten würde, nicht völlig dicht bleiben kann. Es hieß, dass derjenige zwar erst 18, aber trotzdem bereits Biologiestudent gewesen sei. Selbst unter Berücksichtigung des Umstandes, dass wir Pandemie und Online-Vorlesungen haben, und das Semester (er kann ja mit 18 eigentlich nur im ersten sein) erst seit Oktober läuft, ist es unwahrscheinlich, dass der an der Uni völlig unbekannt war. Irgendwer wird ihn doch erkannt haben, irgendwo wird er doch fehlen. Nach der Nachricht wird doch sofort jeder verdächtig, der 18, Biologiestudent aus Mannheim und gestern abend nicht mehr nach Hause gekommen ist.

Und selbst, wenn der keinem bekannt war und dessen fehlen noch niemandem aufgefallen ist: Da wird ja wohl gestern ein Großaufgebot an Polizei mit Bombenteam und SEK angerückt sein, um dessen Unterkunft zu filzen. Sowas bleibt ja nicht geheim. Da wird doch gerantiert jemand dabei sein, der gegenüber der Presse plappert und dafür sein Geld bekommt.

Und bei einem ganzen Hörsaal voller Leute wird ja auch irgendwer den Täter gesehen und Mitteilungsdrang haben.

Nun hat die Polizei ja durchaus um Zurückhaltung ersucht. Was mir aber nicht plausibel erscheint. Es heißt, man habe im Rucksack des Täters nicht nur zwei Langwaffen (Doppellaufschrotflinte und ein modernes Winchester-Repetiergewehr, beides auf Pressefotos sehr gut zu sehen) gefunden, sondern auch noch die Kaufbelege. Man wolle aber nicht sagen, in welchem Land der die Waffen gekauft hat, um die Verkäufer nicht zu warnen, dass man gegen sie ermittle. So ein Blödsinn. Die Sache ging auch international durch die Presse, und beide Waffen waren auf Pressefotos sehr gut zu sehen. Vor allem dieses Repetiergewehr in sehr moderner Machart mit Montageschiene, aber Winchester-System wie im Wilden Westen um 1873, dürfte sehr ungewöhnlich sein. Und dann noch unmittelbar vor der Tat von einem 18-Jährigen gekauft. Wer auch immer die verkauft hat, hat die längst erkannt und ist längst gewarnt. Da steckt was anderes dahinter.

Ich kann mir da keinen plausiblen Reim drauf machen, außer dass der Name der Presse sehr wohl bekannt ist, und die – aus welchen Gründen auch immer – den Namen zurückhalten.

Beachtlich deshalb dieser Informationsfetzen bei der FR:

Der Amokläufer an der Heidelberger Universität stammt aus Berlin. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Dienstag aus Polizeikreisen. Nach Medienberichten soll der Mann im Stadtteil Wilmersdorf aufgewachsen sein. Zunächst hatte die Tageszeitung Mannheimer Morgen darüber berichtet.

Ach. Der Mannheimer stammt aus Berlin.

Mal sehen, was das noch wird.