Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Grundschüler bewaffnen!

Hadmut
14.12.2012 22:30

Heute hatten die USA mal wieder ihr Quartals-Massaker. Diesmal ne Grundschule, viele Tote, Lehrer und vor allem Kinder. Was ich mir vorhin noch als zu zynisch verkniffen habe, ist schon von der Realität überholt: Viele Amis meinen, dass das alles nicht passiert wäre, wenn es neulich beim Kino-Massaker oder eben jetzt in der Grundschule mehr Waffen gegeben hätte. Klar. Die Grundschüler gleich mit Knarre ausstatten und zum Combat-Schießtraining. Am besten einen Waffen- und Munitionsschrank in jedem Klassenzimmer.

Im Februar ist dann ein Kindergarten dran. Bin mal gespannt, was sie fordern, wenn es ne Schießerei auf der Säuglingsstation gibt.

Ist übrigens – neben der Verwechslung von Koinzidenz, Korrelation und Kausalität – ein weiterer, oft gemachter Denkfehler, nämlich eine Kausalität oder Vorbedingung verkehrt herum zu sehen: Ich kann essen, soviel ich will, ich werde einfach nicht so groß, wie ich für mein Gewicht sein müsste. Ich muss noch mehr essen. Wir haben immer noch nicht genug Waffen unterm Volk, um der Massaker Herr zu werden. Na dann los!


46 Kommentare (RSS-Feed)

lars
14.12.2012 22:51
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nur am Rande bemerkt: In Oregon gab es diese Woche bereits einen Amoklauf. Zynischer Nebenaspekt: Das landet bei uns nur noch in den Nachrichten wenn Schulen betroffen sind (und am besten in Verbindung mit möglichst vielen Opfern).

zum anderen Amoklauf:
http://www.chicagotribune.com/news/sns-rt-us-usa-shooting-oregonbre8bb017-20121211,0,4763419.story


Hadmut
14.12.2012 23:14
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Naja, gut, man kann jetzt auch nicht über jedes kleine Gemetzel berichten, das ist doch auch völlig normal.

Und überhaupt: Ein ordinäres Einkaufszentrum. Da gibt’s doch genug Waffenläden und Supermärkte mit Munition. Sind doch selbst schuld, wenn sie nicht zuerst losballern…


Michael
15.12.2012 0:07
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Die weitere Bewaffnung von Leuten befördert dann nur den Trend, der bereits sichtbar ist: Die Täter werden sich passiv mit kugelsicheren Westen usw. schützen. Das ist bereits bei dem Kinomassaker in Aurora passiert und auch heute soll der Täter entsprechend ausgestattet gewesen sein. Da wird dann derjenige, der meint zurückschiessen zu können zum nächsten Opfer. Abgesehen von der Umfeldgefährdung durch Schützen die im Adrenalinschub ihre Magazine ungezielt leerballern.


Hadmut
15.12.2012 0:15
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Als ich damals bei der Bundeswehr Wache schieben musste, hatte man statt 20 Schuss in einem Magazin zwei Magazine zu je 10 Schuss dabei. Weil man davon ausging, dass derjenige frühestens dann anfängt zu denken, wenn das erste Magazin leergeballert ist. Am besten gleich mit Feuerstoß alles raus.

Die Feuerwehr München erzählte mir mal bei einem Tag der offenen Tür, dass sie bei Alarm, wenn der Löschzug losdonnern will, trotz der Eile das Tor der Ausfahrt nicht aufmachen, damit die sich erst mal beruhigen und auf die Bereitschaft des ganzen Zuges warten müssen, bevor sie mit Blaulicht losbrettern dürfen. Und das sind Profis. Ein Studienkollege, der als Zivi Rettungswagen gefahren ist, meinte, dass sie dort alle mal mindestens einen Satz Blaulichter bezahlen mussten. Obwohl man ihnen gesagt hatte, dass sie auf keinen Fall losfahren dürfen, bevor die Lampe am Rolltor von Rot auf Grün gesprungen ist, sind die wegen Adrenalins fast immer schon zu früh losgebrettert und dann mit den Blaulichtern am Rolltor hängen geblieben.


ein anderer Stefan
15.12.2012 0:41
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Zum Thema Adrenalin hat mir mal ein SEK-Beamter erzählt, dass sie in eine Wohnung eindringen mussten, diese war dunkel, der einzige Bewohner war ein aggressiver Hund. Die SEK-ler haben ihr ganzes Magazin verballert…

Na klar, das beste Gegenmittel gegen Amokläufe sind mehr Waffen und mehr Schießtraining. Wenn die Amis ihr Land in eine Kriegszone verwandeln wollen, sind sie auf dem richtigen Weg. Strenge Waffengesetze sind auch kein Patentrezept (Erfurt, Winnenden), aber wir haben hier insgesamt deutlich weniger derartige Probleme als die Amis. Das Argument ist dann immer “Waffen töten keine Menschen, Menschen töten Menschen.” Das ist natürlich erstmal richtig, aber wenn ich Waffen frei zugänglich mache und jeder Hans und Franz ne Wumme hat, ist die Gefahr, dass sie auch benutzt wird, wohl größer.


Hadmut
15.12.2012 0:43
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Mir würden jetzt auch nicht allzuviele Schulmassaker einfallen, bei denen der Täter mit der Holzkeule kam.


Joe
15.12.2012 3:31
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Ich schaue mir bei jedem USA-Massaker an, ob der betroffene Bundesstaat links (“demokratisch”) oder rechts (“republikanisch”) regiert wird, denn da gibt es durchaus unterschiedliche Einstellungen zu Gun Control…


denn
15.12.2012 3:49
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In China hat auch einer letztens in einer Schule gemessert, davon erfährt man aber so gut wie nichts 🙁

http://www.sueddeutsche.de/panorama/china-messerattacke-an-schule-mehr-als-kinder-verletzt-1.1550311

Wie hoch muss die Dichte von Amokläufen sein, bis man sich überlegt, das da der Werther-Effekt dahinterstecken könnte? (Ernsthaft gemeinte Frage)


Herbert
15.12.2012 6:25
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Was würdet ihr dann fordern?
Wie wäre es mit einem Verbot von Waffen an Schulen oder in Kinos?

Wenn die Bösen keine Waffen tragen dürfen, können Sie ja nicht schießen!

Moment – das ist ja bereits so. Wieso halten die sich bloß nicht an die Gesetze?

Dann verbieten wir eben alle Waffen, das wird helfen!
Was, die machen das immernoch, man kriegt illegal Waffen oder baut sich einen Flammenwerfer (wie beim ersten dokumentierten Amoklauf in den USA)?

Ja was nun, was nun?


Herbert
15.12.2012 8:04
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Hätte es denn eurer Meinung nach geschadet, hätte ein verantwortungsvoller Erwachsener dort eine Schusswaffe besessen?
Oder hätte es einfach nur eine zusätzliche Option für die jetzt sowieso Toten geschaffen, zu überleben?

Und kugelsichere Westen, pft! Der hat immernoch einen Kopf, Rücken, Arme, Beine, Unterleib … Wenn man sich “einfach” so unverwundbar machen könnte, wieso haben dann Polizisten so etwas nicht?


prx
15.12.2012 9:03
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Mal sehen wie lange es braucht, bis das passiert: Ein Kino, es ist dunkel, die Hälfte drin ist bewaffnet. Ein Scherzkeks zündet einen Knallkörper, irgendwas fällt von der Decke runter und knallt ordentlich, …


Hadmut
15.12.2012 10:08
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> Ein Kino, es ist dunkel, die Hälfte drin ist bewaffnet. Ein Scherzkeks zündet einen Knallkörper,

Oder noch besser, im Film fällt ein Schuss…


ein anderer Stefan
15.12.2012 9:47
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Hallo Herbert, netter Trollversuch.

Wenn man die Mordinstrumente nicht mehr ohne weiteres an jeder Ecke kriegt, könnte das helfen. Andererseits scheint auch die Mentalität eine Rolle zu spielen. In Kanada gibt es auch jede Menge Schusswaffen, dort hört man aber seltener was von “gun violence”. Und auch in Deutschland sind m.W. 20 oder 30 Mio. Schusswaffen in Privatbesitz – im Verhätnis dazu gibt es hier relativ wenige Verbrechen mit Schusswaffe. Die US-amerikanische Gesellschaft scheint insgesamt eher gewaltbereit zu sein als die deutsche. Wenn das so ist, wäre vielleicht eine Erschwerung, an Waffen zu kommen, gar keine so dumme Idee. Natürlich wird jemand, der vorhat, Menschen umzubringen, immer einen Weg finden. Aber je schwerer dieser Weg ist, desto eher besteht die Chance, diesen Menschen davon abzuhalten oder früh genug aufzuhalten.

Ob ein Erwachsener mit Schusswaffe bei dem Amoklauf geholfen hätte? Das ist müßige Spekulation. Am Schießstand auf Pappkameraden zu schießen ist mit einer realen Situation kaum vergleichbar und hilft wahrscheinlich nur wenig.

Amerikanische Polizisten tragen m.W. immer leichte Westen. Wenn es zu entsprechenden Einsätzen kommt, hat auch die Polizei (hüben wie drüben) entsprechende Schutzausrüstung. “Unverwundbar” ist natürlich eine Illusion.


Herbert
15.12.2012 10:15
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@ “ein anderer Stefan” Ich habe bewusst nicht gefragt, ob es geholfen hätte, ich habe gefragt, ob es geschadet hätte.

“die US-amerikanische Gesellschaft” gibt es nicht.

Vergleiche die Schweiz mit New York, in der Schweiz gibts massig Waffen lega, in New York sind Waffen verboten. Wo gibts mehr Morde, per capita etc?

Natürlich hast du Recht damit, dass es einfach andere Faktoren als das Waffengesetz gibt, und genau das sollte man sich bewusst machen.


Hadmut
15.12.2012 10:42
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> Vergleiche die Schweiz mit New York, in der Schweiz gibts massig Waffen lega, in New York sind Waffen verboten. Wo gibts mehr Morde, per capita etc?

Die Waffen sind nicht der einzige Aspekt, aber ein wichtiger. Die Schweiz verteilt Waffen auch nicht an jeden Deppen, sondern nur an Leute, die sie dazu ausgebildet hat. Und meines Wissens auch keine Pistolen.

Die Schweiz liegt auch nicht ohne Grenzen inmitten eines Europas, in dem man Waffen und Munition im Supermarkt kauft und kofferraumweise reinfährt.

Davon abgesehen bin ich mir ziemlich sicher, dass die Schweiz nach dem zweiten oder dritten Massaker deutliche Konsequenzen ziehen würde. Sie würde auf ein Massaker nicht damit reagieren, den Leuten noch mehr Waffen zu geben. Und soweit ich informiert bin, äußert sich der Waffenbesitz in der Schweiz vornehmlich in den Sturmgewehren der Armee-Reservisten, die zuhause im Kleiderschrank stehen. Die schleppen die nicht ständig mit sich herum. Gerade das prägt aber mental viel stärker und erhöht die Bereitschaft zu Konflikten.


Herbert
15.12.2012 10:25
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@Hadmut:
bezüglich des letzten Absatzes in deinem Blogeintrag:
DU machst da einen Fehler, legst der Gegenseite Worte in den Mund, die sie so nicht benutzt – wie nennt man das, einen Strohmann?
Die Argumentation ist “es sind nicht genügend Waffen in Händen der GUTEN, RECHTSTREUEN Bürger […]”
Denn offensichtlich bringt es nichts, per Gesetz die Waffen zu verbieten, oder glaubst du man durfte in der Schule welche haben? Oder in dem Kino damals?


Hadmut
15.12.2012 10:43
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Die amerikanische Waffenlobby hat nicht vor, Waffen auf die guten und rechtstreuen zu beschränken, sondern sie sollen frei in jedem Supermarkt verkäuflich sein. Zumal deren und meine Auffassung darüber, was ein guter, rechtstreuer Bürger ist, ziemlich auseinanderlaufen.


Herbert
15.12.2012 11:01
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informier dich mal dazu, was in England 1997 war…
Cliffs: Handfeuerwaffen für alle Bürger verboten, kurz danach Verbrechensrate mit eben diesen auf ein Vielfaches in die Höhe geschnellt.

also in diesem Fall: Strengeres Waffengesetz -> mehr Verbrechen mit Waffen

Die Sache ist eben nicht so einfach. Es hat viel mehr damit zu tun, welche Leute aus welchen Schichten und von welcher Herkunft wie eng mit wem auf engem Raum zusammenleben etc papipapo, als mit dem Waffengesetz.


Hadmut
15.12.2012 11:08
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Ach die alte Leier. Wir saufen und rauchen uns zu Tode, weil jedesmal wenn man Alkohol beschränken will, irgendeiner um die Ecke kommt und darauf hinweist, wie die Prohibition in den USA zur Steigerung der Kriminalität geführt hat.

Aber ein Rezept zur Bekämpfung von Alkoholismus oder Waffengewalt hat von denen auch keiner.

Euch geht’s doch nur darum, Waffen möglichst frei zu handeln.


Heinz
15.12.2012 11:06
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Man muss doch nur ein bisschen nach Norden schauen – nach Kanada.

Da bekommst man die Munition im Supermarkt und die Waffengesetze sind ähnlich liberal und es gibt, trotz der ähnlich hohen Verbreitung von Waffen, nicht annähernd so viele Schusswaffentote/Verletzte.


Herbert
15.12.2012 11:17
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Dass du das als “alte Leier” bezeichnest, ist bezeichnend. Dann braucht man garnicht weiter drauf eingehen, ne?


Hadmut
15.12.2012 11:31
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> Dann braucht man garnicht weiter drauf eingehen, ne?

Stimmt. Lass es halt bleiben. Warum machst Du es aber trotzdem?

Gelbe Karte wegen Trollens.


Skeptiker
15.12.2012 14:05
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Der Thema “freier Waffenbesitz” in den USA geht auf deren Gründungsmythos zurück und die Natur der Menschen, die da anfänglich aus Europa eingewandert sind. Ursprünglich wurde das tatsächlich, bei den Fanatikern z.T. bis heute, mit dem Schutz freier Bürger vor staatlichen Übergriffen begründet. Die hatten halt ihren speziellen Hintergrund, das so zu wollen.

Heute ist es weitgehend Ideologie, da ist mit logischen Argumenten á la Hadmut nichts mehr auszurichten.


Xinxi
15.12.2012 16:37
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Das Recht auf Waffen ist nun mal ein Recht in den USA. Daran herumzuschrauben scheint eher naiv. Spätestens seit dem Bürgerkrieg sind jede Menge Waffen in Umlauf und den Geist kriegt man sicher nicht in die Lampe zurück. Aber zu den Waffen kommt eben noch eine “Popkultur”, in der z.B. Massenmörder (Dexter) und Personifikationen des Bösen (Vampire, Werwölfe)zu “Helden” stilisiert werden. Es ist eher erstaunlich, dass die meisten Amerikaner recht freundlich und normal sind. Vielleicht sollten die US-Medien keine theatralischen “Stories” schreiben(e.g. “Nation Reels After Gunman Massacres 20 Schoolchildren”), sondern verdeutlichen, dass das Töten von Menschen eher dröge ist. Und auch die bösartigsten Killer schaffen ja nix und werden in einigen Monaten schon wieder vergessen sein.


Hadmut
15.12.2012 19:43
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@Xinxi: Denkfehler! Denn dass man daran nicht erfolgreich herumschrauben wird können, heisst ja noch lange nicht, dass es der Betrachtung, Meinungsbildung, Diskussion und der Kosequenzen für andere Länder entzogen wäre. Ich kann diese Ignoranzfatalismus nicht leiden.


ein anderer Stefan
15.12.2012 21:58
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Die Tatsache, dass die Waffengesetze in den USA jetzt wieder diskutiert werden, zeigen ja, dass das Thema keineswegs erledigt ist. Die Amerikaner (jedenfalls einige) sehen ihre in der Verfassung verbrieften Rechte als eine religiösen Kanon an, an dem nicht zu rütteln ist, und dazu gehört auch das Recht auf Bewaffnung (was meines Erachtens eine Fehlinterpretation der Absicht der Autoren dieses Zusatzes ist.)

Offenbar hat ihnen niemand erzählt, dass Gesetze gelegentlich an die Realität angepasst werden müssen… Die Gefahr, dass eine fremde Macht die Amerikaner zu Hause angreift, ist denn doch eher gering dieser Tage – und wenn, dann mit Mitteln, gegen die eine Schusswaffe eh nicht hilft. Egal, ob die Gesetze 250 oder 2000 Jahre alt sind – wenn man sie heute anwenden will, sollte man genau schauen, ob das noch funktioniert.


Stephan Mehofer
15.12.2012 22:18
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Zum Thema Korrelation zwischen Verbreitung / Legalisierung von Waffen und Schusswaffen-Toten:
Spielt die Waffengattung nicht eine große Rolle? (Ich wüsste jetzt nicht, wo ich dazu Statistiken finden könnte…)
Wenn zB die meisten Waffen in Kanada Repetierer-Jagdgewehre sind, kann der durchschnittliche Kanadier “schlechter Amoklaufen” als ein durchschnittlicher Amerikaner mit ca. gleichvielen halbautomatischen Waffen. (verdeckt zu tragen, hohe Schussfolge, leicht nachzuladen)


Joe
15.12.2012 23:41
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Es folgen halt nicht alle der Logik der Schußwaffenphobiker:

http://liberallogic101.com/?p=1547


Stephan Mehofer
16.12.2012 0:41
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Nachtrag: Allem Anschein nach ist die Korrelation Verbreitung von Waffen – Schusswaffen Tote gegeben. Habe leider keinen Zugang zu den papers, kann nix über die Daten sagen.
http://www.hsph.harvard.edu/research/hicrc/firearms-research/guns-and-death/index.html


ein anderer Stefan
16.12.2012 11:01
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@ Joe: Das ist ja geil-die USA und Isral vergleichen zu wollen.


Skeptiker
16.12.2012 12:06
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@anderer Stefan
> Die Gefahr, dass eine fremde Macht die Amerikaner zu Hause angreift, ist denn doch eher gering

Um äußere Feinde geht’s denen nmV dabei auch nicht. Dafür hat man ein (auch relativ) riesiges und unumstrittenes Militär, für das selbst die Tea Party gern Steuern zahlt. Support our troops.

Es geht mehr um ihr Grundverständnis, dass ein Mann seine Angelegenheiten selbst regeln kann/darf/muss: Deren spezieller Freiheitsbegriff. Selbst oder durch freiwillige(!) Zusammenschlüsse. Deshalb werden Polizeichefs und Richter gewählt, und insoweit ist auch der Nationalstaat USA ein freiwilliges Zweckbündnis, dem man ansonsten wenig Regelungskompetenz einzuräumen bereit ist.

In diesem Sinne ist das Recht zur Selbstbewaffnung gegen staatliche Unterdrückung oder auch nur Gängelung, vor der man seinerzeit aus Europa geflohen ist, zwangsläufig.

Das heutige Verständnis dieses Rechts, da hast du recht, ist in der Tat zu einer halben Religion pervertiert.


Carsten
16.12.2012 20:57
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>Es geht mehr um ihr Grundverständnis, dass ein Mann seine >Angelegenheiten selbst regeln kann/darf/muss:

Das stimmt ja so nicht ganz, es geht mehr um die Unterdrückung durch den Staat – also wenn der Staat sich gegen sein Volk richtet.

Wir kennen so etwas auch – GG Art.20 Abs 4 “(4) Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.”


ein anderer Stefan
16.12.2012 22:20
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Ich glaube, einige Amerikaner möchten sich gerne durch den Staat/die Geheimdienste/die UNO unterdrückt fühlen, um ihre schon fast krankhafte Waffengeilheit zu rechtfertigen.

Die Auslegung des 2. Zusatzartikels ist ja auch keineswegs unumstritten. Aber wenn die Waffenlobby es so haben will und sich durchsetzen kann… Spannend wäre es, wenn ein nicht-weißer, womöglich noch ein Araber, der Amokläufer gewesen wäre. Was wäre dann passiert?


O.
17.12.2012 3:04
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“Day Before Connecticut Shooting Massacre, Michigan Legislature Passed Bill Allowing Guns In Classrooms”
http://pinterest.com/pin/114701121731364321/


O.
17.12.2012 3:06
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http://thinkprogress.org/justice/2012/12/14/1337551/michigan-guns-classroom/?mobile=nc

Dan hat der Lanza ja auch schon mal Waffen mit in die Schule gebracht… hat sich sicherlich auch bloß verteidigt…


nochnThomas
17.12.2012 6:54
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Schüler bewaffnen (oder Lehrer, Erzieher…) ist zumindest für dieses Massaker auch deswegen vollkommen hirnloses “Präventionieren”, weil der Mann (lt. Nachrichten) seine mehr als 100 Kugeln in 5 Sekunden verschossen hatte. Kein Mensch ist so geistesgegenwärtig, solch eine Lage so blitzschnell zu erkennen und dann in dieser Situation zielgenau zu treffen, außer vielleicht Lucky Luke (aber wer will den Wilden Westen in der Schule?). Zumal in Schulen, Kitas etc., die ja keine Schützenvereine sind, andere Probleme im dauerhaften Aufmerksamkeitsfokus sein sollten als die Frage, ob der als nächstes zur Tür hereinkommende Mensch erschossen werden müsste.

Das ist wie mit dem Amerikanischen Professor, der sich dagegen wehren wollte, dass man in seinen Hörsaal Waffen mitbringt. Jeder, der schon mal gelehrt hat (wo auch immer), dürfte sich vorstellen können, wie krass es wird, wenn man sich selbst bei ödester mathematischer Theorie irgendwie um sein eigenes Leben Gedanken machen muss, ob man gerade sicher ist, wenn man zu sagen ansetzen will: “diese Sache ist aber nicht ganz sicher…” oder “darüber gehen die Meinungen auseinander…”.

@Xinxi: Sollte das Ermorden von Menschen in D irgendwann allgemein bloß noch als “dröge” empfunden werden, wandere ich aus. Wieviel Zynismus geht eigentlich? Manche sind schon kälter geworden als Stein. Traurig.

Überhaupt die Idee, so unvernünftigen Wesen wie Kindern Schusswaffen geben zu wollen ist einfach nur wahnsinnig. Kinder in der Süßwarenabteilung sind heute schon horror genug… “Wenns mal wieder länger dauert: schnapp dir ‘ne Heckler&Koch…”


Phil
17.12.2012 9:12
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@nochnThomas hast du für die 5 Sekunden eine Quelle?


Flusskiesel
17.12.2012 14:38
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Hier mal ein interessanter Beitrag zur Waffenkontrolle in Australien (MP3-Direktlink):

http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2012/12/17/drk_20121217_0840_587aa054.mp3

Da scheint es zu funktionieren. Allerdings hat da der Staat auch ordentlich investiert.


Stefan_2
17.12.2012 19:09
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Am 26.04.2012 hat ein Mann in einer Mall in Salt Lake City/UT ein Messer gekauft und dann 2 Menschen schwer verletzt. Ein anderer Mann hat ihn mit gezogener Pistole zum Aufgeben bewegt und er wurde festgenommen.
Am 12.02.2007 war ein Attentäter in einer anderen Shopping Mall in Salt Lake City/UT unterwegs, tötete 5 Menschen und wurde dann durch einen Polizisten in Schach gehalten und letztlich durch SWAT Polizisten getötet.
Am 16.01.2002 tötete ein Attentäter 3 Menschen in Grundy/VA. Er wurde von mehreren bewaffneten Personen gestellt und verhaftet.

Man müsste mal die US-Lokal-Zeitungen durchgehen, um auch die Fälle mit den gestoppten Attentätern zu finden. Aber gestoppte “Amok-Läufe” bringen nicht so viel Aufmerksamkeit wie solche mit sehr vielen Toten.


ein anderer Stefan
17.12.2012 21:33
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Naja, drei Fälle aus den letzten 10 Jahren sind jetzt kein so überzeugendes Argument für eine allgemeine Bewaffnung. In einem Fall hat zudem die Polizei den Amokläufer gestoppt – den würde ich als Pro-Bewaffnungs-Beispiel einfach mal rausnehmen. Und ich bleibe dabei: Wenn die Leute schwerer an Waffen rankommen, verringert sich die Gefahr von solchen Fällen. Es reicht ja ein Amokläufer, egal wieviele verantwortungsvolle Menschen auch eine Waffe haben, um großes Unheil anzurichten.


Skeptiker
18.12.2012 12:44
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In der “Welt” hatten sie heute einen interessanten Kommentar, in dem sie die Restriktivität der Waffengesetze einiger Länder mit der Häufigkeit von Amokläufen vergleichen (http://www.welt.de/print/die_welt/article112089562/Keine-Verbote.html), Fazit: Das korreliert nicht. Und Deutschland solle mit 5 Vorfällen in 10 Jahren lieber mal ganz still sein.

Man könnte darin natürlich sarkastisch das Mantra der NRA bestätigt sehen (“nicht Waffen töten, Menschen töten”), was selbst ohnehin zynisch ist, und entsprechende Konsequenzen fordern, die sich dann aber nicht gegen Waffen richten müssten, sondern gegen deren Besitzer. Guter Gedanke, finde ich. So meinen die das natürlich nicht.

Aber dergleichen Argumente suggerieren, dass Massenmorde und bewaffnete Überfälle usw. das einzige Problem beim vebreiteten Waffenbesitz seien, und das ist eine schlimme verdummende Vereinfachung, wenn man sich (nur ein Beispiel) die Anzahl von heimischen Unfällen mit Schusswaffen gerade in den USA anschaut, oder die Anzahl der im Zorn mit Waffen ausgetragenen Privatstreitigkeiten, und die der dabei getöteten Kinder und zerstörten Familien (müssen tausende jedes Jahr sein, gelesen, keine Quelle zur Hand).

Könnte man über unser deutsches Lieblingsspielzeug Autos auch sagen, stimmt. Aber erstens sind die über die Jahre immer sicherer geworden, und werden es weiterhin, und zweitens haben Autos einen Nutzen. Gilt beides für Schusswaffen nicht.


nochnThomas
18.12.2012 18:35
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@ Phil: ich habe das mit den 5 Sekunden nur in den Fernsehnachrichten vom Samstag gehört (tagessau und RTL), da allerdings wiederholt. In der Zeit laß ich gestern was von 8 Minuten, im Spiegel steht was von 20 Minuten http://www.spiegel.de/panorama/attentat-in-newtown-was-das-massaker-aus-den-menschen-gemacht-hat-a-873435.html

Hier in der Zeit steht aber, er habe jeden einzeln mit Pistolen, nicht mit dem Sturmgewehr hingerichtet http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2012-12/newtown-amoklauf-reportage/seite-2 also waren die 5 Sekunden wahrscheinlich falsch und es wird irgendwas an die 20 Minuten gedauert haben.
Er hat jedes Kind und jeden Erwachsenen einzeln gemordet und mehr als einen pro Minute. Absolut krass grausam.

Ich glaube dennoch, dass ein bewaffneter Lehrer da nicht ans Zurückschießen denkt, sondern daran, die Knirpse in Sicherheit zu bringen und Panik zu verhindern, damit die nicht ins offene Messer laufen vor Irrheit. Die kognitiv fähigste Person das Feuer zu erwidern wäre wohl der Hausmeister…

Jedes Kind einzeln abgeschossen. 6 bis 7 Jahre alte Kinder. Übel krass.


Stefan_2
18.12.2012 20:40
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@ein anderer Stefan & Skeptiker:
Natürlich haben Schusswaffen einen Nutzen. Die 3 Fälle hab ich auf die schnelle gefunden. Fälle wie Abwehr von Vergewaltigung, Einbruch, Raub, Überfall – also Schutz von Leib und Leben – hatte ich noch nicht mal erwähnt.
DE: 1999/BKA : 2851 Straftaten gegen Leben (Mord und Totschlag inkl. -versuchen). 381 davon mit Schußwaffen, davon 22 mit legale Schußwaffen.

Das Verbote von privaten Schusswaffen mehr Sicherheit schaffen würden, halte ich für eine Illusion (siehe o.g. Welt-Artikel zu den Schusswaffen/Amokläufen/Ländern). In DE gibt es eine Verbotskultur (siehe Diskussion zu Waffen, Videospielen, Verbotsfilmen, …).


Phil
18.12.2012 23:00
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@Stefan_2

Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand versehentlich jemand bekanntes erschießt, weil er ihn für einen Einbrecher hält ist gar nicht mal so gering.

Im Übrigen darfst du in Deutschland eine Einbrecher auch nicht einfach erschießen solange dieser dir nicht direkt nach dem Leben trachtet.
Bei Vergewaltigung bin ich mir nicht sicher, aber AFAIK muss dies ein Frau auch über sich ergehen lassen, solange der begründete Verdacht besteht, dass sie am Leben bleiben wird.

Schutzpersonal darf in Deutschland AFAIK (mit Genehmigung) ein Waffe tragen.

Interessant wäre mal eine Statistik aus GB. Dort sind private Waffen seit einiger Zeit verboten.


Florian ein anderer Pirat
19.12.2012 0:28
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@hartmud ich habe selber bei der Bundeswehr im Wachdienst einen Durchbruch erlebt. Ein Stabsfeldwebel wollte nicht warten, gab mit dem Auto Gas und raste in Richtung Stab. Es hat Sekunden gedauert, bis ich in Deckung war und angelegt hatte. Und ja, ich habe auf den Kopf gezielt. Dieser Mensch lebt heute nur noch, weil ein Hauptfeldwebel ein lautes Stop brüllte. Was ich damit sagen will, wenn du an der Waffe ausgebildet wurdest, bist du viel mehr geistesgegenwärtiger in einer Abwehrsituation. Ich denke nicht dass ein Dienst an der Waffe dich unverändert lässt, aber dich auch auf sowas vorbereitet. Die Frage ist vielmehr, gibt es nicht mehr Verletzte oder Tote bei einer Vollbewaffnung durch Unfälle? Und vielmehr stellt sich mir die Frage, warum gibt es in den USA mit den vielen Schusswaffen Amokläufe, aber in Kanada nicht, aber Deutschland hat auch nicht wenig Amokläufe, trotz des rigiden Waffenrechts. Nicht das ich Sturmgewehre im privaten Haushalten befürworte, aber die Waffen sind nicht der Grund.


Hartmut (ein anderer)
19.12.2012 14:44
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@ein anderer Stefan (17.12.2012 21:33)

Hier ein Fall aus jüngerer Vergangenheit (ca. eine Woche her):

http://legalwaffenbesitzer.de/index.php/alle-news/532-medien-blackout-oregon-arkaden-sch%C3%BCtze-wurde-durch-einen-bewaffneten-b%C3%BCrger-gestoppt