Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

„Vögeln, fördern, feuern” – Wird da gerade der Springer-Verlag diszipliniert?

Hadmut
15.3.2021 15:36

Alles auf Linie bringen?

Neulich hatte ich einen Blogartikel darüber angefangen, wie unsere Regierung durchverfault. Ein Zustand, wie ihn Reinhard Mey in „Narrenschiff” besang.

Darin hatte ich eigentlich einen Link auf diesen WELT-Artikel vorgesehen, in dem die WELT auf einmal ziemlich auf Merkel und Co eindrischt, es gab noch mehr Merkel-Kritik von der WELT. Zusammenfassung: Die SPD baut zwar Schwachsinn und Mist, bekommt ihn aber durch. Merkel und ihre Truppe bekommen einfach gar nichts mehr auf die Reihe.

Nach 15 Jahren spricht sich dann halt doch mal rum, dass die Fregatte Merkel noch nie auf großer Fahrt war, als Wrack seit 15 Jahren auf Grund liegt und nur noch so tut, als würde sich was bewegen. Das Ding rührt sich nicht, aber sie steht auf der Brücke und tut so, als würde sie was lenken.

Warum aber kann auf einmal der Springer-Verlag da loslegen? Bisher waren die ja unter Kontrolle von Merkel-Freundin Friede Springer, aber die hat ja neulich gleich Firmenanteile im Milliardenwert an den Chefredakteuer übertragen und das Ruder wohl auch. Auf einmal bläst Springer zum Angriff auf Merkel?

Einige meiner Leser meinen, dass die WELT die derzeit letzte verbliebene große Zeitung ist, in der wenigstens ab und zu noch etwas Regierungs- und Zeitgeistkritik kommt.

Da ging nun die Kunde rum, dass man hinter BILD-Chefredakteur Julian Reichelt her sei. Weshalb genau, das wollte man nicht so sagen. Irgendein „Compliance”-Ding. Nun war ich ja lange genug in der Compliance tätig, um zu wissen, dass das nur ein vager Oberbegriff über alle Gesetzespflichten ist, und man zwar für „Compliance” zuständig sein kann, aber nicht dagegen Verstoßen kann. Man kann wegen Diebstahl, Betrug oder Mord in den Knast gehen, aber nicht so allgemein wegen „Gesetzesverstoß”. Es ist irgendwie seltsam, wenn da nur geraunt wird, es habe was mit Compliance zu tun, aber nicht gesagt wird, was.

Keine Beschuldigung, keine Beweise. Also Unschuldsvermutung. Unschuldig bis zum Beweis des Gegenteils, woran auch immer.

Er soll allerdings selbst um seine Freistellung gebeten haben – um die Sache zu klären.

Nun schreibt die Süddeutsche:

Der Bild-Chefredakteur Julian Reichelt ist vorübergehend von seinen Aufgaben freigestellt worden. Wie der Axel-Springer-Konzern am Samstagabend mitteilte, habe er den Vorstand selbst darum gebeten, “um eine ungestörte Aufklärung sicherzustellen und die Arbeit der Redaktion nicht weiter zu belasten”.

Das Berliner Medienunternehmen, zu dem auch die Welt gehört, ermittelt wegen möglicher Compliance-Verstöße gegen Julian Reichelt. Mehrere Frauen werfen Reichelt Fehlverhalten vor, es geht um Machtmissbrauch, das Ausnutzen von Abhängigkeitsverhältnissen und Mobbing. “Wenn aus Gerüchten über andere Personen konkrete Hinweise von Betroffenen selbst werden, beginnt das Unternehmen – wie im aktuellen Fall – sofort mit der Aufklärungsarbeit”, teilte Springer am Samstag mit. Für diese Aufklärungsarbeit hatte das Medienhaus vor Wochen die Kanzlei Freshfields beauftragt. Solange die Untersuchung läuft, will Springer keine weiteren Angaben machen.

Bisher liegen zwar keine Beweise gegen ihn vor, dennoch sorgte der Fall Julian Reichelt bereits für wilde Schlagzeilen. “Vögeln, fördern, feuern” lautete die Überschrift eines Spiegel-Artikels vom Freitag, mit dem ein namentlich nicht genanntes Mitglied der Bild-Redaktion zitiert wird. Bereits in den Tagen zuvor hatten sich die Andeutungen überschlagen.

Ah, ja.

Wieder mal so eine Frauenvorwurfsnummer.

Und dazu:

Am 5. März deutete Jan Böhmermann, TV-Satiriker mit millionenstarker Gefolgschaft im Netz, in seiner ZDF-Sendung ein “umfangreiches Compliance-Verfahren” gegen Julian Reichelt an. Der taz-Kolumnist Friedrich Küppersbusch verbreitete Sticheleien auf Youtube, ein Berliner Newsletter erdichtete ein anonymisiertes Dramolett, das sämtliche Gerüchte fiktionalisiert, die derzeit über Julian Reichelt in der Branche kursieren. Auf das Geraune folgte wenig später ein erster Bericht des Spiegel über die internen Ermittlungen bei Springer. Auch darin äußerte sich niemand namentlich oder konkret.

Sagen wir es so: Ausnahmslos alles, was bei Jan Böhmermann vorab auf den Tisch kommt, stinkt gewaltig nach Fake, weil niemand, wirklich kein seriöser und ehrlicher Mensch, irgendetwas ausgerechnet bei Böhmermann einwerfen würde – kann ich mir schlicht nicht vorstellen. Die Sache mit dem Ibiza-Video wurde ja auch bei dem eingeworfen, und die war ja auch faul. Und nicht nur das: Es gibt ja mittlerweile Gerüchte, dass die Ibiza-Nummer ein politische Intrige aus Berlin war. Und das ZDF stinkt ja auch nach Polit-Dienstleister.

Dagegen hatte ich schon öfters gesagt, dass die BILD längst zu Deutschlands führendem Investigativmagazin geworden ist. Nicht, weil sie besser wurde, sondern weil alle anderen so grottenschlecht und politisiert geworden sind.

Wird da gerade die verbliebene widerspenstige Presse diszipliniert?

Dass die Politik Leute auch in der Industrie absägt, die ihnen nicht passen, ist bekannt. Ist mir ja auch schon so gegangen. Schießt man da gerade frontal auf Springer? Oder schießen die da gerade ihre eigenen Leute raus?

Wenn das wenigstens so eine richtige „Vergewaltigungsstory” wäre. Aber „Fehlverhalten vor, es geht um Machtmissbrauch, das Ausnutzen von Abhängigkeitsverhältnissen und Mobbing.”

Und der SPIEGEL?

Julian Reichelt muss sich wegen möglicher Verfehlungen gegenüber Frauen verantworten. Der Ausgang hängt auch davon ab, ob die mutmaßlich Betroffenen ihr Schweigen brechen.

Wie bitte!?

Die haben noch gar nichts gesagt?

Und es gibt keinen „mutmaßlichen Täter”, sondern „mutmaßlich Betroffene”, also ist nicht die Täterfrage, sondern der ganze Vorgang, was auch immer passiert sein soll, „mutmaßlich”?

Und bei Böhmermann schlägt es auf?

Stinkt enorm nach Ibiza.

Wer glaubt sowas?