Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Elektrische Zahnbürsten

Hadmut
9.1.2022 2:14

Ein drängendes Problem unserer Regierung.

Ja, da muss man Prioritäten setzen, tatsächlich sind elektrische Zahnbürsten unser drängendstes Problem.

Lasst es mich so formulieren:

Bis vor etwas mehr als 10 Jahren war ich überzeugter Handschrubber mit ner einfachen Zahnbürste aus dem Supermarkt.

Als mir ein ambitionierter Zahnarzt mal die Vorzüge einer elektrischen Zahnbürste per Vortrag erläuterte, dachte ich mir, ich könnte es ja mal probieren, und habe mir ein Markenprodukt gekauft. Eine vom Typ mit dem drehenden Rundkopf. War davon aber nicht so angetan, ich fand das jetzt nicht so toll, außerdem hat mich geärgert, dass man ein Heidengeld für die Ersatzbürsten ausgeben musste. Ihr kennt ja das Rockefellerprinzip: Wer Öl verkaufen will, muss Lampen unters Volk bringen.

Als ich die oder die Ersatzbürsten dann im Rahmen des Umzugs in meine hiesige Wohnung nicht gleich in den Umzugskisten fand, hatten sie bei Aldi gerade eine der Eigenmarke für ca. 17 Euro im Angebot, vom anderen Typ, der Ultraschallzahnbürste (also länglich, sehr schnell vibrierend). Ich dachte, ich nehme die mal, sie wird wohl lange genug halten, bis ich meine gute Zahnbürste in den Umzugskartons gefunden habe, und dann habe ich wenigstens mal ausprobiert, was es mit denen auf sich hat. Ihr kennt ja meinen Grundsatz, wer billig kauft, weiß dann beim zweiten Kauf, worauf er eigentlich achten muss und ob er überhaupt teuer braucht.

Kurz gesagt: Ich war sehr begeistert von der Billig-Zahnbürste, und obwohl das schon Jahre her ist, habe ich sie heute noch im Gebrauch. Man merkt, dass der Akku nicht mehr so lange hält wie früher. Früher hielt die so locker mal zwei Monate, jetzt muss ich sie schon so gefühlt alle drei Wochen mal laden.

Weil ich nie damit gerechnet hätte, dass das billige Ding so lange hält, sie mir aber gefallen hat, hatte ich mir vor etwa vier oder fünf Jahren, als die wieder mal im Angebot war, eine zweite gekauft. Praktisch für umme, weil ja gleich so viele Ersatzbürstenköpfe dabei sind, dass schon die alleine viel billiger sind als nur die Köpfe von Markenherstellern.

Weil aber die erstgekaufte so lange hielt, hatte ich die zweitgekaufte zu lange unbenutzt im Schrank liegen. Hin und wieder habe ich sie zwar aufgeladen, aber irgendwann lag sie mal zu lange, tiefentladen, Akku kaputt.

Weil die auf der Unterseite einen Drehverschluss haben, dachte ich eigentlich, dass man den aufdreht und dann einen 18650 oder 14500 LiIon-Akku drin findet. Die sind ja groß in Mode, seit die E-Zigaretten den Boom ausgelöst haben und in vielen anderen Geräten auch mit drin. Das sah vom Format wirklich so aus, als könnte man die einfach reinstecken. Pustekuchen, war nicht. Also im Prinzip schon, doch, sowas wie 14500, aber nicht zu wechseln, sondern mit verschweißten Batterielaschen. Vor allem nicht dranzukommen, ohne das Gehäuse zu zerstören. Was ich getan habe, weil ich nun einmal wissen wollte, was und vor allem was für ein Akku drinsteckt, wenn das Ding doch eh zum Teufel ist,

In der Tat fand ich es ärgerlich, dass wenn sie schon einen Drehverschluss unten haben, dann nicht einfach die Batterie wechseln kann.

Der Punkt ist aber:

  • Die Batterie ist eigentlich nicht der Schwachpunkt. Die, die ich seit Jahren benutze, funktioniert immer noch, ich muss sie jetzt halt schon jeden Monat oder etwas öfter mal in die Landehalterung stellen. Es ist aber absehbar, dass dann, wenn der Akku dann irgendwann am Ende ist, die ganze Zahnbürste hinüber ist, weil inzwischen schon so 7 Jahre in Gebrauch.
  • Was will man da eigentlich aufheben? Außer dem Akku, winzig Elektronik auf kleinstem Platinchen, eine Taste, eine LED und so einem komischen Schwingmotorchen ist a nichts drin. Der Akku ist das wesentliche Teil davon. Die Ladestation ist natürlich ein Argument.

Deshalb machen die so einen Riesen-Aufstand? Wegen dem bisschen Kleinkram, der von einer elektrischen Zahnbürste übrig bleibt, wenn man den Akku rausnimmt?

Irgendwie haben die sehr seltsame Vorstellungen davon, was in einer elektrischen Zahnbürste drin ist. Dieselmotor?

Ich fand das viel ärgerlicher, als ich mal eine Kamera, eine Nikon P7000 ausmustern musste, weil die ihre Zeit und vor allem die Einstellungen nicht mehr halten konnte. Ursache: Da ist eine Batterie drin, die den Speicherbaustein und die Uhr puffert, wenn der Akku raus oder leer ist. Die war leer oder kaputt, End of Lifetime. Pfennigartikel. Aber: die war nicht austauschbar, sondern tief drinnen fest eingelötet. Es war systematisch Selbstzerstörung, denn andere Kameras haben da gerne mal einen Akku, der aus dem Hauptakku geladen wird. Wenn der zu lange keinen Strom hat, kann der auch ausfallen, aber wieder geladen werden. Und manche andere Kameras haben ein kleines Fach für eine Knopfzelle für sowas. Theoretisch hätte man die Kamera reparieren können, denn laut Hersteller war es durchaus möglich, das ganze Mainboard samt aufgelöteter Batterie auszutauschen, also die gesamte Elektronik. Das aber würde mit Arbeitszeit weit teurer als die ganze Kamera wert ist. Das hat mich geärgert und nicht die popelige Zahnbürste.

Oder dass ich einen kleinen Farbdrucker von Canon gegen ein neueres Modell ersetzen musste, obwohl an dem Drucker noch alles völlig in Ordnung war. Aber: Es gibt nur Druckertreiber für MacOS und Windows, und die eben nicht mehr für aktuelles MacOS. Entweder hat man eine Uralt-Version ohne Support, oder oder braucht einen neuen Drucker. Der im Prinzip genau gleich ist, aber eine andere Typnummer hat und etwas andere Kartuschen braucht, damit man wieder alles neu kaufen muss. Man kann den alten Drucker noch verwenden, weil er auch direkt von SD-Speicherkarten drucken kann.

Meine Waschmaschine habe ich 1999 gekauft. Das war noch eine mit Metallzuber.

Soweit ich weiß, halten neue Waschmaschinen nicht mehr so lange, weil sie Zuber aus Kunststoff haben. Das ist leichter, aber es bricht irgendwann.

Dafür musste ich schon reichlich Handys und Tablets ausmustern, weil es keine Softwareupdates mehr gibt.

Ich würde es sehr begrüßen, wenn es beim Kauf angegeben wäre,

  • bis wann es Softwaresupport gibt,
  • bis wann es Ersatzteile gibt,
  • ob das Ding überhaupt durch Ersatzteiltausch zu reparieren ist.

Aber sorry, elektrische Zahnbürsten sind da nun wirklich unser geringstes Problem. Da ist außer dem Akku fast nichts dran. Das lohnt sich nicht, die als Hauptziel auszugeben.

Vor allem finde ich es sehr albern, einerseits ein Drama aus elektrischen Zahnbürsten zu machen, bei der Umstellung von DVB-T auf DVB-T2 (oder geplant von UKW auf DAB+) in Kauf zu nehmen, alle Geräte wegzuwerfen und neu zu kaufen. Oder in Sachen Diesel jede Menge noch fast neue Fahrzeuge zu verschrotten. Man kann ja Verkauf und Neuzulassung beschränken, aber noch fast neuwertige Fahrzeuge aus grünökologischer Ideologie im Haufen zu verschrotten, oder auch ganze Kraftwerke, und dann mit elektrischen Zahnbürsten daherzukommen, das ist schon ziemlich schräg.

Zitat:

Tagesspiegel Plus Umweltministerin Lemke: „Eine elektrische Zahnbürste sollte kein Wegwerfprodukt sein“

Sie ist kein Wegwerfprodukt. Ein Nassrasierer ist ein Wegwerfprodukt. Bei einer normalen Zahnbürste kann man sich schon streiten, ob sie ein Wegwerfprodukt ist, oder einfach aufgebraucht.

Aber eine elektrische Zahnbürste? Die bei mir trotz Billigprodukt seit sechs, sieben Jahren hält?

Irgendwie weiß die nicht, was in einer Zahnbürste drin ist. Viel jedenfalls nicht.

Was ist denn überhaupt die Soll-Lebensdauer einer elektrischen Zahnbürste? Von der Konfirmation bis ins Altersheim? Und dann noch an die Enkel vererben? Diese Zahnbürste hat Euer Opa schon im Krieg verwendet, in der Gefangenschaft in Russland. Also bewahrt sie in Ehren und denkt an Ihn, wenn Ihr sie benutzt!

Lasst es mich so ausdrücken: An einer Klobürste ist weit mehr Material dran als einer elektrischen Zahnbürste, wenn man den Akku weglässt (denn der Rest soll ja aufbewahrt werden, wenn der Akku hin ist). Die hat zwar keine Elektronik, aber deutlich mehr Plastik. Und die ist ein Wegwerfprodukt.

Werden wir also künftig unsere Klobürste fürs Leben kaufen und gelegentlich die Borsten austauschen?

Versteht mich nicht falsch. Ich finde die Idee ja grundsätzlich gut, und das Kamera-Beispiel soll zeigen, dass ich dafür bin. Und dass ich für meine Drohnen, obwohl wegen Pandemie kaum benutzt, schon wieder keine Ersatzakkus mehr kriege, weil die nicht mehr hergestellt werden, und ich ich das neue Modell kaufen soll, wenn was dran wäre, finde ich überaus ärgerlich. Denn da reden wir von Beträgen über 1000 Euro, richtig viel Elektronik und Material mit Funk, Kamera und so weiter, das trotz neuwertiger Erscheinung und tadellosem Zustand nach gerade mal drei Jahren auf den Schrott soll.

Ach, ich vergaß, natürlich auch deshalb, weil wir eine Drohnenverordnung haben, wonach alle Drohnen, die keinen eingebauten Sender zur Ausstrahlung von Identität und Standort des Piloten, seit 1.1.2021 verboten sind, für Bestandsgeräte gibt es eine Übergangsfrist. Ich glaube, Ende 2022. Dann muss ich nach EU-Recht meine Drohnen etweder wegwerfen, oder darf sie nur noch außerhalb der EU verwenden. Einfach so. Darunter eine große, schwere Drohne, die ursprünglich mal teuer war, die ich aber durch eine sehr glückliche Verkettung von drei Preisreduzierungen, Rabatt- und Gutscheinaktionen und Sonderangeboten, als Auslaufmodell und unter steuerlicher Berücksichtigung nahezu für umme bekommen habe (und nur deshalb mitgenommen habe, weil sie mich fast nichts gekostet hat), die aber immerhin einen Neuwert von auch weit über 1000 Euro hatte und große Tragkraft hat, nämlich normale Kameras schleppen kann, die ich aber noch nie benutzt habe, die noch nagelneu rumsteht, Ende des Jahres aufgrund von EU-Drohenrecht wohl einfach wegschmeißen kann.

Aber ausgerechnet an der elektrischen Zahnbürste damit anzufangen, dem eigentlich schlechtesten Beispiel, deutet nicht darauf hin, dass die weiß, wovon sie eigentlich redet. Eher so Quotenweibchen ohne Kompetenzen.

Und so nebenbei:

Selbst wenn eine solche Zahnbürste reparabel wäre:

Wer würde für vielleicht 10 Euro einen Ersatzakku kaufen, wenn er für 17 Euro eine komplette neue Zahnbürste mit 8 neuen Ersatzbürsten bekommt? Die neue Zahnbürste gegenüber der uralten also effektiv nur vielleicht ein, zwei Euro kostet?

Wenn ich jetzt die Wahl hätte, an meiner alten (inzwischen auch abgenutzten, angegilbten und angekalkten) Zahnbürste den Akku zu tauschen und neue Bürstenköpfe extra zu kaufen, oder gleich eine neue Zahnbürste – ich würde das neue Gerät kaufen. Und dazu noch Gewährleistung bekommen.

Aber: Grüne Politik gemacht.

Oder anders gesagt: Gewöhnt Euch dran, dass Ihr künftig keine elektrischen Zahnbürsten aus China mehr bekommt und euer derzeitiges Modell noch 20 Jahre halten muss.