Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Von der totalen Nutzlosigkeit der Geisteswissenschaften

Hadmut
17.1.2021 17:13

Sie haben es selbst bemerkt und jammern nun darüber.

Die mir eher unbekannte Tagespost („Klarer Kurs, katholischer Journalismus”) schreibt über den wirtschaftlichen Totalschaden Geisteswissenschaften:

Opfer von „Bologna“: Ein Volk beraubt sich selbst – Die Nation der Dichter und Denker vernachlässigt die Geisteswissenschaften. Das hat Folgen für die Gesellschaft.

Harren wir also der Erörterung, ob die Folgen positiv oder negetiv sind.

Aber es fiel uns eine Redepassage der Bundesbildungsministerin Anja Karliczek in ihrer Rede vom 8. Dezember 2020 im Bundestag auf. Im Fokus von Bildung und Wissenschaft sieht sie: die Bewältigung der Corona-Pandemie, die digitale Bildung, die Klimaforschung, die Mitgestaltung von Schlüsseltechnologien, darunter die Künstliche Intelligenz und Quantentechnologie.

Nützlicheitserwägungen

Alles nützlich und wichtig! Aber man hätte sich gewünscht, die Bildungsministerin wäre in Zeiten gewaltiger Krisen auch auf die Bedeutung der Geisteswissenschaften eingegangen. Denn diese führen ein mehr und mehr marginales Dasein.

Nein, nein. Sie führen kein marginales Dasein. Sie sind einfach nutzlos.

Das ist zwischen den 68ern und etwa 2010 bis 2015 nicht so aufgefallen, weil es uns einfach zu gut ging und wir genug Wirtschaftsleistung übrig hatten, das Geld zu verbrennen, und die Dummheit und den Übermut besaßen, es lieber Geisteswissenschaftlern zu geben als unsere Schulden damit abzubezahlen.

Wir haben ganze Bevölkerungsteile in die Nutzlosigkeit gefahren und ihnen noch Master, Doktor und Professur für staatlich geprüfte Nutzlosigkeit gegeben. Und es hat funktioniert wie die Talk Shows in ARD und ZDF: Nutzlos, aber man kann gut davon leben, weil andere dafür zahlen müssen, ob sie wollen oder nicht.

Nun haben wir erstmals richtige Probleme, Migration und Corona, und weil die nicht reichen, noch ein teils echtes, teils eingeredetes Drittes, Klima.

Und alle diese drei Probleme sind gerade so richtig teuer und so richtig im allgemeinen Bewusstsein. Und plötzlich ist es vorbei mit Paradies und Wolkenkuckucksheim, weil sich die Politiker, die sich seit den 68ern daran gewöhnt hatten, nichts tun und können zu müssen, und dafür von anderen dafür bezahlt werden zu müssen (weshalb Geisteswissenschaftler so eine Affinität zur Politik haben), und auf einmal müssen die sich um etwas kümmern. So richtige Aufgaben.

Das Verhältnis von Geisteswissenschaftlern zu Corona ist das einer 10-jährigen verzogenen Einzelkindtochter, wenn Mutti unerwartet doch noch ein Baby bekommt und dem bisherigen Prinzesschen erklärt, sie soll sich jetzt mal selbst anziehen, Mutti muss sich um das Baby kümmern: Die blanke Eifersucht.

Und auf einmal stellt sich raus, dass die Geisteswissenschaftler vor allem drei Dinge tun:

  • Viel Geld verbrauchen
  • Dummes Zeug reden und anderen einreden, vor allem Marxismus
  • Sich jeglichen Nutzens und jeglicher Amortisation ihrer Kosten zu enthalten

Von den insgesamt 48 547 Professoren des Jahres 2019 stellten die Geisteswissenschaften nur 4 693. Zum Vergleich: 14 527 waren es in den Rechts-/ Wirtschafts-/ Sozialwissenschaften, 12 535 in den Ingenieurswissenschaften, 6 456 in Mathematik und Naturwissenschaften, 4 442 in der Medizin, 3 765 im Bereich Kunst etcetera. Die Geisteswissenschaften haben sich damit nicht von Sparmaßnahmen erholt, die im Zuge von „Bologna“ über sie hereinbrachen. Allein zwischen 1995 und 2005 mussten sie auf 663 Professuren bei gleichzeitig ansteigenden Studentenzahlen verzichten.

Wie bitte!?

Die Rechts und Sozialwissenschaften werden normalerweise zu den Geisteswissenschaften gezählt. Damit haben sie insgesamt 19220 von 48547, also 40% der Professuren.

Beim Nutzen kommen sie aber nicht mal in die Größenordnung von 40% des Nutzens von Akademikern. Viele ihrer Fakultäten haben gar keinen Nutzen. Und insgesamt würde ich sagen, dass die Gesamtkosten der Geisteswissenschaften über alles deren Gesamtnutzen deutlich überschreiten.

Von Philosophen höre ich eigentlich praktisch nur dummes, leeres Geschwätz. Ausnahmen wie das sprichwörtliche blinde Huhn, das mal ein Korn findet. Deshalb müssen die so oft Talkshows machen, in denen dann so ein Blödsinn diskutiert wird, wie ob das autonome Auto die Oma, den Nazi oder Tick, Trick und Track über den Haufen fahren soll – man findet einfach kein vernünftiges Thema, zu dem die sich irgendwie nützlich äußern könnten.

Dahinter verbirgt sich nicht nur eine Schieflage, sondern ein Paradigmenwechsel. Die Fragen der Universitätspolitik lauten nämlich heute: Wie gestalten wir Forschung und Wissenschaft so, dass wir einen praktischen Nutzen davon haben?

Nein.

Man hat es übertrieben und ist damit aufgefallen.

Die Geisteswissenschaften wurden immer linker, immer marxistischer, immer blöder, immer rotziger, immer offensichtlich dümmer (Gender-Sprech und sowas), immer frauenquotiger, und haben den Fehler gemacht, sichtbar werden zu wollen.

Für parasitär vegetierende Fakultäten wäre es ratsam gewesen, unauffällig und unsichtbar zu bleiben und möglichst gar nichts zu verändern, damit es keiner merkt. Sie haben aber das Maul aufgerissen und die anderen angegriffen. Sie wollten „sichtbar” sein. Und sichtbar zu sein ist für Leute mit Negativbilanz und in intellektueller Insolvenzverschleppung einfach ein strategischer Fehler.

Die Natur- und Ingenieurwissenschaften haben in puncto Anerkennung und Förderung keine Probleme. Deren Ansehen und „praktischer Nährwert“ werden nicht ernsthaft in Frage gestellt, denn diese Wissenschaften versprechen Innovation und Steigerung der Lebensqualität. Ihre Absolventen werden „gebraucht“.

Yup.

Die Natur- und Ingenieurwissenschaften liefern ab und haben praktisch unsere gesamte Gesellschaft und unser gesamtes Leben in den letzten 500 Jahren total neu erfunden. Alles um uns herum, Strom, Wasser, Dach über dem Kopf, Heizung, Supermarkt, Internet, Unterhosen und Socken, alles Erzeugnisse der Natur- und Ingenieurwissenschaften.

Geisteswissenschaften? Eigentlich nichts.

Wenn überhaupt, dann höre ich von denen nur Vorwürfe, Beschuldigungen, Ausgrenzungen und Steuererhöhungen.

Leute, auf die man problemlos verzichten kann.

Die „Produkte“ der Geisteswissenschaften sind jedoch zumeist nur mittelbar erfahrbar, über Bücher, Filme, Museen, Theater, das Feuilleton. Und dies auch nur für einen kleinen Kreis an bildungsbürgerlichen Interessenten.

Njet.

Denn das wenige, was da überhaupt irgendwie gut wäre, wird von einer verschwindenden Minderheit der Geisteswissenschaftler gemacht.

Und die für mich interessantesten Museen sind die Naturkunde- und Naturwissenschaftsmuseen.

Die geisteswissenschaftlichen Museen treffen bei mir fast nur noch auf Kritik. Hier in Berlin ist zum Beispiel zu beobachten, dass die wie die Bekloppten versuchen, per Museum politisch gegen etwa die Kolonialisierung zu wettern, also Politik und nicht Museum zu machen. Dass aber praktisch alle Museen in Afrika, Australien usw., die mehr als etwa 40 Jahre zurückreichen, ausschließlich von Kolonialisten gegründet und ihre Inhalte gesammelt wurden, sagen sie nicht dazu. Dass beispielsweise amerikanische Indianer nach Dresden ins Karl-May-Museum reisen, weil der seine Buchgewinne ausgegeben hat, um echte Kleidung und Ausrüstung zu kaufen und ins Museum zu stellen, weil die Indianer selbst nicht auf die Idee gekommen wären, sowas aufzubewahren und heute heilfroh sind, dass der es gemacht hat.

Heutige Geisteswissenschaftler schimpfen auf Kolonialisierung und rühmen sich der Museen, übersehen aber, dass ohne Kolonialisierung die Inhalte nicht woanders, sondern schlicht gar nicht mehr da wären.

Und die Theaterstücke sind mittlerweile nicht nur inhaltlich und darstellerisch grottenschlecht, sondern so politisiert und auf links gezogen, dass man da einfach nicht mehr rein will. Ich hatte das neulich zu einer Streaming-Veranstaltung von Dieter Hallervorden schon geschrieben, den ich eigentlich hoch schätze: Warum soll ich ans andere Ende von Berlin fahren, einen Haufen Geld ausgeben, einen halben Tag Zeit aufwenden, mich der Corona-Gefahr aussetzen, nur um denselben Klima-Moralscheiß und dieselben Vorwürfe zu hören, die schon im Fernsehen zwei Jahre lang rauf und runter liefen?

Ich bin ja schon so froh, dass wir die Corona-Pandemie haben, damit sie mich mal ein paar Wochen mit dem Klima-Dauerfeuer in Ruhe lassen, und dann soll ich Geld ausgeben und mich ins Theater setzen, um mir denselben Käse wieder anzuhören?

Einmal die Unterscheidung zwischen dem „Brotgelehrten“ und dem „Philosophischen Kopf“, die Friedrich Schiller in seiner Jenaer Antrittsvorlesung vom 26. Mai 1789 mit dem Titel „Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?“ vorgenommen hatte.

Schillers Kernaussage war: Der Brotgelehrte ist Symbol von Enge, der philosophische Kopf erforscht, was die Welt im Innersten zusammenhält. „Wo der Brotgelehrte trennt, vereinigt der philosophische Geist.“ Zum zweiten wollen wir erinnern an die Diagnose des Grabens der „zwei Wissenschaftskulturen“, wie sie Charles Percy Snow 1959 in seinem Essay „The Two Cultures and the Scientific Revolution” zu Recht beklagt hatte.

Und doch kommt im Ergebnis nichts anderes raus, als dass der Philosophische Geist keinen Nutzen bringt, anderen nur auf der Tasche liegt und von deren Arbeitsleistung lebt und sie dafür noch beschimpft.

Ich muss da immer an die Streitlage in Israel denken. Dort nämlich gibt es eine Gruppe von orthodoxen Religiösen, die behaupten, dass sie unbedingt erforderlich seien, weil irgendwie die Welt im Allgemeinen und Israel im Besonderen sofort untergingen, wenn sie nicht pausenlos ganz feste beten, und man sie deshalb dafür bezahlen müsste. Irgendwann fiel es aber auf, dass die Leute einfach nichts arbeiten und sich von anderen aushalten und durchfüttern lassen. Warum fiel es auf? Weil sie rotzfrech wurden, Leute auf der Straße anpöbelten, Kinder bespuckten. Seither fragen sich viele Israelis, warum sie dieses Gesindel eigentlich alimentieren müssen.

Gewiss garantieren die Natur- und Ingenieurswissenschaften Wertschöpfung, ohne die ein differenziertes Bildungswesen nicht finanzierbar ist.

Ja.

Aber es sind die Geisteswissenschaften, vor allem die Philosophie, die Theologie, die Geschichtswissenschaften, die Literatur- und Sprachwissenschaften, die Orientierungsverluste der nihilistischen Moderne mit ihrem „anything goes“ und „alternative“, in Kommunikationsblasen verbreitete Fakten ausgleichen beziehungsweise widerlegen helfen.

Nein.

Die Theologie ist völliger Schrott, schon das Pfaffengeschätz im Radio ist nicht auszuhalten und neben seiner Dummheit längst nur noch marxistisch und unlogisch.

Die Philosphie ist beliebiges Geschwätz ohne jeglichen Fachrahmen.

Die Geschichtswissenschaften sind längst zur politischen Fälscherei geworden.

Und die Sprachwissenschaften kommen mit Gender-Sprache daher.

Und dann nimmt diese Deppenversammlung für sich in Anpsruch, „die Orientierungsverluste der nihilistischen Moderne mit ihrem „anything goes“ und „alternative“, in Kommunikationsblasen verbreitete Fakten ausgleichen beziehungsweise widerlegen zu helfen”.

Ich will’s mal so sagen: Wenn ich wieder mal Mail von afrikanischen Prinzen bekomme, die 40 Millionen Dollar dringend an mich loswerden wollen, sind die weit seriöser und glaubwürdiger, und das Schadenspotential durch deren Betrug ist weit geringer.

Die Geisteswissenschaften waren und sind dumm, überflüssig, betrügerisch.

Sie waren aber so dumm und so selbstüberschätzend, dass sie die Klappe aufrissen und sich „sichtbar” machten, und es nun jeder gemerkt hat, dass sie nur Schwindler und Gaukler sind, denen es alleine darum geht, ohne Nutzen und ohne Arbeit auf Kosten anderer zu leben.

Der Glücksfall Corona-Pandemie zeigt uns, was wir brauchen und was nicht.