Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Von der Corona-App zur Bums-App

Hadmut
27.1.2021 17:33

Als Corona-App ist sie gescheitert, aber in Dänemark könnte sie Karriere machen.

In Dänemark gilt Sex ohne Einwilligung als Vergewaltigung.

Deshalb gibt es da eine App zum rechtssicheren Registrieren der Kopulationsabsichten.
Die Basler schreibt

Ja zum Sex: In Dänemark gibt es seit vergangener Woche eine App dafür. iConsent heisst sie, bringt zwei Parteien über ihre Telefonnummern zusammen und lässt sie eine Transaktion innerhalb einer halben Minute abschliessen. Die beiderseitige Zustimmung, heisst es in den Richtlinien der App, gilt für jeweils einen Geschlechtsverkehr, läuft nach 24 Stunden ab und lässt sich widerrufen. Die Entwickler der App hoffen, so erklären sie, «digitale Zustimmungen zur Norm zu machen und so Missverständnissen und Missbrauch vorzubeugen». Für sie ist es, das haben sie mehrfach öffentlich gesagt, die App zum neuen Gesetz.

Seit 17. Dezember nämlich hat auch Dänemark – wie Schweden seit 2018 – ein Gesetz, das die ausdrückliche Zustimmung zum Sex verpflichtend macht. Sex ohne Einwilligung wird seither als Vergewaltigung gewertet. Was könnte also praktischer sein, werben die Entwickler nun, als eine App wie iConsent, die einen digitalen Vertrag erstellt, der verschlüsselt und gespeichert wird und der bei Bedarf später als Beweismittel verwendet werden könnte.

Oh, wie rattenscharf: Statt wie früher lustvoll übereinander herzufallen und sich die Klamotten vom Leib zu reißen, muss der Beischlaf erst per App registriert werden. Erst mal beide die Handys zücken. Sorry, wird heute nichts mit dem Bumsen, Akku ist leer. Oder: Ich habe kein Netz! Dass die dann alle schwanger sind wie beim Stromausfall in New York geht dann ja auch nicht mehr.

Und: Die Bumsregistrierung gilt immer nur 24 Stunden. Ob Huren dann so eine Gewerbeversion bekommen, wäre die Frage. Und was Leute machen, die gar kein Handy haben … man weiß es nicht. Obwohl: In Berlin wäre das bald auch eine Funktion der Fahrkartenautomaten der BVG. Bumsticket kaufen.

Für mich stellt sich natürlich die Frage, ob das nicht Selbstbetrug ist: Wenn es einer schafft, eine Frau zum Beischlaf zu zwingen, würde er es dann nicht auch schaffen, sie zum Handy-Vertrag zu zwingen?

Oder das Handy hacken, damit es automatisch Bumsverträge mit jedem anderen Handy eingeht, das in der Nähe wäre?

Jedenfalls hört es sich so an, als hätte man da doch noch so etwas wie eine Verwendung für die Corona-App gefunden: Die registriert ja auch, wer alles in der Nähe ist. Und Handys haben ja Bewegungssensoren. Wenn also ein Handy kopulationsmäßig wackelt, könnte es prüfen, ob mit allen anderen Handys in der Nähe Kopulationsvereinbarungen bestehen, und wenn nicht, automatisch Strafanzeige erstatten.

Früher war es der Kick, es ohne Gummi zu treiben. Demnächst ist es der Kick, es ohne Vertrag und Registrierung zu tun. Ich bin mal gespannt, wann die erste gehackte Liste geleakt wird, wer es im Staate Dänemark mit wem treibt.

Für mich wird es wohl Zeit, diesen Planeten zu verlassen und mir was anderes zu suchen. Bisher hatte ich die Dänen ja noch für relativ geerdet gehalten, aber wenn selbst die jetzt so einen Wahnsinn anfangen…