Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Von Elefanten und einem Erstbesuch im Humboldt-Forum

Hadmut
26.7.2021 15:41

Mmmmh.

Nun haben sie ja in Berlin diese Neuauflage des Stadtschlosses gebaut. Für moderne Architektur hätte ich ja was übrig. Barock ist nicht so mein Ding, aber ich kann dem in Grenzen auch was abgewinnen, und es muss ja auch nicht alles nach meinem Geschmack gehen. Ich kann auf rationaler Ebene auch Wohlwollen für Dinge entwickeln, die mir nicht gefallen. Barock und moderne Architektur zu vermischen und ineinander zu bauen, das gefällt mir nicht. Darauf, dass sich bei mir rationales Wohlwollen einstellt, warte ich da noch.

Was auch damit zusammenhängt, dass sich mir der Sinn dieses Objekts noch nicht in Gänze erschließt. Und auch nicht, wie intensiv das Ding mit der gegenüber liegenden Humboldt-Universität, dieser akademischen Beleidigung für jeden denkenden Menschen im Allgemeinen und die Humboldt-Brüder im Besonderen, verwoben ist. Praktisch nichts ergibt noch einen Sinn, worauf diese marxistischen Genderklapsmühle Einfluss nimmt. Vor allem dann, wenn da in Berlin alles auf political correctness hinausläuft und alles auf links gebügelt wird. Vor allem, weil das auf der Fläche von Erichs Lampenladen, dem Palast der Republik der DDR steht, und da vermutlich das Gespenst von Honecker rumspukt.

Ich habe eine kleine, breite Treppe (so drei oder vier Stufen) darin entdeckt, die schon so strapaziert und beschädigt war, dass ich mir dachte, die müsste man mal renovieren. Das Ding hat am Dienstag eröffnet. Als ich durch eine Drehtür wollte, sprang ein Bediensteter herbei, der mich belehrte, dass ich nicht durch diese Drehtür gehen dürfte, sondern die nebendran nehmen müsste, weil an der nebendran „Ausgang“ stünde, an dieser jedoch nicht. Die sei ein Eingang. Ich hielt dem entgegen, dass es hierzulande kulturell nicht Standard sei, Gebäude nur durch solche Türen zu verlassen, die mit „Ausgang“ beschriftet seien. Beschriftungslosigkeit werde allgemein als Zustimmung interpretiert. Meine Erwartungshaltung sei in solchen Fällen, dass die Tür mit „Kein Ausgang“ beschriftet würde, was als nützlicher Verbesserungshinweis aufgenommen wurde. Bei der Gelegenheit wies ich auf den bemitleidenswerten Zustand der Treppe hin, was nicht nur mit einem erneuten Dank quittiert wurde, sondern auch mit dem Hinweis, dass an dem Gebäude noch viel mehr nicht funktioniere, und das ja auch nicht erst seit Dienstag genutzt werde, da schon etliche Arbeiter, Ausstellungsbauer und so weiter durch seien. Nicht auszudenken, wenn ich durch die falsche Drehtür gegangen wäre.

Inzwischen ergibt sich, dass das Humboldt-Forum so eine Art „Universal-Museum“ sein solle, wie es die allwissende Müllhalde ausdrückt, Stichwort Museumsinsel. Museum für was halt gerade rum- und ansteht. Das Geld musste halt raus.

Nun ist das Ding endlich eröffnet, und zur Eröffnung sind die ersten 100 Tage eintrittsfrei. Aber nicht maskenfrei. Man muss ich ein Online-Ticket buchen, das zwar nichts kostet, aber eben einen Zeitslot belegt und die Zahl der Besucher begrenzt, und immer nur für eine Ausstellung gilt. Und wenn es was kostenlos gibt, dann ist es in Berlin voll.

Man kann deshalb da nicht einfach hingehen, sondern muss versuchen, ohnline noch ein Ticket für einen freien Termin zu ergattern, und muss dann eben die die Zeit und die Ausstellung nehmen, die man noch kriegen kann.

So also verschlug es mich eben in die Ausstellung „schrecklich schön. Elefant – Mensch – Elfenbein“

Mmmh.

Ich weiß ja auch nicht.

Irgendwie konzeptlos. Als habe man eine Datenbank der Exponate, in der Suchfunktion „Elfenbein“ und „Elefant“ eingegeben, und dann halt alles das ausgestellt, an das man im Archiv leicht drankommt, bis der Ausstellungsraum voll war. Plus ein paar Videos.

Natürlich wird der Kolonialismus angemahnt. Geht in Berlin nicht mehr ohne.

Sie zeigen ein Video, bei der man einer Elefantenkuh, die im Dreck liegt, beim Sterben zusehen und zuhören kann. Es hätte ja noch gewissen Sinn ergeben, wenn sie von Wilderern wegen ihrer Stoßzähne überfallen worden wäre, aber in diesem Fall weiß man nicht, woran sie eigentlich gestorben ist, ihre Herde hatte sie aufgegeben. Worin der Sinn liegt, ein Tier beim Verenden zu filmen und das im Museum auszustellen, erschließt sich mir nicht. Wird auch auf der Texttafel dazu nicht erläutert, es ging wohl um Kunst. Menschen in der Situation zu filmen, wäre strafbar. Bei Elefanten ist es Kunst.

Einen Haufen originalen Elefantendungs konnte ich bewundern. Ob per Flugzeug aus Afrika eingeflogen oder nur aus einem Berliner Zoo geholt, bleibt unklar.

Das Wrack eines Toyota-Gelädewagens haben sie ausgestellt, mit dem ein Elefantenbulle Schrottpresse gespielt hat, als er seine Wut darüber, einem Widersacher im Zweikampf unterlegen zu sein, an dem Auto samt Insassen ausließ. Sie hatten ihm dabei zugesehen.

Gelernt habe ich etwas neues, nämlich dass Elefanten angeblich über mehrere Kilometer kommunizieren können, etwa Warnsignale geben, indem sie mit dem Rüssel Infraschall erzeugen, der vom Boden übertragen wird. Die anderen spüren das dann in den Füßen.

Und jede Menge Elfenbeinschnitzereien. Und ein Nilpferdschädel und ein Walkiefer. Weil man aus deren Zähnen auch was schnitzen kann.

Dazu wird erklärt, dass Elfenbein sehr beliebt war, um daraus Billiardkugeln zu machen, weil es die richtige Kombination aus Härte und Elastizität hatte, um die Energie aufzunehmen und wieder abzugeben. Man aber aus einen Stoßzahn aber nur bis zu vier Kugeln fertigen kann, man für einen Satz aus 16 Kugeln also mindestens zwei Elefanten töten muss? Wusstet Ihr, dass man das Elfenbein auf Klaviertasten inzwischen durch künstliches Elfenbein zu ersetzen versucht, das kein Kunststoff ist, sondern der mineralischen Zusammensetzung von Elfenbein gleicht? Weil es beim Klavier nicht nur wichtig ist, wie es sich anhört, sondern auch, wie es sich beim Spielen anfühlt.

Es wurde berichtet von einer besonders klugen Leitkuh, die Waisen, die Kälber von von Wilderern geöteten Müttern, adoptiert habe, was durchaus ungewöhnlich und kein allgemein übliches Verhalten sei.

Kurios dann, was im Kleingedruckten so völlig gegen die Gender-Doktrin verstößt.

Der afrikanische Elefant ist das größte lebende Landsäugetier, aber nur die Männchen. Die Weibchen werden nur halb so schwer.

Warum? Werden die schon im Kindergarten diskriminiert?

In einer der Videositzungen, die man sich anhören kann (es werden feuchte Desinfektionstücher zum Abwischen der Kopfhörer gereicht) geht ein indischer Professor auf die Frage ein, warum Elefanten eigentlich Stoßzähne haben. So einen unmittelbaren Zweck erfüllten die ja nicht, seien eher hinderlich. Zumal bei afrikanischen Elefanten die Weibchen kleinere Stoßzähne haben als die Männchen, bei den indischen Elefanten aber nur die Männchen welche haben, die Weibchen gar keine. Man brauche sie als Elefant also eigentlich nicht. Objektiv betrachtet gingen damit Nachteile einher.

Er interpretiere das so, dass die Stoßzähne eine Art Schikane, Ballast sind, anhand derer das Männchen den Weibchen demonstrieren kann, dass er sogar noch mit diesen Dinger der Größte ist und selbst diese Belastung meistern kann, er also besonders stark und gesund ist.

Hörte sich so an, als würde man von der Muskelmannparade an Stränden wie in Kalifornien reden, wo die Typen sich mit dicken Muskeln und Gewichten beim Bodybuilding aufspielen, umd die Weiber zu beeindrucken und abzuschleppen. Oder so einer Art dickster Angeberschlitten.

Da ging mir so durch den Kopf, dass man die Geisteswissenschaftsidioten von der Humboldt-Uni gegenüber mal rüberholen sollte, damit sie sich dazu mal äußern. Ob die Stoßzähne und deren Geschlechtsunterschiede bei Elefanten auch nur ansozialisiert wurden und man den Weibchen die Stoßzähne ausgeredet hätte, um sie zu unterdrücken. Und sie deshalb kleiner wären, weil die Bullen ihnen das Essen wegfressen, selbst wenn sie die Leitkuh sind. Oder es da überhaupt eine Nahrungsmittelknappheit gibt, die Weibchen davon abhält, so groß wie die Männchen zu werden.

Die Frage nach dem Wohlwollen stelle ich bis auf weiteres erst mal zurück.