Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Warum eigentlich Olympische Spiele?

Hadmut
3.8.2021 19:29

Was ist eigentlich der Grund dafür, warum man weit oder hoch springt, Gewichte hebt oder rennt?

Gab gestern und heute ja wieder mal verblüffend viele Medaillen für Deutschland. Einige, auf die ich als Sport-Desinteressierter als Medaillenchance für Deutschland gar nicht gekommen wäre, wie Segeln. Eine Diskuswerferin. Eine Reiterin, die als erste Frau die Goldmedaille im Wettkampf gegen Männer erzielt hat. Eine Ringerin, die den letzten Kampf ihrer Karriere absolviert – und damit die Goldmedaille holt. Zwei Bahnradfahrerinnen, die die Goldmedaille gegen China nur um ein paar Tausendstel verpasst haben. Ein Bahnradvierer, der die bisherigen Führenden, ich glaube, es waren die Briten, regelrecht deklassiert und aussehen lassen hat, wie ein Trabbi, der den Motor zuhause gelassen hat (Kristina Vogel im ZDF). Schön war auch, dass Malaika Mihambo im letzten Sprung doch noch Gold geschafft (und sogar noch knapp 20 cm verschenkt) hatte, nachdem man vorher berichtet hatte, dass sie mit ihrem Anlauf so hadert.

Trotz dessen, dass es keine Zuschauer gibt, hat man (zumindest dem Eindruck im Fernsehen nach) eine gute Stimmung hinbekommen. Oder vielleicht gerade deshalb?

Mir ging eine Frage durch den Kopf.

Warum?

Was ist eigentlich der Grund dafür, dass man versucht, der Beste darin zu sein, so weit wie möglich in einen Haufen Sand zu springen, über eine Stange zu hüpfen, zu rennen, irgendwelche Dinge zu werfen oder zu heben?

Na, klar, Wettbewerb untereinander. Ich verstehe das ja noch, habe ja auch schon verschiedene Sportarten gemacht, dass man selbst in Wettbewerb mit anderen tritt (obwohl auch da schon die Frage steht: Warum eigentlich?)

Aber warum als Land?

Warum ist das so wichtig, dass ein Land der Erde, dass beispielsweise fast 100 Millionen Menschen hat, demonstriert, dass es eine hat, die 2cm weiter springen kann als alle anderen der Welt? Warum ist es für andere wichtig, einen zu haben, der hoch springen kann? Einen, der eine völlig nutzlose Scheibe ganz weit weg werfen kann, um sie dann wieder zu holen?

Warum haben die alten Griechen damit angefangen?

Großraum Amygdala?

Könnte es sein, dass das wieder mal ein Urzeitverhalten ist, das tief in uns drin ist, unser Ansehen im Rudel, unsere Attraktivität, unsere Fortpflanzungschancen zu verbessern, indem wir Gesundheitsmerkmale demonstrieren?

Schaut her, unser Genpool ist der Beste?

Ich hatte doch vor ein paar Tagen aus dem Humboldt-Forum von dieser Elfenbeinausstellung berichtet, in der ein indischer Professor in einem Video erzählt, dass der Elefant seine Stoßzähne eigentlich nicht braucht, die weiblichen indischen auch keine haben, sie mehr Nachteile als Vorteile bringen, aber wohl den Zweck haben, wie Hanteln zu demonstrieren, wer am besten mit diesen Dingern umgehen kann? (Leser schrieben allerdings, das seien durchaus taugliche Waffen, selbst Nashörner bekämen die Angst, wenn ein Elefantenbulle sauer ist und mit den Dingern rumfuchtelt.)

Aber Kräftemessen ist ja nicht auf Menschen beschränkt. In vielen Tierarten führen zumindest die Männchen Ringkämpfe aus oder zeigen, was sie drauf haben (Pfau…) um auszufechten, wer der gesündeste ist, wer die besten Gene hat, wer Rudelchef wird.

Ist dieses Kräftemessen eine evolutionär erworbene Verhaltensweise, die der Bestenauslese dient, um den Genpool optimal zu erhalten?

Fallen Sportwettbewerbe bei Teilnehmern und Zuschauern deshalb unter Sozialverhalten, weil das Gehirn wieder mal Belohnungshormone ausschüttet, wenn man sich den Verhaltensprogrammen konform verhält?

Sind Olympische Spiele also eine Art zivilisierte Ausführung archaischer Verhaltensprogramme, in Wettbewerb zueinander zu treten um öffentlich festzustellen, wer der Gesündeste und Leistungsfähigste ist, also die besten Gene hat?