Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Datenschutz für Gehörlose

Hadmut
20.12.2013 12:01

Da hat mal jemand nachgedacht.

Hier laufen im Fernsehen öfters mal solche dubiosen Reality-Dokus aus dem Polizeialltag, mal aus Neuseeland, mal aus den USA. Dabei ist mir gerade etwas aufgefallen: Wann immer ein an irgendeinem Vorfall Beteiligter etwas dazu sagt und dabei irgendeinen Namen erwähnt, wird über den Namen nicht nur ein Piepton gelegt, damit man ihn nicht versteht, sondern auch der Mund verpixelt, damit auch Gehörlose und andere Lippenleser den Namen nicht verstehen können.

Das ist doch mal was.


22 Kommentare (RSS-Feed)

Fredi
20.12.2013 12:08
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Amerikanische Sendungen machen das seit etlichen Jahren so, insbesondere auch bei der Zensur von Schimpfwörtern oder rüden Gesten. Da hat eine Person dann mal zwei verschwommene Balken anstatt erhobene Mittelfinger und eine Pixelblase im Gesicht… Habe ich ja nie verstanden was das soll. Man weiß doch eh, dass da was ‘Schlimmes’ gesagt wurde. Ist es jetzt so viel besser, wenn man nicht den genauen Wortlaut kennt (auch wenn man sich den sowieso meist recht leicht aus dem Sprachduktus zusammenreimen kann)?


Hadmut
20.12.2013 14:51
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> Amerikanische Sendungen machen das seit etlichen Jahren so … Man weiß doch eh, dass da was ‘Schlimmes’ gesagt wurde.

Nachdem’s ja im Amerikanischen eh nur eine Handvoll Schimpfworte gibt (shit, fuck, bitch, hab ich noch was vergessen?), haben die Schimpfworte dort kaum mehr Informationsgehalt als ein Bit, und das hat der Piepton dann auch.


Jens
20.12.2013 12:11
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Als Mozilla eine JavaScript-API für Kamerazugriff spezifiziert hat, haben die auch darüber nachgedacht, die Kamera auszuschalten, während (im Browser) Passwörter eingegeben werden. An manche Side Channels denkt man halt spontan nicht …


Bud
20.12.2013 12:44
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Hah, da ist jemandem eine mögliche side channel attack aufgefallen. Sehr umsichtig. 🙂


Ulf
20.12.2013 14:21
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Vielleicht gehts da weniger um Gehörlose als um Maschinen. Meines Wissens gibt es Algorithmen, die extrem gut das Gesagte von den Lippen ablesen können, deutlich besser als Menschen.


Fredi
20.12.2013 15:38
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@Jens: http://tau.ac.il/~tromer/acoustic/
Mikrofon sollte direkt auch gesperrt werden 😀


The Hoff from Hof
20.12.2013 15:42
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euchrid eucrow
20.12.2013 17:52
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hab ich noch was vergessen?

ja: motherfucker.
http://www.hornoxe.com/wp-content/picdumps/picdump342/picdump342_010.jpg
😉


Hadmut
21.12.2013 1:56
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> ja: motherfucker.

Ach, stimmt, ja, den sollte man auch drauf haben. Haben Sie bei Die Hard übrigens mit „Schweinebacke” ins Deutsche übersetzt.


Niko L.
20.12.2013 22:54
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Muss es dann nicht “Datenschutz gegen Gehörlose” heißen? 😉


Oppi
21.12.2013 1:35
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“(shit, fuck, bitch, hab ich noch was vergessen?)”

Oh, wenn man sich genug in englischsprachigen Online Spielen rumtreibt, lernt man noch so einige mehr kennen ^^


Hadmut
21.12.2013 1:53
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> Oh, wenn man sich genug in englischsprachigen Online Spielen rumtreibt, lernt man noch so einige mehr kennen ^^

Ja, mir fallen da aus meiner Sprachreisenzeit in Südengland auch noch so ein paar ein. Aber in der Realität, so im Gespräch und auf der Straße, höre ich ich eigentlich immer nur die drei da oben. Wobei ich gerade gestern abend in einem Kaufhaus nach was gesucht habe und neben mir zwei – offenbar eng befreundete – Frauen standen, die im Spaß übereinander gespottet haben und die eine zur anderen breit grinsend meinte „I’m a mean bitch!”

Eigentlich kommt man mit diesen drei Schimpfwörtern gut durch.

Wenn man etwas gebildeter erscheinen mag, ist besonders im amerikanischen Raum auch „Schmock!” ganz gut.


WikiMANNia
21.12.2013 2:17
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Die Steigerung von shit = bullshit fehlte.
“Habe ich ja nie verstanden was das soll. Man weiß doch eh, dass da was ‘Schlimmes’ gesagt wurde.”
Die meisten vor der Kamera bedenken eben nicht, dass vor dem Bildschirm zuhause meist auch kleine Kinder das mitkriegen, von daher möglicherweise doch sinnvoll.


pjüsel
21.12.2013 10:52
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> hab ich noch was vergessen?

Ja! https://de.wikipedia.org/wiki/Seven_Dirty_Words


Hadmut
21.12.2013 14:13
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> https://de.wikipedia.org/wiki/Seven_Dirty_Words

Mmmh.

piss ist mir bisher nicht so als gesperrtes Wort bekannt, weil (jedenfalls in Australien und NZ) der Begriff „pissed” umgangssprachlich häufig in der Bedeutung „besoffen” genutzt wird, sogar von der Polizei usw. Hätte ich jetzt nicht auf der Liste der gesperrten Wörter gesehen.

cunt ist mir bekannt, schon auf den Sprachreisen nach England erstmals gelernt (dort lernt man, was in der Schule nicht drankommt). Ist mir allerdings noch nie irgendwo in der Umgangssprache und noch nie in einem anderen als dem originären, in keinem übertragenen oder verschobenen Sinn untergekommen. Wäre zwar zweifellos verboten, wäre mir bisher aber nicht als verbotsrelevant untergekommen, weil eben nicht Teil der normalen Umgangssprache. Wüsste etwa keinen Grund, warum ein Musiker, Politiker im Interview usw. das verwenden sollte.

cocksucker – hab ich noch nie umgangssprachlich gehört.

tits – stimmt, da gab’s schon einige Verwerfungen mit Zensur. Aber da glaube ich, dass es eher mit der Bedeutung als mit dem Wort zusammenhängt. Die haben ja auch schon Foren über Brustkrebs gesperrt, und die reden da ganz sicher von breast cancer und nicht von tits cancer.


patzer
21.12.2013 13:51
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Hering
22.12.2013 9:40
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Im Amerikanischen wird auch gerne”damn” zensiert.


Skeptiker
22.12.2013 10:54
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Es gibt auch pissed off, zumindest in britischem Englisch gängig für sauer, verärgert. Meiner Erfahrung gilt das Wort zwar als etwas unfein, aber nicht (mehr) als strong language. Also kein Piepser.

Man muss besonders als Deutscher im Englischen bei Wörtern germanischen und lateinischen Ursprungs immer auf “false friends” aufpassen, und “pissed” ist eben einer.

Und ein einheitliches Englisch gibt’s eh nicht mehr, nicht mal innerhalb Englands. Nur dieser seltsame Puritanismus hat sich im ganzen “weißen” Commonwealth samt USA erhalten.


Hadmut
22.12.2013 11:52
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> Und ein einheitliches Englisch gibt’s eh nicht mehr, nicht mal innerhalb Englands.

Ja, den Eindruck habe ich auch, auch die Grammatik scheint sich zu verflüssigen. Was Englisch in England angeht, erinnere ich gerne an „Priwessi or Breiwähsi?“. Ein Kollege aus dem Sicherheitsbereich wollte mir das nicht glauben und hat das Wort in zwei Online-Dictionaries rausgesucht, in denen man sich die Aussprache anhören kann. Tatsächlich hat es das eine auf die eine und das andere auf die andere Weise ausgesprochen.


dustbunny
22.12.2013 11:31
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cunt ist mir … allerdings noch nie irgendwo in der Umgangssprache und noch nie in einem anderen als dem originären, in keinem übertragenen oder verschobenen Sinn untergekommen.

The Terrible C-Word


Hadmut
22.12.2013 11:48
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Hehe


Lercherl
22.12.2013 22:19
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Blaumeisen fallen auch oft der Zensur zum Opfer.

> https://en.wikipedia.org/wiki/Blue_Tit