Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Berlin Photo Week, Tag 3

Hadmut
12.10.2019 15:42

Pffffrrrr!

Ich war heute nochmal da. Aber auch nur, weil es nur zwei Straßen entfernt ist und ich zu einem Vortrag eingeladen war.

Vortrag 12:30. Also dachte ich, es reicht, wenn ich so losgehe, dass ich um 12 dort bin. Dort dann eine Riesen-Schlagen am Eingang, bis auf die Straße. Ich wär gleich wieder gegangen, wenn ich nicht zugesagt hätte, teilzunehmen. Zwei Leute vom Veranstalter flitzten draußen rum und versuchten, die Schlange in die anderer Richtung zu verlegen, weil sie meinten, das wäre zu gefährlich, wenn die Wartenden zu nahe an die Verkehrskreuzung kämen.

Ich konnte mir die Bemerkung nicht verkneifen, dass es wohl effektiver wäre, wenn beide reingingen und den Mädels bei der Registrierung hälfen, damit die Leute einfach reinkommen, statt draußen auf dem Fußweg und der Straße rumzustehen. Böse, böse Blicke.

Es ging dann voran und drinnen merkte man die Ursache, den Kern des Problems.

Ging man durch die Eingangstür gabelte sich das, links für die Leute mit Ticket, rechts für die Leute ohne Ticket zur Neuregistrierung.

Und es war dumm gemacht.

Links wollten zwar viel mehr Leute hin, weil die sich alle schon ihr Ticket auf der Webseite gezogen hatten, aber da stand nur eine, die das abgefertigt hat, und das auch noch wie eine Träne. Mit dem Typ vor mir hat erst mal lange palavert und getratscht. Ich habe sie mal gefragt, ob Ihr bewusst wäre, dass da draußen eine riesige Schlange bis auf die Straße steht. Das wisse sie, das sei egal. Warum dann ihre Kollegen versuchen, die Schlange wegen der Gefahr zu verlegen, während sie hier Kaffeekränzchen abhält. Wie das zusammen passe. Da motzt sie mich an „Das kann man auf freundlicher sagen!” Berlin. Berliner behandeln einen wie Dreck, wollen aber selbst immer freundlich angesprochen werden. Hätte es etwas geändert, wenn ich es freundlicher gesagt hätte? Nee. Es wäre ihr immer noch egal und ohnehin zu spät gewesen, weil ich ja schon dran war, als ich es ihr sagen konnte.

Den Mädels hinter mir in der Schlage war das schon Minuten zuvor zu blöd geworden, und obwohl sie schon Tickets hatten, gingen sie auf die andere Seite für Ticketlose zur Neuregistrierung. Da standen nämlich drei Tussis, obwohl nichts los war. Da kam man dann viel schneller durch, als wenn man schon ein Ticket hatte.

Fünf Meter weiter schnauzt mich einer von der Security an. Ob ich einen Stempel hätte. Ja, hab ich. Eben drauf bekommen. Ich zeige ihm meinen Handrücken. Und darf durch.

Ich frage ihn, wofür der Stempel so wichtig sei, wenn der Eintritt doch sowieso nichts kostet.

„Anhand des Stempels entscheide ich, ob Sie ihre Tasche mit reinnehmen dürfen oder abgeben müssen!”

Ach.

Ich habe nichts gezahlt und darf sie behalten. Dürfen dann die, die zahlen, sie nicht reinnehmen? Oder darf ich, weil es eine kleine ist, und Zahlende dürfen auch Große? Warum muss ich dann einen Stempel zeigen, wenn mit der Tasche doch eh jeder reindarf?

Der Vortrag findet an einem Ort namens „Schaltzentrale” statt. Nirgends ein Schild.

Ich finde jemand vom Veranstaltungspersonal und frage, wo das ist. „Treppe hoch bis ganz nach oben.”

Das geht nicht, sagte ich. Ganz nach oben kommt man nur mit einem gekauften Ticket, das ist gesperrt. (Ich weiß nicht mehr, wieviel die Tickets kosten, aber es war irgendwas dreistelliges.) Ja, dann müsste ich mir ein Ticket kaufen, war die Antwort. Weil die Vorträge oben eben Geld kosten.

Nee, dieser nicht. Ich hatte nämlich nach der Einladung extra nochmal rückgefragt und per Mail die Antwort bekommen, dass der kostenlos ist. Und zeigte ihm die Mail auf dem Handy.

Äh.

Ein kostenloser Vortrag mit Einladung in einem Bereich, in den man nur mit teuren Eintrittskarten kommt.

Ich möge ihm folgen, sagte er.

Ich ging ihm also hinterher und wurde unterwegs auf dem Weg nach oben mehrmals nach dem Kaufticket gefragt, während er jedesmal erklärte, dass sei in Ordnung, da wäre was falsch organisiert, um mich nach oben direkt in die „Schaltzentrale” zu bringen. Danke.

Die heißt so, weil es der ehemalige Leitstand des Kraftwerks ist. Alte Blechschränke und Konsolen voller Knöpfe, Schalter, Stellregler, Anzeigen, Messinstrumente, Messchreiber, wie man das aus alten Kraftwerken eben so kennt. Nur eben komplett tot. Ich werde begrüßt und gleich wieder rausgeworfen, sie seien noch nicht mit dem Aufbau fertig. Ich solle mir außen noch die Zeit vertreiben.

Gut. Also vertreibe ich mir die Zeit auf der Etage, in die man eigentlich nur für teuer Geld kommt.

Schaue mir einen Prototypen für ein Lichtfeldobjektiv an.

Als es dann losgehen sollte, waren gerade sieben Leute da. Weil die anderen dieselben Probleme hatten. Man stellte fest, dass die Organisation doch sehr zu wünschen übrig ließe und beschloss, noch 15 Minuten zu warten.

Dann ging’s los.

Im Prinzip das, was ich schon früher schrieb, Video löst Fotografie ab.

Die Firma, die sich da vorstellte, macht so etwas sie Stock Photography, nur eben mit Video. Das heißt, sie machen alles, aber sie sagen, dass sie mit Video den weit überwiegenden Teil ihres Umsatzes machen. Man macht irgendwelche kurzen Filmchen, so 5 bis 60 Sekunden, mit gewissen Anforderungen, Sport, Livestyle, Veranstaltungen, einfach irgendwelchen Krempel, lädt den hoch und hofft, dass irgendwer das kauft und bei sich in seine Werbung oder so reinschneidet.

Darauf läuft das Business heute hinaus. Statt riesiger Fotosammlungen macht man heute riesige Filmschnipselsammlungen und hofft, dass sie sich verkaufen. Die Erlöse seien weiten höher als bei Fotos, sagen sie.

Was nichts daran ändert, dass die Leute, die sich da verdingen, die gesamten Kosten, das Risiko, den Aufwand selbst tragen und in Vorkasse gehen, und auf den Kosten sitzen bleiben, wenn’s nicht gekauft wird. Und wenn’s gekauft wird, dann bekommen sie was ab.