Ansichten eines Informatikers

Zum Stand von Toleranz und Wissenschaftsfreiheit

Hadmut
16.10.2019 17:33

Ein aktueller Blick: [Update]

Ich hatte es schon mehrfach erzählt, aber weil’s so schön ist:

Der Nationalsozialismus im Dritten Reichen und die Judenhatz wurden damals auf dieselbe Weise in die Universitäten gedrückt, nämlich durch Studentenorganisationen. Die haben in dieser Weise erst gefordert, Juden rauszuwerfen, und dann auch „deutsche/arische” Wissenschaftler, wenn die nicht konform gingen, oder sich etwa zu oft im Ausland aufhielten.

Daraus entstand übrigens das Gesetz, das (wenn ich mich jetzt ad hoc richtig erinnere) bis vor kurzem sogar noch in Kraft war, aber keine Bedeutung mehr hatte, weil es ein Bundesgesetz war und Universitäten seit der Gründung der Bundesrepublik Landessache sind, dass Leuten der Doktorgrad wegen „Unwürdigkeit” entzogen werden kann. Da stand noch Reichsminister und sowas drin.

Entgegen anderslautender Literatur bezog sich dieser Entzug wegen Unwürdigkeit aber nicht auf Juden, denn da fragte man erst gar nicht mehr nach Rechtsgrundlagen. Als das Gesetz erlassen wurde, waren die längst raus. Er bezog sich auf die Wissenschaftler, die nicht meinungskonform waren oder sich ins Ausland abgesetzt hatten, auf diese Art schoss man sie aus den Professuren – auf Druck der Studentenschaften. Entzug oder Verweigerung der Promotion ist immer noch ein gern genommenes Mittel um Leute aus den Professuren heraus zu halten.

Erfunden hat man es zwar schon früher, der Entzug der Promotion wegen Unwürdigkeit stammt (spätestens) aus der Weimarer Republik, bezog sich dort aber nur auf Ärzte, die Abtreibungen vorgenommen hatten. Die Ausweitung auf andere Bereiche und der Einsatz zur Säuberung der Universitäten geht auf Druck der Studentenschaften zurück. Man kann sich das so vorstellen wie in diesem Video. Das Menschenmaterial und die Geisteshaltung, die man da hört, ist exakt dieselbe, auf der der Nationalsozialismus beruhte. So haben die damals auch Juden raus gebrüllt und gegen Nonkonformisten skandiert. Gleiche Suppe.

Oder anders gesagt: Faschismus und Antifa sind verhaltensidentisch, unterscheiden sich nur im Logo. Die einen haben damals Hakenkreuzflaggen hochgehalten, die anderen halten die Antifa-Flagge hoch. Sogar die gleichen Farben.

Übrigens ist bekannt, dass die Professoren sich damals deutlich anders verhielten, da mehr Zusammenhalt hatten. Auch unter den Professoren gab es glühende Nazis, Nazi-Kritiker und sogar immer noch einige heimliche Juden. Nur: Die haben sich in der Regel trotz aller unterschiedlicher Auffassung aus Gründen der Wissenschaft und des Zusammenhalts nicht ans Messer geliefert, sondern gedeckt. Was zu dem seltsamen Effekt führte, das bis zum Kriegsende selbst viele Nazi-Professoren jüdische Professoren gedeckt haben, und dafür in Revanche nach dem Krieg von diesen gedeckt wurden. Was mit dazu führte, dass die Entnazifizierung da auch nur sehr dünn stattfand. Man half sich in beiden Richtungen.

Das Dritte Reich fand an den Universitäten hauptsächlich durch ideologisierte Studentengruppen von exakt dieser Sorte, wie man sie da sieht und hört, statt.

Update: SPIEGEL schreibt, er sei nicht nur (leicht) angegriffen worden, sondern die ganze Veranstaltung sei dadurch verhindert worden und er habe mit Polizeischutz rausgeführt werden müssen.

Da frage ich mich: Warum werden diese Leute nicht sofort rausgeworfen, Hausverbot, Exmatrikulation?

Auf welcher Grundlage bestimmt ein kleiner Mob, was an Universitäten noch gesagt werden darf und durch wen?

Was hat das mit Demokratie zu tun, derer sie sich so rühmen?

Und warum bezeichnet man sowas überhaupt noch als Universität?

Man sollte Vorlesungen nur noch per Video halten.