Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Stromzählerproblem nicht verstanden

Hadmut
2.1.2021 14:48

Weil mir jetzt gar so viele schreiben….

Leute, es ist ja nett, dass mir so viele schreiben, wie man seinen Sicherungskasten umbauen kann, um da einen eigenen Stromzähler reinzumontieren, aber…

Individual-Hack

Ich hatte das als Kritik an der Politik gemeint. Ich halte es für deren Aufgabe, das Problem allgemein zu lösen, und nicht für meine, für mich einen Individual-Hack zu basteln.

Es ist nicht mein Stromzähler und nicht mein Sicherungskasten

Ich darf hier nicht ohne Sondererlaubnis der Hausverwaltung rumbauen, und die kriege ich nicht, weil sie die Wohnungen gerne so halten möchten, wie sie waren, und mit Sonderlocken nichts zu tun haben wollen. Und da haben sie sogar Recht.

Es lohnt sich nicht.

Wenn ich jetzt hier einen Elektriker kommen lasse (und nein, das Risiko ist mir zu hoch, ohne entsprechenden Ausbildungsnachweis an der Stromversorgung rumzubasteln), der das Ding ein- und hinterher wieder ausbaut und alles in den Urzustand versetzt, kostet das mehr, als ich damit sparen kann.

Es passt nicht.

Sorry, Leute, wenn ich Euch das mal so direkt sage, aber: Habt Ihr schon mal einen Sicherungskasten einer modernen Wohnung gesehen?

Jede Hutschiene ist fast voll, weil hier jeder Furz separat abgesichert ist. Da passt kein Zähler mehr rein. (oder man müsste einige Sicherungen umsetzen, was dann wieder Probleme mit den Kabellängen bringt.)

Akademische Masturbation

Den Vogel schießt der da ab:

Guten Tag und ein erfolgreiches neues Jahr Herr Danisch.

Ich lese Ihren Blog sehr regelmäßig. Immer wieder vielseitig und interessant.
Mit dem og. sträuben sich aber meine übersichtliche Anzahl von Nackenhaaren……
Da habe ich fachlich von einem IT-ler mehr erwartet (oder auch nicht).
Mein Elektrotechnik Dozent von der TU Ilmenau hätte mich für den Begriff “Stromverbrauch” bereits 1984 erhangen, zerhackt, verbrannt und dann noch vor die Selbstschussanlage geworfen.
Ob es den Menschen noch gibt weiß ich nicht. Vergessen habe ich seine mathematischen und elektrotechnischen Voltermethoden nicht. Trotzdem war der Mann richtig gut. Also:
Strom wird nicht verbraucht, Strom fließt !!!
https://www.leifiphysik.de/elektrizitaetslehre/einfache-stromkreise/versuche/wird-strom-verbraucht

Ich weiß ja das IT Spezies ausserhalb Ihres Fachbereiches dann und wann so ihre Probleme haben von Ihnen habe ich da aber wirklich so eine Nummer nicht erwartet. Immerhin hatte ich für einen Beitrag von Telekomunikation welcher nur rudimentäre Kenntnisse dazu auswies Verständnis. Aber geschenkt Telefonheinis (wie ich) und IT ler standen sich da noch nie sehr nahe. Durch die IP Kacktelefonie gibt es da halt oft Berührungspunkte. Wir wissen sicher beide das Techniker und eben Männer auch hier trotzdem gemeinsam am Strang ziehen und zwar in die selbe Richtung also ergebnisorientiert.
Das ihr in der Weltstadt Berlin noch wenige oder keine Echtzeitzähler habt wundert mich oder hat das was mit Berlin zu tun?
Zum Glück gibt es ja Typenschilder an Geräten oder Energiezähler oder Messeisen (genannt auch Schätzeisen). Im Zweifelsfall gibt der gesunde Menschenverstand brauchbare Ergebnisse.
Stell Dich nicht unter den Scheffel da kenne ich Dich viel fachlicher.

Mal abgesehen davon, dass es ziemlich aussichtslos ist, ausgerechnet mir mit dem Argument kommen zu wollen, dass ein Dozent einer deutschen Uni irgendwas behauptet, halte ich den Dozenten für diese Aussage für einen Idioten.

Strom verbraucht man nicht. Das stimmt.

Aber Energie verbraucht man. Und die ist das Integral der Leistung über die Zeit, und Leistung ist elektrisch (von der Phasenlage und Blindleistung mal abgesehen) das Produkt aus Spannung und Strom. Weil die Spannung halbwegs konstant ist, kann man also die Leistung indirekt über den Strom messen. Weil der Strom die messbare Größe ist. Das Integral über den Stromfluss ist proportional zum Energieverbrauch.

Der Begriff „Energieverbrauch” wäre aber nicht eindeutig. Denn hier gibt es auch Fernwärme, Heizung, Warmwasser, Gas, Öl als Energiezulieferungen. Um das näher zu spezifizieren ist der Begriff „Stromverbrauch” also durchaus zutreffend, zumal es hier nicht um Elektrotechnik-Akademisches, sondern um die Kosten und die Abrechnung geht, sogenannte Verbrauchskosten.

Und man muss auch nicht an der TU Ilmenau studieren, um zu verstehen, dass man die Energie einer Batterie verbrauchen kann. Nämlich indem man Strom fließen lässt. Da reicht der Besitz einer Taschenlampe oder als Kind mit einem Elektrobaukasten gespielt zu haben. Denn, und das übersieht der Dozentendepp, Strom fließt auch nicht einfach so und von alleine. Strom benötigt immer irgendeine Energiequelle. Mag sein, dass es Ausnahmen gibt, wenn etwa Supraleiter widerstandslos Strom auf Dauer halten können, aber dann kann ich dem Strom auch keine Energie entnehmen. Und ich lasse den Strom ja auch nicht in der Wohnung zirkulieren, weil es mir so Spaß macht, sondern als Träger einer Energieübertragung. Ich schalte den Strom ein, weil ich Licht haben oder kochen will. Weil ich Energie entnehmen will.

Und kommt mir jetzt nicht mit Entropie und Energieerhaltung, dass man auch Energie nicht verbrauchen könnte. Ich rede von nutzbarer Energie, die ich verbrauche, indem ich sie in den allgemeinen Entropiepool fließen lasse. Sie ist damit nicht weg, aber nicht mehr nutzbar, also durchaus „verbraucht”.

Übrigens kann ich auch Geld verbrauchen, obwohl es danach nicht „weg”, sondern nur „woanders” ist. Das ist so typische Deppenschlauheit, wenn Leute sich an Begriffen und Spitzfindigkeiten hochziehen, aber in der Sache nicht nachdenken. Erstaunlich, wie oft mir Leute schreiben, die sich in begrifflichen Haarspaltereien und willkürlichen eigenmächtigen Besserwisserdefinitionen ergehen, aber die Sache an sich nicht verstanden haben.

Man möge dem Elektrotechnik-Dozenten der TU Ilmenau ausrichten, dass der ein von mir zertifizierter Idiot ist.

Erinnert mich übrigens an einen Mathemathikprofessor aus meinem Studium. In Mathe war der richtig gut, aber konnte nichts außenrum. Ich habe ihn mal getroffen, als ich in seinem Institut ein Skript bestellt habe (die musste man vorher bestellen, weil sie die jedes Jahr neu drucken ließen und genau wissen wollten, wieviele sie drucken lassen). Ich fragte, ob man das bar bezahlen muss oder überweisen kann.

Er wusste nicht, was eine Überweisung ist. Er hatte noch nie davon gehört, dass man Geld von einem Konto auf ein anderes übertragen kann, indem man einen Zettel ausfüllt (Telebanking gab es damals noch nicht), bei der Bank einwirft und die machen das dann. Ich habe ihm das erklärt und er fand das eine ganz tolle Idee, das würde ja so vieles erleichtern. Nein, um Geld habe er sich noch nie selbst gekümmert, das mache alles seine Frau. Er mache nur Mathematik.

Ob dieser Dozent der TU Ilmenau jemals seine Stromrechnung gesehen hat?

Bitte

Ich bitte von weiteren Zuschriften, Hinweisen und Anleitungen abzusehen, wie man Sicherungskästen auf eigene Faust umbaut, oder welche Gerätschaften man auf eBay billig gebraucht bekommen und umbauen kann.

Ich weiß zwar bereits eine Menge, auch vorher schon, gehöre aber zu den Leuten, die nicht alles, was sie zu tun wissen auch für ratsam, sachdienlich und empfehlenswert halten. Es gibt so viele Dinge, von denen ich wüsste, wie man sie unternimmt, es aus den unterschiedlichsten Erwägungen heraus aber trotzdem bleiben lasse.

Und deshalb: Nein. Ich hege nicht die Absicht, irgendwelche, schon gar nicht eigenmächtige Umbauten an meinem Sicherungskasten vorzunehmen.

Selbst wenn ich mir grundsätzlich zutraute, dies sogar zuverlässig selbst durchzuführen, lehne ich es – vor allem mit Blick auf die intellektuelle Zusammensetzung der Berliner Bevölkerung – rundheraus ab, es als ausreichende Qualifikation zum Umbau von Sicherungskästen anzusehen, es sich selbst „zuzutrauen”. Ich will gar nicht erst damit anfangen, Selbsteinschätzungen als Legitimationen einzustufen. Ich habe schon genug zu tun, dass wir von solchen Selbsteinschätzern, die sich was zutrauen (zuletzt: Kanzlerin) regiert werden. Dunning-Krugers rennen hier genug rum. Und die Feuerwehr ist schon überlastet.

Ich bewege mich vielmehr in der Erwartungshaltung, dass es der Politik und den Stromversorgern zufalle, die Leute über den aktuellen Stromverbrauch zu informieren.