Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Ein Stadtfuchs

Hadmut
27.12.2012 21:14

Eine ulkige Begegnung.

Dass Füchse immer öfter in Städten unterwegs sind, ist nichts neues. Als ich noch in Dresden unterwegs war, hab ich die mehrfach gesehen. Einer lief dort mal vor meinem Bürofenster vorbei und einmal habe ich einen am hellichten Tag in aller Gemütsruhe und mitten durch den Verkehr diagonal über eine ziemlich große, stark befahrene, je dreispurige Kreuzung spazieren gesehen.

Gestern abend war ich wieder mal unterwegs und etwas spät dran. Ich musste in einer etwas abgelegenen Seitenstraße mit eher industriellem Flair ein paar Sachen aus dem Auto ausladen und es war schon kurz vor ein Uhr nachts. Neben der Straße war ein Firmengelände mit einem Zaun außenherum, aber auch etwas Wiese und ein paar Bäumen. Auf einmal sehe ich da einen Fuchs herumlaufen. Eine Weile habe ich ihn beobachtet, der mich auch, aber irgendwann wollte ich dann wissen, wie er auf eine Taschenlampe reagiert und habe ihn angeleuchtet. Normalerweise hauen Wildtiere dabei ab (nur nicht, wenn ein Auto mit hellen Scheinwerfern auf der Straße auf sie zufährt). Der Fuchs glotzte mich an, die Lampe störte ihn überhaupt nicht. Im Gegenteil, neugierig kam der näher bis auf ca. 5 Meter und guckte, was ich da für einer bin. Näher wollte der nicht. Irgendwann wieder weg.

Ich habe ein paar Sachen aus dem Auto ausgeladen und in ein Gebäude getragen. Als ich wieder rauskam, fühlte ich mich alleine. Einsame Straße, weit und breit niemand zu sehen. Total ruhig. Ich also wieder am Auto, noch ein paar Kisten ausladen. Auf einmal hatte ich so das ganz heftige Gefühl, dass jemand hinter mir wäre und sich von hinten an mich herangeschlichen hätte. So der Überfall-Reflex. Ich war sofort überzeugt, dass mich jemand von hinten überfallen wollte und hab mich sofort rumgedreht – aber zu meiner Verblüffung auf Augenhöhe niemanden gesehen, keiner da. Als ob ich mir das eingebildet hätte. Erst der Blick nach unten zeigte, wie ich darauf kam. Der Fuchs war wieder da und stand nicht mal einen Meter hinter mir und guckte mir zu was ich da mache. Friedlich, aber sehr aufgeweckt und extrem neugierig. Als Kind hab ich mal gelernt, dass Füchse, Hasen usw. die nicht vor dem Menschen fliehen, Tollwut hätten. Und Tollwut ist für nicht geimpfte Menschen tödlich. Aber erstens bin ich seit der letzten Auslandsreise gegen Tollwut geimpft, zweitens machte mir der einen ziemlich gesunden und hellwachen, allerdings etwas unterernährten Eindruck. Und man hat ihm regelrecht angesehen, was der sich da dachte und was ihn interessierte. Der fand das beeindruckend, dass ich aus dem komischen Ding da so viel Zeugs für mich heraushole und meinte, in dem großen Blechdings müsste doch für ihn dann auch irgendwas zu holen sein. Der setzte schon an um mal direkt an meiner Nase vorbei durch die offene Tür ins Auto zu springen. Ich habe mich natürlich in den Weg gestellt, gestikuliert und mit ihm „gesprochen”. Hat ihm sichtlich nicht gepasst. Vorwurfsvolle Blicke, wie gemein das doch von mir sei, dass ich mir da so viel aus dem großen Ding da nehme, alles für mich, und ihn nicht ranlasse. Das Ding sei so groß, das müsste doch für uns beide reichen.

Tja, nun war da aber leider nichts zu essen drin. Nicht mal ein Huhn oder eine Gans hatte ich dabei. Und selbst wenn, ich glaube nicht, dass es so eine gute Idee wäre, einen wilden Fuchs an die Autos anzufüttern, sonst springt der wirklich mal in eins rein. Stellt Euch vor, jemand merkt erst während der Fahrt, dass er einen Fuchs im Auto hat. Oder der greift einen Säugling an.

Wie auch immer. War ein hübsches Tier und eine interessante Begegnung. Bilder hab ich leider nicht, denn ich hatte zwar eine Kamera dabei, aber die ausgerechnet mit der ersten Ladung schon reingetragen. Zumal es viel zu dunkel für brauchbare Fotos war.

Könnte allerdings gefährlich werden, wenn Kinder den anfüttern. Die Tollwut ist zwar angeblich hierzulande ausgerottet, aber mit einem Fuchsbandwurm ist auch nicht zu spaßen und ob der dann so friedlich bliebe, wenn ihn Kinder mal anfassen oder am Schwanz ziehen, wage ich zu bezweifeln. Denn Zähne hatte der.


6 Kommentare (RSS-Feed)

Klaus
27.12.2012 22:13
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Dass Wildtiere normalerweise bei Anstrahlen flüchten, kann ich so nicht stehen lassen. Wenn nur das blendende Licht ihre Aufmerksamkeit erregt, sonst aber kein bekanntes Gefahrenmoment erkannt wird (insbesondere menschliche Witterung), bleiben sie gerne stehen und “schauen mal”. Einzelgänger wie Rehe oder Füchse werden halt im Lichtkegel überfahren (und falls nicht, ist der Lichtkegel wohl nicht so gefährlich); die Überlebenden eines Rudels Rotwild oder einer Rotte Wildschweine lernen durchaus daraus. Für den Stadtfuchs läuft es i.W. auf Futter/kein Futter hinaus; Gefahr droht ihm ja vom Stadtmenschen kaum. (Einen Steinmarder konnte ich auch schon mit der Taschenlampe an der Hauswand fixieren.)

Wo es erlaubt ist, funktioniert die Bejagung im Scheinwerferlicht nach diesem Schema auch recht gut; falls allerdings der Schütze das Tier (knapp) verfehlt, lernt letzteres aber dazu und ersterer muss sich evtl. was neues einfallen lassen.


Stephan
27.12.2012 22:34
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Im letzten Urlaub Ende Oktober habe ich in einer Berghütte übernachtet.
So gegen 22:30 Uhr gab es ein fürchterliches Geräuch im Wald, ich dachte, da schreit eine Frau wie in einem schlechten Horrorfilm. Am nächten Tag haben wir erfahren das es Füchse sind, die in der Bals sind.

http://www.jagd.it/stimmen/indexsauegetiere.htm

mal bei Fuchs reinhören…


lars
27.12.2012 23:28
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Erinnert mich an die gelegentlichen Fuchsbegegnungen (zwei waren es bisher) am Königsplatz. Ob evtl die Hasen die in den Löchern der Glyptothek leben damit zu tun haben ?


Hadmut
27.12.2012 23:34
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Als ich noch in Karlsruhe gewohnt habe, bin ich mal eine Zeitlang aus beruflichen Gründen häufig spätabends bzw. nachts nach Hause gefahren und dabei an einer vielbefahrenen Straße am Waldrand entlanggefahren. Wochenlang habe ich dort fast jeden Abend einen Fuchs gesehen der immer an derselben Stelle saß und dem Verkehr zugesehen hat. Keine Ahnung ob nur aus Langeweile und Interesse oder auf Lauer nach irgendeinem überfahrenen Vieh. War aber eben am Waldrand.


Alex
28.12.2012 2:13
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Nach “R. Dawkins – Die Schöpfungslüge” ein durchaus möglicher wichtiger Punkt in der (Selbst)domestizierung von Wolfen nach Hunden.

Lies auch: http://www.wdr.de/tv/quarks/sendungsbeitraege/2006/0606/004_hunde.jsp


Stefan K.
28.12.2012 18:52
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Habe im Sommer wochenlang Nachtschicht in einem sehr großen Gewerbegebiet gemacht, mit einigen zugewachsenen Brachflächen dazwischen. Der Firmenfuchs kam quasi zu jeder Rauchpause an die Raucherecke und hat auch schon mal den Abfalleimer umgeworfen, um Futter zu suchen.

Kam auf Armlänge ran, hatte kaum noch Scheu und bekam dann auch die eine oder andere Ration aus der Brotdose. Wurde gerne fotografiert. Hat auch einen intelligenten, aber “armen” Eindruck gemacht, nämlich hyperschlank.