Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Über Mietwohnungen, Miethöhen, verfehlte Politik und politischen Selbstbetrug in Berlin

Hadmut
25.8.2013 22:44

Ich hatte noch versprochen, über meine Erfahrungen und Erkenntnisse bei der Wohnungssuche zu schreiben.

Eigentlich wollte ich es schon viel früher schreiben, aber ich war zu beschäftigt mit Umzug, Einzug und so weiter.

Worum geht’s?

Ich bin von Unterföhring (gefühlt ein Stadtteil von München, voll in alles eingebunden, was es in München gibt, aber von München aus gesehen das erste Kaff, das rechtlich selbständig und kein Stadteil ist) nach Berlin umgezogen. Ich habe dazu im Zeitraum von Oktober 2012 bis Anfang Juni 2013 mit wechselnder Intensität in Berlin nach Wohnungen gesucht, und dabei oft zwei bis drei Wohnungen unter der Woche abends und oft noch zwischen 2 und 5 Wohnungen am Wochenende besichtigt. Ich habe sie nicht gezählt, aber insgesamt werden es so zwischen 70 und 90 Wohnungen gewesen sein.

Auf ungefähr 10% dieser Wohnungen habe ich mich beworben, habe sie aber – aus unbekannten oder unterschiedlichen Gründen nicht bekommen. Ein oft geäußerter Grund war, dass ich keine Kinder habe. Ein Kollege, der kurz zuvor ebenfalls nach einer Wohnung suchte, bekam häufig Ablehnungen, weil er Kinder hat. Zu einem anderen Grund komme ich weiter unten. Auf einige Wohnungen hatte ich mich beworben, hätte sie auch bekommen, habe aber die Notbremse gezogen und abgesagt, in den meisten Fällen, weil ich irgendeinen Schwindel bemerkt habe. Von den restlichen Wohnungen hätte ich wohl viele haben können, hätte sie aber nicht haben wollen.

Was hatte ich vorher, was habe ich jetzt?

Stellen wir mal zum Vergleich gegenüber, was ich in München hatte und was ich in Berlin gefunden habe (wozu ich allerdings auch sagen muss, dass ich weder Lust noch Nerven hatte, noch länger zu suchen).

In Unterföhring hatte ich eine Maisonette-Wohnung, die aus einer 2ZKB-Wohnung mit Balkon im 2. OG (Kleine Küche halboffen zum Wohnzimmer) und einer ziemlich großen Galerie im 3. OG bestand, zusammen etwa 85 Quadratmeter (schwierig zu messen wegen Dachschrägen und Wendeltreppe). Der Zustand war nagelneu, Neubau Erstbezug. Mit kompletter Markeneinbauküche, ordentlichem sauberem Keller mit Steckdose, Fahrstuhl, eigenem Tiefgaragenparkplatz in direkter Nähe zum Fahrstuhl, dazu nutzbar Fahrradkeller, Trockenkeller, Kinderwagenkeller. Sehr nette Nachbarn, sehr gehobenes Publikum, sehr saubere, gepflegte Gegend, die Straßen tadellos sauber, Bushaltestelle um die Ecke, S-Bahn in kurzer Zeit zu Fuß, ca. 25 Minuten bis München Innenstadt. Miete (Stand Mietvertrag 2009) 860 Euro kalt, 50 Euro Parkplatz, dazu 180 + 10 Euro Nebenkosten, zusammen 1100 warm, die Nebenkosten stiegen im Lauf der Zeit um 20 Euro, insgesamt also auf 1120 Euro. Oder etwa 10,13 Euro pro Quadratmeter. Allerdings ist dazu zu sagen, dass bei meinem Auszug für den Nachmieter die Miete meines Wissens ziemlich deftig erhöht wurde, die Vermieterin erwähnt mal was von einer Anhebung um 250 Euro, was auf ungefähr 13 Euro pro Quadratmeter hinausliefe. Hätte mir wohl auch blühen können, wenn ich nicht sowieso ausgezogen wäre. Man müsste also zu Vergleich die erhöhte Miete heranziehen, die ich abe nicht kenne. Ich hab mich da im Prinzip sauwohl gefühlt, aber es war langweilig, und die Wohnung war mir – auch aufgrund eines ungünstigen Grundrisses und der Dachschrägen – eigentlich zu klein. In Unterföhring musste ich einen Makler zahlen, um an die Wohnung zu kommen.

In Berlin habe ich nun eine gewöhnliche Etagenwohnung im 4. OG mit 4 Zimmern, Küche (wieder klein und halb offen zum Wohnzimmer, gebraucht und in deutlich abgenutztem Zustand, Kühlschrank und Spülmaschine musste ich selbst kaufen), zwei Balkonen, Gästetoilette, das Haus liegt zwar im Ostteil der Stadt, wurde aber nach der Wende gebaut. Die Gegend an sich ist etwas schäbig und trostlos. Nebendran war ein Supermarkt, der hat aber dicht gemacht (was für Berlin ungewöhnlich ist), der steht jetzt leer. Die Nachbarin meinte, weil die Mieten zu hoch wären (nachdem sie keine Supermarktkette mehr finden, die da jetz rein will, dürften die Mieteinnahmen gerade bei Null liegen, herzlichen Glückwunsch zu soviel unternehmerischem Geschick!). Dafür ist die Umgebung für Berliner Verhältnisse verblüffend sauber. Die Grünstreifen und Spielplätze hier sind zwar nicht der Brüller, aber sie sind wirklich sauber, weder Hundeklo noch Drogenumschlagplatz, und da sitzen wirklich nette Eltern mit netten Kindern, die da spielen. Hätte ich nach dem, was ich bisher von Berlin gesehen habe, nicht mehr geglaubt, dass es sowas gibt. Der Keller ist verkorkst, weil klein und mit Wasserrohren durchzogen, Fahrradkeller gibt’s, Fahrstuhl auch, aber keinen Trockenkeller. Einen Tiefgaragenplatz gibt’s auch, aber da gibt es keinen festen, eigenen Platz, und er ist etwa 400 Meter entfernt. Nicht trocken hin, und ausladen ist immer eine Übung, hier irgendwo zu parken. Die Busverbindung zur S-Bahn-Station ist lausig, die S-Bahn-Anbindung aber gut. Ich brauche 30-40 Minuten zum Alexanderplatz. Kostet 672 Euro kalt (= ca. 5,84 Euro pro Quadratmeter, also etwas mehr als die Hälfte meiner bisherigen Miete), mit Nebenkosten(vorauszahlung) 995 warm plus ca. 60 Euro für den Parkplatz. Insgesamt also etwa 60 Euro weniger als bisher in Unterföhring, dafür brauche ich hier eine BVG-Jahreskarte, die ungefähr so etwa 60 Euro im Monat kostet. Also gleich viel monatliche Zahlung. Ich habe also bei etwa gleichen monatlichen Kosten eine deutlich schönere Wohnung gegen eine deutlich größere getauscht. Diese Wohnung habe ich ohne Makler (das heißt, schon mit einem Makler, der aber von der Hausgesellschaft bezahlt wurde) bekommen. Dafür musste ich Spülmaschine, Kühlschrank und einige kleinere Dinge neu kaufen.

Zu beiden Wohnungen sagen mir viele Leute, dass sie für die jeweiligen örtlichen Verhältnisse sehr günstig seien (bzw. in Unterföhring war, denn die wurde ja angehoben). Beide Wohnungen musste ich gründlich reinigen und massiv schrubben. Die in Unterföhring vom Baustaub, die in Berlin vom Dreck vom Vormieter.

Striptease

Manchmal kam ich mir vor, als würde ich mich gleichzeitig um einen Job bewerben und die Tochter des Eigentümers heiraten wollen. Berlin ist pervers was die Ausforschung der Bewerber angeht.

Grundsätzlich wollen sie alle drei aktuelle Gehaltsnachweise, Schufa-Auskunft, Mietschuldenfreiheitsbestätigung, Kopie Personalausweis. Was schon deshalb kurios ist, weil (gerade in den Wintermonaten, in denen es früh dunkel wird und man deshalb Wohnungen ohne Strom oder ohne Lampen abends schlecht besichtigen kann) die meisten Besichtigungen wochentags tagsüber stattfinden. Sie verlangen unbedingt, dass man als Angestellter arbeitet, akzeptieren es dann oft aber nicht, dass man tagsüber arbeitet. Ja, da müsse man sich eben mal freinehmen, meinen sie. Soviele Urlaubstage habe ich aber gar nicht. Zwar kann ich problemlos meist auch einfach mal so weg, das kann ich mal machen, aber nicht achtzig mal. Die tun dann bei den Besichtigungen immer so, als würde man nur so zwei oder drei Wohnungen besichtigen, um die Traumwohnung zu finden.

Manchen reichen die Gehaltsnachweise nicht. Auch ein explizites Bestätigungsschreiben des Arbeitgebers nicht. Da gibt es welche, die wollen die Kontoauszüge sehen, ob das Geld tatsächlich auf dem Konto ankommt. Und wenn man wie bei manchen Banken üblich, nicht mehr ein Bündel einzelner Zettel bekommt, sondern einen Monatsauszug, sehen die alles, was man an Geldbewegungen hat.

Anderen reicht Teil 1 der Schufa-Auskunft (der für andere, wie eben Vermieter, gedachte) nicht, sondern sie wollen auch Teil 2 haben, der nur für einen selbst gedacht ist.

Eigentlich ist mein Gehalt vertraulich. Etwa halb Berlin weiß jetzt, wieviel ich bekomme, weil man ja ständig seine Gehaltsnachweise durch die Gegend schickt.

Besagter Kollege, der mit Familie unterwegs war, erzählte mir etwas frustriert, dass da bei manchen »familienfreundlichen« Wohnungsgesellschaften regelrechte Bewerbungsmappen der ganzen Familie erwartet und vorgelegt werden. Da sind dann ganze Seiten über jedes Kind drin, so mit Bewerbungsfoto im schönen Kleidchen, mit Hobbys und Schulnoten.

Und nur einmal hat mir eine Maklerfirma erklärt, dass sie das Zeug hinterher shreddern, wenn nichts draus wird. Datenschutz gibt’s in Berlin da nicht. Da viele mit Auskunfteien zusammenarbeiten, könnte ich mir gut vorstellen, dass da so mancher die Gehaltsdaten an die weiterverkloppt.

Schmiergeld

Als ich damals in München nach einer Wohnung gesucht habe, hat zwar niemand so direkt Schmiergeld verlangt, aber mir wurde schon zu verstehen gegeben, dass man an manche Wohnungen nur kommt, wenn man dem Vormieter oder Makler ein sogenanntes »Handgeld« gibt. Was nicht nur von der Höhe her rechtswidrig ist, sondern obendrein Steuerhinterziehung. Oft tarnt sich das dann hinter Ablösen. Wenn man etwa 15.000 Euro Ablöse für eine zwar schöne, aber doch hundsgewöhnliche normale Einbauküche zahlen soll, weiß man, was gemeint ist.

Ähnliche Erfahrungen habe ich in Berlin gemacht. Zwar hat keiner von mir direkt irgendwas verlangt. Aber ich hatte einige Male seltsam das Nachsehen. Ich wäre gerne in eine Wohnanlage in Mitte gezogen, und habe dort eine Wohnung gesehen, die mir gefallen hätte, die ich aber nicht bekommen habe. Das Zeigen der Wohnungen zu den Besichtigungsterminen und das Einsammeln der Bewerbungen macht dort der Hausmeister. Weil’s beim ersten Mal schief ging, habe ich mich bei der zweiten Wohnung sehr beeilt und die Bewerbung diesmal nicht abends per E-Mail, sondern gleich vor Ort auf Papier eingereicht, und war der erste auf dem Stapel. Extra noch Visitenkarte dazu und mich persönlich vorgestellt. Trotzdem nichts. Als ich dann bei der Firma nachfragte, warum es nicht geklappt hat, was ich falsch mache, hieß es, eigentlich machte ich nichts falsch, sie würden sich freuen, mich als Mieter zu haben, aber ich sei eben zu spät gekommen, andere seien eben »früher« dagewesen. Ich war der Erste. Da scheint dann wohl dem Hausmeister der Stapel vielleicht mal runtergefallen zu sein und sich beim Aufsammeln irgendwie die Reihenfolge geändert zu haben. Oder so.

Gleich am Anfang der Suche habe ich eine sehr schöne, nagelneue, tolle Wohnung gefunden, in der Nähe des Arbeitsplatzes, alles perfekt, und nicht zu teuer. Und nicht bekommen. Weil ich zu dem Zeitpunkt angeblich erst zwei Gehaltsnachweise hatte, aber man drei verlange (das Haus wurde erst 3 Monate später fertig, bis dahin wären es fünf gewesen). Es sei also völlig unmöglich, dass ich die Wohnung bekäme, hieß es. Außerdem, hieß es, so da noch die Maklergebühr, das übliche gesetzliche Maximum von 2,38 Kaltmieten. Ja, meinte ich, wenn ich die Wohnung sowieso nicht bekäme, erübrige sich das ja. Außerdem bestehe sowieso kein Anspruch, weil die Vermietungsfirma, die die Maklergebühr haben wollte, und die Wohnungsbaugesellschaft alle zu einem Konglomerat desselben Eigentümers gehörten, ohnehin keinen Anspruch auf Maklergebühren hätte, das sei gesetzlich ausgeschlossen (wirtschaftliche Einheit). Gesetze seien ihnen egal, meinten sie. Wer wohnen will, der zahlt. (Was übrigens sehr schön illustriert, was die von der SPD avisierten Gesetzesänderungen zu Maklergebühren bringen werden: Nämlich gar nichts.)

Meinem oben schon erwähnten Kollegen kam ein Makler mit der Aussage, dass ihm andere Bewerber zur Maklergebühr obendrein noch zwei weitere Kaltmieten als Schmiergeld angeboten hätten. Er sage ihnen das ja nicht, um ungesetzliches zu fordern, sondern nur aus reiner Liebenswürdigkeit und Fairness, damit sie im Rahmen der Chancengleichheit mehr bieten könnten. Er wolle ja nur dafür sorgen, dass ihre Chancen erhalten bleiben.

Ich habe Mietangebote gesehen, in denen nur die Mindestmiete drinstand und die Ansage, dass an den Höchstbietenden vermietet wird.

Ich habe Angebote gesehen, in denen drin stand, dass wer nicht bereit ist, 30.000 Euro Ablöse zu zahlen, gar nicht erst zu erscheinen bräuchte.

Ich habe eine Wohnung besichtigt, klein, schön, teuer, viele Interessenten. Darin der Vormieter, ein schwuler Araber, der die Wohnung in einem extrem scheußlich-geschmacklosen Glitzer-Stil eingerichtet hatte, so weiße Ledersofas mit Chrom, einen fett-kitschigen Kronleuchter, ultrateure hässliche Barhocker. Und so’n Scheiß. Wie Glööckler auf Speed. Das Zeug war so übel, dass der das schon selbst nicht mehr sehen konnte und es loswerden wollte, jedenfalls nicht mitnehmen. Also reiche er nur deren Bewerbungen an den Eigentümer weiter, die ihm den Mist für 5000 Euro abkaufen.

Ach ja, und dann war da noch ein Makler, der irrtümlich dachte, ich würde innerhalb Berlins umziehen und dachte, dass damit ja dann meine alte Wohnung in Berlin frei wird. Er bot mir 600 Euro Provision, wenn ich dafür sorge, dass meine alte Wohnung nur über ihn zu haben sei.

Makler

Überwiegend übel. Ich habe auch ein paar Seriöse erlebt, vor allem in den seltenen Fällen, in denen sie von der Hausverwaltung bezahlt werden (wie in meinem Fall, ich musste keinen Makler bezahlen, aber weit über die Hälfte der Wohnungen, die ich besichtigt habe, wurden von Maklern kostenpflichtig angeboten.) Und zweimal auch verdammt hübsche Maklerinnen.

Letztlich aber doch ein übles Gewerbe. Denn wenn ich in einen Laden gehe und was kaufe, muss ich auch nicht einem Dritten Schutzgeld dafür zahlen, dass ich es kaufen kann.

Viele sagen, dass sie doch (was ja stimmt) viel Aufwand hätten. Trotzdem ist es unlogisch. Denn erstens nehmen sie vor allem da hohe Provisionen, wo die Wohnungen in der Innenstadt und sehr begehrt sind, also sofort weggehen. Gerade da haben sie ja nur geringen Aufwand. Je weiter draußen und unattraktiver die Wohnungen sind, desto mehr Aufwand haben sie – desto niedriger sind aber die Maklercourtagen. Sie sind also nicht an den Aufwand gebunden. Es geht einfach nur darum, abzuzocken, abzumelken, mitzukassieren. Ist der Markt fett, vom Vermieter. Ist der Markt knapp, vom Mieter.

Das zweite Ärgernis ist, dass ich ja nun auch enormen Aufwand hatte, der gerade auch deshalb sehr hoch war, weil viele Makler in den Anzeigen schlichtweg lügen und die Mängel und Macken verschweigen oder sowas wie Parkplätze schlichtweg vortäuschen. Wer zahlt mir den Aufwand, wenn ich aufgrund falscher Angaben oder beschönigender Bilder zu einer Wohnung fahre, die nicht in Frage käme? Oder zu einer fahre, die ich gerne haben würde, die aber aufgrund von Schmiergeldzahlungen sowieso an andere geht? Oder längst vermietet wurde?

Viele haben auch gar keine Ahnung von der Wohnung, die sie da verkloppen sollen. Kabelanschluss? Keine Ahnung. Parkplatz? Ja, vielleicht da vorne so irgendwo. Keller? Angeblich ja, aber man weiß ja nicht so genau, wo und welcher. Und den Schlüssel haben wir auch gerade nicht dabei.

Den Vogel abgeschossen hat einer, der sich nicht mal zum Haus bewegte. Da durfte ich mir dann gegen Hinterlegung meines Führerscheins (sie wollten den Personalausweis und wussten noch gar nicht, dass das jetzt verboten ist) den Schlüssel ausleihen, damit zur Wohnung gehen, und sie mir alleine anschauen. Fragen stellen? Gar nicht. Dafür aber musste ich dann eine Vereinbarung unterschreiben, wonach im Vertragsfall 2,38 Kaltmieten zu zahlen wären.

Manche sind auch total unfreundlich. Gerade in Prenzlauer Berg und Charlottenburg habe ich einige erlebt, die Bewerber wie den letzten Dreck behandeln und einen Ton am Leib haben, der unerträglich ist. Körperhygiene ist auch nicht selbstverständlich.

Von anderen fühlte ich mich schlichtweg verarscht. Beispielsweise in einer Wohnung, die direkt an einer dicken Kreuzung zweier dreispuriger Hauptverkehrsstraßen mit Dauerlärm lag und die Fenster direkt zur Kreuzung raus hatte, dahinter unheimlich hässliche Betonbauten. Daneben sieht man ein Fitzelchen der scheußlich braunen Brühe, die da durch diesen Kanal am Halleschen Tor fließt. Eine Katastrophe, sieht aus wie in irgendeiner Endzeit-Dystopie irgendwo zwischen Mad Max und Snake Plissken. Stellt sich so ein junger Schnösel, der drinhing wie im Konfirmationsanzug, neben mich und erklärt allen Ernstes mit weiter Geste und Reisekatalogphrase, wie schön die Aussicht wäre mit Blick auf das Wasser.

Dann gibt’s, wie oben erwähnt, die Raffkes, die Maklercourtagen haben wollen, obwohl das nach Gesetz verboten ist. Egal, wer nicht zahlt, wohnt nicht. Zeigt übrigens, wie inkompetent und unwissend unsere Politiker sind. Einige Parteien (wenn ich mich recht erinnere, voran die SPD) wollen das Makler-Recht ändern, und dafür sorgen, dass künftig der zahlt, der den Makler beauftragt. Tja, dann steht der Makler eben da und sagt, dass er den Kontakt zum Eigentümer erst herstellt, wenn man ihn eben beauftragt.

Apropos Inkompetenz: Ich habe auch Makler erlebt, die da im feinen Nadelstreifen und der Nobelkarosse ankamen, und auf seriös, international und weltgewandt machten, aber zu dämlich waren, einen Mietvertrag auszufüllen, weil sie die Sache mit den Nebenkosten und deren Umlage nicht kapiert hatten: In dem Feld, in dem der prozentuale Anteil der Nebenkosten einzutragen war, der auf die Wohnung entfiel (man unterscheidet zwischen verbrauchsabhängigen Nebenkosten und solchen mit festem, meist nach Personen und/oder Grundfläche berechnetem Anteil, der dann im Vertrag festzuhalten ist) trug der 100% ein. Als ich sagte, dass das nicht stimmt und da der Anteil der Wohnung am Gesamtaufkommen rein müsste, meinte der, doch, doch, ich müsste die Nebenkosten zu 100% zahlen, der Vermieter zahle davon nichts. Auf meinen Einwand, dass man dann bei der Nebenkostenabrechnung gar nicht sehen könnte, ob der Anteil richtig berechnet wäre, meinte er verständnislos, das sehe man ja dann, welcher Anteil verwendet wurde. Macht aber im Nadelstreifen auf den Super-Immobilien-Profi. Ich hatte auch mal so ne dicke, die nicht mal die Tür aufbekommen hat. Der musste ich zeigen, wie man eine Wohnungstür aufschließt. Schien die selbst zuhause nicht zu haben.

Und dann war da noch die süße Blondine in den heißen Hotpants, die mit Mühe und Not die Wohnung fand und sich dann mit einem bezaubernden Lächeln da reinstellte und einfach gar nichts wusste. Und nur so staunte, was ich mir da alles ansah und ausmaß, und eigentlich konnte ich ihr zu einer Wohnung, die mir fremd war, viel, sie mir aber gar nichts sagen. Als es dann zu peinlich wurde, gab sie zu, dass sie gar nicht die Maklerin war, sondern die Freundin des Maklers, der seine Termine durcheinandergebracht hatte und nicht konnte, und eben mal schnell seine Freundin da hinschickte, die von nichts ne Ahnung hatte. Aber hübsch war sie. Und blond. Unglaublich blond. Nur die Wohnung war leider nichts.

Manche sind echt unverschämt. Einen habe ich dabei ertappt, dass er eine höhere Miete angab, als der Vermieter eigentlich haben wollte. Hebt die Provision. Und in einer Wohnung sollte ich nicht nur den Parkplatz, sondern sogar den Keller separat mieten. Gegen separate Provision, versteht sich.

Manche lügen da das Blaue vom Himmel und phantasieren sich was zusammen. Einige der Parkplätze, die mir versprochen wurden, existierten gar nicht. Ist halt immer peinlich, wenn da so ein Interessent wie ich daherkommt und meint, er wolle das gerne mal sehen, und der Parkplatz dann nicht existiert.

Beachtlich fand ich auch den Effekt bei drei oder vier Wohnungen, die monatelang leer standen, weil keiner sie haben wollte. Beispielsweise habe ich eine Wohnung in einer alten, historischen und denkmalgeschützten, aber toll renovierten Brauerei aus dem 19. Jahrhundert gesehen. Überteuert, aber als ich damals gerade gar keine Alternativen gefunden habe, habe ich Interesse angemeldet. Sie aber letztlich dann doch nicht genommen, weil zu klein, zu teuer, und einen Balkon unter einer Treppe, wo dann immer der Dreck von den Schuhen durchrieselte. Die Wohnung stand aber lange leer. Erstmals habe ich sie im Februar besichtigt. Das zweite Mal im Juni. Fand keinen Mieter, und man bot mir schon an, 80 Euro pro Monat herunterzugehen. Ein wesentliches Hemmnis war da wie anderswo die Maklercourtage über 2,38 Kaltmieten. Was bescheuert ist, denn die Vermieter jammern und kommen in finanzielle Bedrängnis, weil sie monatelang keine Miete bekommen und die Nebenkosten selbst zahlen müssen, gleichzeitig aber bieten sie die Wohnung nur über Makler an, die der Mieter zahlen soll, aber nicht will. Es wäre günstiger, wenn sie den Makler selbst zahlten und die Wohnung schnell wegbekommen, aber wenn’s um Geiz geht, schaltet das Hirn ab. Viele Vermieter denken, sie sparen Geld und Arbeit, wenn sie die Sache dem Makler überlassen, und merken nicht, dass sie weit mehr zahlen, weil die Wohnung nicht weggeht.

Ich habe auch mit privaten Vermietern und Vermietungsgesellschaften gesprochen, die Makler nicht mehr ranlassen und keine Mieter über Makler mehr annehmen. Weil sie selbst mit Maklern nichts als Ärger hatten. Wegen Unseriösität, weil sie Schlüssel nicht zurückbekommen, die Wohnungen nicht zügig vermietet werden. Weil die den Mietern falsche Angaben machen, was dann zu Ärger und Streit führt. Und weil Makler nicht den besten Mieter raussuchen, sondern den für sie einfachsten, und oft auch den, der das meiste Schmiergeld zahlt. Was selten der für den Vermieter beste Mieter ist. Und ne Menge Vermieter haben dann auch für die Abzockerei kein Verständnis. Ich hatte mit einer Vermietungsgesellschaft zu tun, deren Zielgruppe eher untere Bevölkerungsschichten sind, deren Angebote mir aber durchaus solide und freundlich vorkamen: Günstige Preise, ordentliche Häuser, Vermietung stets frisch gestrichen und bei Bedarf renoviert, stets mit kompletter, neuer Einbauküche und einfachem, aber tadellosem Bad. Ist doch ein netter Zug. Und die machen das gesamte Vermietungsgeschäft selbst. Weil sie sich erstens die Mieter anschauen wollen, und zweitens, weil sie die Abzockerei nicht mögen. Gehört zu deren Service, dass die Anmietung nichts kostet.

Makler hatten durchaus mal ihre Berechtigung. Nämlich zu der Zeit, als das Anbieten einer Wohnung aus technologischem Stand zu kompliziert für normale Vermieter war, etwa weil man Anzeigen schalten musste oder eben zentrale Makler brauchte, zu denen der Kunde dann ging und sich aus deren Sammlung was raussuchte. In Zeiten des Internet, der Digitalkamera und von Immobilienscout24 und all den anderen Angeboten sind Makler schlichtweg überflüssig. Fast nur noch zur Abzocke da.

Sozialer Wohnungsbau

Versteh ich nicht.

In der Berliner Verfassung steht irgendwas von Recht auf Wohnen, und Berlin ist strotze-links, weshalb es hier einen sozialen Wohnungsbau gibt (oder zumindest gab), um Geringverdienern ordentliche Wohnungen zu geben.

Schön. Ist in Ordnung.

Man braucht für solche Wohnungen einen sogenannten Wohnberechtigungsschein (WBS). Auch in Ordnung. Die Wohnungen, deren Angebote ich gesehen habe, waren dann (nach Fotos und Beschreibung) meist sogar sehr schön und sehr groß, und für Berliner Verhältnisse sehr günstig. Ist ja eigentlich ne feine Sache, wenn man Familien mit sehr schmalem Einkommen trotzdem eine schöne Wohnung geben kann. Das kann man wegen der Kinder als Investition in die Zukunft sehen.

Aber wenn man sich dann anschaut, wieviel Leute verdienen dürfen, um so einen Schein zu bekommen, fragt man sich, wie sie sich die Wohnung dann noch leisten können sollen. Und so habe ich in den Anzeigen mehrfach Wohnungen gesehen, die (auf den Fotos) einen wirklich tollen Eindruck machten, schön groß waren, und in denen ich auch gerne gewohnt hätte. Und die wurden monatelang angeboten. Fanden keinen Mieter mit diesem WBS.

Was ist daran sozial, bei Wohnungsknappheit Wohnungen so anzubieten, dass sie leer stehen und damit den Wohnungsmarkt verknappen? Wem helfen Wohnungen, die leer bleiben?

Raucher

Berlin ist irgendwie die Bundeshauptstadt der Raucher.

Ich habe Wohnungen besichtigt, die unerträglich nach Rauch stanken. Da kann man dann nicht mehr rein, und das bekommt man auch mit vertretbarem Aufwand auch nicht mehr raus. Ein großer Teil der Wohnungen werden damit dem Markt entzogen und damit der Markt verknappt, also verteuert.

Renovierungen sind auch nicht drin, weil die Berliner Mieten oft nicht genug Rendite abwerfen, um noch nach jedem Mieter eine Renovierung zu finanzieren. Raucher gehören oft zu der Sorte von Mietern, die an der Wohnung mehr Schaden anrichtet als Miete zahlt. Und dann wundert man sich, wenn die Mieten steigen.

Und wenn in der Etage drunter Raucher wohnen, kann man es auch vergessen. Deutschland regt sich auf, wenn Raucher ausziehen sollen, weil sie rauchen. Aber niemand stört sich dran, wenn Nichtraucher ausziehen müssen, weil andere rauchen.

Zustand der Berliner Wohnungen

Ich bin entsetzt. Zutiefst entsetzt.

Etwa 70-80% der Wohnungen, die ich besichtigt habe, waren vergammelt, verdreckt, kaputt, manche unbewohnbar. Einige davon waren – teils von irgendeinem hemdsärmeligen Eigentümer selbst – so billig, idiotisch und stümperhaft pseudorenoviert worden, dass man sich schämen müsste, darin mal Besuch zu bekommen. Gerade die Woche ging hier so ne Meldung durch die Zeitungen, wonach in Prenzlauer Berg eine Wohnung mit Gammel-Außenklo und in angeblich katastrophalem Zustand bei 80 Quadratmetern weit über 1000 Euro kosten soll.

In vielen Wohnungen habe ich mich ernstlich gefragt, was für Leute da gehaust haben. Böden, Wände, Küchen, irreparabel verdreckt. Durchfaultes Parkett, Teppichböden, vor denen man sich ekelt, Bäder in denen es unerträglich stinkt, verkalt bis zum Anschlag, der Müll liegt herum, die Einbauküchen durchweicht und aufgequollen bis zur dreifachen Dicke der Pressspanplatten, die Fenster verdreckt, ausgeleiert, manchmal gar schimmlig und faulig. Es ist einfach unglaublich.

Und oft werden Wohnungen nicht oder nicht mehr renoviert. Ich habe einige Wohnungen gesehen, die noch im Original-DDR-Zustand waren. Und das Ende der DDR ist 23 Jahre her. Lapprige Fenster, Sperrholzwände in der Dicke meines kleinen Fingers, kaputte Elektrik, Flickwerke von Bodenbelägen und kaputten Böden, zugig. Schimmlig. Faulig. Dreckig. Feucht.

Ich habe mir eine Wohnung angesehen, die zu akzeptablem Preis angeboten wurde, aber ein Penthouse auf einem Bürohaus obendrauf war. Wie geil, ein Penthouse! Das wär’s. Schön groß, auf den Fotos eine Einbauküche mit drin. Gefiel mir auf den Fotos prima. Vor Ort bin ich fast rückwärts wieder rausgeflogen. Völlig vergammelt. In drei Zimmern durchnässte und verfaulte Teppichböden, im Wohnzimmer das Parkett verfault, die Küche aufgequollen und verschimmelt. Die Türen am Ende. Die Fenster dreckig und ausgeleiert. Ja, meinten sie, das müsse der Nachmieter machen. Statt eine Küche zu haben muss er also die alten Sachen entsorgen, neue einbauen und bei Auszug auch noch welche hinterlassen. Ich fragte entsetzt, warum man sowas anbietet und das nicht in Ordnung bringt. Die Antwort war, dass man das nicht mehr mache. Die Wohnung sei in den letzten paar Jahren dreimal komplett renoviert worden, samt neuer Böden und neuer Küche. Und jedesmal habe der Vermieter sie in diesem Zustand zurückbekommen. Das sei ihm jetzt zu teuer und zu blöd. Er bietet sie jetzt nur noch so an, wie sie zurückkommt. An dem Tag kamen nach mir noch sieben andere Bewerber, und da sie am nächsten Tag nicht mehr im Angebot war, ist sie wohl weggegangen.

Das heißt aber, dass der Mieter in Berlin neben der eigentlichen Miete noch einen Zusatz zahlt, indem er entweder erbärmliche Zustände hinnimmt, oder auf eigene Kosten renoviert. Ein reiner Vergleich der Mieten pro Quadratmeter taugt also nichts. Die effektiven Kosten sind häufig viel höher als der Quadratmeterpreis.

Ich stand da häufig fassungslos in diesen Wohnungen und fragte mich, was für Leute da gehaust haben könnten und wie man so leben kann. Ich frage mich in Berlin generell, was hier für Leute leben, denn ich habe in Deutschland noch keine andere Stadt gesehen, in der soviel Dreck herumliegt, in der die Leute ihren Dreck einfach fallen lassen, in der so viele dreckige Leute rumlaufen, und in der Dreck (Graffiti, Vandalismus) so zwanghaft herbeigeführt wird. Berlin, Dreck, Vermüllung, Verwahrlosung scheinen untrennbar zusammenzugehören, und so sehen dann eben auch viele Wohnungen aus.

Und das hebt massiv die Mietkosten, und zwar auf fünf Arten:

  • Man bekommt „weniger Wohnung pro Euro”, weil man eben nicht nur Quadratmeter, sondern auch Qualität in den Preis mit einbeziehen muss. Müllhalde für 6 Euro pro qm ist teurer als ordentliche Wohnung zu 6 Euro.
  • Will man ordentlich wohnen, kommen zur Miete noch erhebliche Renovierungskosten dazu.
  • Für die, die so nicht wohnen wollen und eine halbwegs ordentliche und wohnwürdige Wohnung suchen, verknappt sich der Wohnungsmarkt dadurch enorm. Ein knapper Markt ist immer ein teurer Markt.
  • Für Vermieter ist die normale Mietrendite, also abzüglich der Finanzierungskosten, meist gar nicht so hoch, oft nur bei 2-3%. Kommen dann noch solche Reparaturkosten oder Wertverlustet dazu, bleibt denen nichts anderes übrig, als entweder die Mieten anzuheben oder nur noch Gammelwohnungen anzubieten.
  • Und letztlich sind die Vermieter sogar gezwungen, die Wohnungen zu sanieren und dann für massiv angehobene Preise zu vermieten, einfach um eine andere Klientel reinzubekommen. Deshalb ja auch die rigiden Bewerberauswahlen.

Ein großer Teil der hohen oder steigenden Mieten geht meines Erachtens in Berlin nicht auf die »bösen« Vermieter zurück, sondern darauf, dass Berlin im Mittel nicht auf dem Niveau einer Zivilisation ist, und es in Berlin zu viele Leute gibt, die nicht in der Lage oder nicht willens sind, sozial- und gesellschaftsadäquat zu »wohnen«.

Seit ich in Berlin wohne und nach Wohnungen gesucht habe, habe ich den Eindruck, Wohnen und eine Wohnung in Ordnung zu halten, ist eine Kulturkompetenz wie Lesen oder Schreiben, die vielen eben fehlt. Berlin ist voller »Wohnanalpheten«, die enormen Schaden anrichten, der in der Summe auf die Miete draufgeschlagen wird.

Letztlich zahlen Berliner Mieter einen deftigen Aufschlag für das, was Berlin ist. Oder besser gesagt, nicht ist. Eine zivilisierte Gesellschaft. Das, was man hier als „Toleranz” ansieht, kostet da eben Geld. Berlin toleriert solche Leute nicht nur, sondern identifiziert sich sogar weitreichend mit diesem Lebensstil. Zerstörung und Vermüllung als Lebensstil kostet eben Geld, und der wird in Berlin auf die Allgemeinheit umgelegt. Durch höhere Mieten.

Nur mal so eine Beispielrechnung: Eine Vermietungsgesellschaft mit eher unterschichtigem Publikum, sagte mir, dass sie trotz allem unbeirrt daran festhalten, Wohnungen immer in einfach, aber frisch renoviertem Zustand zu übergeben, dabei die Küche und das Bad in Ordnung zu bringen. Die Kosten versuchen sie einfach durch die schiere Masse zu drücken, indem sie Küchen in großen Mengen kaufen und überall die gleiche einbauen. Sie legen die Kosten aber natürlich auf die Mieten um. Ich schätze mal, dass eine einfache, aber brauchbare Küche mit Geräten, Anlieferung, Einbau, Ausbau und Entsorgung mindestens 2.000 Euro kostet. Hält die, wie mir berichtet wurde, bei vielen Leuten nur 2 Jahre, macht das 100 Euro pro Monat mehr Miete. Dasselbe mit dem Bad. So einfach ist das.

Und ich verstehe es nicht. Ich hatte in meiner Karlsruher Wohnung eine IKEA-Küche selbst eingebaut, und sie nach 10 Jahren in Einzelteilen wieder verkauft, weil es in München eine Küche gab. In München war ich vier Jahre, und habe dabei während einer freiberuflichen Zeit häufig zuhause gekocht. Geräte und Schränke sahen in beiden Fällen aus wie neu, da war gar nichts gequollen, geschimmelt, gefault. Einmal feucht durchwischen und sauber. Was treiben die Leute denn in diesen Küchen?

Auch die Wohnung, die ich jetzt habe, war zwar (schlampig) frisch gestrichen, aber Böden, Küche, Bäder habe ich erst einmal ziemlich schrubben und putzen müssen. In der Küche alles mit dicker Fett-/Speckschicht überzogen. Ich habe den Backofen bis jetzt noch nicht ganz sauber, trotz einer ganzen Dose Backofenreiniger. Die Böden so dunkel verdreckt, dass ich beim Putzen pro Zimmer einen Eimer deckend schwarzer Brühe erzeugt habe. Da wurde nicht nur zum Schluss, sondern über Jahre nie ernstlich geputzt, sondern höchstens mal kurz drübergewischt. Ich habe mir angewöhnt, bei Wohnungsbesichtigungen auch (wenn vorhanden) in die Küchenschränke, den Herd, die Spülmaschine, den Kühlschrank zu schauen. Fürchterlich. Oft völlig verdreckt, ekelerregend, Würgreizgeruch. Und die Verwalter einiger Wohnungsbaugesellschaften, mit denen ich mich unterhalten habe, sagten mir, dass das in Berlin häufig so sei, dass man Wohnungen verdreckt, vermüllt, kaputt, demoliert zurückbekäme. Es gibt in Berlin eine Menge Leute, die es schaffen, eine neue Einbauküche samt Elektrogeräten innerhalb von 1-2 Jahren so zu ruinieren, dass sie auf den Müll und komplett ersetzt werden soll. Einige haben sich daran gewöhnt, renovieren jede Wohnung grundsätzlich durch, haben dafür eigene Handwerker angestellt, die nichts anderes machen, und schlagen das natürlich auf die Mieten drauf, um es zu erwirtschaften. Und dann regt man sich in Berlin über die steigenden Mieten auf. Berlin ist keine Zivilisation, Berlin ist in weiten Teilen finsteres Mittelalter.

Zum Vergleich der Maßstäbe: Als ich meine Münchner Wohnung zurückgegeben habe, habe ich die so gereinigt, dass Bad und Küche aussahen wie nagelneu. Trotzdem habe ich mir heftige Vorwürfe der Vermieterin eingefangen, ich hätte die Wohnung in inakzeptablem Zustand zurückgegeben: Weil ich im Bad nach dem Putzen die zwei Schrauben der Klobrille nicht fest genug angezogen hätte.

Zustand der Umgebung

Noch schlimmer als die Wohnungen waren häufig die Umgebung, das Umfeld.

Ich habe mir angewöhnt, immer auch mit dem Fahrstuhl zu fahren und durch das Treppenhaus zu gehen um zu sehen, was für Leute sich da so bewegen. Das ist in Berlin oft grauenhaft. Ich war in Straßen, in denen man durch den Müll regelrecht durchwaten musste und in dem ganze Hauseingänge oder gerade ungenutzte Ladeneingänge kubikmeterweise mit Müll gefüllt waren. Ich habe in Wedding Straßen gesehen, in denen sich alle paar Meter richtige Müllhaufen bildeten. Die Leute leben im Müll.

Ich habe in Mitte eine Wohnung in einem äußerlich altehrwürdigen Haus besichtigt, das außen wie ein Oberlandesgericht oder eine Bezirksregierung aussah. Die Wohnung wäre eigentlich in Ordnung gewesen, aber das Haus lag in einem Innenhof und man musste immer erst durch das äußere Gebäude durch. Und da stank das einfach so ätzend nach alter, vergorener Pisse, dass es einem die Tränen in die Augen trieb. Weil die Leute da einfach in den Hauseinangang pinkeln, innen wie außen. Und jede Menge Dreck lag herum, benutzte Kondome und sowas.

Ich habe in Moabit eine Wohnung besichtigt, bei der die Hälfte der Interessenten erst gar nicht in das Haus gehen wollte. Ein Investor hatte dort einige Häuser gekauft und fing an, sie der Reihe nach zu renovieren. In Berlin würde man sagen „gentrifizieren”. Die besichtigte Wohnung war eigentlich toll. Alles nagelneu, Maisonette auf zwei Etage, neue Böden, neue Bäder, neue moderne Isolierfenster, dazu ne affengeile moderne Markenküche mit so einer separaten Kochinsel, an die man hinten noch Gäste setzen konnte. Alles wunderbar. Und das ganze eigentlich spottbillig. Hätte ich von der Wohnung her sofort genommen.

Aber das Haus war eine Katastrophe. Der Fahrstuhl völlig verdreckt, versifft, voller Graffiti, alle Tasten und die Deckenbeleuchtung angekokelt und verkohlt. Das ganze Treppenhaus voller Sperrmüll und anderem Unrat, im Erdgeschoss die Fugen und Kanten voller übelriechendem Dreck, wieder der Geruch nach altem Urin, in die Ecke gekotzt, und wieder alles voller Schmierereien, der Blick von der Straße eine Katastrophe, da würde man sich schon per Google Street View blamieren und schämen, da zu wohnen. Wer will da wohnen? Eben. Niemand. Obwohl die Wohnung sehr gut und preisgünstig war, ging sie nicht weg, war auch Monate später noch im Angebot.

Solche Zustände führen zu einer Verknappung auf dem Wohnungsmarkt, obwohl eigentlich reichlich Wohnungen vorhanden wären. Die Berliner Zustände entziehen dem Markt viele, eigentlich taugliche Wohnungen.

Ghettos

Dazu kommt eine regelrechte Ghettobildung. Es gab mehrfach Wohnungen (vor allem Reinickendorf und Neukölln), in denen ich von Anwohnern und anderen Bewerbern mit Wünschen und Fragen angesprochen wurde, weil die mich für jemanden von der Hausverwaltung hielten. Die gingen davon aus, dass sich ein Weißer, Deutscher mit sauberen Klamotten auch nur zu ihnen verirren könnte, wenn er von der Hausverwaltung käme. Das meine ich nicht rassistisch, sondern das sagten die mir so – und meinten das durchaus freundlich und positiv.

Ganze Stadteile in Berlin fallen aus dem Wohnungsmarkt heraus und in eine Parallelgesellschaft, werden trotz eigentlich akzeptabler Wohnsubstanz zu einer Art Ghetto.

Wohnungsgrößen

Einige Verwerfungen des Berliner Wohnungsmarkt beruhen auf seltsamen Ansichten über Wohnungsgrößen.

Ich war auf der Suche nach mindestens 3 Zimmer, Küche, Bad: Wohnzimmer, Schlafzimmer, Arbeitszimmer. Gern, aber nicht zwingend ein viertes Zimmer und eine Gästetoilette. Erschien mir nicht ungewöhnlich.

Einige Vermieter oder Makler fragten aber ungläubig zurück, warum ich alleine eine 3-Zimmer-Wohnung bräuchte, das wäre doch viel zu groß. Andere meinten, es sei was faul, wenn man als Single mehr als 50qm haben will. Die scheinen das nicht zu kennen, dass Leute zuhause etwas arbeiten oder Bücher und andere Dinge haben. Oder Platz für Business-Anzüge brauchen. Oder dass das Steuerrecht fordert, dass häusliche Arbeitszimmer abgetrennt sein müssen. Vielleicht scheinen sich auch die Auffassungen von Arbeit zu unterscheiden. Ich habe mehrfach Wohnungen besichtigt, in denen die Vormieter noch wohnten. Viele haben da tatsächlich nicht mehr als ein MacBook, ein iPhone und zwei Bücher. Auf dem Couchtisch.

Ich habe in der Nähe des Bundesnachrichtendienstes Wohnungen besichtigt (auch die mit dem oben erwähnten schwulen Araber mit dem scheußlichen Kronleuchter, den separat anzumietenden Kellern und einer Warteliste von einem Jahr für einen Tiefgaragenplatz), die in einer wirklich schön restaurierten alten Fabrik eingebaut sind. Richtig gut gemacht. Aber nicht nur sehr teuer, sondern auch immer nur 2-Zimmer-Wohnungen. Man sollte 1400 Euro zuzüglich Parkplatz und Keller für eine ziemlich kleine Wohnung zahlen. Ich fragte mal, warum man da so kleine Wohnungen eingebaut hat. Die Antwort: Weil’s mehr Geld bringt. In Berlin herrscht das seltsame Phänomen, dass viele Leute als Singles oder Pendler meinen (vgl. die oben erwähnten erstaunten Fragen, warum ich alleine 3 ganze Zimmer haben wollte), genau eine 2-Zimmer-Wohnung haben zu müssen, und in dem vermeintlichen Glauben zu sparen jeden Preis zahlen.

Das komische Ergebnis ist, dass viele 2-Zimmer-Wohnungen mit 70-80 qm teurer sind als ne satte 3ZKB mit 80-90 qm.

Mich haben einige Leute gefragt, was ich denn alleine in einer so großen Wohnung mit 115 qm wolle. Bei einigen Nachbarn bin ich schon als „der in der großen Wohnung” bekannt. Abgesehen davon, dass ich die 115 qm problemlos füllen kann und auch schon gefüllt habe, verstehe ich das Problem nicht. Alle halbwegs brauchbaren 2 und 3-Zimmer-Wohnungen, die ich besichtigt habe, waren teurer. 115 oder mehr will kaum einer haben, deshalb sind sie billiger als die kleinen Wohnungen.

Ich wäre doch blöd, wenn ich 300 Euro mehr zahlen würde um mich in eine kleinere Wohnung zu zwängen. Anscheinend sind aber viele so blöd. Mir soll’s recht sein. Klar käme ich auch mit einer kleineren Wohnung klar, aber ich denke nicht daran, noch Geld draufzulegen, um eine kleinere Wohnung zu nehmen.

Wäre ich nicht Single und hätte eine Frau, die mitbezahlt, hätte ich mir eine andere Wohnung genommen. Ich habe ein Angebot gesehen einer Wohnung mit 6 Zimmern und 160 Quadratmetern für 1600 Euro warm. Da könnte man sich zu zweit wunderbar austoben. Und die wollte wohl sonst auch keiner haben.

Feminismus

Ein Grund für diese seltsamen Prioritäten der Leute, für kleine Wohnungen mehr zu zahlen als für große, liegt darin, dass die Zahl der Singles in Berlin rapide angestiegen ist. Was auch eine Folge des Feminismus ist. Immer mehr Leute binden sich nicht und sind eben Singles. Darauf ist die Wohnungsstruktur von Berlin aber nicht ausgelegt.

Auskunfteien

Ein absurdes Problem ist mir noch aufgefallen. Ich musste überall meine Schufa-Auskunft vorlegen. Die war zwar prima, aber vom Dezember. Irgendwann meinte mal einer, die sei zu alt. Weil ich irgendwo gelesen habe, dass die Schufa den Score verschlechtert, wenn man kurz hintereinander mehrere abruft, hab ich den Makler gebeten, dass er selbst eine über mich abfragt. Der hat dann aber nicht die Schufa, sondern eine andere Auskunftei angefragt.

Deren Antwort:

Sie kennen mich noch gar nicht, können deshalb über mich eigentlich gar nichts sagen. Weil ich keine Kredite und keine Schulden habe, und auch ansonsten wenig finanzielle Kapriolen treibe. Sie können über mich eigentlich überhaupt nichts sagen.

Weil sie aber vertraglich einen Score abgeben müssen und Geld verdienen wollen, haben sie mich per Geo-Scoring bewertet: Nach dem Durchschnitt der Leute in der Straße, in der ich in Unteföhring gewohnt habe. Gehobene Gegend, die Leute fahren gehobene Autos, alles schön sauber. Also müsste ich wohl positiv bewertet werden. Tja.

Wie würde ich dann beim nächsten Mal bewertet, wenn ich in so ein Berliner Müllghetto zöge?

Das muss man auch beachten, wenn man sich eine Wohnung sucht. Sonst bekommt man irgendwann keine Versandhauskataloge und keine Lieferung aus dem Internet mehr.

Schlechte Architekten

Auch erwähnen sollte man, dass unheimlich viele Wohnungen unglaublich verkorkst sind und Grundrisse haben, in denen man keinen Schrank unterbringt. Zu viele Architekten verstehen ihr Handwerk nicht.

Idiotische Stadtpolitik

Die Berliner Stadtpolitik ist idiotisch. Die kümmern sich darum, dass die Straßennamen gegendert werden oder auf Behörden das Zusatzklo für geschlechtlich Unentschlossene eingerichtet wird, aber um Wohnungen kümmern sie sich nicht.

Inzwischen versucht man in Berlin die Mieten niedrig zu halten, indem man Modernisierungen verbietet, weil die mit Mieterhöhungen einhergingen. Beispielsweise verbieten sie in manchen Stadtteilen den Einbau einer Gästetoilette oder eines zweiten Waschbeckens im Bad, weil das ja den Wohnwert hebe und schon eine »Luxussanierung« sei. Neulich habe ich etwas gelesen, dass sie irgendwo einen Aufzug nur unter der Auflage einbauen dürfen, wenn der Aufzug in den unteren Stockwerken keine Türen hat, damit man dort die Miete nicht erhöhen kann. Man verbietet auch für Rentner den Aufzug, damit alte Leute Treppen steigen müssen. Völlig hirnlos. Gerade habe ich die „Berliner Morgenpost” von heute auf dem Tisch, in dem beschrieben wird, dass man in Pankow, Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg und jetzt auch Tempelhof-Schöneberg Luxussanierungen verbieten will, um Mietsteigerungen zu verhindern. Man denkt da an goldene Wasserhähne, aber tatsächlich wollen sie diskutieren, ob schon eine neue Kloschüssel als Luxussanierung gilt, wenn sie an der Wand hängt und nicht auf dem Boden steht. Was schon die billigste Baumarktschüssel tut. Und was ich für den Stand der Technik und hygienisch halte, weil an drunter durchwischen kann und es weniger Dreckecken gibt. Auch eine Markenküche oder eine Fußbodenheizug, oder schon das erwähnte Gäste-WC soll als Luxussanierung gelten. Weil damit die Mieten angehoben werden könnten.

Seit wann tut man der Bevölkerung etwas Gutes, indem man sie in schäbigen Buden auf 60er-Jahre-Niveau hält? Wenn eine einfache Gästetoilette oder ein zweites Waschbecken selbst in billigster Bauweise schon als „Luxus” gilt, dann ist da etwas geistig und ideologisch total kaputt. Die hängen in einer Dreck- und Unterschichtenmentalität fest, womöglich auch aus politischen Mehrheitserwägungen, um die Stadt links zu halten. Wer in einer ordentlichen, halbwegs zeitgemäßen Wohnung wohnen würde, würde ja vielleicht nicht mehr links wählen. Berlin wird künstlich auf Ghetto- und Sperrmüll-Niveau gehalten. Berlins Problem ist, dass Berlin in seiner Gänze schon so zurückgeblieben ist, dass schon einfacher Baumarkt-Standard als Luxus gilt. Und sie versuchen nicht etwa, Berlin auf aktuellen Lebensstandard zu bringen, sondern in der Vergangenheit festzuhalten und jede Verbesserung zu blockieren, als ginge es geradezu darum, die Leute in schlechten Wohnungen zu halten.

Soweit ich das beobachten konnte, sind Investoren die Einzigen, die derzeit alte Mietwohnungen ordentlich renovieren oder neue in einen angenehmen Zustand bringen, in denen man wohnen und nicht nur hausen kann. Die Politik macht da ja gar nichts außer zu bremsen und zu blockieren. Statt um Wohnungen kümmern die sich in Berlin darum, dass die Straßennahmen nach Geschlechterquote vergeben werden. Und das ist ein enormes Problem, denn Berlin ist zwar groß, aber wirtschaftlich immer noch schwach (wenngleich auch auf dem Weg der Besserung). Wenn man wirtschaftlich vorankommen muss, muss man – auch oder gerade weil es linken Ansichten widerspricht – die Mittelschicht nach Berlin holen. Und das macht man nicht mit Gammelwohnungen. Eine Ursache dieser Haltung ist eben auch, dass Berlin sich in seiner Unterschichtenmentalität suhlt und sich über den Länderfinanzausgleich bezahlen lässt. Die Mittelschicht möge arbeiten und Steuern zahlen, aber das doch bitte in anderen Bundesländern, und die Steuern nach Berlin überweisen. Man müsste Berlin eigentlich wegen Selbstverschuldung der Verschuldung den Geldhahn abdrehen und Berlin zwingen, sich wirtschaftlich selbst zu erhalten. Entweder bleiben sie dann bei ihrer Mentalität und werden zum Total-Ghetto (womit dann endlich mal bewiesen wäre, dass die Politik nichts taugt), oder sie fangen doch mal an, wirtschaftstaugliche Zustände herzustellen.

Man könnte ja mal die Prioriäten überdenken.

Berlin ist vollgepropft mit Sozialwohnungen und Arbeitslosen. Gleichzeitig gibt es in Marzahn, Steglitz, Spandau (also weiter draußen) viele freie Wohnungen. Man könnte Wohnungen ja mal nicht nach Gehalt, sondern nach Nähe zum Arbeitsplatz vergeben. Der größte Energieverbraucher in Städten ist die Mobilität. Fahrten zum Arbeitsplatz zu minimieren wäre ökologisch und energiesparend. Aber seit wann wären die Grünen ökologisch veranlagt?

Große Investoren

Ganz Berlin schimpft auf die Großinvestoren, die Häuser aufkaufen, sie renovieren und dann teuer vermieten. Den Vorwurf halte ich nicht für so ganz berechtigt, denn übertrieben luxuriöse Wohnungen habe ich kaum gesehen (natürlich auch, weil ich ab einem gewissen Preisniveau erst gar nicht mehr hingegangen bin bzw. das außerhalb meiner Suchkriterien lag). Ich habe insgesamt nur wenige Wohnungen in einem brauchbar renovierten Zustand gesehen. Wenn in einer Wohnung die Wände glatt gemacht und frisch gestrichen wurden, ein neuer Boden reinkam, die Fenster ersetzt wurden, eine neue Küche reinkam und das Bad frisch gemacht wurde (inzwischen sind hier solche Riesen-Wandkacheln in Mode, die das Bad sehr edel aussehen lassen, letztlich aber auch nichts anderes als eine ordinäre gekachelte Wand sind), halte ich sowas noch nicht für Luxus, sondern einfach für einen zeitgemäßen normalen Zustand, der ja den Wohnwert auch wieder für 10 bis 20 Jahre erhalten soll. Denn auch die »alten« Wohnungen waren zum Zeitpunkt ihres Baus auf dem Stand der damaligen Technik. Aus irgendwelchen absurden Gründen hat sich hier aber die Mentalität eingebürgert, dass alles, was jetzt aktuell Stand der Technik ist, »Luxus« wäre, und dass das, was vor 30, 40, 50 Jahren Stand der Technik war, jetzt angemessene und akzeptable Wohnungsausstattung wäre. Der politisch korrekte Berliner hat sich morgens in einem Bad zu waschen (wenn er überhaupt eines hat und kein Etagenklo), das seit 30 Jahren nicht mehr erneuert wurde. Und alles, was irgendwie neu aussieht, muss sofort verdreckt, verkratzt, beschmiert und mit Graffiti gekennzeichnet werden, weil man hier nicht erträgt, wenn etwas neu oder sauber ist. Gäbe es keine großen Investoren, gäbe es auch keine neuen Wohnungen in Berlin, neu im Sinne von renoviert, neu im Sinne von zusätzlichen Wohnungen.

Natürlich gibt es auch da enormen Missbrauch. Oft wurden Häuser nur so renoviert, dass sie die höchste Rendite bringen, etwa indem nur 2-Zimmer-Wohnungen gebaut wurden. Mir wurde erzählt, dass ein Großinvestor in Reinickendorf ganze Straßenzüge aufgekauft habe, um nach Schließung des Flughafen Tegels über die Nutzungsänderung (Ruhe vor Fluglärm) die Mieten drastisch anzuheben, ohne an den Wohnungen selbst irgendetwas renoviert zu haben.

Ich habe auch Wohnungen gesehen, die unverschämt überteuert waren, aber die gehörten eher kleinen, Einzelinvestoren. Als störender empfand ich da mehr die Begleitumstände, wie Mindestmietdauern weit über einem Jahr (einmal sogar vier Jahre), oder das Ansinnen, ganze Wohnanlagen nur mit einheitlichen Mietern zu besetzen. Einer sagte mir mal, ich bräuchte gar nicht erst zur Besichtigung zu kommen, weil man alle Häuser der Anlage einheitlich nur mit Familien mit Kindern unter 6 Jahren befüllt, damit alle den gleichen Krach machen und sich keiner über Kinderlärm, Kinderwagen usw. beschweren kann.

Ich habe aber generell den Eindruck, dass Großinvestoren deshalb auch viel eher dafür sorgen, dass der „Laden läuft”, also ein Hausmeister da ist, eine Hausverwaltung sich kümmert, dass die Anlage instand gehalten wird, was bei einer Eigentümermehrheit häufig gar nicht funktioniert und nur in Streit ausartet. Und dass sie deshalb ihre Wohnungen auch preislich und qualitativ so auslegen, dass es einen Markt dafür gibt. Und das ist der springende Punkt: Neue oder renovierte Wohnungen sind in Berlin deshalb so teuer, weil sie so knapp sind. Nicht der Investor, sondern das Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage macht hier den Preis.

Und damit ist es vor allem die Berliner Politik, die die Preise hochtreibt. Denn mit absurden Renovierungsverboten, versäumter Aktivierung des Wohnungsbaus und der Altbaumentalität wird letztlich nur der Markt für erträgliche Wohnungen verknappt und damit verteuert.

Allerdings hat in Berlin auch eine fatale Raffgier eingesetzt. Neulich kam ein Bericht im Radio, dass es irgendwo eine Geschäftsstraße gab, die jahrzehntelang zu aller Zufriedenheit wunderbar funktionierte. Lauter kleine Läden, die prima liefen. Dann fing das an, dass in Berlin die Mieten stiegen und die Vermieter wollten da mitmachen und hoben rapide die Mieten an. Die Ladeninhaber konnten das nicht mehr erwirtschaften und mussten wegziehen. Nun steht die Straße überwiegend leer, sie bekommen größtenteils gar keine Mieten mehr, sehen es aber nicht ein, und die Einkaufsstraße ist kaputt.

Irgendwo hatte auch irgendeine prominente große Modekette einen lokalen Laden aus einem Gebäude verdrängt, indem sie eine Wahnsinnsmiete zahlten. Nach nur etwa einem Jahr sind die da aber wieder ausgezogen, weil sie eine bessere Lage fanden. Der gierige Vermieter (auch ein psychologisches Problem) konnte aber mit seiner Miete nicht mehr auf den alten Stand zurück und war darauf blockiert, dass Mieten immer nur steigen. Nun steht die Bude leer und er bekommt gar nichts.

Auch hier vor der Tür gab es einen Supermarkt, der aber dicht gemacht hat. Die einen sagen, weil zu oft eingebrochen wurde. Die anderen sagen, weil die Miete zu sehr angehoben wurde. Nun steht der Laden seit Monaten leer und sie finden keinen Nachmieter, weil einer nach dem anderen absagt. Die rechnen das halt knallhart durch, wieviele Leute wohnen da, welchen Umsatz kann man da machen, kann man das (und die Schäden durch Einbrüche) erwirtschaften oder nicht. Man kann wohl nicht. Lieber lassen sie die Bude aber leer stehen, als auf die alte Miete zurückzugehen und einzugestehen, dass die Erhöhung ein Fehler war.

Kleine Investoren

Viel schlimmer als die „großen“ Investoren kamen mir die „kleinen” vor. Privatleute, die sich da mal eine oder zwei Wohnungen kaufen (oder sonst irgendwie dazu kommen, durch Erbe, oder weil sie selbst aus ihrer Eigentumswohnung wegziehen) und dann meinen, das große Geld machen zu können. Eigentlich sind private Kleinvermieter eine heikle Sache. Entweder wohnen sie weit weg und kümmern sich um gar nichts, wollen nichts mehr investieren oder reparieren, aber dick abkassieren. Oder sie wohnen in der Nähe und kontrollieren, ob man die Unterhosen richtig zusammenlegt, sind dann aber extrem geizig.

Ein großes Problem dabei ist, dass die meistens selbst schwer abgezockt wurden. Da rät gerade jeder, in Berlin (oder allgemein den Großstädten) zu investieren und sich mit Mieten reich zu verdienen. Eigentumswohnungen würden sich so praktisch selbst finanzieren. Kürzlich gab es da eine Statistik über die Eigenkapitalquoten, die da von durchschnittlich 20% vor einigen Jahren auf etwa 10-11% gesunken sind. Dafür nehmen die Banken natürlich höhere Zinsen, selbst in der Niedrigzinsphase. Alles hart auf Kante, um beim geringsten Wackeln fällt das alles zusammen. Die Mietrenditen sind – bei Ansparen angemessener Rückstellungen – nahezu bei Null angekommen. Vor ein paar Tagen stand sogar irgendwo, dass in Hamburg und München die Mieten erstmalig rückläufig sind, während die Kaufpreise steigen.

Ich hätte da aus Not fast diese überteuerte Wohnung in der denkmalgeschützten Brauerei genommen (weiß nicht mehr genau, ca. 1300 warm für 85qm, plus Makler), aber dann doch noch was besseres gefunden. Das zog sich aber von Februar bis Juni hin, und am Schluss hatte der immer noch keinen Mieter. Da merkte man schon, dass der da in richtige Bedrängnis kam und bot mir schon an, die Miete um 80 Euro zu senken, konnte aber nicht weiter runter, um nicht selbst draufzulegen. Dafür hat er dann mindestens ein halbes Jahr gar keine Miete gehabt, und musste noch die Nebenkosten zahlen.

Ich habe eine Wohnung besichtigt, die warm fast 1400 kosten sollte. Mir deutlich zu teuer, aber die sah auf den Fotos so toll aus, dass ich dachte, die schau ich mir zumindest mal an um ein Gefühl für Preise usw. zu bekommen. Schön groß, eine ganze Etage, direkt an der Spree gelegen. Als ich sie dann sah, hat es mich fast rückwärts wieder rausgehauen. Total schlampig und schlecht gestrichen, das Parkett tief verkratzt und vergammelt, im Bad alle weichen Fugen löchrig, verfault, verschimmelt. Die Küche, die auf dem Foto so toll aussah, eine Billigstküche aus dem Baumarkt, der Backofen zentimeterdick voller Dreckkrusten, dazu mit Müll vollgeladen. Der Keller winzig, und so feucht, dass es extrem modrig roch. Ich fragte den Makler, ob er noch alle Tassen im Schrank hätte, so etwas zu einem solchen Mondpreis anzubieten. Der meinte, ich hätte Recht, aber er könne das ja auch nicht ändern. Der Vermieter sei ein privater und habe sich die Wohnung eben andrehen lassen, habe über 3.000 Euro pro Quadratmeter gezahlt, und die Wohnung selbst nicht gesehen, nur auf Fotos. Bei 110 qm, mit Steuern und Maklergebühren wird der da so etwa 400.000 Euro hingelegt haben. Selbst wenn der nur 3% für einen Kredit zahlen würde, kostet das 12.000 Euro pro Jahr allein an Zinsen, also die gesamte Kaltmiete. Der Makler sagte, der wollte vorher noch mehr Miete haben, hat sie aber nicht bekommen, die Wohnung stehe schon seit Monaten im Angebot. Zweimal sei er schon runtergegangen, mehr ginge nicht. Dafür müsse ich doch Verständnis haben. Nöh, sagte ich, dafür habe ich kein Verständnis. Es ist nicht meine Aufgabe, die Risiko-Investments anderer Leute zu retten. Nun, war die Antwort, was soll er denn aber machen, der arme Investor, wenn er die Wohnung partout nicht billiger kaufen konnte? Ach, fragte ich zurück, er treibt die Preise hoch, indem er sich an dieser bekloppten Preisrallye beteiligt, und jammert dann über hohe Preise? Warum macht er dann da mit? Und glaubt, er könne sich zurücklehnen und abkassieren, müsse sich seine Wohnung nicht mal ansehen und könne das alles einfach dem Makler überlassen, den der Mieter zahlt? (Das hatten sie ihm wohl beim Verkauf erzählt und er hatte es geglaubt.) Möge die Pleite ihn holen und das Amtsgericht ihm die Bude versteigern.

Ich gehe davon aus, dass da in der nächsten Zeit eine ganze Menge Leute pleite gehen werden. Man kann Kaufpreise beliebig erhöhen, aber nicht Mieten. Und die Rendite ist schon praktisch bei Null.

Ach ja, ich hatte noch Wohnungen in einer ehemaligen Kaserne besichtigt, aber zu teuer und zu weit draußen. Im Nachbargebäude wurde auch gebaut. Als ich fragte, ob es da auch Wohnungen zur Miete gibt, war die Antwort: Nein. Die können nicht vermietet werden. Die sind so teuer, dass sie sich durch Vermietung niemals finanzieren könnten. Na, dann. Viel Spaß in der Kaserne abseits öffentlicher Verkehrsmittel.

Ein echtes Ärgernis sind aber auch die Leute, die sich in Berlin eine Wohnung kaufen, weil man das als Reicher eben so hat, und die dann vielleicht eine Woche im Jahr benutzen und ansonsten leer stehen lassen. Und es gibt auch viele (das Problem ist auch in München bekannt), die Wohnungen (illegal) als Ferienwohnungen vermieten, weil das mehr bringt als vermieten.

Griechenland und das Euro-Disaster

Steigende Mieten sind oftmals nicht willkürlich angehoben, sondern eine Folge explodierender Haus- und Grundstückspreise. Die sind eigentlich die Preistreiber, die dann auch letztlich auf die zu erwirtschaftenden Mindestmieten durchschlagen. Aber woher kommt das?

Wie mir von vielen Seiten gesagt wurde, ist das eine Folge der Euro- und der Griechenlandkrise. Viele der reichen Südeuropäer aus Griechenland, Italien und anderen Ländern, aber auch die Mafia selbst, bringen ihr Kapital in Sicherheit und wechseln Geld gegen Betongold. Und da hängt Berlin gerade sogar London ab.

Das kann dann aber auch platzen, wenn sich der Euro erholt oder die Investoren ganz aus Europa weggehen. Das ist wie bei Aktien: Kommt das mal ein bisschen ins Rutschen, geht die Lawine los. Platzen aber die Immobilenpreise, werden auch die Mieten wieder sinken. Sollte sich Europa irgendwann erholen, geht das Kapital auch wieder weg und die Zinsen steigen, dann gehen sie auch pleite.

Tatsache ist, dass wir einen Teil der Euro-Krise damit indirekt mit erhöhten Mieten und Kaufpreisen zahlen.

Fazit

Der Wohnungsmarkt in Berlin ist kaputt.

Das liegt aber nicht (oder nicht nur) an bösen Investoren, wie die political correctness hier so gerne behauptet. Es hat viele andere Ursachen.

Eine Ursache ist, dass der Markt in Berlin nicht von den Anbietern, sondern von den Verbrauchern gemacht wird. Wer für Schrottwohnungen zahlt, muss sich nicht wundern, wenn sogar für Schrott die Preise steigen. Es gibt in Berlin kein Anspruchsdenken an Wohnstandards, sondern eine Altbau- und Gammelmentalität, die auch Gammelwohnungen akzeptiert und bezahlt.

Eine zweite Ursache ist der hohe Anteil von Gammelwohnungen und der niedrige von bewohnbaren. Damit wird der Markt an mittelschicht-kompatiblen Wohnungen extrem verknappt und damit verteuert. Grundsätzlich gibt es in Berlin mehr als genug Wohnungen, nur sind die eben nicht in akzeptablem Zustand. Und Berlin macht nicht nur nichts zur Verbesserung, sondern leistet sich noch die politische Idiotie, Renovierungen auch noch zu verbieten und damit den Markt auch noch extrem zu verengen. Das Gegenteil wäre richtig. Man sollte Renovierungen nicht verbieten, sondern im Gegenteil zwingend vorschreiben – Neuvermietungen dürften nur erfolgen, wenn ein gewisser Mindeststandard eingehalten wird. Das wäre nicht nur ein Konjunkturprogramm, sondern würde auch den Anreiz nehmen, alte Mieter rauszuekeln. Und weil das Angebot an freien Mietwohnungen damit generell in einem höheren Qualitätsniveau läge, wäre genug Angebot da, um den Preis niedrig zu halten.

Eine weitere Ursache ist – auch wenn man sich mit der Aussage noch so unbeliebt macht und noch so sehr gegen die political correctness verstößt und anti-links denkt – die Berliner Bevölkerung selbst. So wie es in den Berliner Straßen und U-Bahnen aussieht, so sieht es auch in den Wohnungen aus. Dreck, Müll, Vandalismus, Zerstörung. Damit werden nicht nur viele Wohnungen aus dem normalen Markt gedrückt und der Markt damit verknappt, sondern es wird auch Schaden angerichtet. Es gibt in Berlin unheimlich viele Leute, die nur niedrigste Mieten zahlen wollen, gleichzeitig aber mehr Schaden an den Wohnungen anrichten, als sie Miete zahlen, also als Mieter ein Negativ-Geschäft sind. Und mit denen man einfach nicht im selben Haus wohnen kann. Die Gesellschaft akzeptiert und toleriert solche Leute, und die Gesellschaft zahlt es über die höheren Mieten.

Meines Erachtens müsste man das Gegenteil von dem tun, was die Berliner Politik und die Bundespolitik machen. Die müssten bauen und Wohnungen renovieren wie die Wahnsinnigen. Es müsste einen Katalog an »zeitgemäßer« Ausstattung geben, der nicht zu Mieterhöhungen berechtigt und der bei Neuvermietungen verlangt werden kann. Damit hätte man ein Konjunkturprogramm und hätte auf Jahre hinaus Geschäft im Handwerksbereich. Die Leute hätten bessere Wohnungen, würden besser wohnen, und bei genügend Masse würden die Mieten nicht steigen, weil ja das Gesamtaufkommen an Mietzahlungen (bis auf den Konjunkturschub) nicht steigen würde.

Gleichzeitig sollte man die Mieterpflichten verschärfen. Wer eine Wohnung vergammelt zurückgibt, sollte für die Schäden aufkommen, damit die Kosten nach dem Verursacherprinzip und nicht von der Allgemeinheit getragen werden müssen. Wir brauchen eine Gesellschaft, die mit einer Küche oder einem Bad umgehen kann, ohne es zu ruinieren. Wir können es uns nicht leisten, dass ein signifikanter Teil der Gesellschaft schon durch bloßes »Wohnen« eine Spur der Verwüstung und des Drecks hinter sich herzieht, der Kosten für die Allgemeinheit bedeutet und in Berlin einen großen Teil der Wohnungen dem Markt entzieht. In Berlin gibt es ganze Stadtteile, in die man nicht ziehen will und kann. Das sind die Kostentreiber.


54 Kommentare (RSS-Feed)

Flash
25.8.2013 23:47
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Oha.
Das nenne ich mal einen Rundumschlag, ye-ye-ye.

Und ich bin begeistert, wie gut du Berlin beschrieben hast. (Ich hoffe, du hast nicht über Jahre bei Don Alphonso mitgelsen und abgeschrieben, der schreibt dasselbe über Berlin wie du).

Nun, die Zustände in Berlin UND die Zustände in München sind da so, wie sie sind, weil es auf die Menschen und deren Mentalität ankommt.

Mit dem Unterschied zwischen “Zivilisiertheit” und deren Nichtvorhandensein ist es schon ganz gut getroffen. Es ist doch ganz logisch, daß Berlin, als Magnet für Linke, Alternative, für Schmarotzer, Hartzies usw. usw. nur das repräsentiert, was der Einwohnerklientel entspricht. Dazu kommt noch, daß ein Drittel Berlins die Kmmunistenhauptstadt war, eines Staates, der alles Bürgerliche, gehobene, Gebildetet verabscheute und den kleinen Arbeiter zum Maßstab erhob. Und der hielt eben die “Neubauwohnung” (Arbeiterschließfach) schon für Luxus.

Es gibt in München Gesellschaftsschichten, von denen hat Berlin schon seit 70 Jahren und länger nix mehr gesehen.

Schichten, die noch die Zivilisation und Bürgerlichkeit hochhalten. schichten, in denen noch eine althergebrachte Wertevermittlung betrieben wird (das A und O überhaupt).

Schichten, in denen es nicht als ehrsam gilt, auf ALG-II-Niveau in irgendwelchen Projekten dahinzuvegetieren, sondern im eigenen Unternehmen die Umsätze zu steigern und neue Produkte zu entwickeln.

In Berlin ist der Assi halt der Star. Und bei den dadurch herbeigewählten Kommunalpolitikern kann das auch nicht besser werden. Deren Prioritäten hast du ja schon erkannt.

Übrigens ist der Berliner i.allg. auch als unfreundlioch, grob und unnett zu Zugezogenen verschrien. Probiers mal aus.

Ich würde sagen: zivilisatorisch und lebenqualitätsmäßig ein schwerer Rückschritt, dieser Umzug.


Hadmut
26.8.2013 0:00
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> Übrigens ist der Berliner i.allg. auch als unfreundlioch, grob und unnett zu Zugezogenen verschrien. Probiers mal aus.

Schon lange am sammeln für einen Blog-Artikel darüber. 😉


Flash
25.8.2013 23:50
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Allenfalls hätte es sich vllt. angeboten, im Speckgürtel nachzuforschen, was es da so gibt. Dank S-Bahn ist da auch sehr schnell in Berlin, und da ringsherum herrscht allgemein noch etwas mehr Ordnung und Zivilisation. Da ist dann aber auch kein Großstadtflair zu haben.


tl;dr


Hadmut
26.8.2013 0:09
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> tl;dr

Ja, manchmal wird hier im Blog eine gewisse intellektuelle Mindestleistung erwartet.

Soll angeblich Leute geben, die Bücher schreiben. Und gerüchteweise sogar Leute, die sowas lesen können.


jck
26.8.2013 0:24
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Ich bin 2010 aus meiner ’03 für 10 Euro/qm (kalt) gemieteten Wohnung in München ausgezogen, die Miete blieb gleich. Bedingung, dass ich sie bekam, waren 500 Euro “Ablöse” oder wahlweise selbst streichen und die Akzeptanz eines uralten, weißen Echtwollteppichs, der da, wo das Sofa sinnvollerweise hinkam, einen riesen Fleck hatte. Bis auf einen neuen Wasserhahn (den der Vermieter bezahlte) in der dann 26 Jahre alten Markenküche und der dringend notwendigen Erneuerung des (dann auch 26 Jahre alten) und neben dem Fleck noch von meinen Katzen geliebten flauschigen Wohnzimmerteppichs (Rest war Parkett) habe ich dem Vermieter nichts negatives hinterlassen – habe aber natürlich auch alles ordentlich (und teuer) streichen lassen, da ich Raucher bin. Dank neuer Tapeten, Spezialfarbe und (ordentlichen) Kunststofffenstern (die nicht gelb wurden) merkte man das nach meinem Auszug nicht mehr. Ich habe anderthalb Jahre später von einem mittlerweile insolventen Versandhaus an meine alte Adresse ein Paket bekommen, weswegen mein ehemaliger Vermieter anrief – die Wohnung stand noch leer. Seine Begründung: Mit den anderen beiden Mietwohnungen hatte er nur Probleme, und er suche lieber länger. Schlechte Mieter gibt es also auch in München.

Mittlerweile ist die Wohnung (großzügige 2,5 Zimmer in Sendling, 72m², 300m zur U-Bahn und 10 Euro Taxi aus der Innenstadt) sicher für 13,14,15 Euro/m² zu vermieten, aber ich weiß nicht, wer das bezahlen können sollte. Oder wollen würde.

Zur Situation in Berlin weiß ich noch, dass man da vor vier Jahren richtig große Objekte, vor allem Häuser in miserablen Zustand, hinterhergeworfen bekam; sonst natürlich auch ganz tolle Wohnungen mit unzureichender Heizungslösung im 4. Stock ohne Aufzug. Ich habe mir aber darüber nach meinem ersten Berlin-Besuch keine Gedanken mehr gemacht und beschlossen, Bayern allenfalls zugunsten von Hamburg zu verlassen.

Die Miet-/Kaufpreisidiotie kann ich auch nicht nachvollziehen; Wohnungen in München kann man aktuell nur noch mit negativer Rendite vermieten – und das setzt voraus, dass man zahlende Mieter hat, sonst wird es katastrophal. Da kosten 100m² 4-Zimmer ja schon eine halbe Million. Die von Hadmut beschriebene teuer-kaufen-nicht-teuer-vermieten-können – Situation wird sich auch dort mehren. Glück haben die mit vernünftigen Vermietern, die bei den alten Mieten (und Mietern) bleiben, die zahlen (und zahlen können). Bei den Preisen in München können sich das sonst doch fast nur noch Mietnomaden leisten. Der Rest kauft halt – notgedrungen oder aus Renditehoffnung. Was ich heute mit 25 in München machen würde, weiß ich aber auch nicht.

Abschließend frage ich mich, warum Du, Hadmut, Probleme damit hast, dass man Häuser mit “Familien mit Kindern unter 6 Jahren befüllt” – ich nehme an, dass Du auch nicht in “Raucherhäuser” ziehen würdest. Warum? Geht es denn nicht um sinnvolle Toleranz? In München hatte ich über mir bis früh morgens Samba, unter mit die ganze Nacht Geplärre von Kindern, und mein Rauch wird auch jemanden gestört haben. Und das war eine gute Hausgemeinschaft. Werden wir (als Gesellschaft) immer intoleranter?


markenware
26.8.2013 1:00
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Ist in Berlin die Kaution verboten?
Gut, bei den beschriebenen Zuständen käme man wohl nur selten mit den ansonsten üblichen drei Monatsmieten hin. Ich bin bisher aber davon ausgegegangen, dass so ein kleines Sparkonto beim Vermieter disziplinierende Wirkung entfalten würde.

Und was den Feminismus betrifft:
es sind nicht nur Frauen, die das Singledasein (zumindest in den eigenen vier Wänden) bevorzugen. Es gibt genauso viele Männer, die das ebenso sehen. Und nach den Statistiken sind es nach wie vor überwiegend Frauen, die sich um den Haushalt kümmern.


Andy
26.8.2013 1:33
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Buch ist in dem Zusammenhang ein gutes Stichwort…

http://www.amazon.de/hate-Berlin-Unsere-%C3%BCbersch%C3%A4tzte-Hauptstadt/dp/3431038476

Hättest Du arbeitstechnisch keine Alternative neben Berlin? Für mich wäre ein Umzug dorthin der Dealbreaker schlechthin…


Hanz Moser
26.8.2013 1:33
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Das kommt mir alles sehr bekannt vor. Ein Bekannter sucht derzeit in München nach einer Wohnung und erzählt fast die gleichen Geschichten. Es gibt nur wenig, was überhaupt in seiner Größe (~100-110qm) vermietet wird und wenn, dann nur über Makler. Was da ist ist meist heruntergekommen, mindestens aber für den Preis in erbärmlichem Zustand, Makler sind nahezu alle inkompetent und spielen auf Bestechung an. Die interessanten Objekte werden wohl fast alle über Bekanntschaften vermittelt.

Selbst hier im nördlichen Speckgürtel wird es langsam absurd. Hier in der Nähe wurde frisch gebaut und für eine 85qm Wohnung soll man dort eine Viertelmillion bezahlen oder 92qm für 1100 kalt mieten. Ersteres natürlich ohne Küche und mit Minimalbad, in dem alles aufpreispflichtig wäre. So nett es hier auch ist, aber so weit ab vom Schuss, bei einem so langem Weg zur S-Bahn und einer nicht unbedingt luxuriösen Immobilie scheint es mir total irre, wenn ich, ohne Zins, mehr als 17 Jahre lang 1100 Euro abdrücken soll. Mit Zinsen und den Kosten, die einem als Eigentümer bleiben, zahlt man ewig bis sich das gegenüber Miete rentiert.

Die Idee in Bälde umzuziehen verwerfe ich langsam. Derzeit würde ein gleichwertiges Häuschen vermutlich rund ein Viertel mehr kosten und man wüsste nicht mal, ob man wieder vernünftige Vermieter hat.


Jakob
26.8.2013 2:28
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Das Verwahrlosenlassen von Wohnungen durch Mieter ist natürlich ein gewisser Kostenfaktor aber definitiv nicht der Grund für die massiven Kostensteigerungen in den letzten 5-8 Jahren. Die eigentliche Ursache dafür ist, dass Berlin an Attraktivität gewinnt und gleichzeitig zu wenig neue Wohnungen gebaut werden. In den letzten Jahren ist die Zahl an leerstehenden, bewohnbaren Wohnungen auf dem Markt massiv zurückgegangen. Leider tut die Politik ziemlich wenig, um dieses Missverhältnis zu beheben. Selbst das Geld, das Berlin vom Bund jährlich für sozialen Wohnungsbau bekommt, wird nicht für den eigentlich nötigen Bau von neuen Sozialwohungen genutzt (siehe z.B. http://www.tagesschau.de/inland/wohnungsbau110.html). Statt dessen werden bestehende Sozialwohnungen abgeschafft und die alten Mieter durch Mieterhöhungen verdrängt. Noch gibt es in Berlin eine signifikante Anzahl von Baulücken und leerstehenden, sanierungsbedürftigen Häusern, so dass sich durchaus neue Wohnungen schaffen lassen.

Ich würde auch davon ausgehen, dass die Betrachtung des üblichen Zustands von Wohnungen anhand der angebotenen Wohnungen nicht repräsentativ ist. Viele gute Wohnungen werden überhaupt nicht öffentlich inseriert sondern mit Vitamin B unter der Hand vergeben (wobei natürlich auch die Makler-Abzocke wegfällt). Und selbst wenn inseriert wird, sind vernünftige Wohnungen nach dem ersten Besichtigungstermin vergeben und werden dementsprächend nur 1x inseriert. Wohnungen, die sich aufgrund eines schlechten Zustands und/oder überzogener Preisvorstellungen nicht vermieten lassen, werden natürlich immer wieder und auf vielen verschiedenen Platformen inseriert, so dass man diese Angebote häufiger zu Gesicht bekommt.

Die Regelung zur Umlegung von Sanierungskosten auf die Mieter (11% pro Jahr) ist auch problematisch, weil der Vermieter sich so die Kosten einfach wiederholen kann und daher keinerlei Interesse daran hat, dabei die Bedürfnisse der Bewohner zu berücksichtigen und die Arbeiten kosteneffizient durchzuführen.


Hank
26.8.2013 4:02
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Apropos Street View, jetzt war ich erpicht darauf mal auf virtuellen Slum-Tourismus zu gehen und mir per Street View die besagten Müllhaufen auf den Straßen von Wedding anzugucken. Konnte aber auf die schnelle nichts finden. Link?

Wer weiß, vielleicht kann ich damit ja noch den einen oder anderen Berlin-Träumer aus der Ferne von einem Umzug abhalten — das Bild von Berlin scheint je positiver je weiter weg der Mensch davon ist.


ein anderer Stefan
26.8.2013 7:39
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Oh weh. Das sind ja Szenen aus dem Urwald. Hier in Dresden steigen die Immobilienpreise gerade deftig. Ich sehe hier Neubauten mit Mieten von 12-14 Euro/m² kalt, und Eigentum für 4000 €/m². Normal liegen bzw. lagen die Mieten für unsanierte Wohnungen bei 4-5 Euro, saniert 6-8, teils auch bis 10. Ich gehe aber davon aus, dass wir hier bald spanische Verhältnisse kriegen und der Boom in wenigen Jahren zusammenbricht. Dann normalisieren sich die Verhältnisse hoffentlich etwas. Wir zahlen 6,50€ kalt für eine vor ca. 10 Jahren sanierte Wohnung (gut 100 m²) in absolut zentraler Lage, den Preis haben wir vor zwei Jahren noch bekommen (Suche: wenige Wochen, angesehen haben wir uns vielleicht 6 oder 8 Wohnungen, und mussten keinen Ariernachweis vorlegen). Das sind aber auch die Wohnungen, die mit strengen Auflagen von der Stadt vor ein paar Jahren verkauft wurden – was ich immer noch für eine dämliche Idee halte. Ohne eigenen Wohnungsbestand kann die Kommune auf dem Wohnungsmarkt nicht mehr regulierend eingreifen. Es gibt jetzt hier zunehmend Probleme, dass normale bis schwache Mieter verdrängt werden und alles zu Mondpreisen saniert und verkauft wird. Und die GAGFAH als Käufer der Wohnungen muss mal glaube ich nicht weiter kommentieren.


euchrid eucrow
26.8.2013 11:10
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in berlin hab ich es immer nur ein paar tage ausgehalten und war danach froh, wieder in die ländliche provinz zu fahren. hut ab vor deiner entscheidung und den durchlebten strapazen.
sollte es dich mal nach einem ausflug aufs land gelüsten, dann ab in richtung osten. strausberg ist ein kleines und schönes städtchen in dem ich mal 2 1/2 jahre gewohnt und gearbeitet habe. ich glaube, die s5 fährt da raus. oder mit dem auto in die märkische schweiz. die gegend um buckow. dort kann man auch vortrefflich in den wäldern rad fahren.


chris
26.8.2013 11:32
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Also ich habe bisher immer sehr gute Wohnungen mit gegeninserieren gefunden.

Immer eine Anzeige in die jeweils größte Zeitung gesetzt so nach dem Motto xyz sucht Wohnung mit abc Kriterien in jdk Gegend.

Da kommen dann einige Anrufe mit Angeboten, die ich dann abklappere und ich hab bisher immer sehr gute Wohnungen zu guten Preisen dabei bekommen. Das geht auch immer ohne Makler, weil die Vermieter selber gucken.

Letztes Beispiel ist meine Wohnung in Jülich mit 45qm in direkter Nähe zur Uni für knapp über 320 warm. Die Bude ist gut in Schuss und der Platz für nen Studenten ist echt Luxus 🙂


ein ex-münchner
26.8.2013 12:43
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Sie haben Ihre Entscheidung, hierher nach Berlin zu ziehen, anscheinend nicht sorgfältig genug erwogen. Wer sich im Oberföhringer Kleinbürgermuff gut aufgehoben fühlt, wird hier mit Sicherheit unglücklich sein oder werden.


Joey
26.8.2013 13:44
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Ja, nach meinem letzten Besuch dort kam unterm Strich auch die Erkenntnis, daß Berlin die Mülldeponie Deutschlands darstellt.

Auch ein Grund, warum ich ganz klar FÜR den Länderfinanzausgleich bin: Ich sehe die paar Millionen lediglich als Schutzgeld, damit das dort hausende Klientel in Berlin bleibt.


Knut
26.8.2013 14:42
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Viel Spaß in Berlin !

Ich hatte schon beim Umzug von Bonn nach Berlin, dass wir von der Spießerrepublik zur Proletenrepublik werden. Berlin ist keine Metropole, sondern ein aufgeblasenes Kaff. Nur leider haben die Bewohner keine Lust bei “Unser Dorf soll schöner werden” teilzunehmen. Man sieht, ich war auch schon mal da.

Den Rest der Demontage habe ich aus Entfernung in Wuppertal mitbekommen. Zu Schulzeiten noch eine funktionierende Innenstadt mit Läden für dies und das, ist inzwischen nur noch ein Skelett zwischen zwei “Malls” und ein paar Traditionsläden (Juweliere) übriggeblieben. Der Rest ist inzwischen an Fressbuden, Ein-Euro-Läden und Klamottenläden für Jugendliche vermietet.

Ähnlich sieht es in Karlsruhe aus. Da wird jetzt der Rest noch durch die Baustelle ruiniert, so dass zum Schluß nur noch Ketten und “Konzept”-Läden übrigbleiben. In so eine 08/15-Fußgängerzone muß ich nicht fahren, da gibt es nichts Ausgefallenes und den Rest gibt es auch im Einkaufszentrum auf der grünen Wiese. Deshalb hat innenstadtnahes Wohnen für mich keinerlei Flair mehr, wenn man nicht gerade einen innenstadtnahen Job hat. Kein Parkplatz, dafür Lärm, aber Kino, Kneipe und Konzert sind auch nicht mehr in Laufnähe. Da kann ich auch vom Dorf losfahren.

Die Renditesuche der Vermieter hat mich übrigens letztendlich vom Hauskauf überzeugt. Hätte ich die 80000 Eigenkapital zu 4% angelegt, wären das 266 Euro im Monat. Wenn ich das zu meiner Abzahlung dazurechne, bin ich noch nicht bei den 2007er Mietpreisen. Und da sind Stellplätze (derzeit nur zwei nutzbar, der dritte steht mit Blumen voll. In 200m ist der Friedhofsparkplatz, das reicht im Zweifelsfall) noch nicht mal eingerechnet. Wir haben aber lange gesucht, weil auch auf dem Land viele die Preissteigerung nach der Renovierung schon beim Verkauf haben möchten.

Da gibt es dann fernvermietete Häuser, die inzwischen genauso aussehen wie du es beschrieben hast, die immer noch 100000 zusätzlich zum Grund bringen sollen. Die waren mal vermietet, dann die Böden kaputt, dann ist die Terassentür kaputtgegangen und drei Winter danach meint der Makler, das wäre eine einfache Renovierung. Alternativ, das kann man ja billig wegreissen. “Der Preis deckt ja kaum den Quadratmeterpreis für den Boden ab.” Tja, wenn man den Preis für Bauland für das ganze Grundstück anrechnet. Nur leider sind Zweidrittel als Gartenland, wenn nicht als Acker ausgewiesen, also so ohne weiteres nicht bebaubar.


Manuel
26.8.2013 15:15
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Also die Wohnungen in der Kaserne, die “nicht zur Vermitung” gedacht sind, die beschreiben ein Phänomen im Immobilienmarkt, das es schon immer gegeben hat und nicht neu ist und auch nichts mit dummen Investoren zu tun hat, die überteuerte Wohnungen kaufen und erst danach merken, dass sie die nicht kostendeckend vermieten können.
Ich vermute mal, dass es hier um Wohnungen geht, die für den “Privatkonsumenten” gebaut werden, also für jemanden, der sich diese Wohnungen zum Eigengebrauch kauft und sich von Hochglanzprospekten was vormachen lässt. Bei solchen Projekten ist es sogar üblich, dass die Wohnungen schon vor dem Baubeginn verkauft werden. Das ist ähnlich zu einem Neuwagen, der ist nach 2-3 Jahren auch nur noch die Hälfte wert und trotzdem kaufen viele Leute immer wieder fabrikneue Autos. Bei Wohnungen funktioniert die selbe Masche. Architektonisch baut man die nueste Mode ein, so dass der Unbedarfte den Eindruck hat, so würden nur Millionäre wohnen und kauft diese Wohnung völlig überteuert. Nach 2 Jahren bekommt er dafür noch die Hälfte, wenn er sie verkaufen wollen würde.

Im Grunde ist das ja auch mit Einfamilienhäusern aufm Land ähnlich, nur dass da die komplette Initiative von denen ausgeht, die sich finanziell selbst übers Ohr hauen. Aber der normale Mittelschichtstraum schreibt einfach eine neue Immobilie und einen Neuwagen vor, sobald man ihn sich leisten kann. Diesem Wettbewerb muss man sich stellen. Deshalb gehen solche Wohnungen weg, immer weider, auch wenn ein nüchternes Nachrechnen diese Objekte als Fehlinvestitionen entlarven würde. Das ist vielen Käufern aber völlig egal, da zählt nur der Status, der mit einem solchen Sinnloskauf erworben wird.


Robert Sander
26.8.2013 15:23
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Da kann ich ja froh sein, daß ich seit 13 Jahren in der selben Wohnung (Prenzlauer Berg!) wohne…

Dahin gezogen bin ich nicht wegen des Glamour-Faktors, sondern weil ich im Prenzlauer Berg die Arbeitsstätte hatte. Und jetzt immer noch habe.


Fry
26.8.2013 16:17
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Da lobe ich mir das Leben in einer Kleinstadt 🙂


ein anderer Stefan
26.8.2013 18:01
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Ich habe schon lange den Eindruck, dass Immobilien maßlos überteuert sind und im Vergleich zu wenig bieten. Bekannte haben aus einer Insolvenz ein Haus gekauft, Neubauviertel im hannoverschen Speckgürtel, mit drei Meter Hundewiese an jeder Seite. So möchte ich nicht wohnen. Da gabs nicht mal öffentliche Parkplätze, wahrscheinlich ein reines Investorenprojekt, bei dem jeder Quadratmeter zu Geld gemacht wurde. Ich weiss nicht, was die Bude gekostet hat, aber mit Sicherheit zu viel. Und alles nur, um das klassische “freistehende Einfamilienhaus” zu haben? Begreife ich nicht. Da habe ich nach fünf Jahren ständig Reparaturkosten an der Hütte, bei dem heutigen miesen Standards. Und dass ich alles alleine heizen muss, sehen auch die wenigsten. In einer Wohnung habe ich ja meistens an mehreren Seiten Nachbarn, die mitheizen.


Flash
26.8.2013 19:10
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@Fry

Ohh ja, finde ich auch. Hier fiel das böse Wort “Kleinbürgermuff”, aber der hat halt auch Vorteile. Nämlich ein geordnetes Gemeinwesen, in dem nicht 120 differente Kulturen und Subkulturen ihre Umgebung nach allen möglichen Kriterien einrichten, sondern wo hält eine Leitkultur existiert.

Und wer Stadtanbindung braucht, das hat man hier auch. In 15 min in einem Unterzentrum für kleine Kultur, in 20 Minuten in einem Oberzentrum für Job, Einkäufe und mittlere Kultur und in 60 Minuten in 2 Großstädten mit TW Weltstadtflair für die große Kultur, Flughafenanbindung etc PP.

Paßt scho.


erikoangelo
26.8.2013 20:09
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@Hadmut
Hallo erstmal.
Ich les ja hier schon einige Zeit mit und ich muss sagen, dass ich in vielen Dingen deine Ansichten teile bzw nachvollziehen kann.
Bei deinen Vorurteilen gegenüber Berlin oder den Berlinern kann ich dir leider nicht zustimmen.
Sicherlich hast du recht, wenn du die hohen Mietpreise oder die “Ghettoisierung” in manchen Bezirken ansprichst.
Aber den Rest den du ansprichst würde ich eher darauf zurückführen , dass du dich wahrscheinlich hauptsächlich in “Szenebezirken” wie Friedrichshain, Prenzlberg, Kreuzberg oder gar Mitte umgeschaut hast.
Das Problem daran ist , dass man dort keine echten Berliner mehr antrifft.
Alles nur noch zugereiste Wessis. Und das schon seid etlichen Jahren.
Also komm erstmal an. Schau dich ein wenig um, dann wirst du vlt auch echte Berliner treffen und deine Meinung über sie ein wenig relativieren.
🙂
Liebe Grüße von einem echten Westberliner, der schon fast überall in Berlin gewohnt hat.


Hadmut
26.8.2013 20:43
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@erikoangelo:

> dass du dich wahrscheinlich hauptsächlich in “Szenebezirken” wie Friedrichshain, Prenzlberg, Kreuzberg oder gar Mitte umgeschaut hast.

Gar nicht mal. Friedrichshain und Mitte schon, Prenzlberg und Kreuzberg aber fast gar nicht (waren zusammen vielleicht 4 Wohnungen).

Ich hab mich eher in Tempelhof, Schöneberg, Reinickendorf, Mariendorf, Lichtenberg, Pankow, Charlottenburg, seltener Moabit, Wedding, und eben auch in Mitte umgesehen.

Zweimal auch in Neukölln, aber das war heftig.


Marc
26.8.2013 20:50
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Danke für den ausführlichen, sehr unterhaltsamen Artikel. Endlich mal wieder so etwas zu einem deiner Nicht-Schwerpunktthemen.

Ich kenne Berlin von einigen Dienstreisen, lebe in Karslruhe, wo du ja selbst lange genug warst, und kenne auch München wegen einiger Wochenendausflüge. Damit war mir völlig klar, dass von dir großes Gezeter über jeden Aspekt Berlins kommen muss, der diese Stadt auszeichnet. 😉

Ich habe es dort selbst immer nur ein paar Tage ausgehalten, und war sehr glücklich, als der Kongress von Berlin nach Hamburg verlegt wurde. Nicht nur weil man jetzt problemlos Tickets bekommt, sondern vor allem, weil ich jetzt nicht mehr nach Berlin muss.

Am besten hat es Adam Fletcher beschrieben in »How to be German in 20 easy steps«:

„To many Germans, Berlin is not really their capital, it’s more like a giant art project or social experiment that only turns up when hungover, and in need of a hand out.“

Wußtest du nicht, dass Berlin so ist? Ist der Job so toll? Bist du einfach so leidensfähig?

Jedenfalls freue ich mich auf noch viel mehr Artikel, wenn du noch viel mehr von Berlin entdeckst.


Daniel
26.8.2013 20:59
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Viele Aspekte die Du beschreibst habe ich bisher nicht so wahrgenommen. Aber zum Großteil scheint es so zu sein, leider muss ich aber auch sagen das es zum Beispiel da, wo ich wohne (Neukölln), sich seit dem vermehrten Zuzug von Ausserhalb stark verschlechtert hat. Das Haus war noch nie ein super-toll-sauberes in den fast 10 Jahren die ich hier lebe. Aber in den letzten drei, vier Jahren wird es immer schlimmer mit der “Sauerei” geworden.
Ich mag jetzt keiner bestimmte Gruppe die Schuld zuweisen, hier wird soviel ein- und ausgezogen, ich habe schon lange keine Ahnung mehr wer hier so wohnt.
Vielleicht hängt das Schmuddelimage, das Berlin hat, ja damit zusammen. “Hier können wir uns wie Sau benehmen, ist ja eh nur Neukölln” oder so, ich weiss es nicht.


Hadmut
26.8.2013 21:02
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@Hank:

> Konnte aber auf die schnelle nichts finden. Link?

An den Straßennamen erinnere ich mich jetzt nicht mehr, aber an das Haus, ich müsste das aus den Kalendereinträgen und den Anzeigen noch raussuchen.

Wenn ich mich recht erinnere, war das an der U6 zwischen den Haltestellen Wedding und Leopoldplatz irgendwo nach Osten rein, bin mir aber nicht sicher. Würde ich aber nochmal finden, war ein sehr markantes Haus.


Hadmut
26.8.2013 21:05
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@ex-münchner:

> Wer sich im Oberföhringer Kleinbürgermuff gut aufgehoben fühlt,

Oberföhring. Pffff. Wer zieht dann nach Oberföhring? Da ist wirklich Kleinbürgermuff.

Das ist ein himmelweiter Unterschied zu Unterföhring. In Unterföhring gibt’s ein großes Industriegebiet mit Medien und IT, Baggersee und sowas.

Niemals Unterföhring mit Oberföhring verwechseln.


erikoangelo
26.8.2013 21:20
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@Hadmut
>Ich hab mich eher in Tempelhof, Schöneberg, Reinickendorf, Mariendorf, Lichtenberg, Pankow, Charlottenburg, seltener Moabit, Wedding, und eben auch in Mitte umgesehen.

Ich vermute, dass du dich eher in Charlottenburg/Westend Steglitz/Lichterfelde, Zehlendorf oder Köpenick hättest umsehen sollen.

>Zweimal auch in Neukölln, aber das war heftig.

Neukölln ist riesig.
Da gibt es aber auch schöne Gegenden.
Ich habe jetzt 10 Jahre in Neukölln/Buckow gewohnt.
Sehr spiessig, dafür ruhig und sehr angenehm mit meiner Kinderschar. Vorstadtfeeling halt.
Nachts konnte ich ohne Probleme die Scheibe meines Autos unten haben ohne das ich hätte Angst haben müssen.

Wie gesagt, komm erst mal in Ruhe an.


Heinz
26.8.2013 21:26
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Die Folgen der Massenzuwanderung machen sich bemerkbar.


HF
26.8.2013 22:29
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Die niedrigen Pro-Kopf-Einkommen in Berlin und die hohen Pro-Kopf-Einkommen in München haben mit den beschriebenen Mißständen natürlich gar nichts zu tun. Was ist Ursache, was Wirkung? Was sollte die Politik denn machen, um die Lebensqualität zu verbessern, wenn die Realeinkommen stagnieren? Ich fürchte, Berlin ist die Zukunft und München wird eine Insel.


Robert Sander
26.8.2013 22:32
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Ist das nicht immer so, daß man neu in einer Stadt erstmal auf die Makler reinfällt und in den schlechten Gegenden landet?

Ich bin in Berlin aufgewachsen und weiß ziemlich genau, wo ich nie hinziehen würde. Das hat sich auch die letzten Jahre nicht geändert, egal wo die Hipster es grade schick finden.


Hadmut
26.8.2013 22:38
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@Robert:

> Ich bin in Berlin aufgewachsen und weiß ziemlich genau, wo ich nie hinziehen würde.

Das sind genau die zwei Probleme:

Erstens sollte es in einer ordentlichen Stadt keine Gegenden geben, in die man „nie hinziehen” würde.

Zweitens sollten Eingeborene, die man fragt, wissen, wo sie hinziehen würden, und nicht (nur), wo sie nicht hinziehen würden.


Phil
26.8.2013 23:35
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Berlin, Dreck, Vermüllung, Verwahrlosung scheinen untrennbar zusammenzugehören, und so sehen dann eben auch viele Wohnungen aus.

Hört sich nach Broken Window Theorie an 😉

Als ich von 2 Jahren mal meine alte Wohngegend besichtigt habe, ist mir auch aufgefallen, dass sich gar nichts verändert hat. 10 Jahre und ein ganzer Straßenzug sieht immer noch gleich aus (Nachkriegsflair).

Der Mauerpark … noch genauso, wie ich als Kind dort gespielt habe.


Hank
27.8.2013 1:55
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@Hadmut: nur wenn’s nicht zuviel Mühe macht, wenn’s nur ein Haus ist hat’s vielleicht nicht die anvisierte abschreckende Wirkung


Hadmut
27.8.2013 8:34
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@Hank: Die Straße war vermüllt, andere Hauseingänge. Dort aber nicht diese markante Haus, in dem die Whnung war.

Ich suchs ab er mal noch raus.


Joe
27.8.2013 9:27
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First World Problems. 😉 Meine nächste Wohnung hat bitteschön strukturierte Verkabelung und zwar mindestens gigabit-tauglich. Und bitte mehr als zwei Steckdosen. Verlang das mal von einem Vermieter oder Makler, der guckt wie ein Auto. 🙂 Immerhin, daß Breitbandinternet “a thing” ist, hat sich mittlerweile rumgesprochen…

Schöner Bericht über die Euro-induzierte bald platzende Immobilienblase.

Davon ab: Berlin ist eine kleine Vorschau auf die Zukunft ganz Mitteleuropas. Die Folgen der spätrömische Dekadenz werden dort als erstes sichtbar. Großstädte des Mittelalters waren dreckige, unhygienische Seuchenherde und so wird es auch wieder werden. Das Bürgertum ist spätestens 2100 Geschichte. Sad but true.

Die Bumsrepublik ist ein Auswanderungsland. Denn auf Schwellenlandniveau kann man nämlich auch ohne schlechtes Wetter, hohe Steuern, Glühlampemverbot, Rauchmelderpflicht (kontrolliert durch staatliche Büttel) leben. Und wenn man sich an die regelmäßigen energiegewendeten Stromausfälle erstmal gewöhnt hat: Warum die nicht mit heißen Chicas in Südamerika genießen statt mit germfotzigen, weißen Walen? Selbst Osteuropa hat mehr zu bieten.

Der Atheismus ist die Kultur des Todes, Berlin demonstriert am praktischen Beispiel wie sowas im Großversuch aussieht.


Hadmut
27.8.2013 10:16
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@Joe: Vier der besichtigten Wohnungen hatten strukurierte Verkabelung.


euchrid eucrow
27.8.2013 9:31
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Bei deinen Vorurteilen gegenüber Berlin oder den Berlinern kann ich dir leider nicht zustimmen.

der vorurteilsspass geht ja weiter beim autofahren. berliner treten nur aufs gas, wenn sie eine rote ampel sehen. dafür schleichen sie außerorts mit 60, max. 70 über die landstraßen. für b-kennzeichen darf gerne wieder eine mauer rund um die stadt gebaut werden. 😉


Jürgen
27.8.2013 9:43
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@Hadmut, 26.8.2013 22:38 @Robert:
Hadmut, das ist eben “Stadt”. In jeder Stadt gab und gibt es Ecken, in die manche/viele Leute nie hinziehen möchten. Gibt es in München garantiert auch, und in Hamburg, und Köln, und Dresden.

@HF, 26.8.2013 22:29:
Das dürfte tatsächlich so sein, Berlin (oder das Ruhrgebiet) die Zukunft und München die Ausnahme.


Anka
27.8.2013 13:59
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ALLES ABER AUCH ALLES WÄRE DURCH EINE KAUTION GELÖST!

3 Monatsmieten reichen von Mittelschichtwohnungen sind in etwa 2500 Euro und reichen für eine neue (Ikea)Küche mit Badreperatur. Ikea ist sowie qualitativ hochwertiger als alle anderen.

Falls mehr anfällt könnte man das als Risikoaufschlag für Inkompetenz in der Auswahl der Bewerber sehen. Siehe Beispiel aus dem Artikel “3x in 6 Jahren neue Küche/Bad” –> Fail!

Fakt ist: Assis haben keine 2500 Euro alle 1-2 Jahre und können sie auch nicht (öfters) kurzfristig beschaffen!

Wer halt nunmal die Friseurin Lebefrau und den IT Nerd einstellt, braucht sich nicht wundern, dass er in jeglicher Hinsicht für Leben zu Inkompetent ist und es wörtlich zu sehen: “zu dumm zum Scheißen”
Gibt auch druchaus noch Ingenieure, Handwerker oder Damen die ihren Namen verdienen, die wahlweise handwerkliches Selbstverständis oder Niveau haben und somit auch kulturell “rational zu handeln” befähigt sind.

Die Vermieter die in Vielzahl ihr posttraumatisches Streßssyndrom haben, sollte man zum Pyschologen schicken, einen humanistischen Crashkurs geben oder andernfalls erschießen. Mit traumatisierten SS Schergen hätte man auch kein Mitleid, sondern nur Kugeln, übrig gehabt! Und das zu Recht!


Ein anderer Gast
27.8.2013 14:52
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Ja ja Berlin war schon immer eine Reise wert. Ich selber war dort in den 70ern privat und ab Ende der 90er regelmäßig geschäftlich dort. Zum Teil auch wegen Vorstellungsgespräche. Letztendlich war ich nie sonderlich traurig darüber, dass es mich dann beruflich bislang dort nie hinverschlagen hat.

Was will man auch nach 40 Jahren Miss- und Komandowirtschaft (Ost) und Dauer-alimentierung (West) gross anderes erwarten? Etwa dass nach 23 Jahren die Verantwortlichen die Probleme selber in den Griff bekommen? Daran bestand zumindest seitens der großen Parteien nie ein ernsthaftes Interesse wie man schon im großen Bankenskandal 2001 zum Ende der Regierung Diepgen feststellen konnte.

Der Hauptstadt-Hype wirkte sich zusätzlich alles andere als positiv auf den Berliner Wohnungsmarkt aus. Diepgens Nachfolger – der Party-Wowi prägte schließlich den bekannte Satz “Berlin ist pleite aber sexy”. Was an einer in Teilen verwahrlosten Stadt mit heruntergekommener Infrastruktur “sexy” sein soll bleibt wohl das Geheimnis dieses werten Herrn.

Daher gehe ich davon aus, dass so lange wie weiterhin fleißig die Mittel aus dem Länder-finanzausgleich fließen, wird sich an der Situation in dieser Stadt nicht viel ändern. Das ist ungefähr so wie mit dem Hartz4 Empfänger, der es sich in seinem Elend eingerichtet und mit seinem Leben abgeschlossen hat.
Ähnlich wie in anderen europäischen Großstädten werden sich einzelne, für den normalen Verdiener unbezahlbare Nobelviertel von den restlichen verwahrlosten Ghettos abschotten, während der Durchschnittsangestellte jeden Morgen aus dem immer weiter reichenden Umland zur Arbeit anreist.


schwabeninvasion
27.8.2013 16:06
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Das mit dem Dreck ist mitlerweile auch in den “Kehrwochen”-Hochburgen so. Die Alten sind noch auf Sauber/Ordentlichkeit bedacht gewesen, die Jungen sind einfach nur faul und finden es ‘schick’ im Modder zu leben. Zudem gibt es heute alles viel billiger, Einbauküche mit Geräten ca. 3000€ oder noch darunter. Wenn die drei Jahre hält ist sie abgefuckt und unmodern, die junge Dame des Hauses will dann wieder was neuens, etwas was aktuell angesagt ist.

So ist es doch heute mit Allem: Was früher 30 Jahre oder ein Leben lang halten musste fliegt heute nach wenigen Jahren wieder raus, ob es kaputt ist interessiert dabei gar nicht, es MUSS was neues her. Deshalb pflegt heute auch keiner mehr sein Zeug, siehe Handies, Computer, Autos,… 100% Wegwerfgesellschaft, das meiste hält auch gar nicht mehr so lange, auch nicht das teuerere vermeintlich ‘wertigere’ Produkt. Es soll gekauft werden, in immer kürzeren Abständen.
Pflegen, was in Ehren halten? Kennt heute keiner mehr.

Berlin war aber schon früher ein Dreckloch wo es in andern Städten noch nicht so aussah, jedenfalls südlich des Mains.


Thomas W
27.8.2013 17:27
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zum sozialen Wohnungsbau:

ich habe mir in Wiesbaden mal so eine Sozialwohnung angeschaut (damals noch Student). Da war ich auch nicht schlecht geschockt. Abgesehen von einer recht sozialunverträglichen Miete von ca. 14,50 warm/qm war der Hammer, dass es nur Beton auf dem Boden gab. Man hätte, so der Vermieter, den Bodenbelag noch selbst bezahlen müssen. Aber nicht selbst wählen. Vorgeschrieben war Parkett, sogar schon von einem bestimmten Anbieter. Wer auch immer diese Wohnung sich genommen hat, er musste nochmal ca. 3500 nur für den Bodenbelag bezahlen (Küche etc. war auch nicht drin). Ich frage mich, wie sich das eine Familie mit eher niedrigem Einkommen leisten können soll.

Mir persönlich ist inzwischen relativ egal, was für ein Zustand eine Wohnung hat, solange es 4 Wände mit Tür, Fenster und WC hat und mich nicht mehr als 1/4 meiner Einnahmen kostet. Ich halte das da eher wie die Franzosen: arm zu hause, reich in der Welt.


Ein anderer Gast
27.8.2013 17:36
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Nachtrag:

Wie schonmal hier erwähnt habe auch ich meist recht gute Erfahrungen mit eigenen Such-anzeigen in den regionalen Zeitungen gesammelt. Viele – insbesondere private Vermieter haben ebenfalls keine Lust mehr auf die ganzen z.T. völlig durchgeknallten Makler die nur schnellstmöglich viel abkassieren wollen. Daher suchen die am Wochenende in den Zeitungen nach Mieter die ihren Vorstellungen entsprechen.
Auch einige Invest- / Wohnbaugesellschaften im etwas gehobeneren Preisniveau beauftragen z.T. lieber ihre Hausverwalter als externe Makler mit der Suche nach passenden Mietern.

Natürlich melden sich auch wieder die üblichen Bekloppten und Makler (selbst wenn man angibt, dass man keine Makler will) aber die kann man meist schnell am Telefon schon aussortieren. Mit Google-Maps und Streetview kann man sich ja inzwischen im Vorfeld schon einen ersten Eindruck verschaffen.

Obwohl ich mittlerweile schon 4mal die Stadt wechselte (darunter auch Stuttgart, Darmstadt und Köln) habe ich auf diese Weise bislang noch keinem Makler irgendwelche Gebühren gezahlt.

Mag sein, dass ich nicht immer die absolut mega dollen Sahnehäubchen erwischte. Allerdings kann ich nicht behaupten, dass ich in den Jahren nach Beendigung meines Studiums schlecht gewohnt hätte. Letztendlich war und ist es aber auch immer auch eine Zeitfrage.

Einige Unternehmen bezahlen ihren Angestellten im Falle eines Umzugs auch den Makler oder haben sogar Abkommen mit örtlichen Maklern. Der Haken bei solchen Verträgen ist allerdings, dass bei vorzeitiger Kündigung meist auch die Maklergebühr in Rechnung gestellt wird.


georgi
27.8.2013 21:00
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Komisch, vor dem Millenium habe ich fünf Jahe lang in Charlottenburg gewohnt. Über irgendwelche Müllberge bin ich nicht gestelzt. Damals war Berlin auch noch billig. Allerdings waren auch meine Ansprüche sehr bescheiden: Keller unbenutzbar, weil feucht, dunkel und schimmelig. Alles andere ok; <50qm hatten mit damals gereicht.

Daß Berlin heute so dreckig ist, kann gar nicht an der Unterschicht liegen. Wohnungen, die Deinen Ansprüchen genügen, dürften von HaSS-IV-Bürgern überhaupt nicht bewohnt werden. Denen stehen nämlich nur 45 qm zu. Und mehr als 300 EUR Miete dürften HaSS-IV-Bezieher auch nicht bezahlen können. Und Berlin ist übervoll von Sozialfällen, schon damals.


Ein anderer Gast
28.8.2013 17:32
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Was sich hier in Köln und vermutlich auch in anderen Uni-Städten zur Zeit stark bemerkbar macht sind die sogenannten doppelten Abi-Jahrgänge, die zusätzlich auf den Wohnungsmarkt drängen.

Zwar gab es früher auch schon Engpässe insbesondere zu Semesterbeginn, da man aber mit steigenden Einkommen ohnehin in einem anderem Preissegment als noch als armer Student suchte, bekam man von all dem nicht so viel mit.

Wie ich aber inzwischen auch in dem von mir bewohnten Haus feststellen durfte, gehen Vermieter auch in vergleichsweise neuen Wohnanlagen im höheren Preissegment wieder dazu über Wohnung verstärkt an Studenten WGs zu vermieten. Der Vorteil für die Vermieter liegt natürlich auf der Hand: Kann man doch für vier einzeln vermietete Zimmer mehr einnehmen als für eine 4-Zimmer Wohnung mit einer einzelnen Person oder Familie als Mieter.

Für Kaution und Miete kommen sowieso die Eltern auf, die gleich beim Umzug helfen und so sicherstellen, dass Filia oder Filius gut untergebracht ist. Hausmeister und Putzdienst gibt es ggfs noch dazu. Für die Eltern ist es letztlich eine Kostenfrage ob ggfs ein längeres Studium oder höhere Mieten für einen begrenzten Zeitraum sich besser auszahlen.

Das Dumme ist nur, dass so Studenten sich nun auch auf den Wohnungsmarkt für berufs-tätige Ottonormalverdiener tummeln und dieser Trend noch ein paar Jahre anhalten wird.


User
29.8.2013 14:26
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Hallo Hadmut, also als erstes gleich mal dickes Lob für Dein Schreibstil… Ist wirklich eine Wohltat für das Leseherz 😉 …meeeehhrrrr

Deine Analyse der Politk fand ich besonders schön. So rum habe ich das noch gar nicht bedacht. Ich denke Du könntest mit Deinen Maßnahmen/Vorschlägen Recht haben und einiges zum Besseren ändern. Nur wird das wohl nie den Berlinern beizubringen sein.

Deine Erfahrungen bzgl. der Wohnungssuche kann ich aber sowohl in München als auch Berlin nur zu 50% Teilen.

Als ich damals vom Lande in die Stadt also nach München zog, habe ich mindestens genauso viel Schlimmes gesehen, wie das was Du hier für Berlin beschreibst. Da werden einem Keller als Wohnungen angeboten und es gibt auch in München Gegenden, wo man sich echt fragt, wie die Leute das ertragen können.

Danach bin ich dann mit Freundin und Haustieren nochmal innerhalb Münchens umgezogen. Wir haben monatelang nach einer Wohnung gesucht, die sowohl bewohnbar als auch bezahlbar sein sollte. Nichts. Nicht annährend. Haben schon in unserer Verzweiflung im Umland Ausschau gehalten. Und dann nur so aus reiner Neugier nach Häusern geschaut und siehe da, preislich genauso wie eine kleinere Wohnung, dann auch noch in München und super Lage und gleich bekommen. Ein Jahr später wurde angefangen uns gegenüber Neubauten zu bauen und vor 1,5 Jahren fertiggestellt. Auch Ein-Familien-Reihenhäuschen nur eben neu und modern. Aber die Miete dort (sind eigentlich Eigentumshäuser aber manche habens gekauft und gleich vermietet) ist doppelt so hoch und gleich alles voll! Glück muss man haben, schätze ich.

Meine Familie wohnt in Berlin Charlottenburg, wo die beim Einzug selbst renovieren mussten. Aber dafür hat die Vermietergesellschaft weder übertriebene Auskünfte, Sicherheiten noch unakzeptable Miete verlangt. Gesucht haben die auch nicht länger als 6 Monate, jedoch mit deutlich weniger Engagement als wir in München. Jetzt wo es renoviert ist, ist die Wohnung eine Augenweide (ich liebe diese 3 oder 4 Meter hohen Decken, was die da haben) und mit günstigen Fixkosten dazu. Zudem ist die Gegend wirklich sehr schön, die Nachbarn fast alle nett und zivilisiert und auch sonst alles da, was man braucht. Ich jedenfalls geniesse meine Besuche dort wirklich sehr.

Überhaupt hat diese Berliner Mentalität bei all dem was Du richtig hier beschreibst, mindestens eine angenehme Auswirkung. Im Gegensatz zu München, kannst Du dort durch die Strassen gehen, ohne dass dich alle ständig anstarren. Das fällt mir jedesmal auf, wenn ich zurück aus Berlin nach München komme. Hier in München, wird man ständig von Kopf bis Fuss gemustert und man kann auch nicht durch die Strassen gehen, ohne dass jeder mit einem direkt Augenkontakt aufbaut bzw. versucht diesen aufzubauen. Das ist dann in der ersten Woche richtig unangenehm. Ich empfinde das eher als übergriffig und unpassend, während die anderen das anscheinend für einen guten Ton halten.

Ich weiß nicht, ob das deshalb in Berlin anders ist, weil diese Dreck- und Unterschichtenmentalität, wie Du es nennst, die Menschen dort demütiger macht oder weil denen die anderen aus demselben Grund einfach komplett wursch sind oder weil dort der Ausländer Anteil (gefühlt) höher ist. Mir jedenfalls (selbst Ausländer) ist das im Ergebnis so rum lieber.


Pjotr
30.8.2013 0:14
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Zum Wegzug aus M kann man nur gratulieren, zum Zuzug in B nicht. Scheint ja exponentiell schlimmer zu werden. Na ja, ein paar Jahre kann man überall absitzen.

Meine Regel: egal in welcher Stadt, immer äußerer Speckgürtel. Großstädte deformieren. 30.000-50.000 EW, DSL und S-Bahnhof ist okay, und man kommt mit dem Fahrrad und dem Stadt-Teil-Auto zurecht.

( Und Makler gehören eigentlich auf die schwarze Liste, falls die Revolution doch noch kommt. 😉 )


Wildlife
2.9.2013 20:04
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> … die Einbauküchen durchweicht und aufgequollen bis zur dreifachen Dicke der Pressspanplatten,..

Wie kriegt man das eigentlich hin? Die Spanplatten in den Einbauküchen sind doch oben und an der Seite mit Kunststoff überzogen, da müßte man ja eigens eine ständige Bewässerung von unten einrichten. Etwa oben durchlöcherte Schläuche unten ankleben, durch die ständig Wasser läuft.


Phil
3.9.2013 1:29
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Wie kriegt man das eigentlich hin? Die Spanplatten in den Einbauküchen sind doch oben und an der Seite mit Kunststoff überzogen, da müßte man ja eigens eine ständige Bewässerung von unten einrichten. Etwa oben durchlöcherte Schläuche unten ankleben, durch die ständig Wasser läuft.

Du vergisst heißen Wasserdampf. Wenn die Küche billig ist und die Spanplatten nicht richtig verklebt, dann sorgt der heißte Dampf für ein schnelles Aufquillen – natürlich nicht an einem Tag, aber wenn man fast jeden Tag Nudeln kocht…
Darüber hinaus haben viele Küchen keinen richtigen Abzug und kein vernünftiges Fester zum Lüften. Dann bildet sich Kondenswasser.


Lassmich
14.9.2013 15:00
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Die politisch unkorrekte Wahrheit der zunehmenden Vermüllung ist der -stark steigende- Ausländeranteil. Und zwar vorwiegend Türken und Araber. Der Wedding und Neukölln sind die am meisten verdreckten Gegenden in Berlin. Marzahn ist auch arm, Hartz 4 und “Unterschicht”. Trotzdem liegen dort keine ausgeweideten Schafe, Wohnzimmereinrichtungen und jeglicher Müll auf der Straße rum. Ich wohne in Rixdorf und dort werden die schönsten Altbauwohnungen von unglaublichen Drecksäuen bewohnt, die glauben, sie wohnten in Rabat oder Algier. Neukölln und Wedding werden zunehmend national befreite Zonen. Kein Deutscher weit und breit. Und ja, man wird als Deutscher oft schwach angeredet. Diese Gebiete sind auch für die BErliner Polizei nicht mehr zu befrieden, da die Polizeifunktionäre und Politik nicht mehr fürchten als den Rechtsextremismusvorwurf – und das wissen unsere südländischen Sportskameraden natürlich nur zu gut.


Hadmut
15.9.2013 14:07
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@Lassmich: Das kann man so einseitig jetzt auch nicht sagen.

Als ich noch bei München gewohnt habe, habe ich mich mal mit dem Mann unterhalten, der den Heizungsverbrauch abliest. Der sagte, er liest lieber bei Türken als bei Deutschen ab, weil’s bei den Türken in der Wohnung drastisch sauberer sei.


techniknörgler
13.11.2013 1:53
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“Steigende Mieten sind oftmals nicht willkürlich angehoben, sondern eine Folge explodierender Haus- und Grundstückspreise. Die sind eigentlich die Preistreiber, die dann auch letztlich auf die zu erwirtschaftenden Mindestmieten durchschlagen. Aber woher kommt das?”

Es hat etwas mit der besonderen Stellung von Land zu tun:

https://sites.google.com/site/justindkeith/home/geolibertarian-faq

Eine britische Dokumentation ist dazu ganz interessant: http://www.youtube.com/watch?v=1pYSsME_h7E

Eine australische Dokumentation spricht das Thema auch an:
http://vimeo.com/38500767