Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Ein gutes schlechtes neues Jahr 2017!

Hadmut
1.1.2017 14:32

Und einfach mal vielen Dank! 🙂

Ich möchte das neue Jahr mal damit anfangen, mich bei den Lesern zu bedanken.

  • Vielen Dank für die vielen Neujahrsglückwünsche!
  • Vielen Dank für die vielen Spenden, kleinere und auch größere.
  • Vielen Dank für die vielen Hinweise.

Ich lesen alle Mails, wirklich alle. (Naja, fast alle. Spam lese ich nicht und in zwei Fällen habe ich wegen permanenter Beleidigungen den Absender auf dem Mailsystem gesperrt. Nicht, weil ich leicht zu beleidigen wäre, sondern weil mich das einfach alles unnötig Zeit kostet.)

Zeit ist ohnehin das Problem.

Ich muss gerade mal wieder meinen jährlichen Mailbox-Großputz durchführen. Aber ich habe derzeit mindestens etwa 3.000 Mails alleine aus 2016, die ich zwar gelesen und vorsortiert, aber zu einem leider großen Teil nicht beantwortet oder im Blog verarbeitet habe. Das habe ich zwar noch vor, aber meine Befürchtung ist, dass wir 2017 mit Vorgängen konfrontiert werden, die in meiner Aufmerksamkeit und knappen Arbeitszeit weitaus höhere Priorität einnehmen als die von 2016. Verloren oder wertlos sind die Mails damit nicht, sie wandern in mein Archiv, in dem ich immer wieder mal nach Links, Hinweisen usw. suche.

So viele Dinge wollte ich tun, zu denen ich nicht gekommen bin. Im Sommer wollte ich endlich mal das Webdesign aufräumen, weil’s halt gruselig aussieht, besonders auf Mobilgeräten, und sich die Beschwerden häufen, dass meine Seiten auf Facebook-Verlinkungen ganz übel aussehen (wobei nicht so richtig klar ist, was genau man dagegen eigentlich tun kann und muss. Ein Leser hat mir zwar Hinweise geschickt, aber die laufen auch mehr oder weniger darauf hinaus, dass man gleich selbst das Vorschaubild erzeugt. Das ist jetzt nicht so trivial in WordPress zu machen, und ich habe, wie gesagt, zu wenig Zeit.

Nicht zu Potte gekommen (das heißt, gedanklich und strukturell schon, nur nicht mit der Implementierung) bin ich mit dem Neubau eines eigenen Blogs. WordPress geht mir auf den Wecker und ist ein permanentes Sicherheitsproblem. Das war vielleicht aber auch ganz gut, länger drüber nachzudenken, weil mir inzwischen viele neue Ideen gekommen sind, die Browser technische Fortschritte gemacht haben und die juristische Bedrohungslage eine andere ist. 2016 war immerhin auch das Jahr, in dem ich mir als Blogger in Deutschland bisher am meisten bedroht vorkam. Und überaus froh darüber war, mein Blog selbst zu betreiben und nicht bei Facebook zu schreiben.

Was mir wiederum einige Leser übelnahmen oder ankreideten, viele schrieben mir, ich könnte doch bei Facebook eine viel größere Leserschaft erreichen und erhebliche Werbeeinnahmen erzielen.

Ja. Könnte ich. Falls die Artikel dort überhaupt erscheinen. Woran ich nicht glaube.

Vielleicht liegt aber gerade darin auch der Witz.

Ein Gedanke, der mir gekommen ist, wäre, über die Facebook-API jeden Artikel, den ich schreibe, automatisiert auf Facebook zu publizieren und dann den Leser zugucken zu lassen, welcher Artikel dort wie lange stehen bleibt (oder mein Account dort überhaupt existiert). Das Thema Facebook hat mich 2016 ziemlich angewidert, und es ist schwer zu sagen, was widerlicher ist, das, was dort geschrieben wird, oder das, was man dort nicht mehr schreiben darf, und wie diese Sperrungen zustandekommen. Es ist deshalb schwer zu beurteilen, weil ich beides nicht sehen kann. Das, was bei Facebook geschrieben wird, kann ich oft nicht sehen, weil ich keinen Facebook-Account habe, und das, was gesperrt wurde, kann ich nicht sehen, eben weil es gesperrt wurde.

Es geht mir überhaupt auf den Wecker, dass einen so viele auf diesem Weg nötigen, Facebook-Mitglied zu werden (und sich damit auf einen Vertrag mit Facebook einzulassen), damit man an Informationen kommt. Ich bin schon zu eigentlich interessanten Veranstaltungen nicht hingegangen, weil Agenda, Ortsangabe und Anmeldung nur über Facebook zugänglich waren.

Ich denke, das Thema wird 2017 zum Wahlkampf erst richtig hochkochen und richtig aktuell werden.

Überhaupt bin ich davon überzeugt, dass 2017 ein richtig übles Jahr werden wird (Naja, für den Blogger nicht schlecht, es gibt genug Material).

  • Der Bundestagswahlkampf steht bevor.

    Viele glauben, dass es der härteste und schmutzigste Wahlkampf aller Zeiten werden wird.

    Ich auch.

    (Woody Allen sagte mal auf die Frage, ob Sex etwas Schmutziges sei: „Wenn man es richtig macht schon…”)

  • Terrorismus: Ich glaube, der wird 2017 richtig eskalieren. Schon weil die inner-islamischen Konflikte hochkochen.

    Ich vermute, dass es 2017 zu Terroranschlägen (oder Gegenschlägen) mit Massenvernichtungswaffen kommen wird, auch den Einsatz einer Atombombe (echte oder „schmutzige”) halte ich für wahrscheinlich, einfach weil Terroristen die Geduld für den Kleinkram-Terror ausgeht.

  • Innerer Streit in Deutschland und westlichen Staaten: Ich vermute, dass diese Gender-Kriege und links-gegen-rechts-Kriege ebenfalls an Stärke zulegen werden (auch wegen Wahlkampf) und dabei sehr viel zerschlagen wird. Die Ideologisierung ist weit vorangetrieben und deshalb sowohl an einem kritischen Punkt angekommen, als auch an einer Schwelle, an der es nicht linear weitergeht. Jetzt kommt das große Durchdrehen. Ich halte die Mischung aus Linken, Rechten und Islamisten für hochbrisant.
  • EU: Es gibt viele, die für 2017 das Zerbrechen der EU, des Euro und Angela Merkels voraussagen.

    Da haben sie vermutlich recht, vieles spricht dafür.

  • Gender: Wird meines Erachtens noch etwas an Stärke zulegen, aber vor allem an Absurdität und irgendwann auch im Ansehen der Bevölkerung ins Lächerliche abdriften (Wo der Gender-Quatsch ja auch hingehört).

    Gerade habe ich einen zutiefst erbärmlichen (und anscheinend übersetzten) Jammer-Artikel einer gewissen Laurie Penny bei der TAZ gesehen, in dem sie von einem „heftigen und brutalen Kulturkrieg” redet, dessen größte Schlachten erst noch geschlagen werden. Damit hat sie noch recht.

    Der Krieg tobt zwischen jenen, die Fortschritt, Toleranz und Menschenrechte für unabdingbar halten, und den anderen. Zwischen jenen, die an eine lebenswerte Zukunft glauben, und jenen, die sich in eine mystifizierte Vergangenheit zurücksehnen. […]

    Vor fast genau einem Jahr wurden in Köln Dutzende Frauen sexuell belästigt, offensichtlich von muslimischen eingewanderten Männern. Seit diesen Angriffen habe ich zu hören bekommen, der „westliche“ Feminismus sei gescheitert, die wahren Beschützer von Frauen wie mir seien die weißen Nationalisten. Es hieß auch, der Feminismus trage eine Schuld am Aufstieg des Rechtspopulismus überall auf der Welt: dass wir mit unserem Gejammer über solche belanglosen Themen wie Geschlechter- und Identitätsfragen die Linke gespalten hätten, dass wir nur endlich unsere Mäuler und unsere Schenkel geschlossen halten und uns auf die Klassenfrage konzentrieren sollten, dann könne der Faschismus auch geschlagen werden. Das ist Unsinn.

    Feminismus ist keine irgendwie alberne Flause im Kampf gegen den Faschismus. Er ist für diesen Kampf essentiell. Eines der vielen Dinge, die die neuen Autoritären verbindet – unabhängig von ihrem Glauben oder ihrer Herkunft – ist ihre Verachtung der weiblichen Befreiung.

    Oder um das mal mit den Worten von Danisch zu sagen:

    Der Feminismus war ein Thema, als wir nichts wichtigeres zu tun hatten, als es uns so gut ging, dass wir vor lauter Langeweile nicht wussten, worüber wir uns beschweren sollten. Als alle die, deren Hauptberuf und einzige Befähigung ist, sich über etwas zu beschweren, auf etwas zu schimpfen, sich als diskriminiert hinzustellen, nichts zu tun hatten. Manche Ärzte sagen, Allergien gegen harmlose Stoffe seien nichts anderes als Überreaktionen eines gelangweilten und unterbeschäftigten Immunsystems. Feminismus war schon immer nur die Beschwerdeprothese für die, die nichts haben, worüber sie sich beschweren könnten. Wer nur jammern kann, erfindet sich Probleme, wenn er keine hat.

    Die Zeit ist aber jetzt vorbei. Jetzt haben wir Probleme. Richtige. Oder bekommen sie noch. Richtigere.

    Der ganze Gender-Schwachsinn wird einfach aus dem Blickfeld rücken, weil von wichtigerem verdeckt.

    Hat man ja schon 2016 gemerkt. Frauen greift man jetzt unter den Rock, sie werden verprügelt, am Seil hinterhergeschleift, als 13-Jährige geheiratet, um an ihnen die Ehe zu vollstrecken. Wenn da jetzt noch welche ankommen, die sich darüber beschweren und streiten, wie hoch die Frauenquote in Vorständen sein muss oder ob man Professorin nun mit I oder * schreibt, dann wirkt das nun endlich auch so bekloppt und absurd, wie es ist. Endlich ist wieder Realität als Kontrast da.

    Sie werden deshalb versuchen (und tun es in oben zitiertem Artikel ja auch), Feminismus als Universalheilmittel gegen alles Böse zu verkaufen. (Das Böse mit dem Blöden bekämpfen – hat was. Ich freue mich schon auf den Zusammenstoß zwischen Feministinnen und Islamisten. Daran kann die Öffentlichkeit eigentlich nur gewinnen. Am besten nach den alten Spielregeln: Alle in ein Zimmer stecken, Licht aus, Messer rein, Tür zu, warten bis man nichts mehr hört.)

    Schau dir die politischen Ideen der amerikanischen Neonationalisten oder der deutschen AfD an und du findest die gleichen Ansichten über die angemessene Rolle von Frauen und Mädchen: Wir sollen ruhig und gehorsam sein, dekorativ und gottesfürchtig, Hausfrauen und Mütter. Wir verdienen weder Selbstbestimmung über unseren Körper noch Schutz vor Gewalt oder das Recht auf Gesundheitsversorgung.

    Merkt Ihr was?

    Man will den feministischen Vollversorgungsanspruch bei eigener Untätigkeit als das Abwehrmittel gegen Rechte verkaufen.

    Das wird nicht mehr funktionieren. Der feministische Lebensstil, nur im Zuckerguss ganz oben drauf zu leben und sich dann noch darüber zu beschweren funktioniert nicht mehr, wenn der Zuckerguss nicht mehr da ist. Da werden sich einige noch ganz schön umschauen. Und ich bin mal sehr gespannt, wie sich Trump auf amerikanische Universitäten auswirkt.

    Oder anders ausgedrückt:

    Feminismus war die Nutzlosen zu füttern.

    Nachdem aber immer mehr an diesem Prinzip teilnehmen wollen, ist es an den Punkt gekommen, an dem die Öffentlichkeit nicht nur bemerkt, dass es so ist, sondern auch, dass es so nicht mehr weiter geht.

    Es wird zu einer Bereinigung der Futterliste kommen (müssen), und auf der stehen unter anderem auch Journalisten, Politiker, Geisteswissenschaftler. Sind ohnehin fast alle fast das Gleiche.

    Ich denke, es wird 2017 deutlicher die Frage gestellt werden, wer von denen, die vom Steuerzahler alle mitgeschleppt werden müssen, tatsächlich einen Nutzen hat. Die wird man deutlich unterscheiden müssen in die, die nichts dafür können und deshalb wirklich Hilfe brauchen (Kranke, Alte, Kriegsflüchtlinge) und in solche, die nur zu faul sind, sich selbst zu ernähren (Feministen, Geisteswissenschaftler, Sozialabzocker).

    Ich persönlich halte es für viel wichtiger, denen zu helfen, die sich nicht (mehr) selbst helfen können, als die zu finanzieren, deren Weltbild es ist, auf Kosten anderer zu leben. Und da die Mittel knapper, die Zahl der Anspruchsteller aber größer wird, wird man sich das öffentlich überlegen müssen. Man könnte beispielsweise mal die Frage stellen, warum in Berlin Tausende Obdachlose auf der Straße liegen, während Millionen für komplett nutzlose Lesbenarchive verplempert und Leute dafür verbeamtet werden, sich mit nichts anderem als der Privatsache ihrer Sexualität zu befassen.

Was auch für mich die Frage aufwirft, wie ich eigentlich weitermache.

Naheliegenderweise als technische Frage. Man wird sich auf massive Zensur und Redeverbote einstellen müssen. Und Lösungen überlegen. Obwohl: Für ältere Informatiker stellt das eigentlich kein Problem dar, denn diese Probleme wurden alle schon mal gelöst, nämlich in der Zeit vor dem Internet. Es gab mal Store-and-Forward-Dienste, würde man heute als Peer-to-Peer bezeichne, wie vor allem UUCP, rmail, rnews und überhaupt das News-System. Die kamen nämlich alle ohne zentrale Strukturen und ohne Dienstprovider aus. Man wird sich das Prinzip nochmal heranholen und das auf einen modernen Stand bringen müssen. Statt Webseiten dann eben verteilte Archive wie damals bei Usenet/News. Ihave peer-to-peer.

Man wird sich ebenfalls gegen Denial-of-Service-Angriffe schützen müssen. Das ist auch eine Überlegung, die mir gerade so durch den Kopf geht, ob ich eine Neuauflage des Blogs so auslege, dass die produzierten Webseiten nicht mehr über einen einzelnen kleinen Webserver, sondern über verteilte Content-Delivery-Netzwerke ausgeliefert werden.

Viel drängender ist für mich aber die Frage, wie ich selbst weitermache.

Zwar steigt die Zahl meiner Leser kontiniuierlich, aber die Frage treibt mich schon um, ob ich mit der verfügbaren Arbeitszeit nicht doch mehr „Impact” erzeugen kann.

Was also tun?

  • In die Politik gehen und Politiker werden? Schwierig. Eigene Parteigründung wird nicht mehr gelingen, und die Auswahl an Parteien, die überhaupt noch oppositionell eingestellt sind, ist … besorgniserregend.

    Trotzdem wäre eine Position als Bundestagsabgeordneter für das, was ich hier mache, überaus hilfreich.

    Und vielleicht sogar umgekehrt.

    Ich hatte neulich über irgendeinen Artikel geschrieben, in dem die Presse (ich glaube, es war USA, bin mir aber nicht mehr sicher) darüber jammerte, dass man sie nicht mehr brauche, weil Politiker über die Social Media jetzt direkt selbst zum Volk sprechen können.

    Als Bundestagsabgeordneter in den Ausschüssen zu sitzen und dann selbst kritisch zu bloggen, wie ich das bisher schon von Veranstaltungen gemacht habe, und damit mal der Presse das Ruder aus der Hand zu nehmen, das wäre sicherlich was.

    Die Frage ist: Wie kommt man dahin?

  • Verlag/Fernsehsender/Radiosender aufmachen?

    Wäre heute einfacher als früher, weil man ja alternative Sendemöglichkeiten per Internet hätte und nicht mehr auf so teure Dinge wie Kabeleinspeisung angewiesen wäre.

    Spaß würde das auch machen.

    Fragt sich, woher das Geld dafür käme.

Oder kurz gesagt: Ich glaube, dass mir 2017 die Themen für das Blog nicht ausgehen werden.

(Und selbst wenn 2017 einfach gar nichts mehr passieren würde und gar keine Themen hereinkämen hätte ich noch auf Jahre hinaus Material im Archiv und im Kopf.)