Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Des Musikers bitteres Leid

Hadmut
7.3.2021 23:35

Schrecklich, dieses Schicksal.

Oder: Die Freunde des Wigald Boning.

Ich habe bisher noch keine Antworten auf meine Rückfragen bekommen

  • Wieviel er denn sonst so verdient (ob es mehr ist)
  • Wieviel Wigald Boning und sein Freund denn für angemessen hielten und haben wollen.
  • Ob das als Einnahmen zu versteuern ist oder brutto=netto gilt
  • Ein anderer hat noch gefragt, warum er sich beim Arbeitsamt nicht arbeitslos meldet und irgendwas anderes arbeitet. Sogar Musiker würden tatsächlich gesucht (ein Polizeiorchester sucht).
  • Wieder ein anderer fragt, warum er nicht, wie man es jedem anderen Menschen auch zumutet, Hartz IV beantragt.

Was ich noch nicht gefragt habe:

  • Wenn er sonst auch nicht viel mehr verdient: Worüber beschwert er sich?
  • Wenn er sonst deutlich mehr verdient: Warum hat er nicht wie jeder andere, der immer mal mit einer Arbeitslosigkeit rechnen muss, Rücklagen? In der IT-Branche ist das seit 20 Jahren normal, dass man alle paar Jahre den Job wechselt und immer darauf eingestellt sein muss, mal ein paar Monate ohne zu sein. Vor allem freiberufliche IT-Leute (und viele Musiker sind ja auch Freiberufler) sind eigentlich immer darauf eingestellt, dass die Zahlungen mal nicht reinkommen, weil sie Monate später kommen, oder man auch mal ein paar Monate ohne Auftrag da sitzt.
  • Zahlt er eigentlich Sozialabgaben oder hält er sich da als Freiberufler vornehm raus?
  • Hat ihn jemals interessiert, wie es anderen so ging, oder will er erst Geld, seit er selbst welches braucht?

Noch ein Hinweis auf Twitter:

Hat er überhaupt solche laufenden berufsbedingten Kosten? In dieser Höhe?

Oder verbraucht er das Geld rechtswidrig für sich selbst? Oder muss es zurückzahlen?

Ich will’s mal so sagen: Als ich noch in/bei München wohnte, hatte ich als direkten Nachbarn einen Berufsmusiker und so ein bisschen mitbekommen, wie der arbeitet. Der hatte durchaus einen ziemlich Gerätepark an Mischpulten, Verstärkern, Instrumenten und so weiter, und auch ein großes und gutes Auto (hat er mir mal erklärt, dass er keine Aufträge bekommt, wenn er da mit ner billigen Mühle ankommt), und deshalb hatte der über die Geräte und deren Abschreibung auch ziemliche Ausgaben, aber vom Auto und etwas größeren Keller abgesehen keine echten laufenden Kosten. Ganz normale Wohnung. Nur mehr Ausgaben für den Keller. Während ich nur so einen normalen Käfig im Sammelkeller hatte, hat er sich einen separaten, größeren Kellerraum gemietet, weil er halt mehr Zeugs rumstehen hat, und den mit einer eigenen Brandschutzkellertür und einem besseren Schloss abschließen konnte und für sich alleine hatte, weil da eben Werte rumstehen und auch nicht wie bei anderen (Ski, Gummistiefel usw., Waschkeller neben) Feuchtigkeit reingetragen wird (Ich hatte mal einen Textilkoffer im Keller stehen, der dann modrig roch und deshalb unbrauchbar war.) Also: Auto, Keller und – weiß nicht – vielleicht Kredite für seine Geräte, was ich aber nicht glaube, weil der ziemlich gut verdient hat.

Und nebenbei: Es gibt eine Menge Leute, die – dabei sogar in der Welt herumreisen – ziemlich gut verdienen, indem sie Sprachunterricht per Videotelefonat im Einzelunterricht geben und davon richtig gut leben können. Ich könnte mir vorstellen, dass gerade im Lockdown, wo sie alle zuhause rumsitzen und sich zu Tode langweilen, Musikunterricht durchaus gefragt ist. Und soweit ich weiß, sind gute Musiker auch im Lockdown gut gefragt, nur eben nicht auf der Bühne, sondern im Studio. Weil nämlich viele der großen Musiker auch zuhause rumsitzen, jede Menge neue Stücke schreiben und die im Studio mit Musikern aufnehmen und produzieren. Auch jede Menge Firmen sind gerade zwingend darauf angewiesen, sich per Video darzustellen und zu produzieren und brauchen dafür auch Musik.

Und dann noch die Königin aller Fragen:

Hat der denn keine Frau, die mal den Hauptverdiener spielt? Mal von den Geschlechterstereotypen weg?

Mir geht diese Versorgtwerdensmentalität von Geisteswissenschaftlern und Künstlern ziemlich auf den Wecker.

Was hat eigentlich ein „Jazzmusiker” für einen Beruf erlernt, für eine Berufsausbildung? Hat der Musik studiert? Oder ist das einer, der gar nichts gelernt hat und nur abends in der Kneipe klimpert?

Ich hatte damals im Studentenwohnheim ein paar Leute im Wohnheim, allesamt Leute, die ein ordentliches Fach für einen richtigen Beruf studiert haben, und – nur als Hobby – verdammt gut gespielt haben, auf Profi-Niveau. Einer am Klavier im Flur drunter, Schlagzeuger und Gittarist auf demselben Flur. Die haben eine richtig gute Band zusammengestellt (die, mit denen ich in der Wohnheim-Bar mal auf Konzertina spontan und ungeprobt auf der Bühne vor großem Publikum Lambada gespielt hatte), und der Pianist hatte sich sein Studium finanziert, indem er einmal die Woche irgendwo in einer Kneipe spielte. Ich frage mich da manchmal, worin genau eigentlich der Beruf so genau besteht, wenn selbst diese Hobbyisten so verdammt gut spielten.

Ich weiß durchaus, dass es Unterschiede gibt. Besagter Nachbar, ein Profi-Gitarrist, der auch mit Prominenten und auf großen Konzerten und für Aufnahmen spielt, sagte mir mal, dass er jede Woche neue Saiten aufzieht, weil sie nur so so wirklich „crisp” klängen. Und sein Musiker-Ohrhörer für die Bühne (sieht man bei Profis immer, als Monitor) ist passend für das Ohr gemacht und kostet alleine schon ein paar tausend Euro.

Aber eben auch Doppelverdiener. Frau auch im Künstlerbereich, verdient im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Aber was ist nun ein „Jassmusiker”?

Ist das ein Hobbyklimperer, der keinen Hauptberuf und nichts gelernt hat?

Oder ist es ein richtiger Profimusiker mit umfangreicher Ausstattung?