Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Wer hat eigentlich die Gewalt an deutschen Universitäten?

Hadmut
20.1.2017 0:55

Dreimal Absurdes.

Berlin

Die Humboldt-Universität hat doch gerade den Andrej Holm entlassen, weil er über seine Stasi-Ausbildung gelogen hatte.

Studenten haben deshalb das Institut für Sozialwissenschaften auf unbestimmte Zeit besetzt. Siehe etwa Morgenpost, Berliner Zeitung, nochmal Berliner Zeitung.

Die Frage ist: Wen interessiert das? Bei Sozialwissenschaftlern ist es völlig egal, ob sie streiken, im Bett bleiben oder arbeiten.

Bleiben wollen die Studierenden solange, bis ihre Forderung erfüllt ist. Am Mittwoch nahmen den Aktivisten zufolge rund 150 Personen an der Besetzung teil, etwa 50 von ihnen seien über Nacht geblieben.

Sie bleiben, bis die Forderungen erfüllt sind, gehen aber zum Schlafen nach Hause? Haha. Sind so Twitter-Revoluzzer. Machen bei Revolutionen mit, indem sie sie „liken”. Immerhin: Wenn 50 von denen auf Dauer dort blieben, wäre das prima.

Strafrechtlich halte ich das übrigens für Erpressung.

Greifswald

Die bisher nach „Ernst Moritz Arndt” benannte Universität Greifswald will mit dem nichts mehr zu tun haben und hat beschlossen, den Namen abzulegen und künftig nur noch „Universität Greifswald” zu heißen. (Siehe hier und hier)

Ist das überhaupt erwähnenswert?

Ja. Aus zwei Gründen. Weil das erstens wohl eine ziemlich teure Sache ist und denen angeblich hinten und vorne das Geld fehlt, die Laden dringend saniert werden müsste. Na gut, warum nicht, wenn man es sich leisten kann und sonst nichts wichtiges zu tun hat.

Interessant ist aber, dass sie daran schon seit Jahren rumentscheiden, und keine der Entscheidungen als dauerhaft angesehen haben, die entscheiden einfach so lange neu, bis die „richtige” Entscheidung dabei heraus kommt. Und es sieht so aus, als stecke da die linksextreme Antifa dahinter, die das mit allen Mitteln durchsetzen wollte und dazu angeblich extra Leute dazu gebracht hat, sich dort zu immatrikulieren, um da mehr Druck zu machen.

Endlich weiß ich, warum Leute an die Uni Greifswald gehen.

Neues zur Randale in Magdeburg

Oh!

Jemand hat mich kontaktiert, der bei der Randale persönlich dabei war. Zumindest bei der Gender-Veranstaltung, die man davorgesetzt hatte, und für den Anfang der AfD-Veranstaltung.

Die Person schreibt mir, dass die Anwesenden tatsächlich fast nur „echte” Studenten und eine kleine Antifa-Gruppe waren. Die Antifa-Gruppe sei im wesentlichen die gewesen, die gewalttätig wurde. (Ich habe das so verstanden, als ob die da nicht an die Uni gehören und von außen hinzugekommener Schlägertrupp waren.)

Die Gegenveranstaltung und Demonstration wurde vom Studierendenrat der Universität, zusammen mit dem Fachschaftsrat der Humanwissenschaften (die – noch – die größte Fakultät der Universität bilden) organisiert. Der Protest selbst wurde dann (aktiv) von der vortragenden Gleichstellungsbeauftragten und dem ebenfalls anwesenden FHW-Dekan gefördert. (Zitat: “Niemand hindert sie daran, nach diesem Vortrag weiter friedlich sitzen zu bleiben”)

(Ich hab ne Weile gebraucht um drauf zu kommen, dass „FHW-Dekan” für Fakultät für Humanwissenschaften steht, obwohl’s ja sogar oben erwähnt wird.)

Weiter heißt es, die Plakate und die Gender-Veranstaltung hätten sich ausschließlich um das Thema Gender gedreht, tatsächlich aber sei’s fast nur gegen die AfD gegangen.

Wie kommt es zu dieser Divergenz? Es drängt sich der Gedanke auf, dass das Absicht war, damit das auf Fotos und im Fernsehen anders aussieht als es gebaut war.

Es sei auch nicht so, schreibt mir die Person, dass der „Eingang der AfD-Leute” mit Gewalt verbunden gewesen wäre (wobei mir da nicht ganz klar ist, ob sich das auf Gewalt von oder gegen AfD bezieht). Es sei zwar voll gewesen, aber nicht so voll, dass man nicht mehr reinkam.

Richtig sei, dass das Verhältnis der aufeinanderprallenden Parteien bei etwa 200:7 gelegen habe. Die meisten der 200 seien zwar laut, aber friedlich geblieben. (Naja, 200 gegen 7 , die laut brüllen, muss man auch nicht unbedingt als friedlich ansehen. Ausgerechnet die Gender-Heinis reden ja ständig von Micro-Aggressionen und stellen, wenn es um sie selbst geht, schon viel kleinere Mehrheiten per se als bedrohlich und Gewalt hin. Das gehört zu dem, das mir an denen mit am meisten auf den Wecker geht, dass sie für und gegen sich ganz unterschiedliche Maßstäbe anlegen.)

Die Gewalt sei aber eben von den Anwesenden und nicht von der AfD ausgegangen, denn man haben die AfD-Fotografen schon gezielt angerempelt, noch bevor die AfD-ler selbst den Saal betreten hätten. Der Gender-Vortrag selbst, den sie da als Ausrede vor die AfD-Veranstaltung gedrückt hatten, sei sehr „faktenarm” gewesen.

Highlight aus der anschließenden Diskussion (sinngemäß, verkürzt): “Ich bin nicht nur Frauenbeauftragte, sondern auch für die Gleichstellung von Männern da.” (Anmerkung einer Studentin, dass nur Frauen sie wählen dürfen)
“Männer dürfen die Gleichstellungsbeauftragte nicht wählen, denn dann würden sie ja einen Mann wählen.”

Dämlicher, absurder und verlogener geht’s doch kaum noch. Und sowas nennen die „Gleichstellung”.

Interessant ist der Punkt um den Dekan. Das ist offenbar dieser Michael Dick, und über den bin ich per Google auf diesen Artikel der Mitteldeutschen Zeitung gestoßen. Die AfD habe Dienstaufsichtsbeschwerde gegen ihn eingereicht.

Es handelt sich um Michael Dick, Dekan der Fakultät für Humanwissenschaften. Die AfD stört sich an Dicks Äußerungen in der Mitteldeutschen Zeitung. Er hatte gesagt, er sei „stolz“ auf das „Engagement der Hochschulangehörigen“, die einen Vortrag der AfD-Hochschulgruppe Campus Alternative verhindert hatten.

Zu Beginn der geplanten Veranstaltung hatten rund 400 Studenten lautstark gegen die AfD protestiert, dann war es zu Rangeleien gekommen: Antifa-Aktivisten hatten sich mit einem Transparent vor den AfD-Leuten aufgebaut, diese stießen ihre Gegner zurück. Es entwickelte sich eine Schlägerei, Linke zündeten einen Böller. Dick hatte nach der verhinderten Veranstaltung gesagt: „Unsere Studierenden zeigen Flagge und Haltung.“

Flagge und Haltung?

Benehmen sich wie eine Horde Orks, schreien, prügeln, werfen Böller, und das hält der für „Haltung”?

Ich halte das für einen Grund, den rauszuschmeißen oder ihm zumindest ein ganz heftiges Disziplinarverfahren um die Ohren zu hauen. Denn was dem, wie so vielen Professoren, nicht klar ist, ist, dass er als Professor und Beamter Teil der Exekutive und damit einer der drei grundrechtsverpflichteten Staatsgewalten ist. Und die sind verpflichtet, die Freiheit von Forschung und Lehre zu wahren. Die Freiheit von Forschung und Lehre garantiert Freiheit von jeder Ingerenz öffentlicher Gewalt. Und genau dagegen hat der Dekan hier verstoßen, denn da war er als Teil der öffentlichen Gewalt.

Es kann nicht angehen, dass ein Beamter die Sabotage einer Lehrveranstaltung organisiert und gutheißt.

Rechtlich gesehen ist das ein Dienstvergehen und begründet die Beamtenhaftung nach § 839 BGB. Wobei zunächst die Behörde (=Uni) haftet und die sich das dann im Innenverhältnis von dem wiederzuholen hat. Das müsste also eigentlich ziemlich teuer für den werden, denn letztlich muss der den Schaden zahlen.

Das würde auch reichen, den in Prüfungen als befangen abzulehnen.

Man sollte deshalb gegenhalten und -prüfen, was Michael Dick auf seiner eigenen Webseite dazu sagt.

Worum geht es? Der Studierendenrat hatte eine Vortragsveranstaltung mit buntem Rahmenprogramm zum Thema Gender-Mainstreaming organisiert, die von Studierenden und Mitarbeitern/innen sehr gut besucht war. Mit dieser Veranstaltung zeigten die Studierenden eindrucksvoll ihre Haltung zur Vielfalt an der Universität und in der Stadt Magdeburg.

Haltung zu Vielfalt?

Die setzen einen Einheitsmenschen durch und verbeißen und verprügeln alles, was nicht ihrer ideologischen Einheitsmeinung entspricht, und der redet von Vielfalt?

Naja, genaugenommen ist auch das eine Haltung zu Vielfalt. Eine völlig ablehnende. Die sind so vielfältig wie Chinesen im Mao-Anzug unter Mao.

Zwei Stunden später hatte die Campus Alternative zu einem Vortrag geladen, ebenfalls zum Thema Gender-Mainstreaming. Diese Veranstaltung fand ein ähnlich starkes Echo, auch hier war der Hörsaal voll. Allerdings machten die Besucher – friedlich, aber lautstark – ihren Unmut über die Ausrichtung dieser Veranstaltung deutlich. Es befanden sich auch Mitglieder der Antifa im Saal. Diese trugen ein Transparent vor das Rednerpult, und wurden daraufhin von Mitgliedern der AFD-Gruppe angegriffen. Ich habe mich sofort zwischen beide Gruppen begeben um weitere Zusammenstöße und körperliche Gewalt zu verhindern.

Unmut?

Ich habe ja volles Verständnis dafür, wenn man eine Veranstaltung nicht mag. Aber warum geht man dann hin, wenn man nicht hin muss? Sie nicht zu mögen ist eines. Sie anderen verbieten zu wollen, ist ein anderes. Wo ist die Basis dafür, anderen vorzuschreiben oder zu verbieten, was sie hören? Mit welchem Recht sabotiert eine kriminelle Gruppe in Eigenjustiz und nach der Methode Lynchmob Veranstaltungen?

Nach meinem Eindruck waren diese wechselseitigen Provokationen von Antifa und AFD kalkuliert und dominieren folgerichtig und ganz in deren Interesse auch die Berichterstattung.

Wechselseitige Provokationen?

Passt ja schon vom Zeitablauf nicht. Denn wer ist da wem hinterhergelaufen und auf die Pelle gerückt?

Mit diesen Aktionen werden die Universität, besonders aber die mehreren hundert friedlichen Studierenden auf perfide Weise instrumentalisiert. Die Ausschreitungen richten sich nämlich genau auf das, was alle Beteiligten so vehement einklagen: Die Universität als Ort der freien Meinungsäußerung, des Ideenaustauschs und des friedlichen Diskurses. Hierfür habe ich mich an diesem Abend eingesetzt und werde das auch weiterhin tun, siehe Video.

Mit dem ersten Satz hat er Recht: Friedliche Studierende werden auf perfide Weise instrumentalisiert.

Die Frage ist: Wer hat durch die Gender-Veranstaltung und die Einladung, sitzen zu bleiben, die Konfrontation herbeigeführt? Nach dem, was mir die Person oben schrieb, hat er selbst Studenten dazu aufgerufen, anwesend zu bleiben und damit den Zusammenprall gezielt herbeigeführt. Studenten als Kanonenfutter?

Die Universität als „Ort der freien Meinungsäußerung, des Ideenaustauschs und des friedlichen Diskurses”? Wenn nur Leute ein und derselben Ideologie reden dürfen?

Und nun zur Richtigstellung: Meine zitierte Aussage, dass ich stolz auf die Studierenden sei, bezog sich nicht auf die Ausschreitungen, die ich widerwärtig finde und ablehne, sondern auf die vom Studierendenrat organisierte Veranstaltung und das Rahmenprogramm.

Sind die nicht das Gleiche? Widerspricht er sich da nicht selbst?

Wer würde noch glauben, dass Genderisten zu einem Ideenaustausch und Diskurs in der Lage sind und andere Meinungen zulassen würden?

Steht da nicht ein Dekan stellvertretend für das Versagen der ganzen Fakultät, Studenten wenigstens die zentralen Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens und Denkens zu vermitteln?