Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Es klingelte an der Tür

Hadmut
17.10.2019 15:14

Leute gibt’s…

Eben klingelte es an der Tür. Ich dachte, der Paketbote sei da, weil heute ein Paket kommen sollte.

Kommt einer und fragt, ob ich „Herr Danisch” sei. (Wen erwartet der, wenn er bei „Danisch” klingelt und ein Mann aufmacht?)

Kam einer so um die Ecke, als wäre das ein offizieller Besuch, den man hinnehmen müsse. Fängt an, mir im Treppenhaus auf 5 Meter Abstand einen längeren Vortrag zu halten. Ob ich gerade Zeit habe und es mir gerade passt, interessiert ihn nicht. Ich hatte gerade jemanden am Telefon und nur aufgemacht, weil ich dachte, das Paket sei da.

Irgendwas Soziales (Thema lasse ich mal weg) in Berlin, ob ich schon wüsste, Notstand, schaffen es nicht mehr, wie schlimm das alles wäre und ob ich schon bla…bla…bla… und er wolle mich informieren über … blab … bla … bla…

Ich hatte gerade keine Zeit für sowas. Passte mir gerade gar nicht. Und habe ihn unterbrochen, er solle mal das Gerede überspringen und direkt zum Punkt kommen, was er eigentlich von mir will, worauf es hinauslaufen soll. Geld? Daten? Unterschrift?

„…alles drei…”

Nee, danke, passt mir heute so gar nicht. Ich wollte gerade die Tür zumachen und zurück zum Telefon, da fragt er penetrant nach „Ja, soll ich morgen wiederkommen?”

Gut, wenn man’s auf die höflichere Art nicht versteht… Deutlicher gesagt, Nein, ich will nicht. Er möge mich bitte in Frieden lassen.

Ja… aber *nöl* und *maul* und man müsse doch und könne doch nicht … und es sei doch so wichtig.

Gut, wenn er es immer noch nicht verstanden hat: Es geht mir auf den Sack, dass ich in Berlin ständig von irgendwem angebettelt werde. An der Wohnung kommt das zwar fast nie vor, aber oft, besonders an einer Stelle auf dem Nachhauseweg werde ich ziemlich häufig von aufdringlichsten Leuten nicht nur angequatscht, sondern die blockieren einem dann richtig den Weg, stellen sich genau vor einen und bewegen sich dann auch hin- und her, wenn man vorbeigehen will, um einem zum Stehenbleiben zu nötigen. Und dann immer irgendwas der Sorte „aber dafür muss man doch…”. Tiere, Kinder, geschlagene Frauen, immer ist es irgendwas Moralisches, womit die Melker kommen. Und immer so aufdringlich. Und man soll sich auch immer gleich in irgendwelche Listen eintragen, sich irgendwelchen wildfremden Leuten per Unterschrift anvertrauen. Ich habe die Schnauze davon gestrichen voll. (Im Ernst, ich habe in letzter Zeit schon einige davon regelrecht anbrüllen müssen, dass sie mir gefälligst aus dem Weg gehen und mich durchlassen sollten, so unverschämt treten die oft auf. Die nehmen einen regelrecht als Geisel, und weniger durchsetzungsfähige Leute müssen letztlich quasi Lösegeld zahlen, um da wieder rauszukommen. Neulich wurde ich mal zwei Wochen lang jeden Abend an derselben Stelle von jemand anderem nach demselben Schema abgefangen, angequatscht.)

Er wird pampig, sauer, lauter.

Er sei Student und er lasse sich von mir nicht als Bettler bezeichnen.

Als ob mich „Student” irgendwie beeindrucken oder ihn in meinem Ansehen heben könnte.

Klingelt bei mir, geht mir auf die Nerven, stört mich, will penetrant und hartnäckig Geld, meine Daten und eine Unterschrift, lässt nach normalem „Nein” nicht locker und wird dann noch sauer, weil er nicht als Bettler gesehen werden will.

Nachdem er es partout nicht kapieren wollte und sich das weiter hocheskalierte und der auch nicht den Eindruck machte, sich abschütteln lassen zu wollen, andererseits auch das Telefon noch wartete, habe ich dann einfach die Tür zugemacht.

Diese aufdringliche Moralmelkerei geht mir so enorm auf die Nerven.

Wenn es wenigstens nur um Geld ginge.

Aber die wollen dann gleich immer noch alle Daten und eine Unterschrift, damit man dann gleich noch mit irgendwas zugeschüttet wird.