Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Hackepeter

Hadmut
27.10.2019 16:22

Zum Stand der Sitten.

Inzwischen habe ich auch das Hacke-Video aus Limburg gesehen.

Wie in den meisten Fällen, in denen solche extremen Gewalttaten nicht von der Dramatik eines Kinofilms sind, sondern eher banal-pragmatisch-handwerklich daherkommen, ist auch diese Mordtat erstaunlich … erstaunlich … ja, wie nennt man sowas eigentlich? Kaltblütig ist das falsch Wort, das würde ich für einen verwenden, der eine Gefahr für sich selbst übergeht.

Unaufgeregt?

Das ist nicht so, dass der da durchreht und im Affekt handelt.

Ein Mensch liegt auf dem Boden und der geht zwar zügig, aber in relativer Ruhe zum Kofferraum, holt die Axt raus, stellt sich in Position, zielt und hackt in der Attitüde eines entschlossenen Gartenbesitzers, der noch schnell einen Baum fällen und für den Kamin zerteilen will, und mit demselben Mitleid, dass derselbe dem Holzstücken mitbringen würde, und auch denselben Hemmungen, nämlich gar keinen, da einen Menschen in Teile, als würde er das jede Woche machen, als gehörte das halt so dazu. Muss man halt machen, damit’s erledigt ist. So in der Art.

Ich hatte schon geschrieben, dass ich das anders werte als die Presse, dass ich „in Deutschland geboren, aufgewachsen” nicht als Beruhigung, sondern als Gegenteil ansehe, weil ich das für schlimmer halte, als wenn es einer macht, der gerade erst neu aus einem Land gekommen ist, in dem das so üblich ist, und noch nicht wusste, dass es auch andere Sitten gibt.

Der gleiche Gedanke kommt mir wieder.

Würde ich da einen sehen, der total durchdreht, in einem Ausnahmezustand ist, völlig ausrastet, und vielleicht das tut, was man „übertöten” nennt, dann würde ich das auch genau da weit außerhalb des Rationalen, Kontrollierten einordnen. Ausnahmezustand, Psycho und so.

Aber nicht hier.

Da hat einer die Absicht, den Kopf vom Rumpf zu trennen, wählt das geeignete Werkzeug, und führt es zwar in Eile, aber doch in Ruhe durch wie eben irgendeine Arbeit. Und hört dann auch einfach auf, als er fertig ist.

Eine völlig bewusste, gesteuerte, kontrollierte Handlung.

Mir schrieb einer, das sehe nicht wie ein Eifersuchtsmord aus, sondern wie eine öffentliche Pflichtübung zur Wiederherstellung der Ehre. So ein bisschen lästig, aber muss halt erledigt werden.

So sieht das aus, wenn die Sitten und die Patriarchatsordnung der alten weißen Männer verschwinden. Das wollte man so haben.

Das sozialistisch-kommunistische Problem: Man hat keinen Plan, man hat kein Ziel, aber ist fest überzeugt, dass alles gut und paradiesisch wird, wenn man erst alle Ordnung, alles Bestehende abschafft und sich „weltoffen” und „progressiv” nennt, was semantisch nicht mehr bedeutet, als antikonservativ zu sein, alles Bestehende, insbesondere alles, was mal als sozialisiert, als kapitalistisch, als patriarchalisch ansieht, abzuschaffen, nichts Beständiges zu haben, nichts, worauf man sich noch stützen und verlassen kann, die Instabilität und den ständigen Wechsel anzubeten und sie für die Gottheit zu halten, die uns das Paradies bringt.

Da man aber keinen Plan, keine Spezifikation für das Paradies hatte, hat man nun ein Paradies mit Äxten.

Das Dumme ist nämlich, dass man unsere Werte, Erziehung, Sitten, Rechtsgrundsätze schon im geisteswissenschaftlichen Sinne per Diskurs und Sprechakt wegdiskutieren und wegsozialisieren kann, Äxte aber nun mal nicht. Die sind real und lassen sich von Soziologengeschwätz überhaupt nicht beirren. So eine Axt geht durch geisteswissenschaftliche Theorien genauso durch wie durch deren Köpfe, in diesem Fall einer Lehrerin.

Das, was uns hier zusammengehalten hat, das kann man wegsozialisieren. Stahl nicht.

Mich erinnnert diese Herangehensweise dieser Sozial- und Kulturwissenschaftler im Poststrukturalismus und in der Postmoderne, gemischt mit marxistischer Zerstörungswut, an einen alten Gärtnerwitz: Wie findet man heraus, was im Garten Unkraut ist und was nicht? Antwort: Man reißt alles raus. Was im nächsten Jahr wiederkommt, ist Unkraut.

Wir sind gerade in der Phase, in der die Sozial- und Kulturwissenschaftler in Kombination mit dummkriminellen Politikern alles rausreißen und nur das übrig bleibt, was gegen deren Vernichtungsaktionen immun ist. So Reales.

Der einzige Trost liegt darin, dass es Handy-Kameras gibt und wir wenigstens davon erfahren.

Werte

Vor einigen Wochen eine Frau übel übel über mich hergezogen, ich würde mit meinem Blog Werte missachten und verletzen.

Sie sagte zwar nicht, wessen Werte, und auch nicht, warum die wichtiger sein sollten, als anderer Leute Werte, aber mit meiner altmodischen weiße-Männer-Auffassung, dass man Leute einfach nicht zerstückelt, und jeder selbst bestimmen kann, mit wem er sich abgibt, sogar Frauen, bin ich da wohl ein Dinosaurier und toxisches Auslaufmodell. Alter weißer Mann. Muss weg.

Zumindest ich habe das als Kind noch gelernt, dass es sich nicht gehört, Leuten Körperteile abzuhacken, gleich welcher Art. Bei uns damals war es dem sozialen Ansehen noch zuträglich, dass man davon absieht, anderen Menschen Körperteile abzutrennen. Ich hätte nicht gedacht, dass mir solcherart Erziehung mal zur sozialen Ächtung gereicht. Eigentlich hatte sich der Verzicht bisher sozial bewährt.

So progressiv kulturwissenschaftlich soziologisch politisch-korrekt und im Sinne dieser über mich schimpfenden Frau hat die Enthauptete ja ein Riesen-Glück gehabt, dass sie nicht mit toxischer Whiteness konfrontiert wurde.

Man sollte sowas also immer positiv als Nachweis erfolgreicher Dekontamination von alter Sozialisation und überkommenem weißem Patriarchat begreifen, das man überwinden wollte. Scheint zu funktionieren mit dem Überwinden.