Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Dschungelcamp und Geschlecht

Hadmut
22.1.2022 17:14

Leser fragen – Danisch erklärt es.

So die ersten ein, zwei Male habe ich Dschungelcamp natürlich gesehen, so als Australien-Fan, allerdings um festzustellen, dass das zwar in Australien stattfindet (oder bis vor Corona und vor den Waldbränden stattfand), mit Australien aber eigentlich nichts zu tun hat, weil ds ja auch gar nicht draußen in der freien Natur stattfindet, sondern das ein umzäuntes und bewachtes Fernsehproduktionscamp ist, und damit ungefähr so viel mit Australien zu tun hat, wie McDonalds mit Crocodile Dundee. Das ist mehr so wie die Big Brother-Sendung, nur ohne Dach, dafür mit Schafshoden.

Ich habe es aber schon lange nicht mehr gesehen.

Nicht nur, weil es ohne Dirk Bach noch öder als vorher war, sondern weil einfach gar zu blöd und immer das gleiche Theater, und sowieso überwiegend faul und geskripted. Außerdem empfange ich seit Jahren kein RTL mehr, weil sie mit der Umstellung von DVB-T auf DVB-T2 die Privatsender kostenpflichtig gemacht haben, und ich es nicht einsehe, für den Werbe-Mist auch noch Geld zu zahlen. Mir fehlt nichts ohne, und zumindest für ProSieben und Sat.1 hat mein Fernseher sowieso Streaming-Apps. Die ich höchstens einmal im Jahr verwende. Geld für RTL ausgeben? Nee.

Nun fragt ein Leser an:

Die Kult-RTL-Show „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ sorgt seit 2004 für Spannung, Freude, Tränen und Wutausbrüche.

In dieser Übersicht sind alle Kandidaten des Dschungelcamps aufgelistet, die inzwischen tot sind:

  • Costa Cordalis
  • Werner Böhm
  • Daniel Kübelböck
  • Willi Herren
  • Günther Kaufmann
  • Walter Freiwald
  • Gunter Gabriel
  • Rolf Zacher
  • Jens Büchner

Auffällig ist: Bislang ist noch keine Frau gestorben, die im Dschungelcamp als Teilnehmerin verpflichtet war.

Warum die Männer nach Dschungelcamp sterben, die Frauen aber nicht.

Weiß ich nicht.

Wie ich aber so oft sage: Eine Korrelation ist noch keine Kausalität.

Denn normalerweise ist Dschungelcamp insofern geschlechtsspezifisch, dass Männer da eigentlich nur hingehen, wenn sie wirklich dringend Geld brauchen und alterspleite sind („Ich war alt und brauchte das Geld“) und ordentlich Geld bekommen, weil sie mal berühmt waren, während Frauen oft hingehen, weil sie erst noch bekannt werden wollen und deshalb für RTL auch billig zu haben sind.

Denn die Männer sind ja letztlich auch nur zur Schadenfreude da, um sich daran zu ergötzen, wie alt und teigig der eine oder andere geworden ist. Die Frauen dagegen sind zum Angucken da: Titten, Arsch und Zickenkrieg. Es gab ja schon einige, die da zum Nacktbaden waren, und jahrelang war das ja auch so, dass sich jedes Jahr die Dschungelschönste begleitend dazu im Playboy auszog. Werner Böhm und Gunter Gabriel waren nie nackt im Playboy.

Abgesehen von Daniel Küblböck, der schon vorher ein Rad abhatte und gerade deshalb ins Camp geladen wurde, liegt die Kausalität, wenn sie überhaupt existiert, also eher andersherum: Männer gehen zum Lebensende hin ins Dschungelcamp, weil sie keine andere Einkommensquelle mehr haben, als ihren Zerfall darzubieten, Frauen dagegen gehen eher hin, weil sie noch keine andere Einkommensquelle haben, als sich darzubieten, und auf mehr hoffen. Das mag bei Figuren wie Brigitte Nielsen sicherlich anders sein, aber die haben trotzdem immer noch den Anspruch, zumindest halbwegs bewegungsfit zu sein, wenn sie dahin gehen, also noch mehr Abstand zum zu erwartenden Lebensende haben.

Es hat aber sicherlich auch mit dem Gehirn zu tun.

Frauen lassen sich eher auf so ein Sozialdings ein, weil sie ja eher zu solchen Gruppen-WGs neigen, mehr Sozialmechanismen haben. Ist mir ja auf sovielen Reisen mit Reisegruppen – besonders eben in Australien – immer wieder aufgefallen: Männer reisen nach Australien, um Australien zu sehen, und nehmen dafür die Gruppe in Kauf. Manche Frauen dagegen reisen, um in der Gruppe zu sein, und nehmen dafür Australien in Kauf.

Ich würde vermuten, dass Männer deshalb meistens erst im Wrack-Zustand und ohne TÜV-Plakette sein müssen, um sich auf sowas noch einzulassen, während Frauen sowas auch im jüngeren Zustand mitmachen.

Aber wie gesagt: Ich sehe RTL schon seit Jahren gar nicht mehr und vorher kaum.