Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Die Super-8-Filmkamera digitalisieren

Hadmut
8.1.2022 3:16

Wer noch eine hat…

Nur die Alten unter meinen Lesern werden sich überhaupt noch daran erinnern können, was eine „Super-8-Filmkamera“ ist (oder war).

Damit haben wir in den 70er Jahren Filmchen gedreht, also der analoge Vorläufer von Handy-Videos, die man auf Youtube rauflädt.

Eigentlich waren die Dinger richtig gruselig. Ton haben die nicht aufgenommen (es gab zwar auch welche, die das konnten, aber normalerweise nicht). Man musste sich eine Filmkassette mit analogen, chemischem Film kaufen (weiß nicht mehr, was sie kosteten, aber sie waren teuer), und konnte dann mit einer klobigen Kamera, die auch noch laut ratterte, ganze 3 Minuten Film aufnehmen. Und zwar in wirklich lausiger Qualität, weil nur ganz wenige Bilder pro Sekunde, und die Einzelbilder auf Film ungefähr so groß wie ein Nagel des kleinen Fingers waren. 5,69 mm × 4,22 mm, chemisch, wohlgemerkt, nicht Sensor. Ungefähr so wie Diafilm (was es ja war), da blieb nicht viel an Auflösung übrig, zumal die Optiken auch nicht so der Brüller waren.

Nachdem man das abgerattert hatte, gab man das in der Drogerie oder im Fotoladen zum Entwickeln ab, und bekam ein paar Tage später den entwickelten Film auf einer kleinen Spule, den man dann mit einem Super-8-Projektor (für die es übrigens noch lange vor dem Aufkommen der Videokassette Ruckel-Pornos zu kaufen gab, eigentlich das einzige, was man an fertigem Filmmaterial für diese miserable Qualität bekam) abspielen oder mit Klebeband zu einer größeren Spule zusammenpappen konnte.

Dann kam die Familie zusammen, Papa hat die Leinwand aufgestellt (meist von Quelle oder sowas, selten wirklich gerade, auf einem Stativ als Rollo zum Ausrollen), dann hat man die Rolläden runtergelassen, damit es dunkel genug war, um überhaupt etwas sehen zu können, den ratternden Projektor angeworfen, um sich dann auf der Leinwand unscharfe und farblich seltsame tonlose Ruckelvideos in Charlie-Chaplin-Anmutung anzuschauen. Und man fühlte sich so ein bisschen wie im Kino.

Es gab dann auch noch solche Schneidegeräte, im Prinzip kleine Projektoren mit Mattscheibchen, die man vor sich auf den Tisch stellen und dann die beiden Spulen von links nach rechts per Handkurbel durchkurbeln und per Tastendruck mit einer Klinge durchschneiden und anders wieder zusammenkleben konnte. Deshalb heißt das auch heute noch „Schneiden“, weil man das wirklich noch geschnitten hatte. Tonbänder überigens genauso. Ich hatte noch von BASF ein Schneidset für Compact-Kassetten, und eines für große Tonbänder, weil man das damals auch alles geschnitten und mit Klebeband zusammengeklebt hat. Ratet mal, wo die digitale Redewendung „cut and paste“ eigentlich herkommt. Schneiden und Kleben.

Und dann kam Video, und dann waren sie alle sofort tot. Auch wenn analoge Videokameras auch erst mal sehr abenteuerlich und von der Qualität etwa ebenso lausig wagen, aber ersten mit Ton, zweitens mehr als 3 Minuten, drittens zum sofort angucken, und vor allem viertens: Man konnte es dann auch wieder löschen.

Mancher wird sich auch noch erinnern, dass es vor etwa 20 Jahren, so um die Jahrtausendwende, mal eine Produktankündigung gab, eine digitale Filmkartusche für Kleinbildfotokameras, die die Elektronik und einen Sensor in einem Gehäuse unterbringen sollte, das in die Kammer für die Filmpatrone und den Durchzug für den Chemischen Film passt, um aus normalen analogen Kameras Digitalkameras zu machen. Das Ding wurde jahrelang angekündigt und kam nie auf den Markt, weil es lange nicht funktionierte, und dann längst von den echten Digitalkameras überholt worden war.

Sowas hat nun einer für Super-8-Kameras gebaut.

Text und Video, was halt ging, weil die Super-8-Filmkassetten groß genug waren, um so ein Gehäuse mit dem 3D-Drucker zu drucken und einen Raspberry Pi samt Akku und Kamerasensor drin unterzubringen:

Besonders drollig finde ich, dass er da nicht nur ein Loch für die Filmantriebswelle der Kamera eingebaut hat (muss er ja, sonst passt die Kassette nicht in die Kamera), sondern eine Erkennung, ob der Antrieb sich dreht, damit man also die digitale Aufnahme tatsächlich über die normale Bedienung der Kamera starten kann.

Falls also noch jemand eine alte Super-8-Kamera rumliegen hat und die wieder zum Leben erwecken will…