Ansichten eines Informatikers

Schuldigitalisierung

Hadmut
8.1.2021 18:18

Ein Lehrer erklärt mir, warum’s nichts wird.

Sehr geehrter Herr Danisch,

das Thema Schulen und Digitalisierung scheitert leider tatsächlich in vielen Fällen nicht an Details, sondern am Grundsätzlichen. Ich bin selber Lehrer an einem Gymnasium, und wir haben [Zeitpunkt] erstmalig offizielle Email-Adressen von der Schule bekommen. Vorher mussten wir mit unserer Privat-Adresse oder zumindest einer selbst dafür angelegten Adresse arbeiten.

Ein großer Teil dieses Problem ist die Art und Weise, wie die Schulen organisiert sind. Die Lehrkräfte und das Gebäude sind hierbei getrennt. Die Lehrkräfte werden von der jeweiligen Bezirksregierung eingesetzt und bezahlt, das Gebäude und die gesamte Einrichtung hingegen wird vom Schulträger (bei öffentlichen Schulen meistens die jeweilige Stadt) gestellt.

Der Schulträger nun versucht sich so billig wie möglich aus der Affäre zu ziehen. In den allermeisten Fällen bedeutet dies eben, dass die Schule so gerade mit dem ausgestattet wird, was vorgeschrieben ist, aber bloß nicht mehr.

Jeder Mehraufwand, finanziell oder personell, muss aus anderen Quellen kommen. Beim Geld bedeutet dies allermeistens, dass es entweder einen aktiven und erfolgreichen Förderverein gibt, der in der Lage ist Sponsoren zu finden, mit denen Teile der Ausstattung bezahlt werden. Personell bedeutet dies, zumindest praktisch, dass vieles was getan werden muss vom Lehrpersonal gemacht werden muss.

Ein besonders absurdes Beispiel dazu:
Der Schulhausmeister darf handwerklich nichts machen, was über 2m Höhe ist. Ist nun an einem Beamer, so einer existiert, ein Kabel locker, dann darf der Hausmeister also nicht einfach auf die Leiter klettern und das festmachen. Hierzu muss eine Ausschreibung stattfinden, ein Handwerker einbestellt, der dann das Kabel fest macht.
In der Praxis klettert man als Lehrkraft dann eben schnell auf den Tisch und richtet das selbst. Wehe, es passiert einmal etwas.

Weitreichender ist dies bei Dingen wie einem Netzwerk. Hierzu bräuchte es eigentlich pro Schule einen Systemadministrator, wollte man die Schulen wirklich voll digital ausstatten und funktionsfähig halten. Das Netzwerk und der Systemadministrator gehören allerdings zum Gebäude, und dafür ist der Schulträger verantwortlich, und der ist der Meinung, dass sowas ja auch ein Lehrer nebenher machen kann. Und der wird ja aus einem anderen Topf bezahlt.
Das hat dann den Effekt, dass man als Informatiklehrer ständig aus dem eigenen Unterricht gerufen wird, weil irgendwo anders ein Kollege den Beamer nicht bedienen kann.

Aus dem Inneren heraus kann ich ihnen sagen:
Der Politik sind unsere Schulen scheißegal. Wichtig ist, dass einige Kennzahlen (ausgefallene Schulstunden, Anzahl Abschlüsse, etc) stimmen, der Rest ist vollkommen egal.
Und damit z.B. die ausgefallenen Stunden nicht zu viele werden, pochen unsere Kultusminister gerade auf Präsenzunterricht. Wir hatten 1 Jahr Zeit etwas zu machen, und es wurde auf jeder Ebene blockiert. Unter Kollegen ist die Meinung sehr verbreitet, dass man das schlicht aussitzen will, damit man bloß nichts machen muss. Und das sehe ich genau so.

Ich kann mich erinnern, dass mir vor eniger Zeit schon mal ein Lehrer von dieser absurden Trennung schrieb und jeder will, dass es der andere bezahlt.

Das mit den 2 Metern maximaler Arbeitshöhe ist mir neu. Aber das erklärt’s natürlich, denn industrielle WLAN-Accesspoints (solche braucht man, weil das ja mehrere werden müssen, die zusammen funktionieren) werden normalerweise an den Kanten oder Ecken der Wände zur Decke installiert, also in 2,40 Meter Höhe. Das sind dann die 40cm, an denen die Digitalisierung der Schulen scheitert.

Zeigt aber auch wieder, wie bekloppt, strunzdämlich, inkompetent unsere Politik ist.

Ich weiß aus andere Quelle, dass man den Schulen nicht nur aus finanziellen, sondern auch aus politischen Gründen keine Systemadministratoren gibt. Denn da ließe sich die Frauenquote nicht durchsetzen, und lieber hat man gar kein Netzwerk als eines, dass das politisch falsche Geschlechterbild vermittelt. Nämlich dass Netzwerke von Männern installiert und gewartet werden. Auch wenn das fast immer so ist.

Deshalb müssen Lehrer und Schüler ohne Internet auskommen. Oben 40cm, unten Geschlecht. Und grenzenlose politische Dummheit und Inkompetenz.

Aber: Viele der Eltern und Lehrer wählen das politisch genau so.

Ich könnte mich nicht erinnern, dass nennenswerte Zahlen von Rot-Grün-Wählern bei ihrer jeweiligen Regierung oder Partei vorstellig geworden wären und gefordert hätten, sie sollten sich ihre Genderquote sonstwohin stecken und dafür sorgen, dass die Schulen funktionieren.

Übrigens sollte man sich das immer vor Augen führen, wie katastrophal es in den Schulen abläuft, wenn vor allem die Linke oder deren Frontschwätzer Gregor Gysi wieder mal fordern, Wohnungen zu enteignen oder Krankenhäuser in öffentlichen Besitz zu überführen.