Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Der Internet-Krieg

Hadmut
12.1.2021 14:21

Die digitalen Kriege haben begonnen.

Die große Abschaltung

  • Amazon hat Parler abgeklemmt, mit einer meines Erachtens völlig unvertretbaren Vorgehensweise und Frist
  • gab.com war auch gestört, ist anscheinend aber wieder da.
  • Twitter hat gerade 70.000 Accounts gelöscht. Sie würden Verschwörungstheorien verbreiten. (Ob die stimmen oder nicht wurde nicht gesagt.)
  • Diverse Zahlungsdienstleister blockieren Zahlungen und Konten.
  • Von Microsoft habe ich da jetzt gerade nichts Konkretes auf dem Tisch liegen, aber Bill Gates hatte ja davon gefaselt, dass man sämtliche Kommunikation automatisiert per KI überwachen müsse, damit nichts unerlaubtes erzählt werden könne, und deshalb auch End-zu-End-Verschlüsselung unterbunden werden müsse.

Spiel mir das Lied vom Tod

Hier bringt einer eine alternative Erklärung für das, was in den USA vor sich geht.

Demnach hat das alles eigentlich nichts mit Trump zu tun, sondern mit einer Machtdemonstration der IT-Industrie gegenüber dem US-Präsidenten als solchen, die große Ähnlichkeit zwischen dem Bösewicht Frank und seinem Chef von der Bahngesellschaft in „Spiel mir das Lied vom Tod” habe, nach derselben Struktur verlaufe.

Kamala Harris wolle die großen Tech-Konzerne zerschlagen.

Deshalb würden die Tech-Konzerne gerade mal am Beispiel des Trump, aber mit der Botschaft an Biden/Harris einfach mal als Exempel statuieren, was sie mit einem Präsidenten anstellen können. Es ginge also nicht etwa darum, sich bei Biden/Harris einzuschleimen, sondern im Gegenteil ihnen wie in einer Folterkammer die Werkzeuge zu präsentieren und ihnen zu zeigen, wo der Hammer hängt.

Trump spiele darin also gar keine Rolle mehr außer dem, den man eben zur Demonstration als Testopfer einsetzt. Was mich jetzt eher an Krieg der Sterne erinnert, wo sie mit dem Todesstern ja mal irgendeinen Planeten rein zu Machtdemonstration zerstören.

Ich gebe zu, die Erklärung hat was und klingt sehr plausibel, stimmt aber nicht, jedenfalls nicht voll, weil sie ein Blick nur von außen ist.

Hat man aber den Informatiker-Einblick in das Innenleben, etwa was da auf Github und sonst in der Softwarebranche so los ist, merkt man, dass das die Vorkommnisse nur aus der Sicht von außen, nicht aus der Sicht von Innen erklären kann. Die IT-Firmen drehen nämlich gerade besonders und schon seit drei, vier Jahren wie die Bekloppten auf Links, und längst haben da nicht mehr die obersten Konzernlenker, sondern die Meinungsmacher der mittleren Etagen, Gewerkschaften und so weiter das Sagen. Wer verfolgt hat, was da in der Softwarebranche in den letzten Jahren los war, wie man immer mehr Firmen unterwandert und Softwareprojekte übernommen hat, vor allem auch hier in Europa, wo es ja nun wirklich nicht um den US-Präsidenten geht, der weiß dann, dass es eben nicht nur Machtspielchen sein können.

Wie geht’s weiter?

Ein Leser verwies auf eine Meldung von 2018 aus Indien, wonach Tim Berners-Lee an einem neuen Projekt namens Solid arbeite, bei dem jeder seine Daten selbst verwalte.

Ich hatte das damals schon gelesen und mich da auch mal auf eine Mailingliste draufgehängt, weil das von der Beschreibung her dem nahekam, was mir selbst durch den Kopf schwirrte, aber so einen richtigen Brüller habe ich da auch nicht gesehen. Keine Ahnung, ob da noch was draus geworden ist oder ob man dem den Saft abgedreht hat, weil man genau das ja nicht will.

Ich hatte mir vor Jahren schon Gedanken dazu gemacht, und bin auch der Meinung, dass man das längst als Thema der IT-Security ansehen muss, nicht mehr nur so klassische Dinge wie Vertraulichkeit und Integrität.

An sich gab es solche Überlegungen ja schon mit der Steganographie, und in meiner Diss hatte ich damals auch Aspekte angesprochen, die in diese Richtung gehen.

Über kurz oder lang werden sie das Internet einschränken, dass man nur noch über automatisiert gefilterte System kommunizieren kann, wie ehemals BTX oder America Online.

Das Zeitalter des schönen einfachen Internets dürfte damit erst mal erledigt sein.

Jedenfalls das der Konsumenten.

Jetzt sind die Kreativen wieder am Zug, und damit meine ich die, die Techniken erfinden. Falls es solche Leute noch gibt.