Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Joker der Weiße

Hadmut
28.10.2019 22:47

Zwei Nachreichungen.

Ich hatte doch ausführlich über diesen Film „Joker” geschrieben. Zwei Leser-Reaktionen will ich aufgreifen.

Schwarz-Weiß

Ein Leser schrieb mir, er habe den Film gleich zweimal gesehen, das zweite Mal, um auf die Details zu achten.

Er fragt, ob mir aufgefallen wäre, dass es in dem Film eine strikte Einteilung gibt. Alle Kaputten, Ausgespuckten, Versager, Freaks, Behinderte, Kotzbrocken seien Weiße, während alle Rollen, die irgendwie normal, gutherzig, freundlich, in Arbeit, bürgerlich sind, mit schwarzen Schauspielern besetzt sind, die fürsorgliche geduldige Frau vom Sozialamt, die hübsche Nachbarin, der sympathische nette Archivar im Krankenhaus. Auch die Fieslinge wie der Fernsehmoderator oder der Vater von Bruce Wayne (=später Batman) sind Weiße. Ja, während des Films war mir der Gedanke bezüglich der Guten mal gekommen, und dass der Archivar irgendwie zu nett und zu sympathisch rüberkam um echt zu sein, und auch nicht so ganz klar ist, warum die hübsche Nachbarin eigentlich so nett zu dem Typen ist, hatte sich aber nicht festgesetzt.

Klares Gesellschaftsbild: Die Schwarzen sind die netten, guten, freundlichen Menschen mit dem Job, die Weißen sind die Fieslinge und die Kaputten, die sich als Mietclown durchschlagen müssen.

Einschätzung aus Afrika

Eine Stammleserin schrieb mir, sie diskutiere häufig mit einem alten Freund, der gerade irgendwo in Schwarzafrika beruflich zu tun habe, und habe ihm deshalb den Link auf meinen Blogkommentar zum Film geschickt, was er bemerkenswert kommentiert habe:

Die verfolgte Mehrheit – meinereiner, da Hetero & Mann – ist mit einem gewissen Anspruch an sich selbst angetreten. Diesem Anspruch wird ein Großteil von uns nicht gerecht; ich kenne nur noch Wenige, Superopportunisten, die noch ganz oben auf der Welle schwimmen. Das sind in den allermeisten Fällen widerliche Zeitgenossen, völlig rückgratlos. Der Rest begnügt sich mit dem Erreichen des Minimalziels, in der Hoffnung, in Ruhe gelassen zu werden.

Ganz langsam merken aber viele in meiner Generation (= 30 Jahre, also die im Alter zwischen 25 und 55) – und es werden täglich mehr – dass sie trotz aller Anstrengung keine reelle Chance haben. Es wird von – ja, von wem eigentlich? – wissentlich und willentlich verhindert, daß diese Kaste von mittelalten weißen Männern im Bezug auf das, was sie sich vorgenommen, reüssiert.

Der Daseinskampf war schon früher hart, überall. Aber vorher gab es erst wenige konkrete Verhinderungsstrategien gegen die Mehrheit. Wer sind dann die Nutznießer dieser Kampagne? Jene, welche von weißen Heteros mit Recht verachtet werden, weil sie aus verschiedenen Gründen nicht so viel hinkriegen oder wenn, indem sie die Spielregeln verletzen (Araber, Afrikaner, Latinos); zB durch Drogenhandel.

(Weiteres Beispiel: Ich mußte gestern jemandem die Funktionsweise eines Karabiners erklären. Wenn man keine anderen Interessen als Vögeln, Breitschirmfernsehen und Saufen hat, dann bleibt natürlich für das Erlernen solcher Nichtigkeiten kein Platz – man komme mir jetzt nicht damit, daß es in Afrika keine Karabiner gibt. Für jede Wissenslücke gibt es inzwischen auch in Afrika Internet). Es ist bei uns also das durchaus begründete Überlegenheitsgefühl einer Kaste, welche die meisten Opfer für die Gemeinschaft bringt, das verletzt wird. Man fühlt sich von vorn bis hinten verarscht. Wenn dahinter auch noch System steckt, und das tut es, wandelt sich die Energie, die man sonst voll und ganz auf das eigene Fortkommen und Erhalt der Familie richten würde, in Frust und Wut auf die Verhinderer. Das ist nur eine Frage der Zeit, bis das hochgeht. Deswegen reagiert das System so panisch auf die AfD in Thüringen.

Die “toxische Männlichkeit” fühlt sich von Höcke nicht nur nicht abgestoßen, sondern hebt ihn auch noch in den Sattel. Man beachte: ca. 28% der Leutezwischen 25 und 55 haben den gewählt. Et voilà.

Ich schrieb Dir davon: Jordan Peterson, der ganz leicht halbseidene, hellsichtige Glitzerschamane, sieht das m. A. nach richtig voraus: er fürchtet den Backlash einer gut ausgebildeten, kriegserprobten, bis an die Zähne bewaffneten, unterprivilegierten weißen Mehrheit, die bei der nächsten Depression nichts mehr zu verlieren haben. Das schwappt auch auf Europa über. Meine Prognose über den Ausgang: Sezession in Amerika; Untergang der EU; Auflösung der NATO; Wiedererstarken Russlands in Europa; Jahrelanger Bürgerkrieg.

Macht Euch auf etwas gefaßt.

Ja, dem kann ich zustimmen. Besonders dem Teil zu der Generation weißer Männer zwischen 25 und 55, die sich anstrengt und deren Fortkommen trotzdem verhindert wird. Als wäre ich der Prototyp.

Die Prognose eines Bürgerkriegs hatte ich ja schon.