Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

eneloop-Akkus

Hadmut
17.1.2022 3:49

Mal was Positives.

Ich bin ja gerne am Rumkritisieren und Meckern, aber hier kann ich nicht umhin, mich mal äußerst positiv zu äußern.

Ich weiß nicht mal mehr genau wann, aber ich weiß noch, dass ich noch in/bei München gewohnt habe, habe ich mir mal einige, vergleichsweise teure eneloop-Mignon (AA)-Akkus gekauft.

Das kam, weil es damals sehr viele Geräte gab und das damals so üblich war, egal ob Taschenlampe, GPS, Kamera, Blitz, Radio, was auch immer, nahezu alles mit Mignon-Akkus (heißen längst nach den internationalen Bezeichnungen AA) zu betreiben. Ich hatte mir damals Ladegeräte mit auswechselbarer Steckern und einen ganzen Satz Steckerteile und eines für die dünnen zweipoligen Stromstecker und verschiedene Kabel gekauft und konnte damit unterwegs fast alles betreiben und laden – Hauptsache, immer geladene Mignon-Akkus in der Tasche, plus die LiIon-Akkus für die Kamera. Fertig.

Aber, ach.

Ich hatte halt einfach irgendwelche Akkus gekauft, was ich gerade bekommen habe, und nur darauf geachtet, dass die immer unterschiedlich aussehen, damit ich die nicht mische, sondern immer die, die zusammen gehören, zusammen verwende (bei normalen Batterien extrem wichtig, sonst laufen sie aus). Und von denen sind mir einige auf der Kapstadt+Namibia-Reise unterwegs verreckt. Steht man dann blöd da.

Etwas Seltsames war mir damals aufgefallen.

Während man in Australien nur sehr schwer, oder eigentlich in normalen Handel gar nicht an Akkus und Ladegeräte kam, weil die dort einfach keiner kaufte, dafür aber in jedem Supermarkt günstig so Riesenpacks mit 30 normalen Alkali-Batterien angeboten wurden (ich hatte nämlich mal auf einer Reise dorthin keine Akkus dabei und deshalb so ein ganzes Riesenpaket verbraucht), war es in Namibia umgekehrt. Selbst in den primitivsten Krämerhütten hatten sie dort Mignon-Akkus, dafür fast nie normale Batterien. Weil die Versorgungslage dort halt so dünn war, dass die effektiv gezwungen waren, Batterien mehrmals zu verwenden, also zu laden. Eigentlich ja auch viel umweltfreundlicher, denn die Australier hatten auch keine Sammelboxen, sondern die einfach in den normalen Müll geworfen.

Also hatte ich mir in Windhuk eine Viererpackung der Marke Kodak gekauft, in der Annahme, dass das und der hohe Preis was bedeute, und später unterwegs nochmal irgendwelche mit Phantasienamen, taugte aber alles nichts. Teils schlechte Entladeströme.

Ich habe mir dann, wieder in Deutschland, damals gedacht, dass das alles irgendwie Murks ist, und ich mir jetzt mal ordentliche Ladegeräte kaufe, die die Kapazität und den Strom messen und so weiter. Die auch einen „Refresh“ machen können, also Akkus in schlechtem Zustand so lange laden und entladen, bis die Kapazität sich nicht mehr verbessert, weil – genau habe ich es nicht verstanden – Akkus, die nicht optimal betrieben werden, irgendwie chemisch degenerieren können, man sie aber durch Laden und Entladen bis zur jeweiligen Grenze wieder in Form bringen kann.

Und ich habe mir eneloop-Akkus gekauft, weil die damals einen guten Ruf hatten und so komisch beworben wurden.

Und dabei habe ich noch etwas Verblüffendes festgestellt. Ich hatte nicht nur eneloop, sondern für viele Anwendungen, die nur wenig Strom ziehen, auch noch billige Akkus aus dem Supermarkt.

Während die eneloop eine angegebene Kapazität von „nur“ 1900mAh haben, sollten die billigen locker bei 2600 oder 2800 liegen.

Das Messgerät sagte sogar, dass das zumindest grob stimmt, die also da nicht betrügen. Die billigen Dinger haben tatsächlich mehr Kapazität als die teuren.

Aber: Die eneloop haben fast alle nahezu exakt dieselbe Kapazität, insbesondere die aus derselben Packung. Die billigen dagegen haben ziemlich zufällige Kapazitäten, da kann aus derselben Packung durchaus eine 2500 und eine 2800 haben. Und das ist aus besagten Gründen problematisch, weil eine Serienschaltung, bei der eine Batterie noch Spannung hat und die andere nicht mehr oder weniger, zu einer Umkehrung der Polarität führen, was zumindest bei normalen Batterien zum Auslaufen führt. Deshalb ist es so ein grober Fehler, in ein Gerät, etwa eine Fernbedienung, zwei Batterien unterschiedlicher Hersteller oder unterschiedlichen Ladezustands zu stecken, vor allem, wenn das Gerät dauerhaft Strom zieht, wie ein Radio oder Temperaturfühler oder sowas. Das ist nahezu eine Garantie für auslaufende Batterien. Deshalb bin ich nicht begeistert von der Vorstellung, billige Akkus mit so unterschiedlichen Kapazitäten beispielsweise in ein teures Blitzgerät zu stecken.

Allerdings ist die Zeit der Mignon-Akkus eigentlich vorbei, jedenfalls auf Reisen.

Eigentlich habe ich nur noch zwei Geräte, die ich außer Haus mit Mignon-Akkus betreibe: GPS und Blitz. Und das eigentlich auch nur, weil es alte Modelle sind.

Heute basiert nahezu alles auf LiIon-Akkus, oft eingebaut, und wird fast alles über USB geladen, weshalb ich längst anders unterwegs bin: Ein dickes USB-Ladegerät mit ordentlich Strom und vielen Anschlüssen, und wechselbarem Kabel, und das kommt dann im Hotelzimmer auf den Tisch und fertig. Und wenn es kaputt geht (mir sind nämlich schon Ladegeräte und Steckernetzteile unterwegs kaputt gegangen), bekommt man USB-Netzteile inzwischen wirklich überall. Und die einfachen USB-Akkuladegeräte sind mir noch nie kaputt gegangen.

Insofern ein deutlicher technischer Fortschritt, und die eneloop-Akkus begleiten mich deshalb nur noch selten auf Reisen und finden auch so nur noch selten Gebrauch.

Aber ich habe sie noch.

Fast alle, dachte ich.

Seit langem fehlen mir zwei der Akkus, was auffällt, weil die Zahl nicht mehr durch vier teilbar ist, sie aber nur in Vierer- oder Achterpackungen verkauft werden. Mich ärgert das immer sehr, wenn was fehlt, vor allem, wenn ich nicht weiß, wie es mir abhanden gekommen sein könnte.

Vorgestern habe ich sie gefunden.

Obwohl ich bei längerem Nichtgebrauch die Akkus und Batterien grundsätzlich rausnehme, hatte ich sie in einem Gerät vergessen, einem Funkauslöser, das ich schon seit Jahren nicht mehr benutzt habe. Und das möglicherweise immer so ein bisschen Strom zieht.

Oh, je. Tiefentladen?

Naja, nach 10 Jahren haben die ihre Schuldigkeit getan, da können die auch mal ausgemustert und entsorgt werden.

Mal in das Mess-Ladegerät gesteckt, ob die überhaupt noch erkannt werden.

Ja, meint das Messgerät nach einem Lade-Entlade-Messdurchlaufe, so um die 330 mAh Kapazität übrig.

Schade, dann sind die wohl im Eimer. Friede ihrer Asche. Nur so aus Neugierde, was dann passiert, hatte ich doch noch mal diesen Refresh-Modus angeworfen.

Hat zwei Tage gedauert, die immer wieder geladen und entladen, bis sich die Kapazität nicht mehr ändert.

Und was sagt das Ding jetzt?

Beide bei fast 2000 mAh. Ich habe es jetzt nicht aufgeschrieben und mir genau gemerkt, aber so um die 1970 und 1980 rum.

Das heißt, dass die nach über 10 Jahren und versehentlich miserabler Behandlung und Tiefentladung immer noch mehr als die Nennkapazität haben, denn laut Aufdruck haben sie 1900 mAh.

Die billigen Supermarktakkus kann man mitunter nach drei Jahren schon ausmustern. Außerdem merkt man an Blitzgeräten, dass sie mit eneloop schneller laden, weil da mehr Strom rauskommt.

Ich muss also ausnahmsweise mal konstatieren, dass ich sehr zufrieden und beeindruckt bin.

(Und nein, ich habe mit denen gar nichts zu tun, bekomme nichts dafür, nichts geschenkt, kein Geld oder sonst was, das ist keine Werbung.)

Schade halt nur, dass man normale 1,2-Volt Mignon-Akkus halt kaum noch braucht. Das Zeitalter ist irgendwie vorbei.