Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Update zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk

Hadmut
19.3.2021 17:00

Passt exakt zu meiner Stellungnahme.

Ich hatte gerade über meine Stellungnahme zum MDR-Gesetz gegenüber dem Thüringischen Landtag geschrieben.

Um 14:55, also rund eineinhalb Stunden nach meinem Vortrag, erschien bei der WELT ein Artikel, der dem Aspekt der Aufgaben und ob der Beitragszahler die Internet-Akrobatik von ARD und ZDF zahlen muss, ein ziemlich deckungsgleicher Artikel: Das Instagram-Imperium der ARD

Sie beschreiben, wie die öffentlich-rechtlichen Sender mit enormem Aufwand und vielen Accounts versuchen, die Leute über die Social Media zu beeinflussen:

Um eine junge Zielgruppe zu erreichen, legen sich öffentlich-rechtliche Sender wie ARD und ZDF Instagram-Accounts zu. Und zwar nicht nur einen, sondern sehr viele. Was steckt hinter dieser Strategie? Das Vorgehen wirft mehr Probleme auf als nur die ungeklärte Kostenfrage. […]

Diese Fotomontagen aus Text und Bild, auch Memes genannt, werden vom RBB redaktionell produziert und auf Instagram verbreitet. Mehr als 124.000 Menschen folgen dem Fritz-Kanal „Same Memes“, der sich laut RBB vor allem an 17- bis 19-jährige Mädchen richten soll. Damit zeigt der RBB, dass man über Humor streiten, aber eben als öffentlich-rechtlicher Sender nicht nur Fans des „Musikantenstadls“, sondern auch junge Menschen erreichen kann.

Und damit ist der RBB nicht allein. Die Öffentlich-Rechtlichen haben in den letzten Jahren ihre Präsenz an Online-Formaten in den sozialen Netzwerken aufgebaut, unabhängig von ihren Mediatheken. Vor allem auf Instagram ist die Reichweite der Rundfunkanstalten enorm.

ARD, ZDF, Arte und Funk, das Millennial-Netzwerk von ARD und ZDF, betreiben auf der Plattform mehr als 200 Accounts mit einer potenziellen Reichweite von knapp 21 Millionen Nutzern. Zum Vergleich: Zusammen könnten die Kanäle von „Bild“, „FAZ“, „SZ“, „Zeit“, „Spiegel“ und WELT rund 3,7 Millionen Menschen erreichen. Da Nutzer mehrere Kanäle abonnieren können, sind das zwar nur potenzielle Reichweiten. Trotzdem wird die gebührenfinanzierte Wettbewerbsverzerrung deutlich.

Im Gegensatz zur ARD ist das ZDF so spartanisch wie effizient: Der Mainzer Sender betreibt nur 14 Accounts, fasst Themen unter „ZDF Info“, „ZDF Sport“ oder „ZDF Kultur“ zusammen und erreicht im Schnitt pro Account rund 324.000 Menschen. Am erfolgreichsten ist der Satirekanal der „Heute-Show“ mit 1,8 Millionen Followern.

Das ist thematisch exakt das, was ich vorhin – auch mit Bezug auf Social Media, bei mir waren es Twitter, Facebook, Youtube – angesprochen habe: Dass der gesetzliche Auftrag nicht klar ist und deshalb auch nicht klar ersichtlich ist, wie weit der Auftrag geht und was vom Beitragszahler zu bezahlen ist.

Die nächste Frage ist:

Warum machen die das überhaupt?

Fernsehen, Radio und zugehörige Webseiten zu machen ist das eine. Man kann sich überlegen, ob man sie besucht oder es bleiben lässt.

Wie aber passt es mit dem Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zusammen, dass man von denen quasi durch alle Social-Media hindurch verfolgt wird?

Jemand, der informieren will, würde das nicht tun.

Jemand, der unterhalten will, würde das auch nicht tun.

Jemand, dem es nur ums Geld geht, würde auch nicht mehr tun, als er muss und soll.

Es kann eigentlich nur heißen, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk eine Propagandamaschine ist, die nach dem Schema „Kommst Du nicht zu uns, kommen wir zu Dir” arbeitet.