Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

20 Minuten: Trump und zwei kleine Details

Hadmut
13.1.2021 12:46

die Fragen aufwerfen. [Update]

Es wird doch gerade dieses Riesen-Gezeter um Trump und die Kapitol-Stürmung betrieben. Ich kann mich nicht erinnern, seither eine Nachrichtensendung gesehen zu haben, die das nicht als Thema oder gar Hauptthema aufgriff.

20 Minuten

Es heißt ja ständig, Trump habe die Leute in seiner Rede zum Sturm auf das Kapitol aufgehetzt. Mehrere Leute (auch aus den USA) haben mir geschrieben, dass sie sich die Rede vollständig angehört oder die Niederschrift durchgelesen haben und darin wirklich gar nichts finden, was man als Aufforderung auslegen könnte.

Aber was, wenn dieser Sturm auf das Kapitol schon 20 Minuten vor Ende der Rede losging?

Wie würde das temporal-kausal zusammenpassen können?

Und welcher Trump-Anhänger würde dann die Rede seines Idols verpassen wollen, anstatt einfach 20 Minuten später loszurennen?

Es gibt Leser, die schreiben, dass der Augenblick gewählt wurde, weil gerade irgendetwas besprochen werden sollte, was für die Demokraten sehr ungünstig war. Ablenkungsmanöver.

Die Polizei, der Richter und sein Sohn

Die New York Times schreibt, obwohl sie brachial links und einseitig ist: Son of Brooklyn Judge Is Arrested Over Role in Riot at Capitol

Man hat da den Sohn eines Richters festgenommen, der da an der Randale beteiligt war.

Aaron Mostofsky, who was taken into custody in Brooklyn on Tuesday, faces four federal charges, including theft of government property.

Die Sache hat ein würziges Detail. Denn es waren ja Videos zu sehen und warfen Fragen auf, auf denen es so aussah, als habe die Polizei die Demonstranten hereingelassen.

Nun gibt es aber ein Foto bei der New York Times, auf dem angeblich dieser Aaron Mostofsky mitten im Gewühl zu sehen ist, und das mit einer kugelsicheren Weste mit Aufschrift „Police”. Bildunterschrift:

Aaron Mostofsky, center, was wearing a bulletproof vest emblazoned with the word “police” as pro-Trump extremists breached the U.S. Capitol last week.Credit…

(Ob das Foto echt ist, kann man natürlich auch wieder fragen.)

Da hat sich also einer, der dann auch wegen der Randale und dem Diebstahl von Regierungseigentum angeklagt ist, als Polizist und als Trump-Anhänger ausgegeben:

Draped head-to-toe in fur pelts, a bulletproof vest strapped to his torso, the son of a Brooklyn judge wandered the halls of the U.S. Capitol last Wednesday, stopping amid the melee to give an interview while clutching a riot shield.

“We were cheated,” he told The New York Post, parroting President Trump’s baseless claims of election fraud. “I don’t think 75 million people voted for Trump — I think it was close to 85 million.”

On Tuesday, the man, Aaron Mostofsky, was arrested on federal charges, part of a national manhunt by law enforcement officials to identify members of the mob that had forced its way into the Capitol.

Liest sich alles schön kriminell und Trump-anhängrig.

Wenn da nur nicht dieses Detail wäre:

Mr. Mostofsky, 34, is the son of Kings County Supreme Court Judge Steven Mostofsky, who also goes by Shlomo. He and his father are registered Democrats, according to New York State election records.

Und wieder stellt sich die Frage nach dem Zeitverlauf:

On Nov. 7, the day the presidential election was called for Joseph R. Biden Jr., Aaron Mostofsky wrote a comment on Facebook, asking “when and where are we protesting/rioting,” according to the criminal complaint against him.

Two months later, on the morning of the riot, Mr. Mostofsky posted a video on Instagram, labeled “DC bound stopthesteal,” that appeared to show him on a bus to Washington, the criminal complaint said. The term “stop the steal” is popular among Trump supporters attempting to delegitimize the outcome of the election.

After Mr. Mostofsky’s interview with The Post went viral, a friend told him in a message that he was famous. Mr. Mostofsky replied that it was unfortunate, saying: “Cause now people actually know me,” according to the criminal complaint.

Wenn Trump die Leute in seiner Rede aufgestachelt haben soll, wie konnte dann Mostofsky morgens schon im Bus von New York nach Washington sitzen und sich als Demonstrant ausgeben?

Und was hat sein Bruder damit zu tun?

In an interview last week with Gothamist, Mr. Mostofsky’s older brother, Neil Mostofsky, who also goes by Nachman, said his brother was “pushed inside” the building and “did nothing illegal.”

Neil Mostofsky told the Jewish Telegraphic Agency that he had also attended the protests in Washington but left before the storming of the Capitol building. When reached by The New York Times on Tuesday, he answered the phone and then hung up. He is the executive director of Chovevei Zion, a politically conservative Orthodox Jewish advocacy organization.

Jedenfalls ist diese Sache deutlich komplizierter und komplexer, als uns die deutschen Medien, vor allem der öffentlich-rechtliche Rundfunk, da weismachen wollen.

Nachtrag: Den Tweet oben anklicken und auf Twitter anschauen, der Reporter hat eine lange Reihe von Tweets abgegeben, wie sie die zeitliche Reihenfolge der Abläufe rekonstruiert haben.

Update: Ein Leser schreibt, die Trump-Rede habe deutlich später angefangen als geplant.

Wäre also gut möglich, dass der Sturm eigentlich so ausgelegt war, dass es so hätte aussehen sollen, als wären die nach der Trump-Rede direkt ins Kapitol gestürmt.