Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Von Unkosten und Geschwätz

Hadmut
2.1.2021 17:08

Jetzt will ich mal was aufräumen und den Kaufleuten mal in den Hintern treten.

Schon so oft habe ich von Kaufleuten – seit Jahrzehnten auch von einem, den ich in der Familie habe – gehört, dass es das umgangssprachliche „Unkosten” nicht gibt, das ein Unwort sei. Es gebe keine Unkosten, nur Kosten. Gerade schreibt mir ein Leser in anderem Zusammenhang (ich hatte zum Stromverbrauch diese Begriffsbesserwisser erwähnt, die sich an Sprache hochziehen, aber über die Bedeutung nicht nachdenken) zur Erläuterung

Auch mir rollen sich die Fußnägel hoch, wenn jemand “Unkosten” hat. Kaufmännisch sind das einfach Kosten. Meine Frage dann immer: “Ist “Unkosten” nur ein Kurzwort für “unverantwortlich hohe Kosten”?”.

Liebe Kaufleute!

Haltet mal die Luft an. Bis es weh tut.

Selbstverständlich gibt es Unkosten, nämlich weil es die Unkostenerstattung gibt.

Ich erklär’s Euch.

Die Vorsilbe „Un-” zeigt an, dass etwas das gegenteil von dem ist, was kommt. Ungemein ist etwas, wenn es außergewöhnlich, eben nicht gemein ist. Eine Untiefe ist in der Seefahrt nicht etwa (wie manche meinen) eine Stelle im Meer, die so grausig tief ist, dass man den Boden nie findet und da unten schreckliche Monster hausen, sondern es ist eine Stelle, die nicht tief genug ist, und bei der man Gefahr läuft, mit dem Schiff auf Grund zu laufen, weil es eben nicht tief genug ist. Untiefe = flach. Eine Unverschämtheit kommt von jemandem, der sich nicht schämt, Unheil ist das Gegenteil von Heil, so wie Unsinn das Gegenteil von Sinn ist, und das Ungeheuer wird dem Leser zur Übung überlassen.

Mit dieser oder ähnlicher Argumentation, nämlich das „Un-” bezeichne, dass das, was danach kommt, eben nicht da sei, wurde mir schon so oft gesagt, dass es „Unkosten” nicht gäbe, weil es dann ja keine Kosten seien und es sie kaufmännisch somit gar nicht gäbe. Es kostet oder es kostet nicht. Und wenn es nicht kostet, ist es nicht passiert.

Das ist Blödsinn.

Man darf halt nur die Kaufleute mit ihrer beschränkten Sicht nicht fragen.

Wenn ich beispielsweise eine Reise tue, Dienstreise, Bewerbungsgespräch, Vortrag, freiberuflich oder irgendsowas, dann muss ich manches bezahlen. Essen, Unterkunft, Verkehrsmittel, Verbrauchsmaterial, und so weiter.

Das, was ich im Endeffekt selbst bezahle, also am Ende auch weniger auf dem Konto habe, sind meine Kosten. Die ziehe ich am Ende in der Bilanz oder der Einnahmenüberschussrechnung von den Einnahmen ab, um den Gewinn zu ermitteln. Kosten sind Ausgaben, die sich (negativ) auf den Gewinn auswirken.

Nun habe ich in vielen Fällen aber auch solche Ausgaben, die ich mit irgendwem abrechne, die ich erstattet bekomme. Gehe ich auf eine Dienstreise, muss ich Straßenbahn, Taxi, Hotel erst mal bezahlen und auslegen, bekomme das aber mit der Spesenabrechnung erstattet. Ich zahle es erst einmal, aber es kostet mich nichts, es wirkt sich nicht auf meinen Gewinn aus, weil ich es erstattet bekomme.

Und weil ich es zahlen muss, es mich aber nichts (außer etwas Mühe und Aufwand) kostet, weil sie Durchlaufposten sind und von einem anderen erstattet werden, sind es keine Kosten, sondern eben Unkosten.

Und genau deshalb gibt es im Normalfall eine Unkostenerstattung, aber keine Kostenerstattung.

Denn würde es erstattet, wären es ja keine Kosten (jedenfalls nicht meine), und die Erstattung macht die Kosten zu Unkosten. Weil es mich nichts mehr kostet, wenn ich eine Erstattung erhalte.

…Herrje… Irgendein Besserwisser labert es vor, und alle labern es nach, weil sie sich dann schlauer fühlen.