Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Jugend und Hochwasser

Hadmut
19.7.2021 15:04

Eine Gegenrede ging bei mir ein.

Hallo Herr Danisch,

die Leserzuschrift im Artikel: Danisch.de » Ein Bild der Gesellschaft und der Generationen, direkt aus dem Katastrophengebiet kann und will ich so nicht stehen lassen.

Ich bin seit Freitag jeden Tag im Ahrtal. Ich wohne nur 1 km vom Katastrophengebiet entfernt und habe betroffene Bekannte und Familie im Gebiet.
Hier bei uns stellen die unter 30 jährigen die absolute Mehrheit der Helfer.
Sei es von den freiwilligen Feuerwehren oder auch einfach private Helfer!

Es kommen ganze Busladungen und Schwärme von Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus dem gesamten Umland die einfach überall helfen oder von Haus zu Haus gehen und fragen ob Hilfe gebraucht wird.

Gestern Nachmittag habe ich mit einer spontan gebildeten Gruppe aus einer handvoll 20-30 jähriger einen Keller sowie das Erdgeschoss ausgeräumt. Wir kannten weder den Hausbesitzer noch uns gegenseitig aber haben im vorbeigehen nur gesehen das dort Hilfe benötigt wurde und in dieser Runde war ich (mitte 30) mit Abstand der älteste.
Da wir hier auf dem Land sind, haben auch viele bereits mit 16 einen Traktorführerschein und fahren hier pausenlos mit schwerem Gerät um Schuttberge zu beseitigen oder Autos aus Häusern zu ziehen, Wasser in 1cbm-Containern zu transportieren, etc.

Mag sein das der Leser in NRW wohnt wo die Lage vielleicht so ist, hier im ländlichen Raum sieht das jedoch ganz anders aus. Alle Generationen arbeiten hier hand in Hand zusammen und interessanterweise sind die männlichen und weiblichen Helfer gut ausgeglichen.
Vielleicht ist hier auf dem Land auch einfach noch die Welt in Ordnung…

So, ich muss wieder los. Wir haben noch viel vor uns.

Viele Grüße aus dem Ahrtal.

Das ist vielleicht der springende Punkt: „Ländlicher Raum“. Leute, die mit 16 einen Traktorführerschein machen, haben dafür meistens sowohl Grund, als auch Hintergrund, nämlich in einem Umfeld aufgewachsen zu sein, wo man Traktoren hat und einsetzt, und das tut man nicht zum Spaß. Die hat man, weil man sie braucht, und Landwirtschaft, ob nun Pflanze oder Tier, ist es gewohnt, anpacken zu müssen, und nicht einfach mal in Urlaub zu gehen oder zu streiken.

Hier in den Großstädten haben wir mit den Leuten zu kämpfen, all diesen Gretas und Luisas, die wohlbehütet aufgewachsen und der Meinung sind, dass weil sie kein Auto brauchen, und sie nur Fahrrad und S-Bahn fahren, auch niemand anderes irgendwas mit Motor brauche – schon gar keinen Traktor.

Wir haben hier mit Leuten zu tun, die nicht melken und nicht mähen, sondern Soziologie oder Politologie oder sowas studieren, niemals arbeiten, es auch nicht könnten oder wollten, grundsätzlich auf Kosten anderer leben und alles bereitgestellt haben wollen, Kapitalismus und Maskulinität kritisieren, und dann aber meinen, anderen Vorschriften machen zu können.

Da gibt es sicherlich enorme Unterschiede zwischen Stadt- und Landjugend.

Man möge die Beschreibung dieses Lesers vergleichen mit Klimaprinzessinnen wie Luisa Neubauer, die auf Städtetournee geht um überall zu streiken, also vorzutanzen, wie eine aussieht, die niemals arbeitet, davon aber ständig streikt. Stellt Euch vor, die kämen jetzt bei Euch im Krisengebiet vorbei, um Euch im Weg zu stehen, Euch die Wege zu blockieren und Euch einen vorzustreiken. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Ihr da nicht nur Traktoren, sondern auch Mistgabeln habt.

Ich war in keinem der Gebiete, aber aus dem Raum Euskirchen wurde mir eben anderes berichtet. Obwohl das eigentlich nur 10km weg liegt.

Vielleicht habe ich Euch zu Unrecht auf den Schlips getreten. Aber sicher nicht nutzlos.

Denn, sorry, wenn ich das so sage, zumindest in den Städten haben wir das Bild einer faulen, ungebildeten, aber besserwisserischen, eingebildeten, moralüberheblichen, unverschämten Jugend.

Es freut mich sehr zu hören, dass das auf dem Land auch anders geht. Aber gerade deshalb sollte man den Kontrast nicht ignorieren, sondern herausstellen. Denn der Unterschied, mehr noch dessen Bemerken und Erkennen, sind wichtig.

Stellt Euch mal Greta oder Luisa Neubauer statt in ihrem Klimaprinzessinnenrollenkostüm in dreckigen Hosen, mit Gummistiefeln auf einem Traktor (mit Dieselmotor!) vor, wie sie Autos abschleppen. Statt zu „streiken“. Also mal was zu arbeiten, statt immer nur für die Kameras nicht zu arbeiten.

Als würde man von einer Pseudovölkerrechtlerin erwarten, Kühe zu melken.

Wie gesagt, es freut mich sehr, wenn es noch eine Jugend gibt, die anpackt. Aber charakteristisch ist es nicht mehr.