Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Ausverkauft und abverkauft

Hadmut
26.10.2019 22:07

Seltsames Tauschgeschäft.

Einerseits reden sie von Enteignung und Rückkauf von Wohnungen, und auf der anderen Seite wird die Industrie gerade rausverhökert.

FOCUS meint, Deutschland verlöre gerade seine ökonomische Souveränität.

Die Fonds wollen Rendite, die Chinesen Spitzentechnologie. Die Entscheidungen über deutsche Unternehmen fallen längst im Ausland. Muss der Staat hilflos zusehen, oder soll er gegenhalten? […]

Der Dax ist zu 85 Prozent in ausländischer Hand

Unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit, schreitet der Ausverkauf der deutschen Wirtschaft kontinuierlich voran. Inzwischen gehört die Deutschland AG nicht mehr den Deutschen, wie eine neue Studie des Deutschen Investor Relations Verbands (DIRK) enthüllt. Vielmehr befinden sich die 30 wichtigsten Firmen im Deutschen Aktienindex Dax bereits zu 85 Prozent in der Hand ausländischer Geldgeber. Mehr als die Hälfte davon stammen aus Nordamerika und Großbritannien. Die heimischen Anleger halten gerade noch 15,3 Prozent am Dax-30.

Muss man sich klarmachen: Unsere bekloppte Bundesregierung macht da nichts, und die Linken hetzen gegen die Milliardäre und wollen sie stark besteuern, sie also zum Verkauf von Aktien zwingen. Nein, ich mag die Quandts nicht, aber sie sind die, die BMW zusammenhalten. Wie absurd ist es, das kaputt zu machen? Einerseits schimpft man auf die Investoren und Geldmacher, andererseits will man die deutschen Milliardäre nicht mehr haben. Ja, was denn nun?

Mit diesem ungebremsten Verkauf der heimischen Industrie geht nicht nur ein Teil des schwindenden technologischen Vorsprungs verloren, sondern auch die ökonomische Souveränität des Landes. Das Kommando führen jetzt Investmentfonds in London, New York und Singapur oder Staatskapitalisten in Peking. In den Aufsichtsräten der deutschen Firmen bedienen Amerikaner, Briten, Chinesen und immer mehr Ölscheichs die Schalthebel der Macht.

Das große Ausplündern.

Eigentlich ist das Problem dasselbe, das ich schon so oft beschrieben habe: Eine linke Utopie, von der keiner weiß, wie sie aussehen soll, aber (fast) alle sind überzeugt, dass es wunderbar wird, wenn wir nur erst alles kaputtgemacht und zerstört haben. Klassenkampf, Kapitalisten und Bourgeoisie vernichten, und dann kommt das Paradies.

Es wäre ja schön, wenn man mal erfahren würde, wie dieses Paradies dann aussehen und funktionieren soll, damit man mal weiß, ob man sowas wie Industrie oder Ingenieurswissen dafür noch braucht. Aber das wissen sie ja selbst nicht. Und deshalb kümmert sich auch keiner darum, dass das Tafelsilber dableibt, Hauptsache man hat die inländischen Milliardäre beschimpft und geschröpft.

Ich kann mich noch an längere Gespräche während meines Grundwehrdienstes mit einem aus derselben Kompanie erinnern, mit dem ich mich auf Wachen und so weiter länger – intellektuell, nicht persönlich – gestritten habe. Ein netter, aber hoffnungslos linker Mensch mit einem markant dreieckigen Gesicht. Damals ging es gerade um die Einführung der 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich (bemerkenswerterweise sind heute oft 37,5 oder 40 Stunden Standard). Er war der Meinung, dass wenn man die 40 Stunden so umverteilt, dass Arbeitslose die abgegebenen Stunden verwenden können, ja alle was arbeiten und konsumieren könnten, weil ja dann jeder das Gehalt bekommt.

Ich hatte damals rückgefragt, ob er dass mal erklären könne. Ob er also also statt 7 Leuten, die je 40 Stunden (=280) arbeiten nunmehr 8 Leute je 35 (=280) Stunden arbeiten. Aber auf sowas wollte er sich eigentlich nicht einlassen, aber gab das dann zu, weil er sich ja sonst hätte erklären müssen, wie er es dann sonst meint. Auf meinen Vorhalt, dass damit ja noch keine Stunde mehr gearbeitet sei, aber 1/7 mehr Waren benötigt würden, um den Achten konsumzufriedenstellen zu können, woher also diese 14% Produktionszuwachs kommen sollen, kam er immer mit Geld. Es hätte ja jeder der sieben noch genausoviel Gehalt, und der achte jetzt auch, also könnte sich nun jeder soviel kaufen wie zuvor die sieben. Gleiches Gehalt.

Ich versuchte, ihm klarzumachen, dass dadurch nicht mehr Zeug in den Läden steht und gekauft werden kann, und 14% mehr Geld in Umlauf nur bedeuten würde, dass die Preise per Inflation um 14% steigen, also trotz nominam gleichen Gehaltes jeder weniger kaufen kann und damit den Achten durch Konsumverzicht finanzieren. Wenn sieben Leute zu 40 Stunden sieben Leuten (sich selbst) den Konsum erarbeiten können, dann brauchen acht Leute ebenfalls 40 Stunden, um acht Leuten denselben Konsum zu erarbeiten.

Das wollte der nicht einsehen. Der wollte partout nicht in Stunden oder Arbeitsmenge oder Produktivät rechnen, sondern nur in Geld. Voller Lohnausgleich, das heißt, dass jeder soviel kaufen kann, wie zuvor, nur eben jetzt jeder, weil einer mehr. Wo es herkommen soll? Ja, sie haben doch zusammen jetzt mehr Geld. Sie können doch mehr kaufen. Und mehr bezahlen. Aber wie wollen sie kaufen, was noch nicht hergestellt ist? Es wurde nicht mehr gearbeitet und nicht mehr hergestellt. Ja, da werden die Firmen mehr produzieren. Und wie, wenn sie nicht mehr Arbeit zur Verfügung haben? Ja, dann müssen sie mehr einstellen, noch mehr Arbeitsplätze. Ist doch gut. Ok, dann bekommt der Achte was, aber der Neunte, den sie noch einstellen mussten, aber noch nicht. Ja, Maschinen, Produktivität, die Produktivität steigt doch, man kann mehr mit weniger Leuten produzieren. Schön. Sollte man nicht erst die Produktivität steigern, bevor man sie verteilt und dann kommt sie nicht? Man kann doch nicht planen, dass die Produktivität um soundsoviel Prozent steigen wird.

Ich habe dann gesagt, wenn das so ginge, warum dann ausgerechnet 35? Nach der Logik könnte man die Arbeitszeit doch auch auf 30 Stunden reduzieren. Das fand er noch gut und lobte mich für sozialistische Ideen. Und dann 20, 10, 5, 2 Stunden Arbeit pro Woche. Nee, das ginge natürlich nicht, das sei ja nun böswilliger Unfug von mir.

Ja, aber warum soll dann die Verkürzung von 40 auf 35 völlig frei von nachteiliger Wirkung sein, und jedem mehr Konsum bringen, die von 40 auf 20 aber Unfug, der natürlich nicht funktionieren kann? Wo ist die Grenze? Und es ist doch ein kontinuierlicher Übergang, kein Sprung.

Das wollte er nicht einsehen, er war so geisteswissenschaftlich drauf und solchen Argumenten nicht zugänglich. Der hat einfach das Gewerkschaftsgeplapper rezitiert, ohne irgendeinen Einwand zuzulassen. 40 auf 35 bei vollem Lohnausgleich ist gut, weil jeder genausoviel Geld bekommt, dafür weniger arbeiten muss, und ein paar Arbeitslose jetzt auch Geld bekommen.

Und wenn es dann eng wurde und ich ihn dann trotz Glitschigkeit in die Ecke manövriert hatte, redete er sich immer auf die steigende Produktivität raus. Die soll’s richten. An dieser Stelle steht das Wunder in der Gleichung.

Das war eigentlich der erste Linke und erste Geisteswissenschaftsgebügelte, mit dem ich so inhaltlich zu tun hatte (an der Schule hatten wir solche Themen nicht), und war selbst mathematisch-physikalisch ausgerichtet. Obwohl persönlich ganz nett und sonst ein guter Kumpel, auch mit Abitur und vor dem Studium, hielt ich ihn in diesem Punkt für einen Idioten.

Und das hat dann bleibenden Eindruck hinterlassen. Den nächsten Blödsinn dann an der Uni.

Seitdem achte ich darauf, mir nicht nur irgendein Blabla erzählen zu lassen, sondern eine geschlossene plausible Erklärung zu verlangen, in der keine Wunderstellen vorkommen, an denen Produktivität vom Himmel regnet oder Wunschannahmen für die Zukunft benötigt werden.

Bis heute konnte mir kein einziger Linker erklären, welches Gesellschaftsmodell sie eigentlich anstreben und wie es funktionieren soll.

Und solche Ausverkäufe zeigen dann, dass da keine Zielrichtung herrscht, sondern man nur wartete, dass sich das Paradies irgendwie einstelle. Und komischerweise redet man bei den marxistisch-stalinistischen Kommunisten immer davon, dass einen die Maschinenproduktivität irgendwie ernähren wird, findet aber nichts dabei, wenn die ins Ausland verhökert wird.