Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Bildung: Peak Lesekompetenz längst überschritten

Hadmut
13.2.2015 18:46

Auch eine Form von Gesellschaftsveränderung: Lesen kommt aus der Mode.

Ich entstamme selbst einer Generation, in der Bücher und das Lesen sehr wichtig und sehr verbreitet war. Was auch damit zusammenhängt, dass ich einer Generation entstamme, in der Buchdruck schon so weit industrialisiert war, dass er halbwegs preisgünstig war (in meiner Jugend war ein klassischer Buchpreis für Taschenbücher DM 2,80), die Infrastruktur nach dem zweiten Weltkrieg schon wieder aufgebaut und intakt war (als Kind habe ich durchaus noch diverse Häuser gesehen, die noch Bombenschäden hatten) und die Gesellschaft schon so weit industrialisiert, dass genug Freizeit entstand und der Schwerpunkt nicht mehr auf körperlicher Arbeit beruhte, sondern man plötzlich Zeit und Muße hatte und Intellektualität (oder wenigstens so zu tun als ob) auf in der breiten Bevölkerung wieder etwas zählte (was ich übrigens für die wahre Ursache der „Emanzipation der Frau” halte und nicht das dumme Geschwätz einer Alice Schwarzer).

Als Schüler war es für mich selbstverständlich, Nutzerausweise für mindestens vier Bibliotheken zu haben. Bücher waren heilig. Als Student türmten sich bei mir die Bücher, und noch so um das Jahr 2000 hatte ich in der Wohnung ein Büro, dass ringsum mit packevollen Bücherregalen bis an die Decke protzte, so wie man es von Fernsehinterviews mit Intellektuellen kennt. Allerdings habe ich auch Leute kennengelernt, die im ganzen Haus insgesamt zwei Bücher hatten. In Worten: 2. Zwa-hei! Keine drei. Die Bibel und das Telefonbuch.

Noch in den sechzigern interviewte man Intellektuelle mit Pfeife, eingehüllt in eine Dunstwolke, in der sie erst irgendwo in die Luft guckten, an ihrer Pfeife pafften und dann langsam gedrechselt und bedächtig irgendeinen völlig nichtssagenden Satz in einzelnen, langsamen Wortgruppen herausdrückten, wonach erst einmal Ruhe eintrat, weil keiner den Satz verstand. In den Siebzigern war es aber schon so, dass man Leute vor Bücherregalen filmte. Meist entweder stehend oder an irgendeinem Schreibtisch, an dem sie so taten, als würde sie in einem Buch irgendetwas nachlesen. Das Regal war dabei meistens IKEA Ivar (ja, hatte ich in besagtem Büro damals auch).

Das meiste Papier in Buch- und anderer Form habe ich rausgeworfen. Irgendwann vor einem Umzug ging mir der Kram mal auf den Geist und ich habe so insgesamt geschätzte 2 Kubikmeter Papier rausgeworfen (waren damals 12 Fahrten mit meinem Plattformwagen zum Altpapiercontainer). Hauptsächlich völlig wertloser Universitätsmüll, Journale, Proceedings usw.

Dabei lese ich heute nicht weniger, aber inzwischen Webseiten, PDFs, eBooks, und das am Bildschirm, Tablet, eBook-Reader. Nicht schöner, aber kleiner, leichter, billiger und bei Bedarf innerhalb von Sekunden da.

Doch was muss ich da heute lesen? Spektrum meldet:

Die Zahl der Menschen, die nicht oder kaum (mehr) lesen wollen, steigt. Dabei wäre der Griff zum Buch oder Reader eine einfache Möglichkeit, das Wohlbefinden zu steigern.

Ja.

Generation 140 Zeichen. Jede Menge Leute, die nur noch ein „tl;dr” absondern, weil ihnen schon „too long, didn’t read” zu lang ist. Hätt’s zu meiner Zeit nicht gegeben. Die große Karl May-Sammlung in 80 Bänden? Her damit. Harry Potter? Lesegeschwindigkeit wie ein Papier-Shredder.

Und heute? Wollen sie nicht mehr lesen?

Ist das die große Verblödung?

Da bin ich mir nicht sicher. Ich habe eher den Eindruck, dass ein Technologie-Wechsel stattfindet.

Mich hat sehr beeindruckt, als mir ein Aboriginee in Australien erzählt hat, wie dort das Leben so war und teil noch ist. Die kannten gar keine Schrift, und haben alles nur rein mündlich überliefert, und mussten sich das alles merken. Die Alten haben es einmal erzählt. Dann durfte man noch einmal nachfragen. Das war’s. Mehr gab’s nicht. Wer es nicht schaffte, sich das zu merken, hatte einfach Pech. Und Pech konnte heißen, mal irgendwelche Sagen und Legenden über Götter nicht mitbekommen zu haben, oder auch mal was lebenswichtiges, weshalb man dann mal verdurstet oder an irgendeiner Krankheit oder Vergiftung gestorben ist. Schrift ist da was für Weicheier, aber sie geben zu, dass da natürlich viel mehr rüberkommt. Aus Sicht der Alten galt da Lesen und Schreiben lange Zeit als eine Krücke für Denk- und Merkfaule, aber irgendwann setzte sich da doch die Erkenntnis durch, dass da „mehr rüberkommt” und die schiere Menge dessen, was man Lesen kann, durch Zuhören und Merken nicht zu bewältigen ist.

Möglicherweise sind wir in einer ähnlichen Situation. Das Lesen wird wohl gerade durch Videos ersetzt. Youtube als so eine Art Gutenberg 2.0. Durch audiovisuelle Übertragung bekommt man letztlich mehr Information in kürzerer Zeit rüber als durch Lesen. Wobei man das schon zweischneidig sehen kann: Ich ärgere mich häufig, wenn ich zu irgendeiner Software, irgendeinem Problem, irgendeiner Frage statt einer FAQ oder irgendeiner Webseite, die was erklärt, nur auf ein Youtube-Video stoße, in dem irgendwer mit der Maus vorführt oder sonst drüber labert, wie man’s macht. Geht mir auf den Geist. Aber vielleicht ist das die Zukunft.

Wir sind ja eigentlich auch schon in dem Übergang des Studierens. Eigentlich kauft man keine Bücher mehr und besorgt sich auch kein Skript oder – wie bei uns damals – Folienkopien, sondern zieht sich irgendeinen Vorlesungsmitschnitt auf Youtube rein. Auch zu technischen Geräten, Kameras usw. gibt es – nach meinem Eindruck – inzwischen wieder weniger schriftliche Reviews, dafür jede Menge Videos. Schon zum „Unboxing”. Einfach das Auspacken wird schon gefilmt.

Möglicherweise laufen wir da gerade voll in einen Analphabetismus. Lesen und Schreiben nur als vorübergehende Erscheinung um mit unzureichenden Medien klarzukommen. Inzwischen haben wir Medien, die sich den Sinnesorganen anpassen, und nicht umgekehrt. Früher hatte man immer einen Notizblock dabei. Heute schmeißt man das Handy an, um irgendwas reinzusprechen, abzufotografieren, zu filmen. Früher schrieb man ein Reisetagebuch und schickte Postkarten. Heute macht man Selfies und schickt sie per E-Mail oder Twitter. Man muss nicht mal die E-Mail-Adresse mehr eintippen, weil Facebook, Google, Twitter und wie sie alle heißen, Portraits von Leuten bereithalten.

Analphabet? Na, und? Dafür gibt’s bald (oder schon) eine Lese-App, hinhalten, vorlesen lassen. Hat nicht letztens irgendwer eine App entwickelt, die Texte „inplace” übersetzt? Man fotografiert irgendwas, wo irgendwo ein Schild auf chinesisch hängt, und auf dem Foto sieht’s genauso aus, nur ist das Schild plötzlich deutsch geschrieben. Da fehlt auch nicht viel zur Analphabeten-Kamera: Antippen und sich vorlesen lassen. In 97 Sprachen.

Wozu also noch lesen lernen?

Wo uns die Medien doch sooo schöne Konserven liefern. All die tollen Serien aus USA. Noch’n bisschen Propaganda von Youtube, bisschen öffentlich-rechtlich. Fertig ist das Bildungs-Portfolio.

Apropos Bildungs-Portfolio: Allgemeinbildung wird überbewertet. Braucht man nicht mehr. (Gibt ja die Wikipedia-App auf dem Handy.)

Die Frage wird aufgeworfen, ob man Latein und Griechisch oder doch lieber Chinesisch lernen sollte.

Ich hatte Latein und Griechisch.

Hat’s mir geholfen? Ja, schon. Einiges sogar. Und mir einen absurden Streit um die Begriffe „Kryptographie” und „Steganographie” eingebracht. (Die kommen nämlich aus dem Griechischen.) Und mich in die Lage versetzt, all diesen grässlichen Schwachsinn, den diese unsäglich unfähigen feministischen Sprachforschungsprofessoren in ihrer unendlichen Dummheit und Ungebildetheit für innovativ halten, als das zu erkennen, was er ist: Grässlicher Schwachsinn unsäglich unfähiger Sprachforschungsprofessoren in unendlicher Dummheit und Ungebildetheit. Weil die die Sache mit der Grammatik, der Konjugation, der Deklination und überhaupt das mit dem Schreiben nicht kapiert haben.

Nur: Wenn wir das Lesen und Schreiben aufgeben, wenn es also keinen Bezug zu einer Lautschrift mehr gibt, dann verliert sich das in einer Beliebigkeit. Dann wird das alles willkürlich, wieder auf Dialekte zurückgeführt, genau das, was Luther ja mit seiner Sprachvereinheitlichung bekämpfen wollte. Wenn es keinen Schriftbezug gibt, verblubbert sich das alles in „Professx” und so weiter, allerdings gibt’s dann auch kein Binnen-I, keine Erektionsbuchstaben oder Sternchen mehr. Dann regt man sich nicht mehr auf, dann versteht man die Leute einfach nicht mehr.

Sie schlagen vor, stattdessen Chinesisch zu lernen.

Keine zehn Pferde hätten mich damals dazu gebracht, Chinesisch zu lernen. Stünde ich aber heute vor der Wahl, mir zwei Fremdsprachen auszuwählen, wären das Englisch und Chinesisch.

Was schade ist. Ich bedauere mich für meine Wahl. Denn schon Englisch ist eigentlich inzwischen Grammatik- und regelfrei. Was nicht stimmt und eine törichte Feststellung meinerseits ist, denn eigentlich ist korrektes Englisch, also so, wie es früher mal war, ziemlich schwer. Aber keine Sau spricht heute noch korrektes Englisch. Nicht mal in London, dem Epi-Zentrum englischer Sprache, war noch zu klären, wie man privacy nun eigentlich korrekt ausspricht. Grammatik? Scheiß drauf. In den meisten Ländern wird man verständnislos angeguckt, wenn man im Englischen korrekte Grammatik einsetzt. Kannste kein Englisch? Dafür macht es sich inzwischen gut, ab und zu einfach ein paar deutsche Worte reinzuwerfen. „I’m schlepping my bag” wäre vor Jahren noch ein Witz gewesen, weil der Deutsche kein Englisch kann. Inzwischen weit gängige Sprache. »Englisch« gibt’s eigentlich gar nicht, das ist mehr eine Art Oberbegriff, eine ganze Familie mehr oder weniger ähnlicher Sprachvarianten.

Und chinesisch? Musterbeispiel. Die haben gar keine Grammatik, jedenfalls keine in unserem Sinne. Gibt ein paar Anhängsel und Satzstellungen, aber keine Konjugation oder Deklination in unserem Sinne. Und noch besser: Es ist keine Lautschrift. Man kann ein Wort kennen in dem Sinne, dass man es lesen kann und weiß, was es bedeutet, ohne zu wissen, wie man es ausspricht. Für die ist es (oder war es vor Fernsehen und Youtube) ernsthaft schwierig, neue Worte einzuführen, weil man den Leuten nicht klarmachen kann, wie man es ausspricht. Und die Aussprachen unterscheiden sich von Dialekt zu Dialekt so enorm, dass der eine den anderen nicht mehr versteht. Deutsch zu lernen ist für Chinesen ein Akt der Extreme: An der Grammatik kann man verzweifeln, dafür kann man auf einen Schlag alle Wörter lesen und nahezu korrekt aussprechen.

Was ist also die Folge, wenn wir nicht mehr Griechisch und Latein, sondern Englisch und Chinesisch lernen, und Deutsch nicht mehr lesen und schreiben, sondern nur noch per Video sprechen und hören?

Grammatik gibt’s nicht mehr. Ersäuft sich alles in einem Matsch der Beliebigkeit und Originalität.

Merkt man aber nicht mehr, man versteht’s nur einfach nicht mehr. Wer jetzt mit solchem Quatsch wie Binnen-I oder sowas daherkommt, findet da unendliche Möglichkeiten der Sprachmanipulation, aber damit auch der Bildung neuer Dialekte bis zur Unverständlichkeit. Eine Annäherung an das Chinesische.

Bin mal gespannt, wie lange das noch dauert, bis sie in den Grundschulen das Lesen und Schreiben abschaffen und stattdessen Youtube-Videos gucken und machen. Und das Schulzeugnis dann auch nicht mehr auf Papier kommt, sondern die Lehreren im Video einfach was erzählt, wie es so war.

Passt ja auch zu meinem Arbeitsleben. Die Bedeutung des Schreibens geht zurück, aber was wir im Überfluss haben sind Meetings, Telkos und Videokonferenzen.

Eigentlich sollte ich dann auch irgendwann mit dem Bloggen aufhören und stattdessen einen Youtube-Channel eröffnen.

90 Kommentare (RSS-Feed)

basti
13.2.2015 19:06
Kommentarlink

“Ich hatte Latein und Griechisch”

Das war noch Bildung.

Selbst ich als Realschüler hatte neben Englisch noch freiwillig Französich das ich sogar besser beherrsche. So kann ich Dieudonne im Original geniessen. Der spricht auch relativ langsam und deutlich.

Wenn ich TV5 einschalte verstehe ich kaum was.

Ich mag nix was mir aufgezwungen wird.

Je ne suis pas charlie 🙂

Cest une Cia conspiration


Phil
13.2.2015 19:09
Kommentarlink

IMHO ist die Informationsdichte eines Youtube-Videos deutlich unter dem eines Blog-Posts. Ich habe schon mit mit 1.25x Abspielgeschwindigkeit experimentiert, aber das ist bei Fachwörtern dann wieder zu schnell. Ideal wären für mich wohl 1,15-1,20; nur kann man dies wiederum nicht einstellen -.-

Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass ich ein sehr schneller Leser bin. Wobei die Geschwindigkeit auch hier gesunken ist. Wenn ich dann mal wieder einen Roman lese, brauche ich deutlich länger als vor 5-7 Jahren (Schulzeit).

Wenn ich mich aber so umschaue, wie viele Probleme Leute mit dem Lesen haben und wie viele wirklich noch Buchstabe-für-Buchstabe lesen (statt Wort, bzw. zumindest Silbenweise), dann wundert es mich nicht, dass die eher Videos schauen. Für die ist Lesen schlicht Schwerstarbeit.

Oh und von Videos kann man nicht Copy’n’Paste machen; ganz schlecht für Programmier- und Konfigurations-Tutorials.

Tja, wie wird das langfristig enden? Ich denke dass die unteren Schichten stärker auf Videos setzen werden, aber die intellektuelle Oberschicht wird ums Lesen nicht herumkommen. Ist ist einfach nicht möglich, dermaßen viele Informationen per Video zu erfassen, weil die Sprechgeschwindigkeit kleine als die Lesegeschwindigkeit ist.*

* Zumindest in der Schule hatte ich hier immer das Problem, dass ich alle 3-4 Absätze komplett den Faden verloren habe, wenn in der Klasse vorgelesen wurde. Ich war schlicht irgendwann immer 1-2 Absätze vorneweg.


Thomas Bliesener
13.2.2015 19:11
Kommentarlink

Wenn London nur das Epizentrum der englischen Sprache ist, wo befindet sich denn dann das Zentrum?


Hadmut
13.2.2015 19:30
Kommentarlink

> Wenn London nur das Epizentrum der englischen Sprache ist, wo befindet sich denn dann das Zentrum?

Oxford.

Drum gibt’s Oxford English als Norm, aber London English eben nicht, sondern nur als Akzent oder Gruppe von Akzenten (Cockney,…)


basti
13.2.2015 19:12
Kommentarlink

“Dann regt man sich nicht mehr auf, dann versteht man die Leute einfach nicht mehr”

Wie beim Turmbau zu Babel.

Wenn sie sich danach wenigstens zerstreuen wuerden.


MS
13.2.2015 19:18
Kommentarlink

tl;dr … 😉


ex_pyx
13.2.2015 19:20
Kommentarlink

Interessanter Artikel (ich bin auch ein Vielleser), vielen Dank.

Kurze Korrektur: das Hochchinesische hat zwar keine Wortendungen (Deklination, Konjugation), durchaus aber eine Grammatik. Bei einfachen Sätzen ist die Satzstruktur typischerweise Subjekt/Verb/Objekt, Ortsangaben stehen immer vor dem Verb etc. etc.

Es gibt also durchaus einige grammatikalische Regeln zum Thema Satzbau, die +fest+ und zu beachten sind.


Radio Eriwan
13.2.2015 19:24
Kommentarlink

Nein, bitte nicht aufhören!

Gerade in diesen von Dir immer wieder sehr anschaulich beschriebenen Zeiten ist es doch eine Wohltat zu lesen, dass es Menschen gibt die dem Wahnsinn in der heutigen Zeit die Stirn bieten und sich nicht alles gefallen lassen.

Schlimm ist eigentlich die Tatsache, dass ich Dir nicht wiedersprechen kann, es ist leider so. Wobei ich noch eines draufsetzen würde. Anstatt bewährte Methoden (Nachschlagewerke, Dokumentationen, etc.) zu nutzen wird

* Level 1 – ohne lange zu fackeln die allwissende Müllhalde (aka Google) befragt
* Level 2 – das Ergebnis ohne es zu hinterfragen als gegeben hingenommen
* Level 3 – sämtliches Wissen aus dem Internet “bezogen”

Herrje, und wenn dann mal selbiges nicht verfügbar ist……

so long and thanks for all the fish


Juergen Sprenger
13.2.2015 19:24
Kommentarlink

Ich nehme an, Johannes Gensfleisch, genannt Gutenberg, der Erfinder des Buchdrucks mit beweglichen Lettern, ist gemeint und nicht der Ex-Doktor und Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg.


Hadmut
13.2.2015 19:26
Kommentarlink

> Ich nehme an, Johannes Gensfleisch, genannt Gutenberg, der Erfinder des Buchdrucks mit beweglichen Lettern, ist gemeint

Ja.

Danke.


hirni
13.2.2015 19:42
Kommentarlink

Btw schelppen – ist im amerikanischen Englisch – ein jiddisches wort, und hauptsaechlich amerikanische Juden verwenden es – quasi als nebenbei Botschaft…


Pete
13.2.2015 19:45
Kommentarlink

Vorsicht Hadmut:
Guttenberg 2.0 oder Gutenberg 2.0

Ich denke, du meinst Letzteren 😉

Zum Thema: Ja, kenne ich irgendwie. Der Trend zum Zweitbuch war bei mir schon immer ungebrochen, und wird es bleiben, weil ich das Lesen laengerer Texte am Bildschirm anstrengend finde.
Meine Zaesur fuer den Verfall der deutschen Schriftsprache war die Rechtschreibreform. Ich habe es immer als die “Anpassung der Schriftsprache an die Nintendo-Legastheniker” genannt. (Zu jener Zeit machten Untersuchungen ueber die Faehigkeiten der “Generation Nintendo” die Runde)
Hat dazu gefuehrt, dass nirgendwo mehr Korrektur gelesen wird, wozu auch, es gibt ja Rechstschreibpruefung. Und so sehen dann viele Texte auch aus.


hans georg
13.2.2015 20:04
Kommentarlink

Keine Satire! Daenemark wird das “Schreiben lernen” gaenzlich abschaffen, die Kinder sollen lernen auf diesem elektronischem Scheiss rumutippen.


Britta
13.2.2015 20:06
Kommentarlink

Hallo Hadmut,

das mit dem “schlepping” ist kein gutes Beispiel, weil es aus dem Jiddischen kommt. Ähnlich “to schmooze (shmooze)” oder “verklempt”.

Aber sonst hast Du leider ziemlich recht. Die Gesellschaft teilt sich in solche, die nichts mehr lesen, was sie nicht müssen, und solche, die sich bestenfalls Belletristik-Eindeutschungen von Büchern zuführen, die schon im Original keinen korrekten Satz enthielten (ich sag nur: Dan Brown).

Der Rest wird zur exotischen Minderheit.


hans georg
13.2.2015 20:09
Kommentarlink

Keien Satire! Finnland ist das erste Land Europas, in dem Kínder nicht mehr mit der Hand schreiben lernen. Sie lernen statt dessen in den Schulen auf diesem elektronischem Scheiss die richtigen Knoepfe zu druecken.

http://www.skandinavienjournal.com/index.php/news/368-finnland-schafft-in-schulen-die-handschrift-ab
Finnland schafft in Schulen die Handschrift ab

«Flüssiges Tippen auf der Tastatur ist eine wichtige Fähigkeit», so die finnische Bildungsministerin. Nun kippt das Land die Handschrift aus dem Lehrplan.


michael
13.2.2015 20:10
Kommentarlink

Wenn Videos Text ersetzt, können Menschen schneller manipuliert werden. Schriftsprache zu verändern dauert recht lange – siehe Femminismus-und Gender-Sprech. Per Videos geht das schneller und aktuelle Ideologien lassen sich so schneller transportieren und können vor allem per Musik oder Schauspiel wesentlich manipulativer wirken. Massen lenkt man man Gefühlen und Emmotionen und das geht per 4k-3D Videos ganz “gut” – doch nicht mit einem Buch x. Die Masse ist i.d.R. überwiegend dumm.

Ich erinnere mich noch an mein erstes (teures) CD-Rom Laufwerk. Das erste was ich kaufte war eine CD-Rom mit tausenden Texten. Da gabs damals in Stuttgart 1x im Jahr eine Computer-Messe – ggf existiert die noch. Jedenfalls gab es das damals noch. Und die kleine Stadtbibliotheken – naja. Irgendwann hatte man 3 CD-Roms mit Telefonbüchern (nicht so legal da damals noch paar k DM teuer) der Wahnsinn.
Heute kann man sich die Wikipedia offline aufs Handy laden – aber keinen interessiert es mehr sonderlich. Das Bild schlägt das Wort da es einfacher zu konsumieren ist. Da staatliche Zwangschulen primär der Vermittlung aktueller Ideologien oder dem Frühsex sich zuwenden, hat(te) Wissensvermittlung noch nie einen hohen Wert – jedenfalls heute weniger als “damals”.
Man muß das alles aus der Sicht von Staatslenker sehen: Brot und Spiele – damit läßt sich der Mob nach belieben manipulieren. ABER – wo bleiben Brot und Spiele in Deutschland? Nicht mal das bekommt man ordentlich geliefert.


yasar
13.2.2015 20:28
Kommentarlink

Auch wenn man visuell deutlich mehr Informationen pro Zeiteinheit üebrtragen könnte, sidn gerade die Youtube-Videos das beste Beispiel für eine sehr geringe Informatiosndichte.

Beispiel:

Für eine Anleitung, die man in drei Zeilen hinschreiben kann, gibt es sogenannte “Youtube-Anleitungen” Die eine haleb Stunde lang mit erklären udn mausklicken verbringen.

Der einzige Vorteil von manchen Youtube-Anleitugne ist, daß man bei manchen Geräten wie z.B. Notebooks bessser sieht, wo beim zerlegen die “Knackpunkte” sind.

Das ist aber wohl dem funktionalen Analphetismus der heutigen Zeit geschuldet.

PS: meinereiner hat in der Schulzeit äußerst ungern Fremdsprachen gelernt (Türkisch und Deutsch in der Grundschule, Englisch und Französisch ab der Unterstufe und Latein dann in der Oberstufe als AG, weil ich das Latinum haben wollte).

Die Entscheidung, das Latinum zu machen, obwohl ich es mit den Fremdsprachen nicht so hatte, war die beste in meiner Schulzeit. plötzlich waren all die anderen Sprachen kein Problem mehr.


ST_T
13.2.2015 20:39
Kommentarlink

Ich hatte vor nicht allzu langer Zeit den interessanten Versuch gemacht, bei der Familie meiner Freundin (sie sprechen kantonesisch) zu übersetzen. Natürlich spreche ich selbst kein kantonesisch, so dass sich die Unterhaltungen immer schwierig gestaltet haben – irgendwann kam ich dann auf den Gedanken, Babylon zu verwenden.
Es gibt dabei nur einen großen Haken:
Englisch ist eine unpräzise Sprache. “Not Working” kann sich etwa darauf beziehen, dass man nicht arbeitet oder aber dass etwas nicht funktioniert. Letzteres versuchte ich klar zu machen, funktionierte aber nicht.

Das Deutsche ist dahingegen eine exaktere Sprache, die aber dummerweise nicht mit den asiatischen Sprachen grammatikalisch verwandt ist.
Dementsprechend funktioniert auch eine derartige Direkt-Übersetzung nicht.
Also weiter gedacht, und siehe an: Von Japanisch nach Kantonesisch funktioniert das sogar. Beide Sprachen sind sich grammatikalisch insofern ähnlich, als dass eine direkte Übersetzung sogar Sinn ergibt, außerdem ist Japanisch exakt genug, als dass der Sinn der Aussage auch übersetzt wird.

Die Anekdote dieser kleinen Geschichte ist aber Folgende: Englisch ist als Lingua Franca denkbar ungeeignet aufgrund des Problems, dass “leicht zu lernen” eben nicht heißt, dass die Sprache auch leicht anzuwenden wäre, geschweige denn sich komplexere Zusammenhänge und Meinungen auch adäquat darstellen lassen, so dass keine Missverständnisse entstehen.

Auch das Chinesische ist etwa deutlich exakter als z.B. das Englische, ist aber – rein vom Stand her – das “Englisch” Asiens.
Es gibt etwa Tausend Arten, sich auf Chinesisch falsch zu verständigen, einfach, weil die Komplexität fehlt. Im Japanischen liegen die Fehler nur am Anwender, deswegen etwa gibt es auch das Sprichwort dort, dass ein Ausländer nie richtig Japanisch lernen könnte.

Die heutigen Forderungen nach einer “Vereinfachung” der dt. Sprachen gehen nur einher mit der Ent-Intellektualisierung der deutschen Gesellschaft, die nicht mehr in der Lage ist, komplexere Fragestellungen adäquat zu erfassen. Alleine die Gender-Studies und deren Ansatz, man könne ja das grammatikalische Genus durch ein Binnen-I ersetzen verdeutlicht das. Oder solche sprachwissenschaftliche Fehlzünder wie Frau Profx Lann Hornscheidt, die nicht einmal in der Lage sind, die Sprache, in der sie sich ausdrücken, zu erfassen.

Eigentlich traurig, kann dem Artikel nur zustimmen. Der intellektuelle Analphabetismus greift offenbar immer weiter um sich.


Erwin Lindemann
13.2.2015 20:59
Kommentarlink

Weil Deutsche oft nur noch englisch sprechen, wird unsere deutsche Sprache total verhunzt. Sie ist völlig kaputt und zerstört worden, wie einst die deutschen Innenstädte von den alliierten Bombern in Dresden. Kein Wunder, weshalb sich die Migranten nicht integrieren können. Keiner lebt denen mehr vor, wie es ist ein ordentlicher Deutscher zu sein. Das geschieht absichtlich. Dabei kann, wenn uns Grammarnazis die Rechtschreibung von den Politikern genommen wird, ja jeder ins Land kommen und tun und lassen was er will. Wenn das jeder machen würde. Das darf nicht geduldet werden!


Wolf
13.2.2015 21:16
Kommentarlink

Das Verdummen der Massen findet doch bereits zügig statt. Wird aber wohl eher über Zwischenstufen laufen. Wenn man in Finnland die Schreibschrift abschafft, da Kinder lieber das Tippen lernen sollen, ist das schon gruselig genug. Ich weiss nur nicht, ob ich mich besser fühle, wenn man in Deutschland die vereinfachte Grundschrift einführt.

Hier wird (Bildungs)Sezession innerhalb der Bevölkerung betrieben. Oder glaubt irgendwer, dass an Privatschulen Allgemeinbildung obsolet und Grundschrift hipp wird? Ich nicht. Grundschrift…das erzeugt so ein Gefühl des Primitiven.

http://www.faz.net/aktuell/reform-der-lehrplaene-die-schreibschrift-stirbt-aus-12932933.html

http://detektor.fm/politik/neue-schrift-in-hamburg-die-grundschrift

Hier werden Anforderungen ohne Not runtergeschraubt. Alles muss einem infantilen Spaßniveau genügen das nicht infantil genug sein kann. Passiert dies alles mit Absicht? Ich denke die Antwort lautet ja.


Horsti
13.2.2015 21:19
Kommentarlink

“Bin mal gespannt, wie lange das noch dauert, bis sie in den Grundschulen das Lesen und Schreiben abschaffen und stattdessen Youtube-Videos gucken und machen.”

Im Zuge der Frühsexualisierung in der Grundschule dann ggf. auch Youporn-Videos.


Küstennebel
13.2.2015 21:35
Kommentarlink

Das Problem ist ein Anderes. Die Anforderungen wurden vereinheitlicht. Die Akademisierung des Pöbels wird gefordert. Jeder, der früher noch unter Tage angelernt wurde, wäre heute Arbeitslos. Leute, die von der Sonderschule in die Schreinerei gingen, oder Autos schrauben sind heute quasi Chancenlos auf dem Arbeitsmarkt.

Die des Lesens nicht mächtigen gab es schon immer. Ein fein definiertes Regelwerk für die Grammatik und deutsche Sprache ist auch erst im Zuge der Industrialisierung entstanden, davor war das nicht wichtig für den Lohnsklaven.

Es geht mit Wikipedia das Wissen der Welt nun mal auf ein Handy. Da schlägt man halt heute flux nach, was man sonst mühsam aus sechs Fachbüchern, drei Lexika und einem Atlanten gezogen hat. Das KANN sich niemand mehr merken.

Was im Alltag alleine an Begrifflichkeiten für die Bürger dazu gekommen ist, was heute jeder können muss, ist immens geworden.

Zum Lesen und für richtige Bildung braucht man Muße, das geht nicht im Vorbeiflug. Der Streß nimmt kontinuierlich zu, aber keiner merkts. Der Leistungsdruck in Schule, Grundschule! und sogar schon in der Vorschule und im Kindergarten – bei ganz bekloppten bereits in der KITA.

Selbst der Konsum ist ein harter Job geworden. Man kann kaum noch ein Computerspiel einfach nur spielen, die sind oft so dermaßen komplex, das man sich lange einspielen muss, ne Woche braucht bis man durchblick hat. Wer einfach losdaddelt hat keine Chance. Ständig neue Games im Bereich open world, open End die zum Dauerzocken einladen. Serienmüll aus aller Welt, der gesehen werden will, Handie und Facebook, Youtube Reklamevideos als Freundschaftsdienste verkauft, Twitter und Co, das ist alles deshalb so kurz angebunden, weil die meisten gar nicht die Zeit und Muße haben, gar nicht mehr das Geld haben in die Kneipe nebenan zu gehen, wie noch vor zwei Jahrzehnten. Da traf man sich dann zum Bier, oder die Vereine waren für die Kids.

All der Konsumdruck, Leistungsdruck, Ablenkungsdruck, Schlankheitswahn-/Diätwahn, Anpassungsdruck … u.ä.

Nene, der Ausverkauf der letzten Lebensbereiche findet statt und die Intensivierung aller Arbeitskreisläufe und das Stakkato der kapitalistischen Ausbeutung etcetc.

Die Kinder schreiben mehr als früher und lesen warscheinlich mehr als früher. Nur ist das Lesen auf Bereiche ausgelagert wie Facebook, Kurz-Nachrichten, SMS und Twitter. Die Abkürzungstechniken haben übrigens etwas mit dem Tippen auf Handies zu tun, und nichts mit Faulheit.

Heute zieht man sich eben kurz die Perry Rhodan komplett Files als PDF und liest die dann am Bildschirm. Karl May ist halt nicht mehr so ganz Zeitgemäß, hat aber sicher noch immer Fans, alte wie Junge.

Sie dürfen einfach nicht den Fehler machen, und nach dem Ausschau halten, was Sie als Kind / Jugendlicher machten, sondern sollten mehr den Wechsel der Zeit erkenen und dabei nicht an der selbstherrlichen Früher-Wars-Besser-Mentalität hängen bleiben. Denn früher war früher und ganz früher hat man mal die Taschenbücher als gefährlich eingestuft, weil die Kinder nix anderes mehr machten, als Bücher zu lesen.

Und das ist der Punkt: Heute gibt es einfach viel viel viel mehr Möglichkeiten seine Aufmerksamkeit aufzuteilen, jeder möchte auch die neuen Sachen testen, dadurch alleine wird Aufmerksamkeit abgezogen, aber die Neuen Techniken kann man gar nicht ohne Bildung nutzen. Viele Computerspiele erfordern Englisch Verständniss. Andere fordern sogar Codingkenntnisse, oder ein technisch-kreatives Verständniss. Diese Spiele brauchen das nicht nur, die Fördern das sogar. Minecraft ist hier ein ideales Beispiel.

Diese Form der Spielerei löst halt das Lego spielen ab, das heute viel zu teuer geworden ist für die meisten aber Minecraft macht vieles wieder verfügbar. Vorausgesetzt das man mehr macht als schieres daddeln. Selbst an Unis wird Minecraft auf Grund seines Konzepts mit Schaltkreisen zum lernen derselben empfohlen.

Wer nicht lesen und schreiben kann, der wird auch keinen PC nutzen können^^ Gut, für diese bleiben Konsolen übrig, hehe. War ja schon immer klar das der Konsolen-Typ ein Bildungsunfall ist 😀

Geht mit der Zeit und nicht mit euren Erinnerungen.

Beste Grüße


Küstennebel
13.2.2015 21:39
Kommentarlink

Ich möchte noch einen wichtigen Gedanken hinzu fügen:

Kommunikation ist heute oft schriftlich, aber eben umgangssprachliche Alltagskommunikation. Das läßt dann oft den Eindruck entstehen, die Sender könnten gar nicht mehr richtig schreiben, aber das Gegenteil ist der Fall – Die haben nur die jeweils eigene spezielle Umgangssprache des eigenen sozialen Habitus verschriftlicht, die Abkürzungssymbole sich angeeignet um sich den neuen Gegebenheiten wie Handtastaturen und Kurznachrichten anzupassen.

Das sind NEUE und Zusätzliche! Kulturtechniken.

Nicht das die alle nicht mehr Lesen und Schreiben könnten – im Gegenteil.

Aber was passiert, ist natürlich das vieles aus dem Gebrauch in die Sprachordnung einfließen wird – so wie es schon immer gewesen ist.

MFG


Pete
13.2.2015 23:02
Kommentarlink

Man muss sich doch nur mal ansehen, wie den Blagen heutzutage das Schreiben ueberhaupt beigebracht wird: In den ersten zwei (drei?) Jahren wird geschrieben, wie man spricht/hoert (und jedes Kind etwas anderes), spaeter muss muehsam “richtiges Deutsch” gelernt werden.

Na ja, fuer Twitter, Facebook und Whatsapp reicht das Ergebnis ja…

Dass man dabei auch noch vernuenftig Lesen lernt und Spass daran entwickelt, wage ich auch zu bezweifeln.


Stephan Fleischhauer
13.2.2015 23:14
Kommentarlink

> Wenn wir das Lesen und Schreiben aufgeben, wenn es also keinen Bezug zu einer Lautschrift mehr gibt, dann verliert sich das in einer Beliebigkeit. Dann wird das alles willkürlich, wieder auf Dialekte zurückgeführt, genau das, was Luther ja mit seiner Sprachvereinheitlichung bekämpfen wollte.

Auch Rundfunk & Fernsehen heben zur Vereinheitlichung des Deutschen beigetragen. (Du erwähnst es weiter unten eigentlich selbst.) Schriftsprache verhindert auch keinen Lautwandel. Unser “ie” z.B. hat seine Herkunft in einem Diphthong. Im Englischen ist die Diskrepanz zwischen Aussprache und Orthographie (die einen älteren Stand der Aussprache wiedergibt) natürlich noch krasser.

> Nicht mal in London, dem Epi-Zentrum englischer Sprache, war noch zu klären, wie man privacy nun eigentlich korrekt ausspricht.

Nun ja, im Aussprache-Duden steht, dass “hart” mit kurzem und “zart” mit langem a zu sprechen sei. Ich glaub kaum, dass irgend jemand auf der Straße dir das erklären könnte. (Weiß selbst nicht, was das soll, mir ist ein Unterschied nie aufgefallen.) Aber wenn du einfach mal englische Lexika oder howjsay.com konsultieren würdest, wüsstest du, dass [‘priv?si] als (britisches) Standardenglisch gilt.

> “I’m schlepping my bag” wäre vor Jahren noch ein Witz gewesen, weil der Deutsche kein Englisch kann.

Du bist offenbar für ein Reinheitsgebot der Sprache.
Aber zu irgendeiner Zeit muss das, was heute gutes Deutsch ist, mal “falsch” gewesen sein. Denn man hat nicht immer so gesprochen wie heute.


Michael
13.2.2015 23:23
Kommentarlink

Blödsinn. Dialektalität heisst nicht, dass es keine Rechtschreibung oder ähnliche Festsetzungen gibt. Dagegen sprechen viele Grammatiken oder Rechtschreibungen diverser Dialekte im Deutschen Sprachraum – und von Romanischen Dialekten im Mittelalter.

Das Problem ist eher die mangelnde Einsicht, dass eine korrekte Schriftsprache einfach höflich gegenüber einem späteren Leser ist.


Hadmut
13.2.2015 23:33
Kommentarlink

@Michael:

> Dialektalität heisst nicht, dass es keine Rechtschreibung oder ähnliche Festsetzungen gibt. Dagegen sprechen viele Grammatiken oder Rechtschreibungen

50 verschiedene Rechtschreibungen als Beweis, dass es viel mehr Rechtscheibung gibt als vorher?

Huahahahaaaaaaa.


Stephan Fleischhauer
13.2.2015 23:27
Kommentarlink

Latein und Griechisch in der Schule sind meines Erachtens eine einzige Verschwendung von Ressourcen. Um die paar Fremdwörter der Fachsprachen zu verstehen, muss man keine Grammatik lernen und Texte übersetzen. Es reichen ein paar Morpheme die immer wiederkehren. Um es etwas verkürzt auszudrücken: Man braucht nicht Griechisch zu können, um zu wissen, was “Bio” bedutet.

Und ein paar lateinische Redewendungen, mit denen Poser gern um sich schmeißen, kann man sich auch so draufschaufeln.

Wer hat schon im tatsächlichen Leben mit Texten alter Sprachen zu tun?

Um das ganze zu retten, gibt es noch das bekloppte Argument, dass man durch Lateinunterricht logisches Denken lernt. m(


Manfred P.
13.2.2015 23:45
Kommentarlink

Hmm, dass die Informationsdichte in einem YouTube-Video höher sein soll als in einem geschriebenen Text, bezweifle ich sehr. Ich kann viel schneller lesen, als ein Nachrichtensprecher vorlesen kann.

Hat mich in der Grundschule schon genervt; hab immer in meinem eigenen Tempo weitergelesen. Der Lehrer dachte, ich würde nicht aufpassen, und nahm mich bevorzugt dran, und freute sich, wenn ich nicht wusste, wo wir waren.

Ich schaue auch sehr gerne Vorlesungen auf YouTube. Da hat man den Vorteil, dass man zurückspulen kann, wenn man etwas nicht verstanden hat. Ist an sich gar nicht so schlecht.

Korrekte Sprache und Bildung war schon immer ein Phänomen einer Minderheit, wage ich zu behaupten. Latein und Griechisch hatte man nur im Gymnasium, und da gingen nur 10% eines Jahrgangs hin, bis in den 1970ern die “Bildungsoffensive” startete.

Die “Bildungsoffensive” wird nun in die Universitäten geschleift. Da ja das Gehirn nichts biologisches ist, kann man auf diese Weise beliebig viele Genies produzieren. 🙂 Oder so denken die sich das.

Aber so ist halt der Gang der Zeit. Kein Wachstum ist unendlich, und selbst im Bildungswunderland Dänemark beobachtet man seit einigen Jahren, dass der durchschnittliche IQ der Schüler zurück geht.

Könnte sein, dass in 30 Jahren kein Physik-Absolvent mehr die Theorien verstehen kann, die heute noch gängig sind.


Hadmut
13.2.2015 23:46
Kommentarlink

> Hmm, dass die Informationsdichte in einem YouTube-Video höher sein soll als in einem geschriebenen Text, bezweifle ich sehr.

Es ging ja um Video allgemein.

Wie lange brauchst Du, um einen Harry Potter, Herr der Ringe oder sowas zu lesen? Und wie lange dauert der Film?


Manfred P.
13.2.2015 23:47
Kommentarlink

@Küstennebel

flux? Oder flugs? 🙂


Manfred P.
13.2.2015 23:47
Kommentarlink

Sonst müsste es ja Küstxnebx heißen 😉


Schwa
13.2.2015 23:54
Kommentarlink

Willkommen in der Singularität!
Wo alles Eins ist und der Markt alles regelt…
Wozu also noch lesen? Da kommt man doch möglicherweise noch auf gefährliche Gedanken. Die sind ja zum Glück noch frei… oder?
Apropos Lesen: “1984” (George Orwell) manifestiert sich ja Schritt für Schritt. Die Zukunft sieht – ohne Lesen – wohl aus wie in “Die Zeitmaschine” (H.G. Wells): Malochende Morlocks (Arbeiterklasse) und träumende Elois (Bürgertum). Schöne neue Welt…


Manfred P.
13.2.2015 23:54
Kommentarlink

@Hadmut

>Wie lange brauchst Du, um einen Harry Potter, Herr der Ringe oder sowas zu lesen? Und wie lange dauert der Film?

Keine Ahnung, hab ich noch nie gelesen, hab’s nicht so mit Fantasy.

Im Schnitt lese ich pro Stunde 50-60 Taschenbuchseiten. Bei einem 250-Seiten-Taschenbuch komme ich, wenn ich Zeit habe, an einem Nachmittag durch.

Die Bourne-Identität habe ich im Urlaub in Ruhe lesen wollen, bin aber vom “Bildungsbürgertum” von der Seite die ganze Zeit vollgelabert worden, also hab ich insgesamt an 4 Tagen dran gelesen. Der Film geht zwar nur ca. 2 Stunden, aber die geschriebene Geschichte ist sehr, sehr viel komplexer, mit seiner Vorgeschichte als Spezialsoldat in Vietnam, wie er vergessen hatte, dass er die Organisation infiltrieren sollte, und wie seine Chefs dachten, er sei umgedreht worden und versuchten, ihn ebenfalls umzulegen…

Jedenfalls schaue ich genau aus dem Grund keine Nachrichten: Die tagesschau.de-Seite habe ich viel schneller durchgelesen als die Tagesschau dauert, wobei ich vieles auch nur überfliege, weil es mich nicht interessiert.


Manfred P.
14.2.2015 0:07
Kommentarlink

PS. Die Artikel auf zeit.de und Spektrum.de habe ich heute zufällig auch gelesen.

Dieses dumme Gelaber vonwegen man müsse gar nichts mehr wissen, weil man alles gugeln könne, das hat man doch schon seit Jahrzehnten abgelassen: es stehe ja alles in Büchern.

Soll jeder machen wie er denkt. Ich für meinen Teil halte jeden, der so argumentiert, für einen Dummkopf und Dummschwätzer, und würde gerne mal das Gesicht sehen, wenn er von einem Hartzer operiert werden soll, der als 1-Euro-Jobber als Arzt arbeitet, weil es billiger ist, und sich vor der OP ein YouTube-Video reinzieht, wie man einen Bypass legt.


Reinhard
14.2.2015 1:08
Kommentarlink

Hadmut, an einigen Schulen wurde aktuell, d.h. zum Halbjahres”zeugnis” genau das eingeführt. Statt einem Zeugnis gibts nun ein Gespräch mit Eltern und Schüler (und einen Wisch mit 5 Ankreuz-Punkten je Kategorie).

Zumindest bei mir, d.h. in Bayern.

http://www.km.bayern.de/eltern/meldung/2910/gespraech-bietet-alternative-zum-zwischenzeugnis.html


Küstennebel
14.2.2015 1:20
Kommentarlink

Manfred P.
13.2.2015 23:47
Kommentarlink

@Küstennebel

flux? Oder flugs?

Haha, da wurd ich wohl erwischt beim Lautschrifteln…

Ist halt so eine Sache wenn man mit 500-800 Anschlägen schreibt, dann macht man halt keine Schlechtschreibprüfung und die Gedanken rappeln dann in die Tastatur und oft wie man spricht…

Dafür das ich mein Leben mit leichter Legasthenie startete, muss ich mich heute sicher nicht verstecken.

Das ist vielleicht auch ein wichtiger Punkt, die Leute lernen doch immer by doing oder on the fly 😀

Bin ich gerade in einem Aushilfsjob am Fließband, interessiert mich schreiben einfach nicht sonderlich während der Arbeitszeit. Muss ich das über Jahre machen, geht Wissen ja auch wieder verloren.

Wenn ich eine wichtige Arbeit zusammentippe, prüf ich x mal die Rechtschreibung. Schreibe ich beruflich Texte, ist mir das erheblich wichtiger, dann wäre Schreibprüfung ein Bestandteil der Arbeitsleistung.

Insofern: Ich teile die Beobachtung einfach nicht, das die Schreibkunst weniger relevant wäre.

Insbesondere ist da auch ein bischen Heuchelei dabei. Da erinnere ich an den anderen Beitrag, über die Kultur/Geschichte Studentin. Da stellt sich auch die Frage, was die Mehrheit der Nöler in diesem Thread dazu sagen, wenn vermehrt Sprache studiert wird, womit am Ende zwar der Student schreiben lernt, aber am Ende nicht unbedingt davon leben kann. Korrekte Grammatik ist nicht essbar und muss genauso am Markt als Dienstleistung verkauft werden, wie Geschichtskenntnisse.

Beste Grüße


jd.
14.2.2015 1:33
Kommentarlink

> Wie lange brauchst Du, um einen Harry Potter, Herr der Ringe oder sowas zu lesen? Und wie lange dauert der Film?

Das Buch hat eine andere Qualität der Details, und andere “Lücken”.
Es gibt Studien, die recht eindeutig belegen, daß Filme/Videos Phantasie “vernichten”, Bücher Phantasie fördern, besonders im Kindesalter. Schreiben fördert bei Kindern nicht nur die Feinmotorik, sondern auch das Denkvermögen; Schreiben in “alter” Schreibschrift mehr als in neuer vereinfachter Grundschrift und diese mehr als Tippen am Computer. Arme Finnen, arme Dänen. Noch nicht ganz so arme Deutsche. Und ja, ich halte die Abschaffung des Schreibens in Hand(schreib)schrift für eine gezielte Verdummungsstrategie, mehr noch als die durchgeprügelte, inkonsistente Rechtschreibreform.

Um einen Überblick oder eine Einführung zu einer Thematik zu erhalten, darf es für mich gerne ein Vortrag oder ein Video sein, aber für die Details dann doch lieber das geschriebene Wort (oder Zahl). Und nicht umsonst gibt’s bei Konferenzen und Meetings hin und wieder noch ein Protokoll hinterher…

Ich denke, Schreiben (handschriftliches) und Lesen (im Sinne von Umgang mit gedrucktem/geschriebenen – gehört ja nicht nur Lesen und Blättern dazu, sondern auch Nachschlagen, Finden, Kontext erfassen, Kommentieren/Annotieren, nebeneinanderlegen und kombinieren/vergleichen, Tempo der Informationsaufnahme selbst bestimmen, verschiedene Arten des Lesens (Überfliegen, Executive Reading, Schmökern, …)) und im Zuge damit vertieftes Sprachverständnis wird wieder eine Kulturtechnik für “bessere” Schichten. Vor den Alphabetisierungskampagnen während der Industrialisierung gab’s für’s Volk auch Bildmedien und bewegte Vorführungen (Mysterienspiele, fahrende Gaukler, Bilderbögen, Bildpamphlete, Gottesdienste…), für viele wird zukünftig eine einfache Lesekompetenz (zwischen BILD, 140 Zeichen und Wikipedia-Artikel-Zusammenfassungen) genügen (sollen); beim Schreiben helfen dann Wortvorschlagautomatiken, Rechtschreibkorrektur und Speech2Text.
Gab es nicht vor wenigen Jahren eine Schreckensmeldung bzgl. dramatischer Zunahme funktionalen Analphabetentums? Hat man das mit PISA geradegerückt?

Was Latein betrifft: Ich habe das “ganz große” Latinum genossen, und wenn ich ein einziges Fach wählen dürfte, was mir das sinnvollste meiner Schulzeit scheint, wäre es gerade Latein. Lag vielleicht auch daran, daß ich da fast nur Lehrer hatte, die uns ordentlich rangenommen haben, aber da habe ich viele nützliche Sachen gelernt: Sprache verstehen und analysieren, inhaltlich, rhetorisch, semantisch, funktional- und strukturgrammatikalisch, und wie das zusammenhängen kann; ja, genau, strukturiertes Denken (die lateinische Sprache fördert das m.M.n. wie sonst kaum was in der Schule, schon kaum eine andere Sprache); Philosophie des Abendlandes von den Vorsokratikern bis zur frühen Neuzeit; Literatur über fast den gleichen Zeitraum; Grundlagen des römischen Rechts, inkl. Ausblick in die Moderne; viel über Politik und den Menschen; Geschichte des Raumes des römischen Reiches und der von ihm tangierten Gebiete, inkl. altgriechischer Geschichte. Ein gar nicht so kleines Studium Generale, von dem ich heute noch zehre.


Collin
14.2.2015 3:59
Kommentarlink

Ich hab mal ein paar wahrscheinlich unzuverlässige Eckdaten zusammengesucht.

Eine Firma die Speedreading-Software vertreibt, behauptet folgendes:
Die Übertragungsrate von gesprochenem englischen Text ist ~150wpm.
Ein durchschnittlich guter Leser schafft ~400wpm (englischen Text, Papier).
Ein Top-1% Leser schafft >= ~1000wpm (englischen Text, Papier).

http://www.readingsoft.com/index.html


HF
14.2.2015 7:54
Kommentarlink

Die Kindle-Euphorie scheint schon wieder vorbei zu sein, dafür steigt der Absatz von bedrucktem Papier. Ganz hartgesottene mischen sich sogar ihre Druckerschwärze selber…

http://www.telegraph.co.uk/finance/newsbysector/retailandconsumer/11328570/Kindle-sales-have-disappeared-says-UKs-largest-book-retailer.html


Hadmut
14.2.2015 11:46
Kommentarlink

> Die Kindle-Euphorie scheint schon wieder vorbei zu sein, dafür steigt der Absatz von bedrucktem Papier.

Mmmh. Würde mich überraschen. Denn wenn ich mich in Berlin so in U- und S-Bahnen umsehe, dann sehe ich da fast nie jemand mit einem Buch, aber häufig Leute mit Kindle.


theodor
14.2.2015 8:30
Kommentarlink

@Stefan Fleischauer

Um es etwas verkürzt auszudrücken: Man braucht nicht Griechisch zu können, um zu wissen, was “Bio” bedutet.

Eigentor 😀 Wenn man Altgriechisch könnte, wüsste man dagegen, dass ‘bios’ im Griechischen sowohl ‘Bogen'[Pfeil und Bogen] als auch ‘Leben’ bedeutet – je nach dem wo der Akzent sitzt. Klassische Dichter wie Hölderlin – der sehr, sehr gut Altgriechisch konnten – hat noch Wortspiele darüber machen können, die von seiner Umgebung verstanden wurden.

Das Problem ist, um zu verstehen, dass man etwas nicht versteht, braucht man eine gewisse Kompetenz über die Sache. Und das geht uns rasend schnell verloren. Jeder ist Experte über alles und weiß alles … wozu sich dann noch mit der Sache selber beschäftigen?

@Hadmut

Eine Beobachtung: Erstaunlich viele Programmierer haben meiner Erfahrung nach Aktgriechisch in der Schule gehabt und waren auch ganz gut drin. Es scheint eine Korrelation zwischen dem Erlernen einer komplexen und fremden Sprache wie Altgriechisch und den Fähigkeiten zu geben, die man braucht, um als Programmierer durchs Leben zu kommen.


Hadmut
14.2.2015 11:45
Kommentarlink

@theodor:

> Es scheint eine Korrelation zwischen dem Erlernen einer komplexen und fremden Sprache wie Altgriechisch und den Fähigkeiten zu geben, die man braucht, um als Programmierer durchs Leben zu kommen.

Stimmt.

Und wie immer gilt: Eine Korrelation ist noch keine Kausalität. Gut, dass Du darauf geachtet hast. 🙂


Owen
14.2.2015 8:36
Kommentarlink

Naja, da gebe ich auch mal mein Senf dazu.

Vor ab “Wissen heißt wissen, wo es geschrieben steht.” ist ein sehr praktischer Ansatz das hat auch mal einer meiner Profs. (Einführung in die Physik I & II) vor Jahren mal gesagt,
der Spruch wird aber MMN. von den Massen etwas falsch verstanden.

Die Leute verstehen MMN. darunter das man gar nichts wissen muss und nur paar Seiten wie die Wikipedia kennen muss und das ist Bullshit, den mit dem Ansatz so angewendet weiß man nicht mal was da alles so drin steht. Sprich wer sein wissen darauf beschränkt das alles in der Wikipedia steht, weiß unterm strich gar nichts, d.h. außer er hat irgendwann die ganze Wikipedia von vorne bis hinten gelesen und besucht jetzt die Seite immer nur wegen Details von Sachen die er schon kennt. 😀

Und das ist MMN. die eigentliche Bedeutung der aussage (die stammt auch aus einer zeit wo Text über kein Ctrl+F verfügt hat, da hat das Hirn noch die Suchfunktion Umsätzen müssen), man muss sich nicht jedes Detail im Rahmen der eigenen Bildung merken, man muss sich (wen man es gerade nicht braucht) auch nicht jede Formel merken, man muss aber schon mal was darüber gelesen haben wissen in etwa wozu das gut ist und erst im Zusatz dazu wissen wo man die Details finden kann.

Sprich ein Arzt der ein Symptom erst googlen muss ist für nix gut, er muss aber auch nicht unbedingt alle Symptome aller Krankheiten genau kennen, es reicht wen er anhand der Symptome ein paar Ideen hat was es sein könnte und dann die Details nachschaut um sein verdacht zu stützen oder zu entkräften. Um diese Ideen zu haben muss er eben nicht alles auswendig gelernt haben aber er muss es zumindest einmal mal gelernt oder zumindest gelesen haben.

Und das ist überall so, das ist auch so mit allgemein Bildung…
Der Mensch ist kein göttliches Wesen (nur zur Klarstellung göttliche Wesen gibt es nicht) das tolle Sachen aus dem nichts erschaffen kann, alles was wir machen alle Ideen die wir haben sind eine Mischung aus zeug was wir irgendwann in unser Gehirn geladen haben und kleinen inkrementellen Variationen.

Wen wir nichts wissen um damit zu variieren und mischen anzufangen können wir auch nichts erschaffen.

Oder wieso hat kein Steinzeitmensch ein Verbrennungsmotor erfunden? Genetisch gesehen waren die Menschen vor paar zehn tausend Jahren äquivalent zu uns, und moderne Naturvölker sind es um so mehr, dennoch erfinden sie keine tollen Sachen. Alles was uns von denen unterscheidet ist unser Wissen, wen wir ein Kind mit einer Zeitmaschine (nur zur Klarstellung gibt es auch nicht, wird auch nie geben) aus der Steinzeit hohlen und ende des 20ten Jahrhunderts eine schulische Bildung angedeihen lässt wird er genau von einem modernen Menschen nicht zu unterscheiden sein (bis auf die tollen Kindheitsgeschichten die er vielleicht erzählen wird, von Säbelzahntiger und Mammuts *g*)
Den Sprung von Hohlen Menschen zum Ingenieur kann in einer Generation gemacht werden man braucht nur Bildung.

Sich zu bilden und zu lernen ist Wichtig es ist eine der absolut wichtigsten Sachen überhaupt, gleich nach Arterhaltung und Selbsterhaltung 😉
Und hierzu ist es wichtig ein einigermaßen breites wissen zu haben um eben ein großen Pool an zeug zu haben um daraus gute Ideen zu raffinieren.
Das erreicht man nicht in dem man nur im Internet herum googled, wen man gar nicht weiß was es so alles zu wissen gibt landet man nur bei Sachen die man schon kennt oder Katzen Bildern. Anständige Bildung braucht gute Anleitung und eigene Initiative.

Was aber auch Bullshit ist ist der ganze Muttersprachen Unterricht (in DE DE *g*) in den höheren Klassen, irgendwelche uralten Texte zu analysieren ist Zeitverschwendung. Ich weiß nicht in wie weit das jetzt der Lesekompetenz zu gute kommt, aber MMN. sollte man das flexibler gestalten, von so manchem altem scheiß bekommt ein so manch ein Mensch das Kotzen. Die wahl der Literatur sollte den Schülern freigestellt werden den lesen von Zeug das man inhaltlich verabscheut ist eine Folter.
Gerade wen es um etwas so wichtiges geht wie Lesekompetenz sollte das System so gestaltet werden das es den Schülern möglichst angenehm erscheint. Wie eben in dem man Leuten die mit Liebesgefühlen Nichts anzufangen wissen Anstatt irgendwelchen Goethe Käse wie “Die Leiden des jungen Werthers” einfach mal irgend ein anständiges Abenteuer Buch gibt, z.b. was von Daniel Defoe wie “Robinson Crusoe” oder was modernes. Mal ganz ehrlich für die Lesekompetenz ist es egal ob man Star Wars liest oder irgend ein makaberes Machwerk über den WK II.

Was heute auf jeden Fall in der schule zu kurz kommt sind die Naturwissenschaftlichenfächer und der Geschichtsunterricht sollte viel analytischer und politischer sein und nicht reines auswendig lernen von belanglosen Fakten (aber gerade das wollen die Politiker nicht).

Zu den Youtube Videos, ein paar Sachen sind nur als Video gut rüber zu bringen wie v.B. die Tear Down Videos vom EEVBlog leider spricht der Typ da Immer so langsam das ich es im VLC Player auf x1,5 Speed stelle. Was auch nett ist sind irgendwelche Dokus im TV einige sind da wirklich gut gemacht und unterhaltsam. Aber das ist eben Unterhaltung und kein Ersatz für Bildung.

Gerade Anleitungen als Video finde ich maximal bescheuert, viel zu langsam.
Außer spezial fälle, wie schone von einem Vorposter erwähnt, wen man solche unmöglich zusammengebauten Sachen Spuren frei zerlegen will oder so.

Zum lesen als Unterhaltung das ist sehr Inhalt abhängig,
z.b. Sachen die so geschrieben sind wie “er schweifte seinen blick von der Kommando Konsole zur ops und erhob langsam seine rechte Augenbraue, er erwog seine verbliebenen Optionen…” in manchen Büchern gehen solche lehren Sätze über viele Zeilen etwas was in einem Video in 1 max 2 sec erledigt wäre, so was kann ich absolut nicht ausstehen. Was ich gerne lese sind Sachen die hauptsächlich aus Dialogen bestehen, also wo es eine schnelle Handlung gibt und eine hohe Informationsdichte.
Ein weiterer Vorteil von Videos ist das man die Aufmerksamkeit auch mal abschalten kann und trotzdem weiterkommt, also wen die gerade über ihre Gefühle Labern denkt man nochmal über die Einkaufsliste für morgen oder so und wen es wieder relevantes gibt merkt man das schon rechtzeitig. Bei Text geht das nicht wen man die Aufmerksamkeit abschaltet oder sich der Einkaufsliste zuwendet kommt man nicht weiter in dem Geschehen.

Alten werke sind meiner Erfahrung nach meist mit viel Text und wenig Inhalt geschrieben weil die Leute damals den Text als Kunst versandenden haben und nicht nur als mittle der Informationsübertragung. Das sollte man modernen Menschen nicht mehr zumuten wen sie es nicht wollen, gerade wen es Unterhaltung sein soll muss es sich nach dem wünschen der Menschen richten und nicht Leuten in der Schulahle beigebracht wird das lesen keine Unterhaltung ist sondern eine Qual ob der nicht mehr zeitgemäßen Wahl der Literatur ist es sehr schädlich für die Gesellschaft. Die kommen dann gar nicht auf die Idee das ein modernes Buch durchaus eine gute Unterhaltung sein kann.

Was ich persönlich toll finde, moderne SciFi Bücher (z.b. Star Trek Franchise), paar Alte Sachen wie von Shakespeare (weil nur Dialoge *g*), FanFinctions zu Animes.
Und eben Serien und Filme, bei manchen sind mit die FanFinctions lieber als das original wie z.b. Dr. Who.

Owen


Mike
14.2.2015 8:45
Kommentarlink

Ach Danisch,

4 Bibliotheksausweise? Griechisch? UND Latein? Und fuer ne ordentliche Diss hat es dann trotzdem nicht gereicht?

Tragisch. Aber lass Dir versichert sein, auch Chinesisch hat eine Grammatik. Genau wie Japanisch oder indianische Sprachen. Man kann Sprachen auch anhand der Grammatik klassifizieren (flektierend, isolierend, agglutinierend, polysythethische etc.).

Welche Sprache lernen? Schwierig. Ich wuerde zu Ithkuil. Schaerft das denkvermoegen und dann klappt es vielleicht auch mit der Diss 😉

http://en.wikipedia.org/wiki/Ithkuil


Hadmut
14.2.2015 11:57
Kommentarlink

@Mike:

> 4 Bibliotheksausweise? Griechisch? UND Latein? Und fuer ne ordentliche Diss hat es dann trotzdem nicht gereicht?

Viieeeel schlimmer.

Einer der Vorwände zur Ablehnung der Diss war ja, dass ich in der Einleitung was Griechisches hatte.

Hintergrund:

Ich war ja als Mitarbeiter unfreiwillig Prof Beths Ghostwriter. Der hat sich seine Vorträge und die Folien dazu häufig von mir schreiben lassen.

Als ich ihm mal Folien für einen Archivar-Tag erstellt habe, hatte ich darin eine Folie, die erklären sollte, was Kryptographie ist und darin sowas wie „…ist die Kunst und Wissenschaft von…” stehen. Beth wurde stinksauer und hat mich da im Institutsseminar vor versammelter Mannschaft angeschissen, was mir einfiele, wie ich auf so einen Blödsinn käme, Kryptographie sei doch selbstverständlich eine Technik und keine Kunst. Wir seien doch hier nicht bei den Künstlern.

Ich konnte da nur schwer an mich halten und ihm nicht vorhalten, dass Technik griechisch ist und auf deutsch eben »Kunst« heißt, es also das gleiche Wort ist.

Ich konnte es mir daher nicht verkneifen, in die Diss reinzuschreiben, dass die Bedeutungen von Kryptographie und Steganographie eigentlich genau umgekehrt liegen und die Begriffe vertauscht verwendet werden, wenn man ihre wörtlichen Bedeutungen (jedenfalls nach den Wörterbüchern, die ich aus dem Griechisch-Unterricht noch hatte) betrachtet.

Das war einer der Vorwände, die sie zur Ablehnung verwendet haben – und die damit zum Titel „Adele und die Fledermaus” führten. Schon mal überlegt, wie ich auf den Titel für die Doku kam? Das hängt direkt mit Altgriechisch zusammen. Es wäre nie zu diesem Titel gekommen, wenn ich nicht Griechisch-Unterricht gehabt hätte. Kleine Hilfe: Es geht um das Geheimprojekt »Fledermaus«.


Mike
14.2.2015 8:52
Kommentarlink

Ich wuerde zu Ithkuil raten meinte ich.


Neo
14.2.2015 8:53
Kommentarlink

@Hadmut

Du erwähntest die Verfilmungen von Harry Potter und Herr der Ringe in Bezug auf Informationsdichte. Es tut mir leis, aber gerade diese Verfilmungen sind ein herrliches Beispiel für Verflachung und Verfälschung des geschriebenen Wortes. Wer nämlich sowohl die Bücher gelesen als auch die Filme gesehen hat durfte feststellen, daß die Abweichungen teilweise beträchtlich sind. Insofern eignen sich die Filme vielleicht um einen ersten Zugang zu den Originalwerken zu bekommen, aber sie sind bestimmt kein Ersatz für das Lesen der Bücher selbst. Als ein solcher Ersatz werden Verfilmungen heute aber oftmals betrachtet.

Das was wir zur Zeit erleben ist ein Rückfall ins Mittelalter mit einer Teilung des Volkes in den grossen Teil der Ungebildeten, die kaum in der Lage sein werden Bücher zu lesen und das gelesene zu verstehen geschweige denn noch (wie rückständig) ohne Hilfe eines Computers selbst etwas halbwegs verständliches zu Papier zu bringen. Auf der anderen Seite wird es den kleinen Teil der Gebildeten geben die jene Kulturtechniken die man in den letzten Generationen noch für selbstverständlich hielt auch weiterhin beherrschen werden.


Hadmut
14.2.2015 12:04
Kommentarlink

@Neo, Manfred:

> Es tut mir leis, aber gerade diese Verfilmungen sind ein herrliches Beispiel für Verflachung und Verfälschung des geschriebenen Wortes.

Leute, Ihr habt mich nicht verstanden.

Ich habe nicht gesagt, dass der Film informationstreu ist oder dieselbe Information darstellt.

Ich habe gesagt, dass die Informationsdichte höher ist.

Filme wie Harry Potter oder Herr der Ringe haben eine ganz enorme Dichte an visuellen Eindrücken und ein gruselig hohes Erzähltempo. (Vergleich die mal mit 2001.)

Wenn man beispielsweise durch bestimmte Gegenden von Neuseeland fährt, hat man sofort den Auenland- oder Mordor-Effekt, weil einem diese Gegenden sofort bekannt und vertraut vorkommen, weil man sie schon intensiv gesehen hat. Das könnte das Buch nie leisten. Und das ist völlig unabhängig davon, ob der Film mit dem Buch übereinstimmt.

Natürlich hat „Herr der Ringe” nichts mit Neuseeland zu tun, sondern nur der Film. Gerade das zeigt aber, wieviel „mehr” an Information da drinsteckt. Ob Euch das gefällt und das mit dem Buch übereinstimmt, ist ja hier nicht das Thema. Sondern es geht darum, dass man da in 2 Stunden mehr Information eingetrichtet bekommt als in 20 oder 40 oder 60 Stunden Buch-Lesen.


Emil
14.2.2015 9:36
Kommentarlink

@Manfred P.
> Hmm, dass die Informationsdichte in einem YouTube-Video höher sein soll als
> in einem geschriebenen Text, bezweifle ich sehr. Ich kann viel schneller
> lesen, als ein Nachrichtensprecher vorlesen kann.

Geht mir genauso. Ich hasse es, wenn Leute immer öfter Links zu zweistündigen gesellschaftskritischen Videos posten. Man bekommt auf die schnelle einfach keinen Überblick, worum es geht, ob sich das Anschauen lohnt und wo die wichtigen Aussagen verborgen sind. Bei einem längeren Text gibt es oft eine Zusammenfassung und Absatzüberschriften; man hat durch Querlesen schnell einen Eindruck und kann dann gezielt weiterlesen.


die grafenburger
14.2.2015 10:07
Kommentarlink

1 Film von 1953 wieder aktuell?

https://www.youtube.com/watch?v=ughnFrsY5wY


Hadmut
14.2.2015 12:06
Kommentarlink

> 1 Film von 1953 wieder aktuell?

Ja. Alles, was nicht gegendert ist, wird verbrannt. (Siehe Pipi Langstrumpf, Räuber Hotzenplotz usw.)


Kritikr
14.2.2015 10:41
Kommentarlink

Videos sind scheiße. In allen Fällen in denen ich bisher genötigt war was dort nachzuschauen, muss man zich Minuten Müll anschauen bis irgendwo mal die Info ist, die man sucht. Da ist ein gut getippter Artikel viel mehr Wert. Vorallem weil er Maschinenlesbar ist und ich Suchworte abklopfen kann. Mach das mal mit einem Video…


Hadmut
14.2.2015 12:11
Kommentarlink

@Kritikr:

> Da ist ein gut getippter Artikel viel mehr Wert. Vorallem weil er Maschinenlesbar ist und ich Suchworte abklopfen kann. Mach das mal mit einem Video…

Gibt noch einen anderen Punkt:

Ich kann auf jedem meiner Notebooks locker eine Kopie aller Texte mit mir rumschleppen, die ich in Form von Blog-Texten, Web-Seiten, PDFs, eBooks (selbst erstellt, gekauft, runtergeladen usw.) gespeichert habe. Passen bequem auf nen billigen USB-Stick.

Bei den Videos (obwohl da viel weniger Fachinformation drin ist), könnte ich das nur mit Mühe, weil in die meisten meiner Notebooks und Mobilrechner derzeit nicht genug Plattenkapazität passt. Nur ein einziges Notebook (so ein 19-Zoll-Riesen-Teil, das eigentlich gar nicht mobil ist) hat zwei Plattenschächte, wo ich mein Archiv derzeit gerade noch so reinbekäme.


Tom
14.2.2015 10:52
Kommentarlink

Ich denke, die Tendenz geht ganz klar in Richtung einer Art von Analphabetismus.Ihr kommt alle aus der Naturwissenschaft, aber lasst Euch gesagt sein, dass die Fähigkeit einen Text zu interpretieren, oder einen Aufsatz zu schreiben kontinuierlich abnimmt. Ich habe mit vielen Leute aus allen möglichen Bereichen darüber diskutiert, ob man eine solche Fähigkeit überhaupt braucht. Die Optimisten meinen, braucht man nicht, es entwickelt sich eine neue Art zu denken, die viel visueller ist, als die jetzige (youtube als primitiver Vorläufer). Die Pessimisten meinen, einen Aufsatz zu schreiben ist mit der Fähigkeit verbunden, zu konzeptualisieren und Probleme zu durchdenken. Letztlich die Fähigkeit ein Projekt zu planen und durchzuführen. Also Fähigkeiten, die weit über die bloße Sprachbeherrschung hinausgehen. Den Fakt an sich hat aber niemand bestritten. Bleibt noch hinzuzufügen, dass meine Gesprächspartner nicht nur aus Deutschland und anderen europäischen Ländern, sondern auch aus den USA waren. Was meint Ihr? Stimmt das mit Euren Erfahrungen überein?


Hadmut
14.2.2015 12:14
Kommentarlink

@Tom:

> Ich habe mit vielen Leute aus allen möglichen Bereichen darüber diskutiert, ob man eine solche Fähigkeit überhaupt braucht. Die Optimisten meinen, braucht man nicht, es entwickelt sich eine neue Art zu denken, die viel visueller ist, als die jetzige (youtube als primitiver Vorläufer). Die Pessimisten meinen, einen Aufsatz zu schreiben ist mit der Fähigkeit verbunden, zu konzeptualisieren und Probleme zu durchdenken.

Ja, enorm.

Wir verwandeln uns gerade vom Selbst-Denker zum Konsumenten von Vorgedachtem. Deshalb haben auch die Ideologien wieder Konjunktur.

Guck Dir mal die heutigen gegenderten Professoren an: Denken können die nicht mehr, Argumente verarbeiten auch nicht. Die plappern nur noch nach, was sie an Ideologie und Kampfrhetorik auswendig gelernt haben. Auch die Streit-Praxis ändert sich. Man hebelt den anderen nicht mehr argumentativ aus, indem man Fehler seiner Denkweise aufzeigt, sondern bewirft ihn mit Beschimpfungen und Rhetorik, für die man sich um des anderen Standpunkt gar nicht mehr zu kümmern braucht.


feel'n good on a wednesday
14.2.2015 12:28
Kommentarlink

Würde deine Youtube Channel abonnieren.


yasar
14.2.2015 12:33
Kommentarlink

> Wie lange brauchst Du, um einen Harry Potter, Herr der Ringe oder
> sowas zu lesen? Und wie lange dauert der Film?

Ichß Pro Band höchstens einen Tag (=12-16h) , eher weniger, wenn ich das am Stück durchziehe. Die Filme dauern zwar nur wenige Stunden, habe aber viele Details weggelassen, die sich in den Büchern finden.

Und drei Bände Winnetou sind auch sind auch schneller gelesen als die Drei Filme, in denne der Pierrebriece 20 Minuten brauch, um zu sterben. 🙂

PS: Ich habe die Sündamerika- und Nahost-Geschichten mehr gemocht.


Emil
14.2.2015 13:18
Kommentarlink

@Wolf
> Ich weiss nur nicht, ob ich mich besser fühle, wenn man in Deutschland
> die vereinfachte Grundschrift einführt.

Die vereinfachte Grundschrift ist noch das geringste der Probleme; viel schlimmer ist, dass die Kinder heute in den ersten Jahren schreiben dürfen, wie sie wollen, ohne korrigiert zu werden. Und später wenn sie korrekt schreiben müssen, können sie es nicht.

Die neue Schlechtschreibung

Seit vielen Jahren sind Grundschüler einem deutschlandweiten Feldversuch ausgesetzt: Reformer wollten kreativere Geschöpfe heranziehen. Nun lernen die Kinder nicht mehr richtig schreiben. Experten sprechen von einer Rechtschreibkatastrophe.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-98091072.html

So machen dies linken, anti-autoritären Spinner die Bildung systematisch kaputt.


jd.
14.2.2015 13:35
Kommentarlink

@Hadmut:

>> Es scheint eine Korrelation zwischen dem Erlernen einer komplexen und fremden Sprache wie Altgriechisch und den Fähigkeiten zu geben, die man braucht, um als Programmierer durchs Leben zu kommen.

[…]

> Und wie immer gilt: Eine Korrelation ist noch keine Kausalität. Gut, dass Du darauf geachtet hast.

Ich würde es so formulieren: Die Beschäftigung mit einer Sprache wie Latein oder Altgriechisch kann helfen, strukturiertes Denken zu lernen. Ansonsten muß man das irgendwo anders lernen, und da sehe ich beim derzeitigen Trend auch oder gerade in den MINT-Fächern (“mädchengerechte” Lehrplanumgestaltung, Einbettung von MINT in möglichst viele Fächer, Zusammenführung von Bio bis Mathe in “Naturwissenschaft” oder ähnlichen Gemengen (womöglich aus ähnlichen “Bereicherungsgründen” wie Multikulti?), umgekehrt Einbettung von sozialen oder politischen Inhalten wie z.B. Gender in MINT, aber auch Ersatz von Aufsätzen durch Referate (oder besser: Präsentationen), Ersatz textorientierter Aufgabenstellungen durch Multiple Choice und ähnlich zukunftsträchtige “Reformen”) wenig Hoffnung 🙁


yasar
14.2.2015 14:50
Kommentarlink

@die grafenburger

das Buch von ray Bradbury liest sich besser. 🙂


Neo
14.2.2015 15:01
Kommentarlink

@Hadmut:
Gut, insofern hast Du durchaus recht, aber um mal bei dem Beispiel Herr der Ringe zu bleiben stellt sich in dem Zusammenhang dann doch eine Frage. Was bringt das ganze?

Ich hatte mal ein interessantes Gespräch mit jemandem über die Herr der Ringe-Trilogie. Was ich aber zuerst nicht wußte war, daß mein Gesprächspartner das Werk nur aus der Verfilmung kannte. Wir mußten dann irgendwann feststellen, daß wir in Bezug auf die Interpretation einiger Teile im Prinzip von zwei unterschiedlichen Werken redeten.

Nun mag man einwenden, daß der “Schaden” der durch die “Multimedialisierung” entsteht bei einem Roman ja nicht allzu hoch sei. Das Problem besteht auch eher darin, daß die Leute nicht mehr im Hinterkopf haben, daß eine Verfilmung nicht unbedingt DIESELBE BOTSCHAFT transportiert wie die Buchvorlage. Gerade bei Schriftstellern die für ein bestimmtes Genre prägend wirkten kann das dann zum Problem werden, wenn die Darstellung des Werkes für das Werk selbst genommen wird. Ich will einfach mal behaupten, daß zur Zeit eine ganze Generation kultureller Analphabeten herangezogen wird.

“Wir verwandeln uns gerade vom Selbst-Denker zum Konsumenten von Vorgedachtem. Deshalb haben auch die Ideologien wieder Konjunktur.”

Das ist eine interessante Aussage die sich speziell in den diversen Youtube-Videos bemerkbar macht. Zunehmend scheint es den Leuten auszureichen zu wissen WIE sie das gewünschte Ergebnis erhalten. WARUM das Ergebnis herauskam scheint dagegen mehr und mehr bestenfalls zweitrangig zu sein. In einigen SF-Romanen werden Zivilisationen beschrieben die ihre Technik zwar noch bedienen können, aber nicht mehr wissen wie sie funktioniert oder repariert werden könnte. Was kaputt ist wird entweder durch vorhandene Ersatzgeräte ersetzt oder steht eben in Zukunft nicht mehr zur Verfügung. Anscheinend entwickeln wir uns derzeit genau in diese Richtung. Das würde am Ende zu der schon angesprochenen Zwei-Klassen-Gesellschaft führen. Wobei wir in der IT schon mitten in dieser Entwicklung stecken. Die große Masse ist zufrieden einen Computer mehr oder weniger bedienen zu können, während immer weniger wissen wie das ganze funktioniert.

Ein anderer Aspekt ist der “Konsum von Vorgedachtem”. Leonardo da Vinci sagte einmal zu diesem Thema: “Wer ein Argument vorträgt und sich dabei auf eine Autorität beruft, verwendet nicht seine Intelligenz; er setzt lediglich sein Gedächtnis ein.” Anstatt selbst zu Denken beruft man sich auf irgendeinen Leithammel. Das wird in Bezug auf die Politik geradezu überdeutlich. Es wird nur noch nachgeplappert was irgendwelche Vordenker von sich geben. Eigene Gedanken äußern unter der Gefahr sich zu blamieren wagt man nicht mehr. Gewünscht sind vorgefertigte überprüfte Gedanken irgendeines Leithammels damit man ja nicht bei der veröffentlichten Meinung aneckt.


Hadmut
14.2.2015 15:06
Kommentarlink

> Leonardo da Vinci sagte einmal zu diesem Thema: “Wer ein Argument vorträgt und sich dabei auf eine Autorität beruft, verwendet nicht seine Intelligenz; er setzt lediglich sein Gedächtnis ein.”

Oh, danke, verdammt guter Satz. Genau das ist ja das Problem der Soziologen und Genderisten.


Heinz
14.2.2015 16:01
Kommentarlink

> Wobei man das schon zweischneidig sehen kann

Ja besonders weil Ton und/oder Videoaufzeichnungen den Nachteil haben, dass man damit oft Zeit verschwendet – einen Text kann man nach Stichworten durchsuchen oder überfliegen, aber beim Video muss man die ganze Zeit zuhören/-schauen, wie irgendwer was sinnloses erzählt und mit der Maus umfährt, weil vielleicht noch irgendwann etwas wichtiges kommt.

> Hat nicht letztens irgendwer eine App entwickelt, die Texte „inplace” übersetzt? Man fotografiert irgendwas, wo irgendwo ein Schild auf chinesisch hängt, und auf dem Foto sieht’s genauso aus, nur ist das Schild plötzlich deutsch geschrieben.

Hat Google schon für Glaas angekündigt.

> Und chinesisch? Musterbeispiel. Die haben gar keine Grammatik, jedenfalls keine in unserem Sinne. […] Und noch besser: Es ist keine Lautschrift.

Dafür aufgrund der hohen Zeichenzahl unbrauchbar – gerade als Informatiker muss einem das doch ein Dorn im Auge sein.

> sondern die Lehreren im Video einfach was erzählt, wie es so war.

Aber wie soll man die Videos ordnen?
Die vielen Namen/Bezeichnungen in meiner Ordnerstruktur sind alle geschrieben.

@Finnland
Dort soll “nur” die Schreibschrift abgeschafft werden – die Druckschrift lernen sie noch.


Hadmut
14.2.2015 16:14
Kommentarlink

@Heinz:

> Dafür aufgrund der hohen Zeichenzahl unbrauchbar – gerade als Informatiker muss einem das doch ein Dorn im Auge sein.

Nicht unbedingt.

Die Zeichen sind nicht völlig willkürlich, sondern mit etwas Wissen über die Entstehung und Bedeutung oft als Piktogramme erkennbar. Beispielsweise war das Zeichen für „Frau” in seiner alten Form mal die Silhouette einer knienden Frau. Und das Zeichen für „gut” ist, wenn ich mich recht erinnere, das Symbol eines Hauses mit einer Frau und einem Kind drin (im Sinne von: Leben ist in Ordnung).

Besonders verblüfft hat mich daran, dass mir chinesische Programmierer in Peking, die früh englisch gelernt und in den USA studiert hatten und sich für mich nahezu wie Englisch-Muttersprachler anhörten und besser englisch sprachen als ich, mir glaubhaft versicherten und vorführten, dass sie am Computer natürlichsprachliche Aussagen wie Notizen usw. auf chinesisch deutlich schneller eingeben können als auf englisch (auch wenn sie gegen gebürtige Amerikaner antreten), und sie ihre Notizen usw. lieber auf chinesisch schreiben, weil’s deutlich schneller geht.

Allerdings hängt das nicht an der Schrift allein, sondern auch daran, dass sie da inzwischen ziemlich intelligente Eingabehilfesysteme haben, die schon nach dem Anfang einer Eingabe (irgendwo so die Taste für den ersten Strich am Schriftzeichen) in Abhängigkeit von dem, was schon da steht, die möglichen Fortsetzungen nach Wahrscheinlichkeit geordnet anzeigt. Sowas geht natürlich nicht, wenn man mit dem Stift oder Pinsel auf Papier schreibt.

Also so uninteressant finde ich das als Informatiker gar nicht. Wäre mir nur zu viel zum Lernen.


Küstennebel
14.2.2015 17:40
Kommentarlink

Neo
14.2.2015 15:01
Kommentarlink

Ich hatte mal ein interessantes Gespräch mit jemandem über die Herr der Ringe-Trilogie. Was ich aber zuerst nicht wußte war, daß mein Gesprächspartner das Werk nur aus der Verfilmung kannte. Wir mußten dann irgendwann feststellen, daß wir in Bezug auf die Interpretation einiger Teile im Prinzip von zwei unterschiedlichen Werken redeten.

Die Interpretation unterliegt IMMER dem subjektiven Verständniss und Horizont. Das liegt daran, das alle Menschen Individuuen sind und Botschaften auch im Kontext des eigenen Wissens und der eigenen Erfahrungen interpretieren.

Die Maßgaben einer allgemein gültigen Interpretation, sozosagen eines fixierten “Sprachschatzes” an gleichartig zu verstehenden Metaphern hat hier keinen Wert sondern ist genauso das Gegenteil von dem, was kreativität dann noch meint.

Die Interpretation hat auch viel mit Kunst und Kunst mit Gefühl und Empathie zu tun. Bilder sind hier gerade deshalb geeigneter, weil sie freiere Interpretation ermöglichen, als Texte das erlauben.

Ich will einfach mal behaupten, daß zur Zeit eine ganze Generation kultureller Analphabeten herangezogen wird.

Unfug. Heute ist es erst Möglich durch den Reichtum unserer Gesellschaft überhaupt großflächig Kunst- und Kulturbildung zu verbreiten. MErke: Noch um das 1900 Jahrhundert standen über 90Prozent der Bevölkerung auf den Feldern und hatten mit dem Überleben und Auskommen und satt werden viel zu tun.

“Wir verwandeln uns gerade vom Selbst-Denker zum Konsumenten von Vorgedachtem. Deshalb haben auch die Ideologien wieder Konjunktur.”
Das ist eine interessante Aussage die sich speziell in den diversen Youtube-Videos bemerkbar macht. Zunehmend scheint es den Leuten auszureichen zu wissen WIE sie das gewünschte Ergebnis erhalten. WARUM das Ergebnis herauskam scheint dagegen mehr und mehr bestenfalls zweitrangig zu sein.

Schon auf die Idee gekommen, das das schon lange aus Sicht der Schüler der Sinn von Schule ist? Gerade die Zertifikate Geilheit, der Zeugniss-Fetisch und das Besitz-Denken durch Bildungsausweise im Sinne eines Eigenkapitals für den Lohnsklaven und oder als Aushängeschild für die eigene erreichte soziale Stufe hat Hochkonjunktur.

Es interessiert auch nicht warum ein Schüler eine Eins hat, wenn er sie hat. Es interessiert nicht warum jemand das Abi mit 1.0 abgeschlossen hat, wenn er es hat. Ob das eine großzügige Spende der Eltern an das Internat bewerkstelligt, oder doch dank gutem Gedächtniss erfolgtem Auswendig lernens – Die Note ist das Produkt, der Ausweis des Konkurrenzstrebens und nicht das Wissen dahinter. Es ist also eine Folge des Wettbewerbs, bei dem Ellenbogen erlaubt sind und ungleiche Mittelverteilung eine erhebliche Rolle spielen.

In einigen SF-Romanen werden Zivilisationen beschrieben die ihre Technik zwar noch bedienen können, aber nicht mehr wissen wie sie funktioniert oder repariert werden könnte. Was kaputt ist wird entweder durch vorhandene Ersatzgeräte ersetzt oder steht eben in Zukunft nicht mehr zur Verfügung. Anscheinend entwickeln wir uns derzeit genau in diese Richtung.

Auch das ist kurzsichtig. Denn wir leben in einer spezialisierten Gesellschaft. Gerade WEIL das Wissen so groß geworden ist, ist die Fachidiotie die Normalität geworden. Denn das Wissen muss ja auch zu Markte getragen werden – Da unterscheidet sich ein Bücherwurm, der nur von seiner geistreichen Autorenkarriere träumt überhaupt nicht vom Ingenieur oder Architekten, die von besonders anspruchsvollen Projekten träumen.
Zuerst müssen alle sich eine Arbeit suchen und mit schnöder Alltagsarbeit über Wasser halten. Der Bücherwurm sich vielleicht sogar zur Propagandahure verkaufen und PR-Texte verfassen, der Architekt billige Häuser konzipieren und der Ingenieur muss seine Fähigkeiten ebenfalls in null-acht-fuffzehn Projekten einbringen.

Insofern wird deutlich das der Verständliche Wunsch mit Kunst und Kultur nett ist, aber gerade nicht in unserer Gesellschaft funktioniert. Kunst und Kultur war und ist ein schönes Hobby.

Das würde am Ende zu der schon angesprochenen Zwei-Klassen-Gesellschaft führen. Wobei wir in der IT schon mitten in dieser Entwicklung stecken. Die große Masse ist zufrieden einen Computer mehr oder weniger bedienen zu können, während immer weniger wissen wie das ganze funktioniert.

Unsinn. Die ITler sind nur ziemlich eingebildet. Das ich meinen KFZ nur beim KFZ Meisterbetrieb reparieren lassen kann, das ich meine Elektrik im Haus nur vom Elektriker verlegen lassen kann, das ich meine Brötchen nur vom Bäcker backen lassen kann, das mich der Orthopäde behandelt am Knie, der Kardiologe am Herzen, der Nephrologe an der Niere, der Zahnarzt am Zahn und das mir der Metzger das Fleisch bringt, das hat einfach mit der Arbeitsteilung und zunehmendem Wissen und damit auch zunehmender Arbeitsteilung zu tun.

It-Technik ist für die meistne Menschen nur Werkzeug, damit sie damit Aufgabe A oder Aufgabe B machen aber nicht damit der Bäcker seine eigenen Programme schreibt.

Man kann nur das lernen und das ausüben, wofür man bezahlt wird, die Alternative ist Einkommenslosigkeit und dazu lesen Sie doch noch mal den Beitrag der TAZ über die Kunst – Geschichte STudentin und die verhöhnenden Kommentare, die der Studentin Dummheit vorwerfen, das sie Kultur und Geschichte studiert, anstelle was anständiges gut bezahltes. Wie die LEute es machen, wirds als verkehrt betitelt.

Ein anderer Aspekt ist der “Konsum von Vorgedachtem”. Leonardo da Vinci sagte einmal zu diesem Thema: “Wer ein Argument vorträgt und sich dabei auf eine Autorität beruft, verwendet nicht seine Intelligenz; er setzt lediglich sein Gedächtnis ein.”

Dann packen Sie mal das Wissen dieser Zeit zusammen und vergleichen die paar hundert Bücher oft fragwürdigen Inhalts mit dem Content heutiger Bibliotheken. Die meisten Wissenschaften sind erst NACH Da Vinci entstanden. 1452 bis 1519 hat der gelebt. Samt und sonders alle möglichen Wissenschaften mit ihrem unglaublichen Wissensschatz sind erst in den letzten 200-300 Jahren entstanden. Da Vinci wußte nach heutigem Maßstab quasi NIX. Er würde kein Abitur bekommen.

Wer sich auf die jahrhunderte alten Aussagen irgendwelcher Gelehrter BEruft, sie auf heutige Zeit ohne Anpassung anwendet, der macht einen Fehler.

Anstatt selbst zu Denken beruft man sich auf irgendeinen Leithammel. Das wird in Bezug auf die Politik geradezu überdeutlich. Es wird nur noch nachgeplappert was irgendwelche Vordenker von sich geben. Eigene Gedanken äußern unter der Gefahr sich zu blamieren wagt man nicht mehr. Gewünscht sind vorgefertigte überprüfte Gedanken irgendeines Leithammels damit man ja nicht bei der veröffentlichten Meinung aneckt.

Das ist etwas anderes und hat mit der wirtschaftlich-beruflichen Ausbildung nicht so direkt zu tun, gehört aber sicherlich auch zusammen.

Genau das was Sie schildern ist unter anderem das Ergebniss von moderner Ausbildung und Schule, die durch kapitalistische Einflüsse auf das vermarktungsfähige zurechtgestutzt sind.

Wie im alten Griechenland ist die Kunst des Philosophierens und Kultur etwas für die reiche Oberschicht gewesen, die ihre SKlaven hatte. Genauso bleibt das heute denen überlassen, die es sich leisten können, der Rest kämpft ums Überleben – mehr oder weniger buchstäblich.

BEste Grüße


Stephan Fleischhauer
14.2.2015 20:36
Kommentarlink

@theodor

Eigentor. Wozu muss man heute sämtliche Bedeitungen von “bio” wissen? Was bring es einem, wenn man weiß, dass es auch Bogen bedeuten kann?


Küstennebel
14.2.2015 21:53
Kommentarlink

http://de.wikipedia.org/wiki/Haben_oder_Sein

Das ist der Kernpunkt der Diskussion über das Selbstverständniss einer aktiv reflektierenden Haltung zum Leben und einer auf Besitzdenken gründenden Haltung zum Leben.

Der Unterschied zwischen Arbeiten um zu leben, Familie zu gründen, sich in Hobby und Alltag zu verwirklichen, Teil zu nehmen an sozialen Prozessen der Familie und damit verbunender gesellschaftlicher Ereignisse und der Haltung, das alles was man tut ausschließlich und nur noch über den Vermarktungswert betrachtet wird.

Wer nicht mehr lernt um des lernens willen, wer nicht mehr ist um des Seins willen, sondern sich nur noch als Arbeitskraft versteht, durch den Verlust von Beruf im Sinne von persönlicher Berufung zu einem Job, der dem Menschen hinter der Arbeitskraft keinerlei Wert mehr beimißt, wer sein Auto zur Selbstverwirklichung kauft und nicht als Gefährt zum fahren von A nach B und sich in der Projektion des Seins in der toten Materie einen Beweis seiner Existenz und seiner Eigenschaften, seines Nutzwertes für die Gesellschaft ableitet, der ist seelisch tot.

Wer keine Reflektionen seiner inneren Welten mehr in das Äußere trägt, wie der Maler, der malen nicht mehr als Kunstfertigkeit begreift, sondern nur und ausschließlich zum Broterwerb unter Nützlichkeitserwägungen betreibt. Solche Personen sind oft sogar ohne ein Bewußtsein für innere Reflektionsprozesse angelegt und leben ausschließlich mit und durch das darstellen und Posen, durch das “rezitieren” ihres Besitzstandes, der pompösen Selbstdarstellung durch ihren materiellen Besitz.

Daraus entlehnt sich die Haltung einer höchstgradigen Objektisierung des Selbst, insbesonderer anderer Menschen. Die werden nicht mehr als Menschen wahr genommen, sondern abgeleitet vom materiellen Bewertungskontext aus Besitzstandsbewertungen nur noch als Wert ihrer Nützlichkeit gesehen. Das ist auch ein wichtiger Anker des pathologischen Kapitalismus.

Darüber hinaus benutzt ein MEnsch des Haben-Schlages andere Menschen für seinen Nutzen und sieht darin gar nicht mehr das Verbrechen, weil er selbst geistig/psychisch eine wandelnde Leiche ist, zu keinem lebendigen Impuls mehr wirklich fähig, eben in der Selbstdarstellung durch Objektbesitz und in der Selbstdarstellenden Pose, der Ikonografie einer Haltung, die Attüde der Selbst-Identifizierung ganz ohne überhaupt diesen Charakterzug durch Handlung mit Lebendigkeit fühlen und füllen zu können oder zu wollen.

Das ist alles schon altbekanntes Zeug.

Man merkt einfach wie hier viele Kommentatoren den Mangel an Sein beklagen und gleichzeitig hin und wieder den Verlust und die Tötung des Seins fordern. Diese Widersprüchlichkeit fällt mir immer wieder in den Kommentaren hier auf, ohne das jetzt konkret einzelnen Kommentatoren zuzuordnen.

MFG


Manfred P.
14.2.2015 22:32
Kommentarlink

@Küstennebel

Nimm’s mir nicht übel, “flux” passte halt so gut zum Blog und dieser bekloppten Profx Lannx Hornxscheidtx. 🙂


Manfred P.
14.2.2015 22:48
Kommentarlink

@Hadmut

Ja, die visuelle Informationsdichte ist schon höher, und das Erzähltempo auch, aber das ist irgendwie nicht dasselbe. Das Transkript des Films würde ich auch sehr viel schneller lesen können und könnte mir recht schnell ein Bild vom Filmplot machen. Aber es ist halt eine andere Form der Unterhaltung.

Die Nachrichten sind eben keine Unterhaltung, zumindest für mich nicht. Sie sollen mich informieren: und das geht für mich lesenderweise sehr viel effizienter.

Genauso diese dämlichen YouTube-Anleitungen, wie man was auf dem Rechner macht. Das kann man sehr viel schneller nachlesen.


Manfred P.
14.2.2015 23:01
Kommentarlink

@Owen

Im großen und ganzen bin ich bei Dir, bis auf einen Punkt.

Du sprichst da eine Problematik der klassischen Literatur an, mit Goethe etc.

Das Problem ist nicht, dass die Romane Käse wären, das Problem ist, dass man mit 18 nicht die Lebenserfahrung und die Perspektive hat, um überhaupt zu verstehen, worum es in diesen Romanen geht. Und dann kommt es einem wie Käse vor.

Ich war ein paar mal geflasht davon, wie ich Bücher, mit denen ich als Schüler nichts anfangen konnte, mit 28, 30 nochmal gelesen habe, und dachte, ich würde ein komplett anderes Buch lesen.

Wenn man als Schüler noch nie eine Alte gevögelt hat und einen Roman darüber liest, wie eine junge Frau heiratet und dann fremdvögelt und der Ehemann den Nebenstecher im Duell über den Haufen schießt ( was an sich gar nicht mal so uncool ist ), dann ist es allein von daher schon schwierig, sich in den Ehemann reinzudenken. Und überhaupt, Duell? Heutzutage kennt man nur, dass man dem Nebenbuhler ein paar in die Fresse gibt, wenn überhaupt.

Aber das interessante war ja, dass das noch nichtmal der Grund war, sondern dass es ein Gebot der damaligen bürgerlichen Ehre war. Und so gesehen wird es wieder spannend: Wie haben Menschen dieselben Situationen, die wir alle auch kennen, damals gehandhabt? Und das als Roman verarbeitet zu lesen, kann aufschlussreich sein, wenn man eben mitdenkt. Nur solche Werke kommen vor der Zeit; die Schüler heute haben ja noch viel weniger die emotionale Reife, solchen Klassikern zu folgen.

Aber wie bringt man den Schülern einen solchen kulturellen Kanon nahe? Es funktioniert nicht mehr.

Heute stiften Filme und Serien kulturelle Identität. Man bringt Filmzitate und Anspielungen, die dann auch jeder versteht, der den Film gesehen hat.

Bei Zitaten aus Theaterstücken oder Romanen wird heute nur noch dumpf geguckt.

Das ist einfach die Realität.


Manfred P.
14.2.2015 23:04
Kommentarlink

Obwohl das mit der Vögelei wohl heute wesentlich früher losgehen soll, hab ich mir sagen lassen.


Küstennebel
15.2.2015 1:18
Kommentarlink

https://www.youtube.com/watch?v=DKB6XH9i__s

So schauts aus! Die Ursache sind die Deutschlehrer das das Deutsch vor die Hunde geht!

PS:

Damit ihr auch mal was zum lachen habt, ihr als rechtskonservative Nöler und Revoluzzer dürft ja nicht einfach in linkslinke Unterhaltungszentren gehen … :o)

amüsierte Grüße


_Josh
15.2.2015 4:56
Kommentarlink

@ yasar:

Auch wenn man visuell deutlich mehr Informationen pro Zeiteinheit üebrtragen könnte […]

Allein, darum geht’s überhaupt nicht bei Bildung und Hirnmuskel insgesamt — solange man nicht Lt. Commander Data heißt und ein positronisches Gehirn sein Eigen nennt.

Man kennt das in der Neurologie seit einigen Jahrzehnten, überwiegend visuell beigebrachtes Knoff-Hoff tendiert dazu, kaum den Bereich der Kurzzeitverarbeitung zu verlassen, wobei auch noch gilt, daß je älter ein Proband an Lebensjahren ist und je weniger die Sinne Haptik und Olfaktorik beteiligt sind, desto weniger.

Für die menschliche Rübe gilt sinngemäß Steter Tropen höhlt den Stein. bzw. Viel wenig gibt ein Viel., um an dieser Stelle mal Nachkriegssozial(!)baugewerke aus meiner Kindheit zu zitieren. ,)

@Hadmut: Darf ich abschließend fragen wie lange Du noch gedenkst, diesem naturgemäß hirnlos-dumpfen Neonazi basti ein Forum zu bieten?


Hadmut
15.2.2015 11:34
Kommentarlink

@_Josh:

> @Hadmut: Darf ich abschließend fragen wie lange Du noch gedenkst, diesem naturgemäß hirnlos-dumpfen Neonazi basti ein Forum zu bieten?

Von dem habe ich gerade gefühlt (ich hab nicht mitgezählt) >100 Kommentare geblockt, den lasse ich nicht mehr durch. Der feuert nämlich gerade ohne jeden Sach- oder Artikelthemabezug Weltkriegsrechtfertigungen hier herum.

Es ist also unrichtig zu sagen, dass ich dem „ein Forum böte”. Du siehst nur eben nicht, wieviel ich da gerade in den Müll werfe.

Die Diskussion, wo man die Grenze zieht, habe ich schon öfters aufgeworfen. Gerade aber dann, wenn man von solchen Arschlöchern wie „basti” unter Nazi-Scheiße-Dauerfeuer genommen wird, muss man immer aufpassen, dass man da nicht als Gegenreaktion eine Filterbubble aufbaut und sich dadurch manipulieren lässt.

Man weiß nämlich nie, ob „basti” wirklich echt ist, oder ob dahinter nicht irgendeine Medienagentur oder eine Kampfgruppe steckt, die genau das, nämlich eine Verschiebung der Maßstäbe, provozieren will.

Sehr schwierige Entscheidung, wenn man nicht weiß, wer dahinter steckt. Wie man’s macht isses verkehrt.


nullplan
15.2.2015 8:39
Kommentarlink

Dem verlinkten Zeit-Artikel kann ich in vielen Punkten zustimmen, aber dann fängt er mit der Idiokratie an und da verliert er mich dann. Dort stand, mehr oder weniger, dass “viele” Stundenten aus dem Bildungsbürgertum gerne mit Autorennamen und Buchtiteln um sich werfen und damit die armen Studenten aus dem Arbeiter- und Migrantenmillieu vergraulen würden. Und dass die Entfernung dieser Dinge aus dem Leer^H^Hhrplan da zu Gleichheit führen würde.

*kotz*

Ja, das ist _eine_ Möglichkeit, das Problem zu beheben. Genauso, wie Propan in einen Maulwurfshügel einzuleiten und das dann anzuzünden jedes Unkraut restlos vom Rasen entfernt. Die Alternativen: Dickeres Fell für die Studenten aus dem Umfeld, in dem man mit einem dünnen Fell sowieso nicht weit kommt; etwas studieren, in dem man keine Hausarbeiten über so etwas schreiben muss, &c. Und das richtet alles wesentlich weniger Flurschaden an: Man soll nichts mehr wissen müssen, sich dann aber mit Kunstwerken auseinandersetzen? Wie viele Kunstwerke enthalten Anspielungen auf andere Werke? Wie erwartet der Kerl eigentlich ordentliche Analysen von solchen Leuten?

Oder um es mal zu einem anderen Fach zu verlagern: Wenn ich keine Ahnung von Evolutionsbiologie und biologischer Taxonomie hätte, würde ich manchen Phrasen von Kreationisten aufsitzen. So kann ich die ziemlich verwirren, wenn ich auf einen Vogel zeige und sage: “Guck, ein Dino!”. Und ich habe Bio abgewählt!

Ich weiß auch, wie man Zyankali herstellt, aus Dingen, die man einfach so kaufen kann. Wissen, dass ich vermutlich nie brauchen werde, aber es führt so viele “Sicherheits”-Richtlinien ad absurdum (Hint: Zyankali ist das Kaliumsalz der Blausäure). Und meine höchste Chemieausbildung ist der Chemie-Grundkurs im Abi.

Ich weiß auch, was passiert, wenn man in einem abgeschlossenen Raum (z.B. einem stehenden, abgeschalteten Auto) mehrere Dosen Deo-Spray leert und dann versucht, sich eine Zigarette anzuzünden. Und meine höchste Physikausbildung ist der Physik-LK im Abi. Obwohl, nein, ich hatte da auch noch ein Semester Physik im Studium. Und davon ist mir am meisten hängen geblieben, wie seltsam der Professor war und dass er gerne Beispiele brachte, um etwas zu erklären, sie aber vorher nicht durchdacht hatte, und dann am Ende feststellte, dass das Beispiel ja komplett am Subjekt vorbei ging. (Er wollte uns Festkörperreibung am Beispiel eines Autoreifens erklären, und stellte erst am Ende fest, dass das eher Flüssigkeitsreibung ist)

@Hadmut: Sprachen lernt man durch Anwendung. Ich hatte ab der fünften Klasse Englisch und habe es ab der achten oder so im Internet verwendet, um Sachen zu lesen. Viele Sachen. Von Programmier-Tutorials bis hin zu Pornografie (ja, die gab es auch mal in Textform). Und heute kann ich englisch flüssig lesen, schreiben und sprechen, auch wenn ich mich manchmal am Vokabular aufhänge.

Ich habe russisch ab der siebten Klasse gelernt und es nach der zehnten wieder abgewählt, weil ich einfach keine Verwendung dafür hatte. Und heute könnte ich auf russisch nicht einmal mehr eine Pizza bestellen. Der Punkt ist dieser: Es ist ziemlich sinnlos, den Schülern eine Sprache einfach aufzudrücken; wenn sie nicht angewendet wird, wird sie nie richtig gelernt und hinterher schnell wieder vergessen.

Aber im Englischen habe ich immer wieder festgestellt, dass es definitiv eine Grammatik gibt, und die auch ziemlich einheitlich ist. Es gibt aber unterschiedliche Aussprachen, was es mir wieder einfacher macht, englisch zu sprechen, weil eine größere Bandbreite an Aussprachen akzeptiert wird. Außerdem sind die ganzen Unterschiede zwischen amerikanischem und britischem Englisch, die wir in der Schule lernen mussten, ziemlich substanzlos, weil so gut wie alle Worte, die uns als BE-only beigebracht wurden, wenigstens im passiven Wortschatz der meisten Amis drin sind und umgekehrt. Einzig der Unterschied zwischen wallet und purse könnte peinlich werden in den USA.


Frieder Lehmann
15.2.2015 12:11
Kommentarlink

Hallo,
kennt jemand in Berlin einen Verein, der das Latein-Sprechen zum Zweck hat ?
Würde meine Restkenntnisse (kleines Latinus) gerne aufbessern.

Frieder


Manfred P.
15.2.2015 13:09
Kommentarlink

@nullplan

>Man soll nichts mehr wissen müssen, sich dann aber mit Kunstwerken auseinandersetzen? Wie viele Kunstwerke enthalten Anspielungen auf andere Werke? Wie erwartet der Kerl eigentlich ordentliche Analysen von solchen Leuten?

Genauso isses. (Oha, ich richte mal wieder die deutsche Rechtschreibung zugrunde. 🙂 ) Wie soll man denn “Die Erschaffung Adams” von Michelangelo verstehen und interpretieren, wenn man die biblische Schöpfungsgeschichte nicht kennt? Wie soll ein unbedarfter Betrachter darauf kommen?

Diese Quatschköpfe, die meinen, man könne sich alles auf Wikipedia schnell zusammengugeln, sind so dumm, dass sie ihre eigene Dummheit nicht mehr bemerken.

Dasselbe gilt auch für mathematische Probleme. Da wird ein Dünnschiss gelabert, dass sich die Balken biegen. Einmal war dieser Langhaarige bei Lanz, dieser Philosoph, der jetzt das jahrtausendealte Problem der Bildung gelöst hat und ein Buch darüber schrieb. Ich glaube, es war in dieser Sendung, wo er oder ein anderer meinte: “Im Osten haben die Schüler die Standardaufgaben besser drauf, aber dafür sind die Schüler im Westen viel kreativer im Lösen von Aufgaben!”

Was für eine Kacke! Wie soll ich denn die Diagonale von einem Rechteck ausrechnen, wenn ich den Satz von Pythargoras nicht kenne, um mal ein ganz primitives Beispiel zu bringen? Es sei denn, ich bin so kreativ, dass ich zuerst genannten Satz vermute, herleite und beweise, um dann die gestellte Aufgabe zu lösen. Klar, die Matheschüler im Westen können das alle!

Beim Programmieren habe ich das früher auch gedacht, bis ich irgendwann gemerkt habe, dass es total scheiße ist, jedesmal nachgugeln zu müssen, wie man eine Textdatei öffnet, wie die Funktionen aus der Standardbibliothek heißen, etc. etc.

Genau wie Prof. Manfred Spitzer das sagt: Dieses Gugeln führt bei verranzten Dummköpfen dazu, dass sie sich nichts mehr merken, weil sie denken, sie können alles gugeln. Bei Lanz bewirkte das ein lautes Aufstöhnen im Publikum. Alles Dünnschiss-Gehirne, die nicht einmal kapieren, was er da eigentlich meint, weil sie alle durch ein sogenanntes Bildungssystem gegangen sind, das ihnen trotz ihrer Dummheit eingeredet hat: “Hier haste Abitur, jetzt biste gebildet.”

Tut mir leid, dass ich mich zu solch unflätigen Äußerungen hinreißen lasse, aber mich regen diese Dummköpfe so auf, die zu blöd sind, ihren eigenen Schwachsinn zu bemerken, selbst wenn man sie noch darauf hinweist.

Ahja, und was den Zeit-Artikel angeht: Im Text wird so getan, als sei er Assistant Professor oder sowas, während er nur PhD-Candidate ist. Ein aufmerksamer Kommentator hat darauf hingewiesen. Da kann man sich auch seinen Teil bei denken.


Manfred P.
15.2.2015 13:17
Kommentarlink

@Hadmut

>Der feuert nämlich gerade ohne jeden Sach- oder Artikelthemabezug Weltkriegsrechtfertigungen hier herum.

Da gibt’s ja auch so einen komischen Bundeswehrgeneral, der ein Buch geschrieben hat und meint, die deutsche Kriegsschuld am 2. Weltkrieg beruhe auf reiner Dokumentenfälschung.

Indem diese Nazis versuchen, Lügen über dieses Thema zu verbreiten, gestehen sie ja ein, dass das Anfangen eines Angriffskrieges und die Vernichtung unschuldiger Menschen furchtbare Dinge sind.

Wäre das nicht so, müssten sie ja nicht herumlügen, dass sich die Balken biegen. Dann könnten sie sich ja damit schmücken, wie mit der V-2 (oder A-4, wie sie in Peenemünde hieß.)


Roland K.
15.2.2015 13:46
Kommentarlink

Sehr guter blog-Eintrag. Vollkommen richtig.

Mir (altem Sack) fiel seinerzeit etwas auf, als die Musiksender plötzlich Videos übertrugen. Wer da, ganz persönlicher Eindruck, das Bild weg gelassen hat, für den war die Musik oft nebensächlich,flach, emotionslos, teilweise extrem mässig geworden – die taugte nur noch was mit dem Bild/Video dazu.
Das hat sich extrem ausgeweitet….

Was HdR anbelangt: Die Filme halte ich für weit unterhaltender als die ziemlich langweiligen Bücher.Eine der absoluten Ausnahmen bei Verfilmungen.Beim Lesen passiert der Inhalt im Kopfkino, also für jeden ein wenig verschieden. Den “Hype” ob der Romane konnte ich nie verstehen. Hat gar nichts mit der Zeit der Entstehung zu tun. Bücher vom ollen Karl May sind heute noch interessant zu Lesen, nicht alle, wohlbemerkt.
Lesegeräte bzw. Kindle sind ein Fortschritt, allein des Gewichtes wegen.


Christian
15.2.2015 16:50
Kommentarlink

Ach Manfred P – und auch Josh – BITTE nicht so schnell in diese Nazitröte tuten – das ist doch nur Programmierung, nur ein Programm, was in Euerm Kopf ist. Es erschreckt mich immer, wenn ich bei intelligenten Menschen dieses „Verhalten wie auf Knopfdruck“ bemerke. Ich hab jetzt nicht alle Einträge von diesem basti im Kopf, aber die, die ich las, waren kein „Nazi-Kram“. Welche konkret meinst Du denn, Josh?
Der General, den Du meinst, Manfred, war Gerd Schultze-Rhönhoff. Hier kannst Du Dir einen Vortrag von ihm anhören. http://www.vorkriegsgeschichte.de/
Und ja, die These von der Alleinschuld Deutschlands am Zweiten Weltkrieg wird möglicherweise in den nächsten Jahren fallen. Angezweifelt darf sie ja schon/noch werden. Und ausserdem ist das doch ganz normal, geschichtliche Ereignisse neu zu bewerten, sie anders zu interpretieren.
Noch vor ein paar Jahrzehnten glaubten viele an die Alleinschuld Deutschlands am 1. Weltkrieg (war die steile These von Fritz Fischer gewesen). Heute halten es viele eher mit Christopher Clark, der sagt: Alle waren daran beteiligt, dass dieser Krieg kam, nicht die Deutschen allein.
Das ist doch kein Ausweis von Nazi-Gesinnung, historische Sachverhalte neu darzustellen, sie durch neue Quellen anders darzustellen? Zudem es genügend Hinweise gibt, die die Mär von der deutschen Alleinschuld zerbröseln lassen.
Zum Beispiel die Dutzenden Überfälle von polnischen Freischärlern auf deutsches Territorium im August 1939, die die Deutschen zum Krieg provozieren sollten (und zumindest damit waren die Polen auch erfolgreich). Lies mal das Weissbuch der deutschen Diplomatie von 1939. http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=106177
Oder das Buch von Stefan Scheil, Fünf plus zwei, in dem er die Verantwortung am Krieg verschiedenen Mächten zuteilt (das BUCH lesen, nicht die FAZ-Kritik – das wäre wie die FAZ zum Fall Tugce konsultieren und dann auf Hadmut einprügeln „da steht aber!!!“). Man muss sich schon selber ein Bild machen). http://www.amazon.de/F%C3%BCnf-plus-Zwei-europ%C3%A4ischen-Nationalstaaten/dp/3428131339/ref=sr_1_4?ie=UTF8&qid=1424014156&sr=8-4&keywords=stefan+scheil
Zum Beispiel die von Frankreich veröffentlichten diplomatischen Kontakte vom August 1939, die das große Interesse Englands am Krieg und seine Bemühungen, einen erneuten Kompromiss a la München zu vermeiden, deutlich zeigen. Wie gesagt: Man muss es schon lesen! http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=342873
All diese Dinge stehen NIE bei uns, d.h. bei uns in Deutschland, im Fokus der historischen Debatte – warum? Cui bono? Das sollte man noch fragen dürfen, denn die Quellen sind ja da.
Oder man sollte sich zumindest der Alten erinnern (ha- wieder die Bildung), die da so wahrhaftig-schlicht sagten: Der Sieger schreibt die Geschichte.
Grade in DIESEM Blog, in dem doch, wie mir scheint, ein hohes Maß ein Wahrheitsliebe und Bemühen um die Darstellung derselben herrscht, sollte man nicht in dieses kindische Schubladendenken verfallen. Du Nazi! Du Rassist! Etc. Das sind doch nur Totschlagsargumente – genau DAS, was Hadmut letztens hier mal anmerkte. Keine Debatten oder Diskussionen mehr im öffentlichen Diskurs – sondern flugs Unterstellungen, Kennzeichnungen, Forderungen nach Zensur.
Nochmal: Andere Ansichten als die des Mainstreams zu äussern, heisst nicht, dass man automatisch diesem oder jenem Lager (Nazi/VT) etc. zuzuordnen wäre. Man kann auch schlicht an Wahrheit interessiert sein. Also wenn Du Gegenargumente hast Manfred – her damit, gerne! DAS ist Diskurs. Aber doch bitte, bitte nicht diese schon so abgewetzte Keule benutzen……
Sorry, Hadmut, Offtopic, je sais, mais j’ai du et j’ai pu….. Puh.
LG
Christian


Flash
15.2.2015 22:59
Kommentarlink

Lieber Hadmut, dein Blog war schon vor Jahren gut, aber jetzt wird es mehr und mehr zum intellektuellen Genuß!

Du hast den Finger am Pulsschlag der Zeit und greifst die wirklich relevanten Themen auf. Dazu kommt dann jeweils Klartext ohne Ende, nie gelesen in irgendeinem “Qualitätsmedium”. Das nächste Doppelplus sind die Kommentare der Leser, die noch jede Einzelheit verfeinern und die nötigen letzten Ergänzungen beisteuern, dabei gleichzeitig schon den Tipp für den nächsten Text mitliefern.

Damit sehen wir die Entstehung und Exekutierung einer neuen Zeitungskultur, eines wahren Qualitätsmediums, weil dort der Standard anhand gebildeter Leser gandenlos eingefordert und hochgehalten wird – denn die Leserschaft wird vom Autor nicht gedisst, sondern auf Augenhöhe stehend betrachtet und dementsprechend behandelt.

Das Lesen wird nun definitiv NICHT aussterben, es ist als Wissenstransportmedium unerreicht, die nächste Stufe wäre allenfalls der Chip, der die Hirninhalte direkt einspeist…das dauert aber noch ne Weile! Es wird nur der Prozentsatz der Gebildeten stark absinken, was aber wenig ausmacht, da historisch gesehen eh immer nur eine kleine Bildungselite existierte. Ganz unten eben der Pöbel, dazwischen mal ein Bürgertum, dessen Hochblüte die deutsche Kaiserzeit war, dessen Kulminationspunkt evtl die 12 Jahre NS waren (weil man da eine Auslese der Befähigten betrieben hat ohne Ansehen der Herkunft oder sozialen Schicht). Das gebildete Bürgertum wird nun stark schrumpfen, weil die derzeitige staatliche Bildung durch Reformwahn ruiniert ist und nur Privatschulen noch sinnvolles Bildungsniveau anbieten können.

Tutorial-Videos haben aber auf vielen Gebieten mächtige Vorteile, zB immer dann, wenn physisches Handeln veranschaulicht werden soll: Sporttechniken (Schmetterschlag beim Volleyball, Langlaufstile, handwerkliche Fähigkeiten wie Hobeln, Meißeln, oder seien es die Abarbeitung von Kochrezepten usw.).

Soviel dazu, and thanks…für das eindeutig führende deutsche Blog. Ich hätte sehr sehr gerne mal ein paar Rohdaten bei den Zugriffszahlen gewußt….Butter bei die Fische!!!

(Ich behaupte mal, daß dieses Blog gerade im letzten Jahr nicht nur linear sondern exponentiell nach oben gegangen ist, das schließe ich schon alleine aus den Kommentarmengen, als erfahrener Ex-Blogger. Die Anzahl der Kommentare ist recht signifikant für die Zugriffszahlen, immer vorausgesetzt, es existieren relevante und anspruchsvolle Inhalte im Blog).


Flash
15.2.2015 23:22
Kommentarlink

>>Schreiben fördert bei Kindern nicht nur die Feinmotorik, sondern auch das Denkvermögen; Schreiben in “alter” Schreibschrift mehr als in neuer vereinfachter Grundschrift und diese mehr als Tippen am Computer. Arme Finnen, arme Dänen. Noch nicht ganz so arme Deutsche. Und ja, ich halte die Abschaffung des Schreibens in Hand(schreib)schrift für eine gezielte Verdummungsstrategie, mehr noch als die durchgeprügelte, inkonsistente Rechtschreibreform.<<

Nun ja, ist soweit erstmal richtig, aber es gibt einen einfachen und ganz sachlichen Hintergrund für die rabiate Senkung der Anforderungen:

Das beschulte Material (aka Schüler) ist leider dem althergebrachten Niveau großflächig nicht mehr gewachsen, aus nur einem einzigen Grund: in allen großen und mittelgroßen Städten der alten BL findet sich ein großer Prozentanteil bzw gar die große Mehrheit der Schüler, die aus ihrem familiären Hintergrund kein Deutsch kennen, dh auch ekien deutschen Kinderbücher vorgelesen bekamen und keine deutschen Filme geschaut haben (unsere migrantischen Mitbürger).

Diese Klientel ist so bildungsfern, es kann auch den Kindern von den Eltern nicht geholfen werden, daß man im Endeffekt wirklich gezwungen ist, unsere deutschen Standards abzuschaffen und letztendlich sogar die berüchtigte "leichte Sprache" einzuführen, also verstümmeltes Pidgin-Deutsch.

Verkauft wird uns das dann als "Kulturleistung", als Entstehung eines neuen Dialekts, des Türkendeutschen/Kiezdeutschen. Es ist leider wirklich kein Witz, daß die Lehrerinnen an Grundschulen von Berlin bis Köln in Türkendeutsch kommunizieren, weil sie in diesem Soziolekt leben müssen. (Man weiß das, weil eine größere Anzahl dieser Lehrerinnen live bloggt und sich damit Luft macht). Da werden alle Wortarten außer Verben und Substantiven mal wegrationalisiert, ebenso Flexion und Grammatik. Kennt das Türkische nicht, kann also auch im Deutschen wegfallen. Geht doch auch so:

"Isch geh Bahnhof…"
"Was guckst du??"
"Isch mach disch Messer…"
usw.

Diese Lehrerinnen müssen zu 100% die Klassenarbeiten in diesem Soziolekt entgegennehmen und dürfen um Gottes Willen keinerlei Bewertungsabzüge wegen schlechten Deutschs machen, sonst würde die ganze Klasse nie eine Versetzung erreichen. Das bedeutet, daß sich funktionale Analphabeten bis aufs Gymnasium durchschwindeln, weil es für Migranten bereits ausreicht, wenn sie überhaupt was abgeben bei LKs. Nee, kein Witz, fragen sie den Lehrer Ihrer Wahl!

Letztursache ist also die Überflutung mit bildungsresistenten Fremdvölkerschaften und damit die Abschaffubg Deutschlands, übrigens mit besten wissenschaftlichen Methoden dargelegt von Thilo Sarrazin n
"Deutschland schafft sich ab", ein Meilenstein der Soziologie, der vom Mainstream mit einer permaneneten Lügenkampagne als " unwissenschaftlich" verhetzt wurde, obwohl dieses Buch als nahezu einziges noch Soziologie mit wissenschaftlicher Methodik darbietet. Aber es kann eben nicht sein, was nicht sein darf: bestes Beispeile ist die IQ- Forschung, welche es in Deutschland offiziell nicht gibt. Wäre ein weiteres Thema hier im Blog…


Flash
15.2.2015 23:33
Kommentarlink

@Owen

Oh je, Sie haben einen langen Text mit höchst relevantem Inhalt verfaßt, der aber ein deutliches Beispiel dafür bietet, wie wichtig eben doch eine Textanalyse ist bzw. die Stufe drei des Grammatikwissens.

Entgegen der deutschen Rechtschreibreform ist nämlich ein Text ohne Kommas schier unlesbar, was auf Ihren Text völlig zutrifft. Wäre bei mir als Deutschlehrer ne glatte 6, weil ich den Inhalt aufgrund der unzureichenden Form bzw Grammatik gar nicht lesen würde. (Ja doch, ich weiß als Korrekturleser, daß heutzutage sogar 40% der Bachelor- und 20% der Masterarbeiten in diesem Zustand abgegeben werden, sicher doch!)

Jemand, der einen Text ohne Kommas veröffentlicht, ist m.E. des Schriftdeutschen nicht mächtig. Kommasetzung kann man alleine durch das Lesen vieler Texte mit korrekter Kommasetzung lernen, so zB durch ältere Belletristik oder sonstige Literatur. Das kann ein Bildungsbügerkind sogar schon vor der Schulzeit, wenn es Lesen gelehrt wurde…

Oder mit einfacheren Worten: ein Text ohne Kommas ist Sprachmüll, ungeachtet des vielleicht feinsten Inhalts. So, das mußte raus.


Flash
15.2.2015 23:58
Kommentarlink

Ja, aber gerne doch!

Und wo ist jetzt nochmal der öffentliche Counter?

*grins*

(Ich sage dir sicher nichts Neues, daß ein steil gehendes Blog wie dieses auch von 50 – 100 Journalisten und 200 – 300 Top-Bloggern gelesen wird. Du bist damit von weit höherem Einfluß, als du vermuten wirst. Eventuell sind sogar einige Praktikanten in Bundestagsbüros unter den Lesern und geben Excerpte an ihre Chefs weiter…aufgrund deiner penetranten Verfassungsgerichtsbeschwerden besteht hohe Wahrscheinlichkeit!)

(Die Journalisten, die ja in ihrem Medium streng nach Kodex schreiben müssen, holen sich hier incognito ihre Dosis Bodenhaftung, das kann ich dir locker versichern…die wollen ja auch mal was Anspruchsvolles lesen, was keine Volksbelehrung darstellt…).


_Josh
16.2.2015 1:36
Kommentarlink

@ Flash:

[…] dessen Kulminationspunkt evtl die 12 Jahre NS waren (weil man da eine Auslese der Befähigten betrieben hat ohne Ansehen der Herkunft oder sozialen Schicht)

Was für ein grotesker Unsinn.
1. Die besonders Befähigten wurden by the numbers entrechtet, vertrieben und ermordet, speziell unter dem Aspekt des Ansehens, der Herkunft oder der sozialen Schicht.

2. Hast Du jemals eine Biographie über die Führungs”eliten” des braunen Kroppzeugs gelesen?

Verstehe. Wieder jemand, der Psychopathie mit “Befähigung” verwechselt.


Christian
16.2.2015 12:24
Kommentarlink

@Flash (Gordon)?
Frage: Kannst Du ein paar Links zu diesen Blogs ob des Sprachniveaus ihrer Schüler frustrierter Lehrerinnen präsentieren?
Kiitos (finnisch für danke)
Christian


Manfred P.
17.2.2015 13:30
Kommentarlink

Wo ist eigentlich meine Replik über Gleiwitz und die Tschechoslowakei geblieben?


Hadmut
17.2.2015 19:03
Kommentarlink

> Wo ist eigentlich meine Replik über Gleiwitz und die Tschechoslowakei geblieben?

Im Blog-Mülleimer. Geht mir auf den Sack, dass Leute das Blog-Thema verlassen und egal worum’s geht immer auf Nazi-Themen kommen müssen. Deshalb habe ich mal ziemlich viel von diesem Müll in den Müll geworfen.


Manfred P.
17.2.2015 21:18
Kommentarlink

@Hadmut

Kann ich verstehen, aber ich habe damit nicht angefangen, und wollte lediglich offensichtlichen Unsinn nicht unkommentiert stehen lassen.