Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Nicht die Kameralinse anhauchen

Hadmut
8.12.2012 18:41

Wußt ich jetzt auch nicht.

Ich hab das als Kind mal so von Papi gelernt, dass man die Frontlinse der Kamera anhauchen kann, um sie möglichst sanft zu reinigen. Hat mir aber noch nie gefallen, hab ich mir eigentlich nie so richtig angewöhnt, zumal die Reinigungsergebnisse auch – nun ja – nicht allzu zufriedenstellend waren. Irgendwie erschien mir das auch unpassend und unhygienisch. Da so nen Grünen draufzukeuchen und wischend zu verteilen. Igitt. War aber so ne Vorliebe von Papi, alles anzuhauchen und mit nem alten Papiertaschentuch aus der Hosentasche kreisend abzuwischen. Meistens war’s hinterher schlimmer als vorher.

Nikon erklärt gerade, dass und warum man das bleiben lassen sollte. Weil im Atem Säuren sind, die die Vergütung angreifen. Ach gar, wusste ich nicht.

Beachtlich auch, dass man die Reinigungsflüssigkeit immer nur auf das Tuch, nicht auf die Linse geben sollte. Das entspricht nun wirklich nicht meiner Erfahrung, weil man fettige Rückstände mit etwas Reinigungsflüssigkeit besser wegbekommt.

Aber Kameras zu reinigen ist eine Kunst. Sensoren noch mehr.

Was sich sehr bewährt hat, ist einen LensPen dabei zu haben, die sind gut. Aber auch da gehen die Meinungen über das Funktionsprinzip auseinander.


18 Kommentare (RSS-Feed)

Das sind ja Spezialexperten, Säuren im Wasserdampf. Keine weiteren Fragen, Euer Ehren.

Deshalb habe ich also so verzerrte Bilder, wenn ich Knoblauch gegessen habe.

Carsten

“Ich habe wirklich gedacht, es sei eine Ente, ein Witz, ein lustiger Scherz. Nicht einmal im Traum konnte ich mir vorstellen, daß jemand das ernst meint.”
Vaclav Klaus zur Vergabe des Friedensnobelpreises an die EU


Hadmut
8.12.2012 19:05
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Das ist eben der große Irrtum. Weil man beim Hauchen eben nicht nur Wasserdampf von sich gibt (ich bin zwar’n echt heißer Typ, aber eine so hohe Rachentemperatur, dass ich Wasser mit Hauch-Geschwindigkeit komplett verdunsten könnte, hab ich auch nicht).

Meines Wissens besteht Atemluft bzw. Anhauchen eher aus Nebel als aus Dampf, also ein Aerosol kleiner Tröpfchen, wie sie die Atemwege erzeugen. Lunge is nich Dampfmaschine. Und in einem Aerosol kleiner Tröpfchen kann auch Säure drin sein.

Übrigens kann man ja auch durch Tröpfcheninfektionen Krankheiten übertragen, und die heißen eben Tröpfchen- und nicht Dampfinfektionen, und Viren und Bakterien verdampfen eben auch nicht (und bleiben dabei intakt).


Stephan
8.12.2012 19:55
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Guten Abend Herr Danisch,

vielleicht noch ein Grund nach Norderney zu kommen

http://www.dein-touristik.net/touristik_news/25217-inselhotel-weltweit-erstes-foto-resort.php?mn_25217=25217

schönen Abend


markenware
8.12.2012 21:47
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interessant!

Ich habe mal gelernt, auf die Linse zu hauchen, weil die ‘Enzyme’ oder sonstwas im Atem besser reinigten und vorteilhafter seien als – obskure – Industrieprodukte.
Hat auch immer gut funktioniert, allerdings nehme ich immer diese hauchdünnen Spezialtüchlein.


Es ist Wasserdampf aus der Lunge. Der kondensiert an der kalten Linse. Mit einem möglichst alten Leinentaschentuch wird fein aufpoliert. Haben Generationen von Kamerafrauen und -männern dann falsch gemacht, weil eindeutig zu billig. Vorher Staub abpinseln oder abpusten vermeidet Kratzer. Das muß man schon jahrzehntelang so machen, um Putzspuren zu erzeugen.

Aerosol erzeugt man nur bei höheren Geschwindigkeiten. Deshalb anhauchen, nicht anhusten.

Carsten

“Der Klimawahn führt zu einer ernsthaften Erkrankung des Gehirns, die das logische Denkvermögen aussetzt. Schilda ist kein Dorf, sondern ein Kontinent namens Europa. Der Rest der Welt ist längst aufgewacht, was der wahre Grund dafür ist, dass man sich auch in Doha wieder nicht auf verbindliche »Klimaziele« einigen wird, auch wenn es dort wirklich sehr heiß ist.”
Oliver Janich


Hadmut
9.12.2012 12:52
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> Haben Generationen von Kamerafrauen und -männern dann falsch gemacht, weil eindeutig zu billig.

Nein.

Denn erstens gab es noch nie Kameras (und Nutzer) mit so hohen Schärfeanforderungen wie heute. Noch nie wurden Objektive mit solcher Akribie verglichen, gemessen, justiert.

Und zweitens, auch als Folge von erstens, gab es noch nie so ausgefeilte Vergütungstechniken im normalen Kamerabereich. Und eben diese Vergütungen sind (meist Metallbedampfungen und ähnliches) chemisch sehr viel angreifbarer als normales Glas. Zumal man heute auch andere Glassorten als früher verwendet, also man nicht per se unterstellen kann, dass sie die gleiche Härte und chemische Stabilität aufweisen.


HF
9.12.2012 17:02
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Vielleicht sollte man keine organischen Substanzen auf der Glasoberfläche hinterlassen, damit Schimmelsporen keine Nahrung finden.


Joey
10.12.2012 15:31
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Für Sensoren kann ich das Pentax Sensor Cleaning Kit nur empfehlen, wird auch von Canon und Nikon Servicestellen verwendet. Ist aber Definitiv nichts für unterwegs.


Hadmut
10.12.2012 20:06
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Die Nikon Niederlassung hat mir erzählt, dass sie spezielle fusselfreie weiche Papiertücher verwenden, die nur in Japan hergestellt werden, diese um flache Holzstäbchen wickeln und dazu eine Reinigungsflüssigkeit aus 60% Isopropanol und 40% Waschbenzin verwenden. Dazu haben sie so seltsame flache kegelförmige Flaschen mit einem Spender, auf den man oben draufdrückt und dann oben so eine kleine Menge zum Eintunken frei wird.


Joahnna
11.12.2012 9:58
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Das müssen dann aber schon extrem hochpreisige Spezialobjektive sein. Das, was bei den meisten Kameras aus dem Hobbyfotografenbereich beiliegt, sind 08/15-Objektive mit für Ottonormalverbraucher ausreichender Auflösung. Bei meiner letzten Canon EOS (Modellnummer lasse ich mal weg) – die umgehend beim Händler gegen ein anderes Modell eines anderen Herstellers umgetauscht wurde – hatte ich sogar den Eindruck, dass bewusst ein schlechtes Objektiv gewählt wurde, um von den offensichtlichen Schwächen der Kamera abzulenken. Bei solchen Objektiven kann man wohl ganz beruhigt hauchen und mit einem Tuch abwischen, da hat Carsten Thumulla völlig recht. Wer für so etwas “Spezialreiniger” kauft und zur Reinigung eine Art japanische Teezeremonie aufführt, der ist selber schuld.
Zumal die meisten Leute heute eh nach fünf Jahren die nächste Kamera kaufen und dann nur die ganz teuren und guten Objektive übrig bleiben. Da solche teuren Optiken aber gerade bei Amateuren im Idealfall einige Jahrzehnte halten sollen (ich selbst bin erst vor ein paar Jahren von analog auf digital umgestiegen – ein großer Teil meiner Objektive ist 30-40 Jahre alt), wird man diese auch entsprechend sorgsam behandeln und reinigen. Man will ja nicht alle paar Jahre eine hohe drei- bis vierstellige Summe auf den Ladentisch blättern…


elias
11.12.2012 14:39
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>Die Nikon Niederlassung hat mir erzählt, dass sie spezielle >fusselfreie weiche Papiertücher verwenden, die nur in Japan >hergestellt werden,
Früher hat man Zigarettenpapier dafür genommen.

> diese um flache Holzstäbchen wickeln und dazu eine
Früher nahm man ein Streichholz oder Zahnstocher.

>Reinigungsflüssigkeit aus 60% Isopropanol und 40% Waschbenzin >verwenden.
Oder sonstige Alkoholreiniger ohne Fuselöle. 99,9%iges Ethanol z.B.

> Dazu haben sie so seltsame flache kegelförmige Flaschen mit >einem >Spender, auf den man oben draufdrückt und dann oben so eine >kleine >Menge zum Eintunken frei wird.
Früher hat man das einfach aufs Papier getröpfelt und mit einem trockenen Papier nachgerieben, die Flüssigkeit brauchte man meistens nicht, das Papier ist so fein dass es jeden Fettfilm mitnimmt.
Für die Ecken hat man das Streichholz oder Zahnstocher verwendet.

Heute gibts das als Set für ein paar Euro, Papier ist schon angefeuchtet und verpackt wie die Erfrischungstücher, das ganze im 20er Pack.

Für Staub reicht auch ein Hasenfell mit Tüchern, Papier und Flüssigkeit hantiert man nur wenn es nicht mehr anders geht.


Hadmut
11.12.2012 19:55
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@elias: Ich soll meine Kamera mit einem Hasenfell reinigen…

Vielleicht noch ne Ziege opfern um den Gott des Lichts gnädig zu stimmen?


Hadmut
11.12.2012 20:19
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Davon abgesehen weiß man aus dem Physikunterricht, dass Tierfelle bei Reibung statische Aufladungen verursachen können. Damit eine Digitalkamera zu reinigen ist eine denkbar dämliche Idee. Zumal ein statisch aufgeladener Gegenstand ganz sicher nicht mehr Staubfrei ist.

Was die Leute alles für bescheuerte Familienrezepte auspacken…


dustbunny
11.12.2012 18:22
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Nikon erklärt gerade, dass und warum man das bleiben lassen sollte. Weil im Atem Säuren sind, die die Vergütung angreifen. Ach gar, wusste ich nicht.

Klar, urbane Legenden kennt nicht jeder, und irgendwie muss Nikon ja auch sein (sicher ambitioniert gepreistes) Zubehör verkaufen … 😉

Stellt sich die Frage, warum man jetzt ausschließlich einer dahergelaufenen Hersteller-Support-Website automatisch mehr Glauben schenken sollte, als beispielsweise dem passenden Wikipedia-Artikel:

… Additionally vapors and trace gases are present: 5% water vapor, several parts per million (ppm) of hydrogen and carbon monoxide, 1 part per million (ppm) of ammonia and less than 1 ppm of acetone, methanol, ethanol (…) and other volatile organic compounds.

Welche dieser Komponenten sollten einer Linsenbeschichtung gefährlich werden können? Vielleicht das Azeton oder die Alkanole? Aber sind die nicht auch in den meisten Reinigungslösungen vorhanden?

Säuren wurden nicht explizit aufgeführt (es sei denn, man hat sie unter “other volatile organic compounds” zusammengefasst. Im Normalfall ist menschlicher Speichel auch basisch (u.A. zur Remineralisierung des Zähnschmelzes).

Mein Großvater hat die Linse seiner Schmalfilmkamera mit Objektivreinigungspapier, -Pinsel und Brillenputztuch gesäubert. Nicht jeder Erziehungsberechtigte führt seine Hauch- oder gar Spuckkünste seinen Nachkommen als alte Tradition vor … 😛


Hadmut
11.12.2012 19:42
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@dustbunny:

> Klar, urbane Legenden kennt nicht jeder

So ein Blödsinn. Nikon gehört mit zu den besten Objektivherstellern weltweit und hat zweifellos sehr viel Ahnung davon. Denen urbane Legenden zu unterstellen ist wohl eine groteske Selbstüberschätzung. Leidest Du vielleicht unter dem Dunning-Kruger-Effekt?

Und für Geschäftemacherei nutzen sie das auch nicht, denn mir wäre nicht bekannt, dass Nikon da eigenes Zubehör verkauft oder gar bewirbt. Im Gegenteil haben mir die Nikon-Leute sogar Produkte von Fremdherstellern empfohlen oder gesagt, wo man sich das Zeug mischen lässt. Stimmt also auch nicht.

Ein Brillenputztuch ist völlig ungeeignet, weil es Dreck sammelt und dann gut schmirgelt. Und eine Schmalfilmkamera mit einer modernen Digitalspiegelreflex zu vergleichen, ist mehr als dämlich.

Und Ahnung hast Du sowieso nicht, denn Du behauptest, da wären keine Säuren aufgeführt. Im Atem ist Kohlendioxid, das Anhydrid der Kohlensäure. Ist zwar eine harmlose Säure, aber es ist eine. Und Speichel ist auch chemisch aggressiv.


dustbunny
11.12.2012 18:49
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Andere Hersteller erlauben das Anpusten des Objektivs. Entweder haben die weniger empfindliche Oberflächen, oder Pusten und Hauchen unterscheiden sich irgendwie … 😉

Auch interessant: Linsen-“Verschmutzungs”-Test extrem.


dustbunny
17.12.2012 15:49
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Nachtrag[*]: Du verlinkst im Ausgangspost unter Nikon erklärt gerade eine Nikon-Fan(?)-Seite, die eine andere Seite zitiert, die sich wiederum auf eine Nikon-Support-Seite bezieht.

Nur sind die zwei Sätze, Do not breathe on the lens to fog it for cleaning. There are harmful acids in breath that can damage lens coatings, an denen du diesen Blogbeitrag aufgemacht hast, mittlerweile von der offiziellen Support-Seite verschwunden, irgendwann zwischen dem 7. Dezember und heute. Die petapixel-Seite hat das auch in einem Update erwähnt.


[*] Nur zu deiner Information. Nicht, dass das jetzt irgendwie nachtragend rüberkommt. 😉


Hadmut
17.12.2012 19:44
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@dustbunny: Oh, Danke!