Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Zum neuen Jahr

Hadmut
1.1.2021 14:09

Leser wissen, dass es mir zutiefst widerstrebt, es mir gegen jeden Strich geht, etwas wider besseres Wissen zu schreiben.

Trotzdem wünsche ich allen Lesern ein gutes neues Jahr.

Und bedanke mich erst mal für die vielen Glückwünsche und Zuschriften kollektiv an dieser Stelle.

Es war eine sehr seltsame Silvesterfeier. Zum ersten Mal habe ich mit alten Freunden und Bekannten (ich bin der einzige, der im Raum Berlin gelandet ist, weshalb das immer etwas schwierig ist) per Onlinevideokonferenz gefeiert. Was gar nicht so schlecht war, wie es sich anhört, weil ich auf diese Weise Leute wiedergesehen habe, die ich eigentlich seit langen Jahren nicht mehr gesehen hatte und auch nicht mehr gesehen hätte, etwa weil sie in einem anderen Land wohnen. Einen ähnlichen Effekt hatte ich vor einigen Wochen bei einer Vereinssitzung beobachtet, die auch nur online stattfand, aber ich plötzlich ganz viele alte Bekannte wiedergesehen habe, die schon seit Jahren nicht mehr persönlich kamen.

Es ist vielleicht gar nicht schlecht, mal aus der Routine und ständigen Wiederholung gerissen und gezwungen zu werden, es mal anders zu machen. Als Kind schon ging mir das entsetzlich auf die Nerven, dass da jedes Jahr zwanghaft das immer exakt selbe Ritual abgespult werden musste. Fondue, Bleigießen, Abfeuern von Tischfeuerwerk, Raketen, jedes Jahr nach dem selben, strikten, unveränderlichen Plan.

Ich weiß, das ist jetzt wenig informativ und unqualifiziert, aber ich will das trotzdem so in den Raum stellen: Ich hatte mir das Jahr 2020 vorher einfach vorgestellt.

Nichtsdestotrotz oder gerade deshalb reizt mich das Unerwartete. Quasi die eigene Innenrevision. Sich mal zu überlegen, was braucht man eigentlich, was nicht, und was macht man schon allein deshalb immer so, weil man es schon immer so gemacht hat. Ich halte es insofern zumindest partiell für gar nicht schlecht, im Gegenteil gut, wichtig, heilsam, wenn man mal durchgeschüttelt wird und sich zu allem, was klappert, überlegen muss, ob man es wieder festschraubt oder rauswirft. Möglicherweise war Corona der heilsame Tritt in den Hintern, damit endlich mal wieder etwas Bewegung in die selbstgefällige eingefahrene Sturheit kommt. Nichts ist monotoner, festgefahrener, unbeweglicher, ewiggestriger, betonschädliger als dieser linke antikonservativer Progressivensingsang derer, die die Welt verändern und verbessern wollen und dabei im Jahr 1850 stecken geblieben sind und sich keinen Millimeter vom Stand der Dampfmaschine nach vorne bewegen können.

Gut, zugegeben, wir werden wohl daran pleite gehen, aber – und ist neu – wir werden zumindest so ein bisschen wissen, warum.

Ich hoffe, Ihr habt das ansonsten praktisch ereignislose und langweilige Jahr 2020 genutzt, um Euch zu erholen und auszuruhen (sogar die Bundesregierung hatte ja in ihren komischen Corona-Emfehlungsspots dazu aufgerufen, sich aufs Sofa zu legen und zu faulenzen), denn ich bin überzeugt, dass auf die Ruhe der Sturm folgt, uns eine gegenteilige, überaus ereignisreiche Zeit bevorsteht, und ich vermute, dass das schon in allernächster Zeit umschlagen wird. In spätestens 5 Jahren werden wir die Welt nicht wiedererkennen, und wenn wir ehrlich sind, haben wir trotz der Ereignislosigkeit 2020 bereits jetzt eine Welt, die wir vor noch einem Jahr nicht als unsere erkannt hätten.

Gerade deshalb halte ich es für bedauerlich, dass wir zwar gerade vieles umkrempeln, aber ausgerechnet die Medien nicht. Denn gerade jetzt, wo wir sie eigentlich wirklich bräuchten (2020 brauchten wir sie nicht – sie haben nichts Nützliches getan, aber das hat auch nichts ausgemacht), sind sie in einem Zustand noch unterhalb kastraphaler Dysfunktion und Unbrauchbarkeit. Ich halte unserer Medien derzeit für ein zusätzliches Problem. Und die haben nicht genug Corona abbekommen um zu gesunden. Es wäre dringend erforderlich, dass da in allernächster Zeit mal ein paar größere Namen richtig pleite gehen und dicht machen. Eigentlich können wir uns diesen Schwachsinn, den die da abziehen, schon lange nicht mehr bieten lassen, aber bisher hat es ja auch nicht aufgehört. Deshalb bräuchten wir schnellstmöglich zwei, drei große Medienpleiten, damit sich das endlich mal wieder aufräumen, entgiften kann.

Für mich selbst erwarte ich dieses Jahr einige Veränderungen, einige sind notwendig. Würde ich mich jetzt des dämlichen Business-Sprech bedienen, würde ich schwafeln, dass ich mich für die Herausforderungen der nächsten 10 Jahre neu aufstellen muss.

Was ich mich schon lange frage: Wie wird eigentlich das, was mein Blog heute ist, in 5, 10, 15, 20 Jahren aussehen, aussehen müssen, um noch zu funktionieren? Und was muss ich jetzt tun, um bis dahin dort anzukommen?

Und laufe ich dieser Entwicklung voraus oder hinterher?

Ich mache einen Lernprozess durch. Eigentlich wollte ich 2018 aus Neuseeland, 2019 aus New York und 2020 aus Dubai und sonstwoher Reisevideoblog machen, und hatte mich daran – das gebe ich zu – verhoben, oder genauer gesagt, den Lernprozess begonnen. Denn mit dem Ansatz, mal schnell ein paar Geräte einzukaufen und dann dort „learning by doing” unter gleichzeitigem Zeitdruck zu treiben, das hat nicht funktioniert. Die Zeit hat nicht gereicht, um gleichzeitig Urlaub zu machen, das Zeug zu lernen und zu testen und noch produktiv zu sein. Das ist schon an Banalitäten gescheitert, wie dass ein Mikrofon nicht zur Kamera passte und die Aufnahme Schrott war, ich das aber erst gemerkt habe, als ich schon weitergefahren war und nicht zurückkonnte, oder einfach die Arbeitszeit unterschätzt habe, die man dafür braucht. Das geht alles nur, wenn man vorher alles übt, testet, beherrscht. Und genau weiß, was man braucht und was nicht, um nicht zuviel überflüssiges Zeug mitzuschleppen. Geht aber wohl nicht nur mir so, denn es ist auch bei den Herstellern zu beobachten, dass sie ihre Geräte verbessern, um genau die Probleme zu lösen, die ich hatte. Probleme und Unzulänglichkeiten können zu Verbesserungen führen, wenn sie den richtigen Leuten in die Hände fallen. Leider sind die „richtigen Leute” bei uns sehr knapp geworden.

Es werden Veränderungen auf uns zu kommen.

Manche gut, manche schlecht. Als Funktionalpessimist erwarte ich vielfache Verschlechterungen und Probleme. Als Optimist bin ich nicht gut.

Aber: So, wie bisher, kann es eben auch nicht mehr weitergehen.

Ich wünsche Euch deshalb ein überlebenswertes neues Jahr.