Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Twitter-Trend: Wie doof kann man sein?

Hadmut
31.3.2021 11:59

Ich reiche mal eine Warnung der Polizei durch.

Man muss den Leuten nur einen Hashtag und irgendeinen neuen Trend vorgeben und schon machen die das nach und fotografieren ihren Schlüsselbung und stellen das ins Netz, wo dann jeder den Schlüssel nachfeilen kann.

Da muss ich jetzt einfach nochmal die Anekdote damals aus der Uni bringen.

Beth, Leser kennen den Namen, der Pseudo-Krypto-Professor, bei dem ich damals war, war ja ein krankhaft-notorischer Angeber. Der hielt das in Vorlesungen und Veranstaltungen keine 10 Minuten aus, ohne anzugeben, mit wem er sich wieder getroffen hat oder wen er kennt oder wer bei ihm angerufen hat oder mit wem er Wein getrunken hat, oder auch was für ein tolles Gadget er wieder hat. Nokia 9000 Communicator musste er unbedingt haben, gleich als Ersters, um damit angeben zu können. Oder als damals die roten Laserpointer in Mode kamen, hat er das ganze Institut rumgetrieben, um ihm für teuer Geld einen der extrem seltenen und schwer zu bekommenden grünen Laserpointer zu beschaffen. Und damit auch jeder mitkriegt, dass er der Superprof ist, der einen grünen Laserpointer hat, hat er ständig damit rumgefuchtelt und bei jeder noch so unpassenden Gelegenheit noch dazugesagt, dass sein Laserpointer grün ist, und nur er einen grünen hat und so weiter und so fort.

Eines Tages, wieder mal so eine Vorlesung, Untergeschoss, Informatik-Bau, mal wieder die volle Angeber-Nummer. Er hatte sich einen Audi gekauft, Kombi, in Silber-Metallic, und war wochenlang damit beschäftigt, mit seinem Audi anzugeben, jedem zu erzählen, dass er jetzt einen so wahnsinnig tollen Audi hat. Niemand entkam ihm, jedem musste erklärt werden, dass der beste Prof der Welt jetzt das beste Auto der Welt fahre, weil sie einander jeweils gerade gut genug seien. Nur das Beste für den Besten.

Weil seines Erachtens aber immer noch nicht genug Leute mitbekommen hatten, dass er jetzt einen geilen Audi fährt, kam natürlich auch die Vorlesung wieder nicht aus, ohne dass er ständig seinen Audi erwähnte. So total lächerlich und an den Haaren herbeigezogen. Und damals hatte man ja noch die Overhead-Projektoren, auf die man Folien legte und dann darauf herumzeigte. Natürlich – so total lächerlich – hatte er seinen Zeiger „vergessen” und musste – ach – in der Not seinen Autoschlüssel aus der Tasche holen und ihn als Zeiger verwenden, um natürlich dann ständig wieder darauf hinzuweisen: „Ich zeige Ihnen das mal hier mit meinem Audi-Schlüssel!”

Aber, ach.

Der hatte damals nämlich noch einen von den älteren Autoschlüsseln, die noch so richtig vollgefräst und nicht diese Halbreliefschlüssel sind, die von oben immer rechteckig aussehen. Das heißt, man konnte das Relief des Schlüssels auf dem Bild, das der Projektor an die Wand warf, voll und groß sehen. Und als Beth schon wieder mal seinen Schlüssel hinlegte und anfing, anzugeben, zog einer eine Kamera und machte ein Foto vom Projektorbild an der Wand.

Beth – gesalbter Kryptologe von Gottes Gnaden und Papstes Segen – fuhr der Schreck in alle Glieder. Auf einmal leichenblass, völlig verunsichert, hatte sofort den Faden verloren. Ab da hat er nie wieder seinen Audi öffentlich erwähnt, und dann wochenlang Angst gehabt, man könnte ihm seinen Audi klauen und das Institut kommandiert, ständig zu wachen, ob der Audi noch da ist. Und zuckte jedesmal zusammen, wenn im Seminar einer „Schlüsselkompromittierung” sagte. Und wir haben natürlich ganz besonders oft von kompromittierten Schlüsseln gesprochen und davon, dass der Schlüsselinhaber seinen Schlüssel offenlegt.