Ansichten eines Informatikers

Professional Settings Guide

Hadmut
17.1.2021 19:25

Pffffr.

Also, ich will es jetzt nicht unbedingt als nutzlos oder überflüssig hinstellen. Es hat schon seinen Nutzen, sich das mal durchzulesen – aber eigentlich sollte ja jeder, an den es sich richtet, auf jeder Seite denken „Ja, weiß ich schon” oder „Ja, ist selbstverständlich” oder sowas.

Nikon hat für seine Z6 II und Z7 II einen „Professional Settings Guide” herausgegeben.

Da steht dann sowas wie „Basic Settings for Portrait Photography” drin.

Das ist auch nicht dumm, da stehen schlaue Dinge drin – naja, vielleicht mehr oder weniger schlaue.

Ich habe mich beispielsweise gewundert, warum man den Autofokus für Portraits auf Continuous stellen soll und nicht auf statisch. Das habe ich noch nie gebraucht, weil da eigentlich immer beide Beteiligten im wesentlichen stillhalten.

Also habe ich mal reingeguckt, ob sie das erklären:

Focus Mode: Choose “Continuous AFContinuous AF” (AF‑C)!

Choose AF‑C for shots of mobile subjects. The camera adjusts focus continuously while the shutter-release button is pressed halfway or the AF‑ON button is pressed.

Aha. Das hat eigentlich mit Portrait überhaupt nichts zu tun, sondern einfach damit, dass wenn sich, was auch immer man fotografieren will, irgendwie bewegt, man den Autofokus auf kontinuierlich einstellen soll. Das gilt für jede andere Fotografieform auch. Auch bei Eifeltürmen oder Bergen, wenn die sich bewegen.

Ich verwende da bei Portraits eine etwas andere Technik. Ich sage „Halt mal still!” Aber nicht zur Kamera. (Obwohl manche meiner Geräte auch auf Sprachkommandos reagieren. Mich guckte vor Corona mal jemand sehr seltsam an, als ich mit einer Kamera redete.)

Letztlich sind das keine besonderen Hinweise für besondere Fotos, sondern ähnlich wie bei den Szenen-Automatikeinstellungen wie bei Amateurkameras (die sie sich an die professionellen Kameras nicht so ranzubauen trauen, das wäre zu schräg) ablaufen und im wesentlichen sagen: Das würdest Du an der Kamera einstellen, wenn Du a) nicht zu faul oder zu doof wärst, die Anleitung zu lesen und b) Ahnung vom Fotografieren oberhalb eines iPhones hättest.

Wäre ja so weit noch in Ordnung, wenn da nicht „Professional” drüber stünde und sich das nicht an die Nutzer von Profikameras richten würde.

Bei den Amateurkameras brauchen sie das allerdings nicht, weil sie da (etwa Z50) Szeneneinstellungen auf dem Drehrad haben.

Es zeigt irgendwie den Niedergang der Fotografenkunst, wenn die jetzt sogar schon für Profis solche Kochrezepte rausgeben, wie man die Kamera einstellen muss.

Und dann nicht etwa irgendwelche Feinheiten wie Farbmodell oder Dynamikeinstellungen oder Bittiefe des RAW, sondern „Stell den Autofokus auf kontinuierlich! Es könnte sich was bewegen.”

Oder bei Landschaftsfotografie: Den Fokuspunkt in die Mitte und nicht irgendwohin.

Oh, Herrje! Herrjemine!

Ach, oh weh!