Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Die tiefe Tragik 5000 nackter Lesben

Hadmut
28.1.2017 14:21

Das ist jetzt bitter.

Vice.com schreibt ( gefunden über golem), dass so ein Sex-Dating-Portal namens „Skirt Club” massenweise Nacktbilder seiner Teilnehmer ungeschützt ins Netz gestellt hätte.

(Wobei man sich ja schon semantisch sehr darüber streiten kann, wer eigentlich was ungeschützt ins Netz stellt, wenn Leute Nacktfotos von sich selbst einfach auf irgendein Portal hochladen und sich dann einfach darauf verlassen, dass da schon nichts passieren wird. Das ist wieder mal so eine typische – und gerade im Feministisch-Lesbischen verbreitete – völlige Selbstaufgabe jeder Eigenverantwortung, die dann einfach auf irgendwen anderes abgewälzt wird.)

Pikant ist die Sache (also die Angelegenheit, die Bilder selbst sind wohl eher derb oder unschön) deshalb, weil es sich dabei um ein Sex-Portal nur für Frauen handelt. Wo es doch bisher immer hieß, Sex-Kataloge, Nacktbilder und Fleischbeschau seien Machtwerkzeuge des „Patriarchats”.

Der Skirt Club wirbt damit, ein “sicherer Spielplatz” für bisexuelle Frauen zu sein. VICE Deutschland deckt auf, dass Userfotos für jeden im Internet sichtbar waren.

Nur für Frauen. Bisexuelle. Soso. Sicherlich wird’s die geben, aber in der Realität wird das eher die Jagdgebiete von Lesben mit Frischfleisch versorgen.

Auf den drei Riesenbetten sind goldene Blüten verstreut, das Wasser in der Badewanne ist mit rosa Badesalz gefärbt. Im Wohnzimmer sitzen auf dem Boden etwa 50 Frauen in goldenen und weißen Kleidern, hier und da blitzen Strapse hervor. Das Motto der “Play Party”: vergoldete Engel.

Hört sich an wie Bordellwerbungen aussehen. Normalerweise keifen sie da, weil Frauen als „sexuell verfügbar” dargestellt werden.

Es dauert keine zwei Stunden, bis die ersten nackten Frauen zu zweit, zu dritt, zu viert, zu fünft auf den Betten miteinander verschmelzen.

Diskretion ist eins der wichtigsten Werbeversprechen von Skirt Club, einer Plattform, die seit 2014 Frauen, die auf Frauen stehen, zusammenbringt. Die Plattform hat weltweit an die 5.000 Mitglieder, seit der Launchparty in Berlin im Oktober auch immer mehr Frauen aus Deutschland. Auf den Partys von Skirt Club können sie sich kennenlernen und Sex miteinander haben – “weit weg von den Spannerblicken der Männer”, heißt es auf der dazugehörigen Website.

Und wenn Frauen Sex wittern, schaltet das Hirn einfach ab.

Mit “Keine Konsequenzen. Keine Fragen” wirbt die Seite. In den Sicherheitsrichtlinien steht: “Eure Informationen werden privat und anonym bleiben. Wir sind bemüht, alle angemessenen Schritte zu unternehmen, um eure Daten zu schützen.”

Klar. Und am besten noch kostenlos. Der Facebook-Effekt: Man will alles. Man will es kostenlos. Man will es sofort. Man will, dass andere einem eine Dienstleistung liefern und noch dafür verantwortlich sind, diese gut und sorgfältig zu erbringen. Der Fremdversorgungsanspruch schlechthin.

Vieles im Netz scheint auch deshalb schief zu laufen, weil zu viele Leute sich daran gewöhnt haben, ständig, permanent und ohne jede Gegenleistung fremdversorgt zu werden und daraus noch einen Anspruch abzuleiten.

Fotos, die unter anderem die Namen der Frauen verraten, Nacktbilder, Fotos von Vulven.

Fotos von Vulven.

Gottogott. Wer hätte das gedacht. Nicht auszudenken.

Und das völlig ohne Männer. Stellt Euch das mal vor!

Würde mich mal interessieren, wie „tolerant” die gegenüber Trans-Frauen sind, die da noch ein Schwanzfoto reinhängen. Diversität und so.

Von all dem wissen die Frauen nichts, die sich im Dezember in Berlin-Schöneberg zur ersten deutschen “Play Party” treffen, für die Skirt Club extra eine Vierzimmerwohnung gemietet hat. Sie lecken Schnaps von einer halbnackten Hostess, knutschen beim Flaschendrehen, nach Mitternacht fallen die sorgfältig ausgesuchten Kleider.

Keine Männer sind im Raum. Selbst an der Bar arbeiten Frauen in schwarzen Dessous.

Während sie hier in einem geschützten Raum sind, wissen sie nicht, dass zeitgleich jeder die Fotos sehen kann, die sie als Bewerbung hochladen mussten, um mitmachen zu dürfen.

Jetzt wird’s interessant. Denn öffentlich schimpfen die doch immer so auf Sexismus und Lookismus. Aber selbst wollen sie sich die leckeren Schnitten raussuchen (mit Vulva-Prüfung).

Was würde einer Portalseite blühen, auf der sich Frauen gegenüber Männern mit Aussehen und Vulva bewerben müssen, um reingelassen zu werden?

Noch beunruhigender als das Datenleck selbst ist, wie Skirt Club mit dem Problem umgeht.

Jessas, nee, meine Nerven, das ist alles zu viel für mich. Ihr macht Euch ja keine Vorstellungen, was ich da assoziieren muss, wenn ich „Datenleck” in diesem Kontext lese… Gottogottogott…

Datenleaks bei Sex-Websites können Leben ruinieren. Der prominenteste Fall der vergangenen Jahre ist der Hack von Ashley Madison – einer Seite, die Seitensprünge vermittelte: “100% diskret”, warb die Plattform mit über 40 Millionen Nutzern. Nachdem eine Hackergruppe über 29 Gigabyte privater Daten wie Mailadressen, Kreditkartendaten und Passwörter der Fremdgeher veröffentlicht hatte, gingen Ehen und Karrieren kaputt. Ein Priester, der ein Profil auf der Seite hatte, beging Suizid.

Sind es die Datenleacks bei Sex-Webseiten oder ist es die bigotte Gesellschaft, die Leute ruiniert?

Um bei Skirt Club mitzumachen, muss man sich mit einem Profil- und Ganzkörperbild bewerben. Nur wer von einem “Gremium” als heiß genug eingestuft wird, darf mitmachen: Tickets für eine Sexparty kaufen, anderen Userinnen Privatnachrichten schreiben und ihnen Fotos schicken – die, wie in der Natur jeder Sexseite liegt, die Nutzerinnen oft nackt zeigen.

Jana*, 39, hat ihren Mut zusammenkratzen müssen, um sich bei Skirt Club anzumelden und im Dezember zur Party zu kommen. “In meiner Umgebung weiß so gut wie niemand Bescheid, dass ich bi bin”, sagt sie. “Weder meine Kinder noch Freunde noch Kunden.” […]

Als Skirt Club Ende Oktober seine erste Veranstaltung in Deutschland hatte, waren wir zwiegespalten: Einerseits ist es gut, wenn es selbstverständlicher akzeptiert wird, dass auch Frauen auf unverbindlichen Sex stehen. Aber dass Frauen selbst eine Plattform schufen, bei der sich nur scharfe Schnitten unter 40 für Sex qualifizierten, ist nicht wirklich fortschrittlich. Die sexuelle Befreiung als VIP-Party für die lucky few mit Gesichtskontrolle und Dresscode.

Ist halt mal ein schönes Laborexperiment für die Frage, was das böse Patriarchat so verursacht, indem man mal schaut, was passiert, wenn man Männer weglässt.

Eigentlich wäre das sogar etwas, was Gegenstand von „Gender Studies” sein müsste, wofür die mit Milliarden bezahlt werden. Was treiben 5000 Frauen in einer völlig Männer-freien Laborumgebung? Bessere empirische Studien für Gender Studies gäb’s doch gar nicht.

Aber nein, das passt nicht ins Konzept, dass Männer an allem Schuld sind und eine reine, feministische Gesellschaft so fair und diskriminierungsfrei wäre.

Skirt Club schreibt auf der eigenen Website, dass die meisten ihrer Mitglieder männliche Partner haben.

Die meisten. Aber anscheinend nicht die, die bestimmen, wo es da lang geht.

Skirt Club benutzt für seine Website die Software WordPress und das Plug-in Buddypress. Dass die Sex-Plattform auf kostenlosen und simplen Tools basiert, die auch Millionen privater Blogs nutzen, ist zunächst kein Problem. WordPress bietet theoretisch alle wichtigen Funktionen, um eine Seite vor Hacking-Angriffen und Sicherheitslücken zu schützen. Eingestellt werden sie mit wenigen Klicks.

WordPress?

Dieser verlauste Haufen Mist? (Nutze ich hier auch noch, grummelnd, weil mir die Zeit noch nicht reichte, meine Alternative zu bauen. Nur: Ich schreibe hier nichts, was nicht sowieso alle sehen können und sollen. Ich käme nicht auf die Idee, WordPress irgendetwas Vertrauliches anzuvertrauen.

WordPress ist eigentlich überhaupt nicht gebaut, um mit Vertraulichem umzugehen. WordPress ist dafür gebaut, damit es alle lesen können, was man da reinwirft.

Und WordPress als Portalsoftware?

Doch eine kleine, aber wichtige Datei, die die Zugriffsrechte auf Bilder, Inhalte und Daten der WordPress-Seite regelt, ist im Fall von Skirt Club vollkommen falsch eingestellt: Die sogenannte htaccess-Datei ist eigentlich nur acht Zeilen lang, doch irgendwann müssen sich in den Code fatale Fehler eingeschlichen haben. Die Datei gehört zum Standardrepertoire jedes Webshops, jeder WordPress-Seite.

Pfff.

Um das Problem auszunutzen, genügt es, die reguläre Web-Adresse von Skirt Club in einen Browser einzugeben und dazu den Namen des Unterordners, in dem WordPress-Seiten standardmäßig alle Inhalte speichern. Von diesem zentralen Serververzeichnis aus lassen sich bequem alle Ordner durchforsten, in denen sämtliche Fotos liegen, die jemals auf Skirt Club hochgeladen wurden – fein säuberlich sortiert in einzelne Unterordner.

Tja. Eben weil’s nie dafür gedacht und gebaut war, Daten geheim zu halten.

Und weil der ganze PHP-Krampf ohnehin grausamer Mist ist und im Web-Baum alles ablegt, was da eigentlich gar nicht hingehört, und damit neben der PHP-Ausführung immer auch dem direkten Zugriff aussetzt.

All das wäre leicht zu verhindern: Um die fehlerhafte htaccess-Datei zu reparieren, müssten nur wenigen Code-Zeilen hinzugefügt werden – für Informatiker eine Aufgabe von maximal zwei Stunden Arbeit und Recherche.

Eine htaccess-Datei mit „Informatiker” gleichzusetzen deutet auch nicht gerade auf Sachkunde hin.

Medien und Sicherheitsexperten sollten über solche Datenlecks nicht einfach berichten.

Stimmt. Sie sollten spotten. Hiermit getan.

Die Tausenden Frauen, die ihr Vertrauen in diesen angeblichen Safe Place gesetzt haben, müssen endlich sicher sein – und sie haben ein Recht darauf zu wissen, dass Skirt Club ihre intimen Fotos nach dem Upload nicht so schützt wie behauptet.

Vielleicht sollten die Tausende „erwachsener” Frauen auch einfach mal lernen sich nicht zu benehmen wie 13-jährige Teenies auf dem Schulhof und ihre Muschibilder nicht einfach irgendwem zu schicken und dann zu hofen, dass das schon gut gehen wird, nur weil einer ihnen „kostenlose Sex-Kontakte” anbietet.

Ich habe schon Frauen erlebt, kenne einige (Fotografie, Model-Umfeld), die damit nicht nur Geld verdienen, sondern denen es einfach aus ihrem Lebensgefühl, ihrem Weltbild und ihrem Sexualgefühl heraus Spaß macht, ihre Preziosen herzuzeigen und damit umzugehen. Ich habe auch schon welche erlebt (hier und in Afrika), denen es so wichtig ist, dass sie nicht mal normale Portraitfotos mitmachen, wenn sie sich dabei nicht auch ausziehen können. Warum auch nicht? Finde ich OK, denn die haben dann auch kein Problem damit, wenn es jeder sieht, weil die auch hemmungslos sowieso in der Öffentlichkeit nackt rumlaufen würden (oder es manchmal oder sogar ständig ohnehin tun).

Es gibt auch welche, die das nicht mögen, nicht machen, denen es peinlich ist. Auch OK. Ich gehe ohnehin davon aus, dass das auch erblich bedingt ist und da unterschiedliche Verhaltensweisen, die wir mitbekommen haben, sich unterschiedlich stark durchsetzen.

Wofür mir dann aber das Verständnis fehlt, ist, einerseits den guten Ruf wahren zu wollen, und es als Katastrophe anzusehen, wenn irgendwas nach außen dringt, dann bei der nächstbesten Sex-Gelegenheit aber sofort Nackt- und Vulva-Bilder in jede noch so dubiose Webseite einzuwerfen.

Da reicht es nicht, den Seitenbetreiber hinzuhängen und ihm Fahrlässigkeit vorzuwerfen, da muss man auch mal fragen „Leute, wie doof und sexgetrieben seid Ihr eigentlich?”

Weiter muss man aber auch fragen, was in der Gesellschaft eigentlich schief läuft.

Sex ist nun mal ein unverzichtbarer Bestandteil unseres Wesens und unserer Existenz, ohne Sex wären wir gar nicht da.

Was zum Teufel aber führt dazu, dass Sex Leute öffentlich ruinieren kann?

Kirche, Medien, nochmal Medien, schon wieder Medien, aber eben auch und inzwischen vor allem Feminismus, die Methode, Sexualität, mehr noch, das Gucken und sich zu zeigen, zu verteufeln.

Und da sollte man auch mal auf die tiefe Verlogenheit des Feminismus abheben.

Öffentlich soll nicht mal eine Werbung mit Frau im Bikini drin sein, weil sexistisch und frauenunterdrückend und so, und so sieht’s dann hinter den Kulissen aus.

Stellt Euch vor, was gewesen wäre, wenn Sex-Parties mit exakt denselben Regeln, aber in Anwesenheit von Männern, vielleicht Politiker oder Industriebosse oder auch ein Pfarrer, aufgeflogen wären. Was dann los gewesen wäre. Da hätte man nicht gesagt, die armen Männer, warum hat man die nicht geschützt, sondern die Bilder auf der BILD gedruckt und sofort Rücktritte gefordert.

Zeigt aber mal wieder, dass vor allem Lesben immer gerne versuchen, so eine Art Amateur-Männer darzustellen und es nicht verknusen können, dass wir das einfach besser können.

Und es zeigt, dass die „Patriarchats”-Legende falsch und erfunden ist.