Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Corona-Test nach Berliner Art

Hadmut
29.3.2021 13:23

Ich platz’ gleich.

Es heißt, jeder bekäme in Berlin einen kostenlosen Corona-Schnelltest pro Woche.

Nun beklagen sie ja, dass die Corona-Schnelltests nicht ausgelastet sind. Sie seien nur zu xy% belegt. xy habe ich nicht mehr im Kopf aber weit unter 100. Irgendwie so zwei Drittel oder sowas.

Nun dachte ich mir vor einigen Wochen, als das mit den Tests anfing, also gut, machste einen. Ging nicht, weil es nur drei Zentren ohne Terminvergabe gab, alle weit weg und mit langen Warteschlangen. Die mit Terminvergabe seien hier gleich um die Ecke, aber die Terminvergabe noch nicht implementiert.

Also gut, dachte ich, wartest Du halt noch etwas, bis sie das implementiert haben. Inzwischen sind auch meine Schnelltests von LIDL hier angekommen, aber ich dachte mir, brauchst ja jetzt nicht die teuren Dinger verwenden, wenn es erst mal noch einen kostenlos gibt. Also Termin gemacht für heute 12:45 beim „Corona-Schnelltest-Zentrum am Moritzplatz” in der Prinzesinnenstraße. Zweck Ecken von hier.

Man bucht dann eine Eintrittskarte über ticket.io, bekommt sie hier sogar zum Preis von 0.00, und eine Bestägigungsmail.

Da habe ich schon gemerkt, dass das mit der heißen Nadel gestrickt ist, weil die Bestätigungsmail voller kleiner Fehler war. Das PDF-Ticket zum Ausdrucken stimmte zwar, aber schon beim elektronischen Ticket für’s Handy fehlt die Adresse, wo man eigentlich hin muss, und der ical-Termin funktioniert gar nicht, weil der MIME-Typ falsch ist und die Urzeit nicht stimmt – danach soll ich bitte von 09:00 bis 21:00 dort antreten. 12:45 ist die richtige Uhrzeit. Das ist zwar jetzt nicht wirklich schlimm, aber es zeigt dann halt auch: getestet hat das auch keiner.

Auf dem Ticket steht dann

  • Ich solle bitte pünktlich erscheinen.
  • Maske tragen
  • 2 m Abstand halten
  • Hände desinfizieren.

Also los.

Also ich eben, pünktlich, 12:40 dort war, traf mich fast der Schlag.

Eigentlich dachte ich, und das hatte man auch öffentlich kommuniziert, dass man einen Termin macht, um dort nicht warten und nicht auf andere Leute treffen zu müssen. Ich hatte das so erwartet, dass man dahin geht, Guten Tag, Danisch, Termin 12:45, und dann „Ja, warten Sie noch 3 Minuten, Sie kommen gleich dran.”

Aber, ach.

Warteschlange vor dem Gebäude von geschätzten 100 Meter (kommt nicht auf die Idee, es zu bestreiten, ich habe es vorsorglich fotografiert, bis hinten an den weißen Baucontainer!), drinnen auch noch weiter. Zäh langsam. Man wartet draußen nicht nur ziemlich lange (und steht im Regen), die halten auch überwiegend zu wenig oder gar keinen Abstand.

Wie bitte!?

Ich soll zum Corona-Schnelltest, weil sie die Pandemie eindämmen wollen, und dann soll man da für zig Minuten in einer langen Warteschlange ohne Abstände stehen?

Als blieb ich erst mal abseits und habe versucht, sie anzurufen. Was nicht so einfach ist, denn eine Telefonnummer steht nicht drauf (obwohl sie bitten, dass man telefonisch absagt, wenn man nicht kann). Auf die Webseite, Telefonnummer. Ein Sprachcomputer. Erst die Nummer 9 passt für mich. Wartemusik – Wartemusik – Wartemusik. Eigentlich wollte ich fragen, wie sie sich das vorstellen. Termin machen, pünktlich erscheinen und dann erst mal ewig in einer dichten Schlange anstehen.

Ich habe den Test dann nicht gemacht und bin wieder gegangen, denn wenn ich so lange in einer solchen Schlange stehen soll, dann war der Test ohnehin für die Katz, weil er dann mittags nicht sagt, ob ich abends dann COVID-19 habe.

Quasi ein selbstinvalidierender Test, weil den Test zu machen automatisch dafür sorgt, dass das Ergebnis nutzlos ist.

Was soll der ganze Quatsch?

Warum ist da niemand in der Lage, das ordentlich zu organisieren?

Und kann das sein, dass die Testzentren hier nicht ausgelastet sind, weil die weit höhere Kapazitäten angeben, als sie tatsächlich haben, damit sie sich goldene Nasen verdienen?