Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Update zur Gorman-Übersetzung

Hadmut
5.3.2021 18:06

Sogar der nach links abgesoffene tote SPIEGEL merkt, dass was nicht stimmt.

Ich hatte doch vorhin über die Posse mit der Übersetzung des komischen Gedichtes von Amanda Gorman geschrieben. Dass irgendwelche durchgeknallten Aktivistinnen nicht erlauben wollen, dass eine weiße Schriftstellerin das Ding übersetzt.

Und ich hatte doch auch geschrieben, dass darüber nach meinem Dafürhalten eigentlich nur eine entscheiden kann und darf, nämlich Amanda Gorman selbst, oder vielleicht ein Verlag, wenn sie dem die Rechte für einen Sack voll Geld abgedrückt hat.

Nun schreibt der SPIEGEL:

Am Montag gab der niederländische Verlag Meulenhoff bekannt, die weiße Autorin Marieke Luca Rijneveld werde nun doch nicht das Gedicht übersetzen, das die schwarze Dichterin Amanda Gorman für die Amtseinführung des neuen US-Präsidenten Joe Biden geschrieben hatte. Gorman hatte die Wahl der Booker-Preisträgerin Rijneveld ausdrücklich begrüßt; der Verlag sprach von einer Traumlösung. Dann aber attackierte die schwarze Aktivistin Janice Deul in einem Zeitungsbeitrag die Wahl als »vertane Chance«, den Auftrag einer Autorin zu geben, die »ganz selbstverständlich schwarz« sei – woraufhin sowohl der Verlag als auch Rijneveld zerknirscht Selbstkritik übten und sich öffentlich der mangelnden Sensibilität bezichtigten.

Das heißt, Amanda Gorman und ihr Verlag werden faktisch einfach enteignet, indem man ihnen das Recht abspricht, noch selbst darüber zu befinden, wer ihr Werk übersetzen darf.

Und in einem Folgeartikel merkt sogar der SPIEGEL:

Die Demokratien in den USA und Europa werden von rechten Populisten bedroht, aber auch von einer dogmatischen Linken, die glaubt, im Namen der Gleichberechtigung jeden aussortieren zu dürfen, der sich eine unabhängige Meinung leistet.

Geliefert wie bestellt.

Am 18. Februar veranstaltete die SPD eine virtuelle Podiumsdiskussion zum Thema »Kultur schafft Demokratie«. Gesine Schwan, die Vorsitzende der Grundwertekommission, hatte dazu Sandra Kegel eingeladen, Leiterin des Feuilletons der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«. Die Runde wäre in der Flut der Berliner Zoom-Konferenzen untergegangen, hätte Kegel nicht kurz zuvor eine Glosse veröffentlicht, in der sie in leicht spöttischem Ton über die inneren Widersprüche von #actout geschrieben hatte, einer Gruppe von 185 schwulen, lesbischen und queeren Schauspielerinnen und Schauspielern, die sich über Diskriminierungen in ihrer Branche beklagen.
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Im Netz gab es sofort einen Sturm der Entrüstung, und Schwan wurde offenkundig bedrängt, Kegel wieder auszuladen, was sie ablehnte. Schließlich wurde als Kompromiss vereinbart, dass sich an der Veranstaltung auch queere Aktivisten beteiligen dürfen – von denen dann einige die Gelegenheit nutzten, Kegel »rechtsradikalen Sprech« vorzuwerfen und sie auf eine Stufe mit Thilo Sarrazin zu stellen, der wegen rassistischer Bücher aus der SPD geworfen worden war.

Jeder wird als rechtsradikal hingestellt, der nicht haargenau auf dem linksextremen Pfad des Schwachsinns wandelt.

Es war der Verleger Helge Malchow, der noch in der Runde fassungslos anmerkte, der Ton erinnere ihn an »stalinistische Schauprozesse«. Ein paar Tage später entschuldigten sich SPD-Chefin Saskia Esken und ihr Stellvertreter Kevin Kühnert für die Veranstaltung – allerdings nicht bei Kegel, sondern bei jenen Aktivisten, die die Journalistin zum Teil niedergemacht hatten.

Das wird nichts werden. Die SPD ist nicht mehr zu entschuldigen.

Und selbst der erzlinke SPIEGEL merkt:

Nun ist es das eine, wenn Esken und Kühnert meinen, sich bei Leuten andienen zu müssen, die einer der renommiertesten Literaturkritikerinnen des Landes geistige Nähe zur AfD unterstellen. Unter Esken ist die SPD schon seit Längerem auf einem Todesmarsch, der die Partei immer mehr von ihrer einstigen Wählerschaft entfernt. Wenn nun schon ein aufrechter Sozialdemokrat wie der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse als rückwärtsgewandt gilt, dann passt die Wählerschaft der SPD womöglich bald in einen Seminarraum für Gendertheorie.

Und glaubt es mir: Die Seminarräume für Gendertheorie sind nicht groß.

Die SPD hat den Fehler gemacht, sich praktisch alle Menschen mit einem IQ oberhalb des Ablaufdatums einer Veganbulette zum Feind zu machen und als Wählerzielgruppe die versammelte Genderidiotenschaft auszusuchen. Pech: Die wählen grün.