Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Die Gründung von Anarchia

Hadmut
2.12.2012 15:34

Kennt Ihr den Film „Die Klapperschlange“ mit Kurt Russel?

Ja, ich weiß, dass „Escape from New York” mit „Die Klapperschlange” nicht nur blöd, sondern auch falsch übersetzt ist, weil Snake Plisskens Tatoo eine Kobra und keine Klapperschlange ist und er auch nirgends mit dem Schwanz klappert. Mir geht’s um was anderes, nämlich darum, dass man in dem Film eine ganze Stadt sich selbst überlassen und aus der Ziviliastion entlassen hat. Warum eigentlich nicht?

Es häufen sich die Stimmen, die den Staat verdammen und ihn loswerden wollen. Im großen Stil in den USA, Texas und einige andere Südstaaten wollen aus den USA austreten. Generell gibt es – gerade im Bereich der waffenaffinen Staaten und Bevölkerungsschichten – eine steigende Zahl von Amerikanern, die den Staat schlechthin ablehnt (was ja auch zum Wahlprogramm der Republikaner gehört) und ihn immer weiter zurückdrängen will. Die den Staat auf ein Minimum reduzieren oder ganz abschaffen wollen, und das Problem auf die persönliche Knarre verlagen möchten. Wilder Westen.

Auch bei uns gibt es solche Sichtweisen, wenn auch in ganz anderen Abstufungen. Die Ablehnung der Polizei und Behörden steigt an (ob berechtigt, will ich in diesem Artikel hier nicht betrachten, sondern das einfach als neutrales Faktum hinnehmen), Polizisten berichten immer stärker, dass sie nicht mehr als Respektsperson, sondern als eine Art Privatspinner behandelt werden. Vorratsdatenspeicherung, Fernsehgebühren, Steuererhöhungen usw. werden immer stärker als staatliche Bevormundung empfunden und abgelehnt. Manche Leute fangen gerne mit digitalen Pseudowährungen und Tauschbörsen an, andere stopfen sich den Keller mit Vorräten voll, weil sie der staatlichen Währung nicht mehr trauen, diese ablehnen.

Im linken politischen Spektrum herrscht oft Anarchie. Viele bilden sich ein, zur Gewalt gegen Sachen und Menschen berechtigt, geradezu verpflichtet zu sein, um gesellschaftliche Entwicklungen zu bremsen. Autos werden abgefackelt, Nahverkehrsmittel beschädigt, verschmutzt, zerstört, staatliche Autorität abgelehnt. Im rechten Spektrum herrscht Kriminialität, demokratische Strukturen werden nicht mehr anerkannt, gleichwohl aber in Anspruch genommen, solange sie Vorteile versprechen. (Es würde mich mal interessieren, welcher Anteil von Hartz IV und steuerlich finanzierten Infrastrukturmaßnahmen wie Strom- und Wasserversorgung, Straßenbau, die Rechtsradikalen Individuen oder ganzen Gemeinden zukommen, von „Menschen mit Migrationshintergrund” erwirtschaftet bzw. über Steuern finanziert wird. Man müsste die Rechtsradikalen mal fragen, ob es nicht konsequenterweise angemessen wäre, auf diesen Teil zu verzichten, ihr Hartz IV zu senken, Straßen nicht mehr zu bauen usw.)

Die oberen Bevölkerungsschichten akzeptieren den Staat nicht mehr, sondern üben Korruption, schaffen ihre Millionen ins Ausland und so weiter. Die unteren Bevölkerungsschichten reduzieren sich zunehmend zu Empfängern, die am Staat selbst nicht mehr aktiv teilnehmen. In manchen Städten setzt eine Ghettoisierung, Kriminalisierung, Verdreckung ein, die mit Arbeitslosigkeit allein nicht zu erklären ist. Letztlich eine Ablehnung des Sozialgefüges Staat. Dazu kommen eben auch viele Immigranten, die den demokratischen Staat als solchen ablehnen, sei es nun aus krimineller oder religiöser Gesinnung. Es gibt inzwischen Stadtteile in Deutschland, in die sich die Polizei und manchmal sogar die Feuerwehr nicht mehr hineintrauen. Menschen, bisweilen gar kriminelle Großfamilien über 1000 Personen, kommen nach Deutschland, obwohl sie Deutschland als Staat systematisch ablehnen.

Die Demokratie (sofern wir sie überhaupt noch haben) muss sich die Frage gefallen lassen, worin ihre Legitimation liegt. Ob sie mehr ist als die Tyrannei der Mehrheit über die Minderheit, also eine Form des Rechts des Stärkeren. Gibt es Demokratie überhaupt? Wie oft habe ich – gerade an Universitäten und universitätsnahen Einrichtung – dieses dumme Geschwätz gehört, dass eine Abstimmung, bei der eine Mehrheit ihre Interessen massiv durchsetzt, als „demokratisch” bezeichnet und gerechtfertigt wurde, obwohl sie mit Demokratie überhaupt nichts zu tun hatte, sondern nur eine formalisierte, ritualisierte Form des „Rechts des Stärkeren” ist. Wenn aber schon die akademische Elite zu dämlich ist, zu erfassen, was Demokratie ist, wer ist dann dazu in der Lage? Oder gibt es Demokratie überhaupt? Ist nicht gerade dieses Versagen selbst der Akademiker ein Symptom der Nichtexistenz von Demokratie?

War Demokratie jemals etwas anderes als ein Euphemismus für eine Formalisierte Diktatur der (quantitativ) Stärkeren über die Schwächeren? Ein zur Rechtfertigung erhobener schöner Name für ein gar nicht so schönes Phänomen, dass nur deshalb über Jahre funktioniert hat, weil es zu einer gewissen Mittelwert- oder Durchschnittsbildung neigt, dadurch unauffällig bleibt und vor allem einflussreichen Bevölkerungsteilen nutzt?

Müsste eine Demokratie, die ihrem eigenen Anspruch genügt, nicht zunächst einmal jedem einzelnen die Wahl lassen, ob er überhaupt teilnehmen will? Ist nicht das Aufzwingen der Demokratie als Staatsform an sich schon ein Vorgang des Zwangs, der mit der Demokratie unvereinbar ist?

Wir erleben das gerade in Ägypten. Ein Bevölkerungsteil will die Scharia durchsetzen, ein anderer möchte das nicht haben und lieber „Demokratie”. Aber, so wenden die Islamisten ein, Demokratie heiße doch, dass die Mehrheit entscheide. Und da sie die Mehrheit stellten, sei es doch „demokratisch”, eine Scharia-Verfassung zu beschließen. Verallgemeinert gesagt, es geht um das Paradoxon, ob eine Gesellschaft demokratisch entscheiden kann, nicht demokratisch zu sein. Oder ob solche Paradoxien und Widersprüche nicht belegen, dass es eine Demokratie nicht gibt, dass das nur ein (pseudo-?)intellektueller Irrtum ist, eine Fehleinschätzung. Die Bezeichnung eines als positiven empfundenen Zustands, in dem sich das als Demokratie bezeichnete Staatssystem befinden kann, aber nicht muss.

Oder anders gesagt, Demokratie ist nicht, wenn das Volk abstimmt, Demokratie ist, wenn sich daraus zufällig eben keine Unterdrückung der Minderheit ergibt. Nicht Wahlen und Abstimmungen sind Demokratie, sondern nur, dass sie gerade nicht zu Mehrheitsdruckentscheidungen führen. Demokratie ist, wenn die Macht- und Zahlenverhältnisse so verteilt sind, dass eigentlich gar nichts mehr geht und jeder den anderen blockieren kann.

Woraus ergibt sich die Legitimation, das zu tun?

Müsste man nicht in der Konsequenz die „Demokratie” nur auf einen Teil des Landes beschränken und jedem die Wahl lassen, ob er teilnehmen möchte?

Wir haben doch in verschiedenen Bereichen Deutschlands, vor allem in den ins rechtsradikale abdriftenden „neuen Bundesländern” eine immer stärkere Konzentration von Leuten, die das nicht mehr möchten. Ein analoges Problem stellt sich in den USA. Ein Teil der abtrünnigen Bevölkerung hält Demokratie inzwischen für einen Fehler, weil absehbar ist, dass die bis dahin vorherrschenden Bevölkerungsschichten aus Weißen, gebürtigen Amerikanern die Mehrheit zu verlieren droht und eingewanderte Latinos und Asiaten die Mehrheit übernehmen werden. Demokratie wird so lange akzeptiert, so lange sie nutzt, so lange man selbst die Mehrheit hat, und sie als Vorwand dient, die eigenen Ziele durchzusetzen. Klappt das nicht mehr, wird sie abgelehnt.

Warum also nicht die Konsequenzen daraus ziehen?

Wir haben doch sowieso Bevölkerungsschwund. Immer mehr Ortschaften auf dem Lande, vor allem im Osten, werden verlassen, schrumpfen dramatisch. Irgendeine Stadt in den USA (ich bin nicht mehr sicher, ob es Detroit oder Chicago war, aber ich glaube, es war Detroit) hat die Konsequenzen gezogen, und einen Teil des Stadtgebietes einfach aufgegeben. Da kommen Polizei und Feuerwehr nicht mehr hin. Das Ideal der Abwesenheit des Staates. So, wie es sich viele wünschen.

Wäre es also nicht konsequent und auch fair, im demokratischen Sinne geradezu geboten, einen proportionalen Teil Deutschlands abzuspalten und der staatenlosen Anarchie zu überlassen? Wo jeder, der nicht mehr an der Demokratie teilnehmen möchte, hingehen und dort nach seiner Facon glücklich werden kann?

Natürlich muss da eine Mauer drum, Schengen geht da nicht mehr. Denn sonst wäre das das ideale Refugium für Kriminelle, die hier abräumen und sich dorthin zurückziehen. Entweder oder, beides geht nicht. Der Staat gibt das Gebiet ansonsten völlig auf, es gibt keinen Staat mehr dort. Also auch keine Währung wie den Euro. Der Kontakt wird reduziert auf Telekommunikation und Außenhandel durch reinen Tauschhandel ohne Geld. Und ansonsten ein „Macht, was Ihr wollt!”. Einschließlich Mord. Interessiert uns nicht mehr, schaut wie Ihr damit klarkommt. Eingreifen von außen nur, wenn eine Gefahr für den „demokratischen” Reststaat entsteht, etwa durch Umweltverschmutzung oder ähnliches. Quasi so ein Ghetto wie in „Klapperschlange”.

Jeder der will, darf da rein (aber nicht mehr beliebig zurück, jeden Tag hin und her geht nicht). Man könnte sich auch überlegen, ob als Strafe eine „Verbannung” aus der Demokratie in Betracht käme, etwa wenn Leute exzessiv öffentliches Eigentum beschädigen, zu kriminell sind oder sich nur durchfüttern lassen wollen ohne selbst irgendetwas beizutragen.

Also auch die Aufgabe der Zivilisation als Form der Kooperation. Denn das ist es, was Demokratie wirklich ausmacht, nicht die Mehrheitsabstimmung, sondern das Organisieren der Kooperation und Aufgabenteilung. Quasi das, was vor in der Phase der Auswanderung Amerika war. Die, die hier nicht mehr wollten, sind nach Amerika gegangen. Und die, denen die Ostküste schon zu zivilisiert war, sind in den „Wilden Westen”. Während bei uns das Wort „Datenschutz” den Schutz von Daten (auch) vor dem Staat meint, beschreibt das amerikanische Analogon „Privacy” eigentlich etwas ganz anderes, nämlich die Abgeschiedenheit. Sich irgendwo niederlassen zu können, ohne dass der Staat irgendwie vorbeikommt und einen stört. Mit dem Staat nichts zu tun haben zu wollen. So hart das ist, für viele hat es sich bewährt und hat sich bis heute gehalten.

Warum also nicht einen „wilden Osten” aufmachen und schauen, was dort passiert. Jeder kriegt eine Grundausstattung, eine Knarre und Munition. Los geht’s.

Es ist interessant sich zu überlegen, was daraus wird:

  • Alles tot. Entweder dahingerafft von Krankheiten, Seuchen, Streitigkeiten, Blutrache, wie im finsteren Mittelalter von der Pest.
  • Anarchie und Kriegsgebiet, weil es keine Struktur gibt, nur jeder gegen jeden. Ausufernde Kriminalität, Sklavenhandel, mittelalterliche Folter.
  • Monarchie: Es bilden sich Gangs, Gang-Chefs, die sich aufschaukeln, zusammenschließen, rivalisieren, bis nur noch ein Chef übrigbleibt, der dann da der King wird, der herrscht wie ein finsterer Diktator.
  • Zombiekratie: Einige Ausgetickte übernehmen durch Gewalt die Kontrolle, werden zu Kanibalen, betreiben wüste Rituale wie Voodoo und dergleichen.
  • Aufbau eines „demokratischen” Systems – das, was man eigentlich loswerden wollte, bildet sich wieder.
  • Burg-/Stadtmauer-Prinzip: Vielleicht bildet sich ein Bevölkerungsteil, der miteinander vernünftig und effizient zusammenlebt, sich an Regeln hält, aber jeden sofort hinrichtet und dessen Leiche zum Verwesen raushängt, der das nicht achtet. Das Prinzip „Bürger”, genauer gesagt „Spießbürger”.

Ein zumindest in gewisser Weise ähnliches Experiment war Australien. Die Briten haben Australien als Gefängnisinsel aufgefasst und alles dorthin deportiert, was ihrer Meinung nach in England nicht gut tat. Australien hat – wie die Neuseeländer gelegentlich gerne frotzeln – als Gefängnis angefangen, die (britisch-stämmigen) Australier stammen von Insassen oder bestenfalls deren Wärtern ab. Trotzdem ist da was draus geworden.

45 Kommentare (RSS-Feed)

gast
2.12.2012 15:58
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Man braucht das nicht einmal von “oben” so veranlassen, die Spinner machen das schon freiwillig:

http://www.ndr.de/regional/dossiers/der_norden_schaut_hin/schauplaetze/brauneoekologen113.html

total lustig auch dies:

http://aufbruch-gold-rot-schwarz.net/

die haben ein “Manifest” – “Alsfelder Beschlüsse”. mal runterscrollen zu “Politik”. Köstlich 😉


Ingmar Wengel
2.12.2012 17:18
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Demokratie ist die Freiheit zur Wahl der Mehrheit, Minderheiten die Wahl zur Freiheit zu garantieren. Diktatur ist dementgegen der Anspruch von Minderheiten, Mehrheiten die Wahl zur Freiheit mit Gewalt zu verweigern.

Das sich aus einem entideologisierten Nationalsozialismus ableitende Rechtssystem der Bundesrepublik Deutschland täuscht eine auf allgemeingültigen Gesetzen bestehende demokratische Ordnung vor, ist jedoch tatsächlich eine hinter unerfüllbaren Formalien verborgene sowie auf einzelfallbezogener Deklaration von Bedarfsrecht beruhende hermetische Anomie zum Zwecke uneingeschränkter Verwertung von Menschen.

Die öffentliche Gewalt in Form der Gesetzgebung, Verwaltung und Rechtsprechung fühlt sich weder an Gesetz noch Recht gebunden. Die von ihr erlassenen und vollzogenen Gesetze gelten ausschließlich für das Volk und werden – in Umkehrung der Funktion der Grundrechte – rechtswidrig und straflos als Abwehrrechte der öffentlichen Gewalt gegen die durch das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland als deren ranghöchste Rechtsnorm bzw. »lex fundamentalis« garantierten Grundrechte der Bürger missbraucht.

Die aufgrund dessen erfolgende Reaktion der Abspaltung ganzer Bevölkerungsgruppen von dieser Scheindemokratie ist zwangsläufig, nutzt diese doch nur ihren Erfindern – den Amtsträgern der öffentlichen Gewalt –, während deren vermeintliches Entsetzen über das so entstehende Spiegelbild ihres selbsterklärten Anspruchs auf Entbindung vom Gesetz lediglich den eigenen Neid auf eine Freiheit der von ihnen eigentlich zu Sklaven Auserkorenen kaschiert und so ihre eigene Unfähigkeit zur Freiheit preisgibt.


BLG
2.12.2012 17:33
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Wieder jemand, der den Unterschied zwischen Anarchie und Anomie nicht verstanden hat…


Hadmut
2.12.2012 17:39
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Wie könnte man auch den Unterschied zwischen zwei Begriffen verstanden haben, wenn man einen der beiden Begriffe noch nie gehört hat?

Davon abgesehen heißt nicht jeder Begriff, den irgendwer irgendwo irgendwie definiert hat, dass jemand anders ihn nicht verstanden hat. Denn dadurch, dass irgend für sich nach Gutdünken einen Begriff definiert, wird ja nicht automatisch der Rest der Menschheit auf dumm geschaltet.

Vielleicht bist eher Du das, der die Bedeutung und Verbindlichkeit von Begriffen nicht verstanden hat.

Letztlich aber wieder mal so ein saudummer Versuch, unter Pseudonym anderen die Meinungsäußerung absprechen zu wollen.


Ingmar Wengel
2.12.2012 18:01
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@BLG
Anomie=Verneinung von Gesetz und Ordnung
Anarchie=Verneinung von Herrschaft

Im Zusammenhang mit meinen Kommentar ist der Begriff durchaus korrekt, denn die öffentliche Gewalt verneint keineswegs Herrschaft, jedoch Gesetz und Ordnung in Bezug auf sich selbst.


Heinz
2.12.2012 18:01
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naja…
“…Vorratsdatenspeicherung, Fernsehgebühren”

Gegen Ersteres gibt es auch ohne “Staat ist doof” gute Gegenargumente
und bei Zweiterem geht es eher um die Details(z.B. welche Gebühren für wen, warum) und vor allem um das was man für die Gebühren bekommt,
nicht um staatliche Bevormundung.


Hadmut
2.12.2012 18:43
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@Heinz:

> Gegen Ersteres gibt es auch ohne “Staat ist doof” gute Gegenargumente

Ja, aber es ging da ja gar nicht um Argumente, sondern nur um das Schüren von Angst und das „Ich will nicht” gegenüber dem Staat. Dass es gute Argumente gibt, heißt ja noch lange nicht, dass die Gegenbewegung selbst sinnvoll war. Die wurde instrumentalisiert.


Wir gehen Umwälzungen entgegen. Das kann man nicht mehr übersehen, beim besten Willen.

Der Staat ist keine karitative Veranstaltung. Es ist eine knallharte Machtkonstruktion. Er ist der Gauner, der übrigblieb im Machtkampf, also der größte. Die Amerikaner verstehen noch was von Freiheit. Deutschland ist völlig daneben. Hier herrscht eine Ideologie des Selbsthasses einer Nation. Und das hat Gründe.

Anarchie bedeutet ohne Regierung, nicht ohne Gesetze. Das ist auch so ein Vorurteil, das dem Volk eingepflanzt wurde. Allein die Geschwindigkeit, mit der die Anarchiekarte gezogen wird, zeigt, daß es um reflexhaftes Antworten geht, nicht um Nachdenken.

Mehrheit rechtfertigt nichts, sieht man bei Bolschewiki und Menschewiki. Auch direkte Demokratie hat ihre Grenzen. Sie funktioniert, wenn überhaupt, nur wenn jeder nach Rousseau egoistisch entscheidet, und nicht ideologisch oder religiös vergiftet ist.

Eine Lösung kann nur der Minimalstaat sein, dem jeder zustimmt. Das ist auch nur bei einem kleinsten gemeinsamen Nenner möglich.
_ttp://mehr-freiheit.de/
_ttp://mehr-freiheit.de/faq/minstaat.html

Was soll denn Demokratie sein? Wie soll sie funktionieren? Wir haben eine Demagogie. Die von der GEZ getriebene Wahlmaschine läuft den ganzen Tag. Das entscheidet.

“Wir haben doch sowieso Bevölkerungssschund.”
jaja

Das muß erstmal reichen.

Carsten

“Wenn man herausfinden will, wer die wirkliche Macht hat, dann muss man nur schauen wen man nicht kritisieren darf.”
Freeman


michael
2.12.2012 19:43
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Phil
2.12.2012 19:44
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@Ingmar so ein Schwachsinn … natürlich unterliegen sowohl Staat als auch Amtsträger den Gesetzen.
Das dies in der Praxis nicht immer so gut funktioniert, bzw. teilweise absichtlich umgangen wird heißt nicht, dass das ganze System schlecht ist, sondern nur dass entweder Korrekturmechanismen fehlen oder zu wenig kontrolliert wird. Beides ist meiner Meinung nach der Fall, aber es gibt Länder, da sind die Leute erheblich schlechter dran.
Was du in Deutschland hat hast, ist die (oft) extreme Unfreundlichkeit seitens der Amtsträger.

Wenn du schon klugscheißen willst, dann sage doch bitte das Deutschland keine Demokratie (wie so oft behauptet), sondern eine Republik mit demokratischen Zügen ist.
IMHO die beste Staatsform, da das republikanische System zu einer deutlichen Verzögerung aller Entscheidungsprozesse führt, so dass Korrekturmaßnahmen, wie öffentliche Kontrolle, Kampagnen, Presse, Ausschüsse, viel Zeit haben um einzuschreiten. Das ist manchmal frustrierend, sorgt aber dafür, dass nicht von heute auf morgen ein komplett andere Gesetzeslage herrscht.

Die beste Staatsform ist und bleibt die Monarchie in einem flachen hierarchischen Staat. Nur klappt dies nur unter der Bedingung, dass die Personen an der Macht auch tatsächlich das Beste für ihr Volk vollen, was wohl eher in den Bereich Utopie gehört.

Die Frage was passieren würde ist tatsächlich sehr interessant. Ich denke es bilden sich entweder Warlords oder eine Art Burgenlandschaft, evtl. auch beides gleichzeitig.
Ein Verbund verschiedener Burgen führt dann letztlich wieder in eine Staatsform, welche unsere ähnlich ist.
Der genaue Werdegang eines autonomen Gebietes hängt jedoch stark von Einzelpersonen ab, siehe Südafrika mit Nelson Mandela.
Die komplexen Mechanismen, welche beim sozialen (und unsozialen) Zusammenleben wirken, sind nur sehr schwer vorherzusehen und sehen bei distanzierter Betrachtung “zufällig” aus.


Ingmar Wengel
2.12.2012 20:05
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> Es häufen sich die Stimmen, die den Staat verdammen und ihn loswerden wollen. Im großen Stil in den USA, Texas und einige andere Südstaaten wollen aus den USA austreten. Generell gibt es – gerade im Bereich der waffenaffinen Staaten und Bevölkerungsschichten – eine steigende Zahl von Amerikanern, die den Staat schlechthin ablehnt (was ja auch zum Wahlprogramm der Republikaner gehört) und ihn immer weiter zurückdrängen will. Die den Staat auf ein Minimum reduzieren oder ganz abschaffen wollen, und das Problem auf die persönliche Knarre verlagen möchten. Wilder Westen.

Das ist zumindest das in deutschen Medien und am deutschen Stammtisch verbreitete Klische. Aber leider voller Strohmannargumente…

Das selbe gilt hierfür:

> Wir haben doch sowieso Bevölkerungssschund. Immer mehr Ortschaften auf dem Lande, vor allem im Osten, werden verlassen, schrumpfen dramatisch. Irgendeine Stadt in den USA (ich bin nicht mehr sicher, ob es Detroit oder Chicago war, aber ich glaube, es war Detroit) hat die Konsequenzen gezogen, und einen Teil des Stadtgebietes einfach aufgegeben. Da kommen Polizei und Feuerwehr nicht mehr hin. Das Ideal der Abwesenheit des Staates. So, wie es sich viele wünschen.

Nein, so wünscht sich das kaum einer. Es geht vielmehr um eine Skepsis gegen Zentralisierung – was ja auch der Hintergedanke hinter einem föderalen Staatsaufbau ist! Das ist in wie fern also absurd? Gar nicht. Es ist der Hinweis auf den Grundgedanken hinter der Verfassung. Wie kann man das als Absurd darstellen? In dem man es total verzerrt wiedergibt und mit absurden Behauptungen verbindet.


Hadmut
2.12.2012 22:14
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> Das ist zumindest das in deutschen Medien und am deutschen Stammtisch verbreitete Klische. Aber leider voller Strohmannargumente…

Komisch. Ich war in 26 der US-Bundesstaaten, fast alle im Südstaatenbereich, und die Amis haben mir dort das gleiche erzählt. Sind die alle von der deutschen Presse infiltriert?


Die Organisation auf lokale Eben ist ein Grundelement der USA. Absurd ist das nicht. Auch eine Sezession von den USA wäre übrigens kein Totalverzicht auf eine staatliche Organisation. Es wären ja schlieslich Staaten, die austreten!

Den Staat, der immer mehr Einschränkunge im Privatleben der Bürger fälltm zu Zurückhaltung zu bewegen, muss jetzt in wie fern mit einer Aufgabe der Kernkompetenzen des Staates einhergehen? Wieso muss der Staat deshalb Polizei, Feuerwehr, Infrastruktur und Justiz aufgeben, nur weil er nicht die Gesellschaft umerziehen und seine Bürger wie finanzielle Marionetten lenken soll?


Hadmut
2.12.2012 22:19
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> Wieso muss der Staat deshalb Polizei, Feuerwehr, Infrastruktur und Justiz aufgeben,…

Er muss es nicht aufgeben, er muss nur aufhören, die Bürger dazu zu zwingen, das als reines Angebot anbieten.

Genau das ist ja gerade das Akzeptanzproblem von Obamas Gesundheitsversicherung. Viele US-Amerikaner können sich den Arzt nicht leisten, aber wollen kein allgemeines Krankenversicherungswesen, weil sie das als Einmischung des Staates in Privatangelegenheiten auffassen.

Es gibt inzwischen einige Staaten, in denen die Feuerwehr zu brennenden Häusern nicht mehr kommt, weil auch die Feuerwehr nicht mehr als Staatsaufgabe, sondern als privatrechtliches freiwilliges Angebot auffassen. Deshalb kommen sie dann nur zu denen, die vorher einen Vertrag mit ihnen geschlossen haben und zahlen, wie bei einer Brandversicherung. Es gab kürzlich irgendwo einen Bericht um ein brennendes Haus, wo die Feuerwehr davorstand und untätig zuguckte, weil nicht der Eigentümer, aber die Nachbarn Feuerwehrdienste beauftragt hatten. Deshalb achteten die nur darauf, dass es nicht auf die Nachbarhäuser übergreift.

Und genau so wollen das viele Amerikaner haben. Sie wollen selbst über ihr Geld verfügen und keinen Staat haben, der das in ihrem Namen macht.


Das Problem der Demokratie ist aber nicht, dass es “Das Recht des Stärkeren” ist.

Das Problem ist, dass Demokratie “Das Recht des Dümmeren” (denn Dumme sind immer in der Mehrheit) und “Das Recht des Geldempfängeren” ist (denn Ärmere sind ebenfalls in der Mehrheit).

Das Problem ist, dass Demokratie “Das Recht des Schwächeren” ist (= schwach an Verstand, schwach an Geld).

Gerade in deinem Beispiel von den undemokratischen (= sich selbst überlassenen) Stadtgebieten würde das Recht des Stärkeren gelten.


Hadmut
3.12.2012 0:21
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Nein. Dumme, Arme, Geldempfänger sind keineswegs zwingend und immer in der Mehrheit.

Das Problem ist, dass in der Demokratie dann, wenn sich eine Gruppe an anderen bereichert und sich das für sie lohnt, sie neue Leute anziehen und so in eine (relative oder absolute) Mehrheit, mitunter aber auch nur in eine Zünglein-an-der-Waage-Rolle kommen kann und das System sich unauflösbar in einem Zustand stabilisiert, der von der dadurch benachteiligten Gruppe als undemokratisch und unfair empfunden wird.

Oder anders gesagt:

Demokratie hat den Entwurfsfehler, dass eine (relative oder absolute) Unterschichten-Mehrheit sich stabil und dauerhaft auf „demokratischem” Wege eine Position verschaffen kann, in der sie ein hohes Verhältnis aus Einkommen zu eigenem Aufwand erzielt, faktisch also negativen Beitrag leistet. Leider wird das von manchen Parteien systematisch gefördert um Stimmen zu bekommen.

Unterschichten sind nicht per se in der Mehrheit, aber Demokratie ist dahingehend verwundbar, als man in ihre eine stabile Unterschicht etablieren und mit der die Mehrheit ausüben kann. Und genau das machen ja manche Parteien.


temp
3.12.2012 0:38
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>Komisch. Ich war in 26 der US-Bundesstaaten, fast alle im Südstaatenbereich, und die Amis haben mir dort das gleiche erzählt. Sind die alle von der deutschen Presse infiltriert?

Er hat sich natürlich falsch ausgedrückt, das ist keine “deutsche” Propaganda, sondern “Protektionisten” Propaganda.
Damit mein ich eben die Leute, die u.A. der Meinung sind, der einzelne Mensch im Staat hat kein Recht darauf, Waffen zu besitzen, aus welchem Grund auch immer, erst Recht nicht zur Selbstverteidigung, denn er hat kein Recht auf Selbstverteidigung. Beim Schutz von Leib und Leben soll nur der Staat da sein, eben “der Beschützer”, daher “Protektionist”.


Phil
3.12.2012 1:31
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@Ingmar wo habe ich dich denn als Person angegriffen?


Johanna
3.12.2012 9:15
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Es ist ja häufig gerade nicht so, dass die Mehrheit stets einer Mindeheit ihren Willen aufzwingt: Bei der Bundestagswahl 2009 wird die Wahlbeteiligung (ich habe der Einfachheit halber schnell alle hier genannten Werte von Wikipedia übernommen) mit 70,8% angegeben. Dabei haben CDU, CSU und FDP zusammen 332 Sitze von 622 Sitzen insgesamt im Bundestag erhalten, macht 53,4% aller Sitze. Das bedeutet, dass diese drei Parteien den (durch deren Abstimmverhalten) ausgedrückten Willen von einer MINDERHEIT von 37,8% der wahlberechtigten Bevölkerung vertreten. Es muss daher darauf hingewiesen werden, dass momentan eine MINDERHEIT ihren Willen gegenüber der MEHRHEIT durchsetzt: Etwas weniger als zwei Drittel der Wahlberechtigten haben NICHT für die aktuelle Regierungskoalition gestimmt.

Und nun zu etwas völlig anderem:

@Phil: Sie fragen: “Wo habe ich Dich [bezogen auf Ingmar] denn “als Person” angegriffen?” Nun, zum Beispiel hier: “So ein Schwachsinn!” Oder hier: “Wenn Du schon klugscheißen willst…” Zur Sache haben Sie dabei jedenfalls überhaupt nichts gessagt. Wer zuerst seinen Diskussionspartner in die Dummen-Ecke zu drängen versucht, der versucht seine Argumente künstlich zu überhöhen, der argumentiert ad personam und ergibt sich dabei übelster Rabulistik.

Aber das ist auch so eine Sache heutzutage: Warum sachlich, wenn es auch persönlich geht? Und wenn ich jetzt wieder auf mangelnde Diskussionskultur hinweise, dann kommen wieder diejenigen angekrochen, die solche verbalen Entgleisungen als “normal” ansehen und mir “Totschlagargumente” vorwerfen werden.


Herrmann
3.12.2012 9:33
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Man muss das Kind ja nicht gleich mit dem Bade ausschütten.
Staaten haben aber bisher unter Beweis gestellt, dass sie gewisse Themenkomplexe nicht gut abbilden können.

Sicherheit, Bildung, Gesundheit, Geldmarkt. Das alles kann der Bürger bzw. der Freie Markt offenbar viel besser.


bb
3.12.2012 11:09
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Was aus so einem “Wilden Osten” entstehen würde, wäre neben vielen anderen Faktoren sicher auch von der Bevölkerungsdichte abhängig.
Zum Vergleich: Das am dünnsten besiedelte Bundesland Mecklenburg-Vorpommern ist immer noch 24-mal dichter besiedelt als Australien (Wikipedia: 71 zu 2,9 Einwohner pro km^2).

Es bräuchte also noch wesentlich mehr Bevölkerungsschwund, um genügend Platz für den Bevölkerungsschund zu schaffen, aus dem dann nach ein paar Generation vielleicht doch noch “was draus werden” könnte.

Zur Demokratie:
Volker Pispers hat es neulich so schön auf den Punkt gebracht: “Sie kriegen in einer Demokratie keine Mehrheit für eine Politik, von der 90% der Bevölkerung profitieren würden.”


Jens der Andere
3.12.2012 12:28
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@Hadmut: Das gilt für alle Arten von Mehrheiten. Und die Definition von Unterschicht würde ich so nicht stehen lassen – Mangel an Bildung und wirtschaftlicher Macht ist nicht automatisch ein Indiz für Kriminalität und Selbstbedienungsmentalität. Letztere sehe ich ebenso in sehr vermögenden/gebildeten Kreisen, die dazu oftmals auch die Mittel und den Einfluß haben, ohne Mehrheiten politische Entscheidungen in ihrem Interesse zu beeinflussen.

Der “Genosse der Bosse” ist das typische Opfer solcher Leute. “Ja, Du kannst einer von uns sein, wenn Du uns gefügig bist!” Schöner Sozialdemokrat 🙂

Nun, es bleibt zu hoffen, daß das Ganze ein Schweinezyklus ist – dann richtet es sich von selbst. Ansonsten? Revolution? Klingt spannend, aber man kann sich denken, daß sich dann auch nur eine bestimmte Gruppe an Arschlöchern an die Selbstbedienung macht.

Die Erneuerung des politischen Systems kann friedlich und von innen kommen. Versuche gibt es immer wieder – und sie müssen nicht immer an eigener Inkompetenz scheitern. Die Piraten werden nicht die letzte Neuentwicklung bleiben. Und nein, auf unser System mit der Nazikeule einzuprügeln (wo doch die meisten Wurzeln deutlich älter sind), spricht nicht von historischer Kompetenz.


> Es gab kürzlich irgendwo einen Bericht um ein brennendes Haus, wo die Feuerwehr davorstand und untätig zuguckte, weil nicht der Eigentümer, aber die Nachbarn Feuerwehrdienste beauftragt hatten. Deshalb achteten die nur darauf, dass es nicht auf die Nachbarhäuser übergreift.

Den Bericht würde ich gerne sehen.


Hadmut
3.12.2012 20:33
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> Komisch. Ich war in 26 der US-Bundesstaaten, fast alle im Südstaatenbereich, und die Amis haben mir dort das gleiche erzählt. Sind die alle von der deutschen Presse infiltriert?

Ja, und ich war in Deutschland und hier hat man mir erzählt, dass das Land von neoliberalen Neonazis in der Mitte der Gesellschaft unterwandert wird. Und nun?


Hadmut
3.12.2012 20:34
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@techniknörgler:

> Und nun?

Und nun gehen mir Deine Kommentare langsam auf den Keks, denn Du bringst keinen Beitrag, sondern nölst nur rum und stellst einfach nur alles platt in Abrede. Riecht nach Trollen.

Und Deine Lehrerin interessiert mich nicht, das ist auch nicht nachprüfbar. Außerdem kann ein einzelner Vorgang nicht für einen größere Beobachtung stehen. Aussprüche von Sozialkundelehrerinnen kann man sich beliebig ausdenken. Meine hatte Flügel und flog jeden Morgen über die Schule.


@temp:

Ich weiß nicht, ob der Beitrag ironisch gemein war, aber auch wenn ich es nicht so formulieren würde, in die Richtung geht es:

Es gibt auch jede Menge Deutsche die in Deutschland Unsinn über Deutschland erzählen.

Eine Sozialkundelehrerin hat auf einer Oberstufenfahrt nach Prag einem Reiseführer dort ernsthaft erzählt, in Deutschland würde der Bundesrat direkt nach Mehrheitswahlrecht gewählt werden, während der Bundestag nach Verhältniswahlrecht gewählt würde…

Um das als Unsinn zu entarnen brauch man kein Deutscher sein, der in Deutschland aufgewachsen ist – es reicht ein Blick ins Grundgesetz.

Daher würde mich ein Bericht über die angebliche Privatisierung der Feuerwehr sehr interessieren. Und zwar nicht Privatisierung in dem Sinne, dass die Allgemeinheit ein privates Unternehmen mit den Feuerschutzdienstleistungen beauftragt – das gibt es tatsächlich vereinzelt in der USA. Da ist aber immer noch die Allgemeinheit der Vertragspartner, der für die Allgemeinheit – also alle – die Dienstleistungen erwirbt.

Nix mit Haus brennen lassen, während nur die Nachbarhäuser geschützt werden.

Wenn ich den Bericht sehe offenbaren sich vielleicht die wirklichen Hintergründe bzw. diese lassen sich dann herausfinden. Legendenbildung gibt es viele. Es gibt auch Amerikaner, die reden von Schwarzen Hubschraubern Obamas (rechte Verschwörungstheoretiker), und es gibt Amerikaner, die malen verzerrte Horrorgeschichten an die Wand – zur Stimmungsmache.


Joe
3.12.2012 19:37
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Die fehlerhafte Grundannahme ist, daß “Demokratie”, insbesondere mit Frauenwahlrecht, ein funktionierendes stabiles System darstellt. Tatsächlich führt sie natürlich schnurstracks in die totalitäre Tyrannei, also z. B. zur Wahl Adolf Hitlers.

Deshalb hat sich weltweit die sog. “gelenkte Demokratie” etabliert. Dabei kommen mehr oder weniger kunstvolle Manipulationsmittel zum Einsatz, um den vorzeitigen Zusammenbruch zu verhindern. Sehr schön konnte man das neulich am Beispiel Griechenlands sehen: jedes andere Ergebnis hätte nämlich zum Crash geführt.

Dauerhaft wird das natürlich nicht funktionieren, auch die Bundesrepublik wird sich noch in diesem Jahrhundert unausweichlich wieder einen Diktator wählen, womit der Zyklus komplett ist.

Wie ein System aussehen könnte, das auf Freiwilligkeit, Verträgen und Kooperation, statt auf Zwang und Oppression beruht, braucht man nicht herbeizuphantasieren: Das Internet steht vor Ihnen, meine Herren. Ein Blick auf Mailboxen voller Spam und weltumspannde Botnetze zeigen die negativen Seiten, aber wir nehmen sie in Kauf, weil die Vorteile der freien/freiwilligen Kommunikation deutlich überwiegen, sehr zum Bedauern diverser Rechteinhaber natürlich. Wäre das Netz bspw. ein demokratischer Staat, wäre die Teilnahme an Facebook für jeden obligatorisch.

Um ein solches Modell politisch umsetzen können, muß zunächst einmal die durchschnittliche Staatengröße massiv runter, so in etwa auf die von Monaco, Liechtenstein oder Singapur. Daß Oppression und Großreiche wie die EU miteinander einhergehen, ist nämlich kein Zufall.

Bevor die Diskussion fortgesetzt wird, möchte ich noch auf die beliebte Verwechslung von “Demokratie” und “Rechtsstaat” hinweisen, das wird von unserem Juristenparlament gern absichtlich miteinander vermengt. Dabei kann man dann auch gleich noch den bundesdeutschen Spezialfall des Bundesverfassungsgerichts erwähnen, das mit beidem nichts zu tun hat.


Hadmut
3.12.2012 20:46
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@Joe: Es ist zwar bekannt, dass Hitler (angeblich) vornehmlich von Frauen gewählt wurde.

Ich halte es aber für völligen Blödsinn, das als Grund gegen ein Frauenwahlrecht anzubringen. Das ist unvertretbar. Denn Hitler beruhte nicht auf auf Wahlen, sondern auf Gewalt. Und die Gewalt ging fast ausschließlich von Männern aus. Frauen sind im Dritten Reich nach meinem Wissensstand sehr viel weniger, und wenn dann verbal durch Anstachelung, Denuntiation usw. in Erscheinung getreten. Tatsächlich begangen haben die Verbrechen fast nur Männer.


ein anderer Stefan
3.12.2012 20:10
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Die Bundesrepublik basiert auf einem “entideologisierten Nationalsozialismus”? Gibt es dafür einen Beleg? Ich war bisher der Meinung, dass das Grundgesetz so gedacht war, die Weimarer Verfassung ohne ihre Baufehler zu modernisieren. Ich rede jetzt von der Absicht dahinter, weniger von den Unzulänglichkeiten der praktischen Umsetzung.

Die Idee, einen Teil (Ost-)Deutschlands zur “Todeszone” zu machen, finde ich geradezu absurd, da sie allen Ideen, die ich von einem Staat habe, widerspricht. Aufklärung und “modernes” Denken über Bord werfen, um alle Problemfälle loszuwerden? Wo ist da die Grenze? Steine schmeißen? Häuser beschmieren? Wild pinkeln? Nicht ordentlich grüßen?
Ein solcher Gulag würde wahrscheinlich dazu führen, dass diejenigen, die darüber befinden, wer dort hin muss, sich plötzlich zu Diktatoren aufschwingen. Damit wäre die Demokratie sehr schnell endgültig über Bord geworfen.


Hadmut
3.12.2012 20:48
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@anderer Stefan: Mir ging es ja auch nicht darum, so eine Zone aufzubauen, sondern um das Gedankenmodell, ob eine Gesellschaft ohne Staat überhaupt überleben kann oder ob sich da nicht doch zwangsläufig wieder ein Staat bildet. So wie bei den Leuten, die Geld ablehnen, und es durch Tauschgeschäfte ersetzen wollen, dann aber Punkte oder andere Wertplatzhalter einführen, weil eben doch nicht alles im direkten Tausch geht, also dann doch wieder die Währung einführen, die sich gerade loswerden wollten.


temp
3.12.2012 20:57
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@Hadmut: dass Frauen keine körperliche Gewalt anwenden, liegt das nicht eventuell daran, dass sie es schlicht weg nicht so gut können? Im Durchschnitt gesprochen natürlich. Deshalb lieber hintenrum anstacheln und Männer für sich machen lassen.
Vergleiche die Wahl der Mordmittel – bei Frauen ist Gift ganz oben, dazu braucht man keine Kraft, Schnelligkeit oder Ähnliches.


Hadmut
3.12.2012 21:19
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Deshalb kann man ihnen trotzdem nicht die hypothetische Schuld für etwas zuschieben, was sie faktisch nicht getan haben.


Ich habe gerade den Bericht über den Feuerwehrfall in dem
FAZ Artikel gelesen. Zuerst dachte ich ja, dass hier wirklich eine
private Feuerwehr zu Gange wäre. Es handelte sich jedoch um eine
städtische Institution. Das könnte man eigentlich als Beispiel
staatlichen Versagens betrachtet. Zumindest diese Stadt scheint
kein vernünftiges Feuerwehrgeschäftsmodell aufstellen zu können.
Warum sollte eine private Feuerwehr sich auch einen bezahlten
Auftrag entgehen lassen? Der Hausbesitzer wollte ja zahlen. Da wird
gelöscht und dann die Rechnung verschickt. Klappt bei anderen
privaten Unternehmungen doch auch.


Ich habe nach privatisierter Feuerwehr gegooglet, mit
Danisch Stichpunkten finden sich tatsächlich einige Fälle – aus
einem Bezirk, oder besser gesagt aus dem Umland und gerade nicht
dem Bezirk selber:
http://www.google.de/search?&q=Firefighters+watch+as+home+burns+to+the+ground&ie=utf-8&oe=utf-8


Aber ja, du hattest recht, so etwas scheint es zumindest außerhalb eines Orten in den USA zu geben.


yasar
4.12.2012 16:41
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Hier der Vortrag von Pispers mit der demokratie und den 90%:

https://www.youtube.com/watch?v=I3WwjEhiDjs


yasar
4.12.2012 16:44
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So ein Dings
9.12.2012 21:03
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Anomie ist nicht das Verneinen von Gesetz und Ordnung, sondern das Fehlen, Zerbröseln oder Untauglichwerden von (alltagsrelevanten) sozialen Normen. Wenn das Leben zunehmend wie Glücksrad wird, bei dem man meistens irgendwie verliert und manchmal nicht mal das Rad drehen darf und trotzdem was schlechtes passiert. Oder wenn man dreht und nichts passiert.
Das geht von sanft und nahezu unschädlich (zb. ein Brettspiel ganz anders spielen als es in der Anleitung steht, sodass das Spiel nicht mehr spielbar ist) bis hin zu hardcore Psychoterror, bei dem man nicht weiß, ob man im nächsten Moment noch leben wird oder wovon das überhaupt abhängt (zb Folter, Krieg, der “allzeit mögliche Tod” in KZs) und deswegen psychisch quasi wieder kindhafte, fast tierartige Verhaltensweisen annimmt und im Grunde nur noch überlebensinstinktiv handelt. Was jeden sozialen Zusammenhalt blitzartig zerstören kann (KZ-Gefangene schwärzen sich gegenseitig bei den Wärtern an; Stockholmsyndrom), aber auch zu enormer Solidarität führen kann, was aber weit seltener der Fall ist.
Eine andere Folge kann (tiefe) Resignation sein, da man nicht mehr annimmt, noch irgendwas in der Zukunft Erhaltbares zu erschaffen und es aus eigener Kraft auch nicht zu können, weil sich die Voraussetzungen ständig ändern (aus diesem Grund ist Rechtssicherheit und Kontinuität in der Rechtsprechung auch ein wirtschaftlich sehr relevanter Wert) oder vollkommen widersprüchlich und sich gegenseitig aufhebend sind. Aus sowas entstehen auch harte Depressionen und nicht selten auch “Flucht in die Sucht”.
Anomie gilt u.a. als eine wesentliche Ursache von Radikalisierung und auch von Terrorismus, welche als Art “Ersatznorm” hervorgebracht werden. Man könnte es eine verkappte Art der Selbstgesetzgebung nennen. Man könnte als gutes Beispiel auch die Stasi als ein Produzent von Anomie beschreiben, da man durch sie in der DDR nicht wusste, wem man was erzählen kann oder, falls man gecasht wurde, wer geplaudert hat oder ob überhaupt jemand geplaudert hat usw.. Die Haftbedingungen waren da ebenfalls pure Anomie (woran man sieht, wie mächtig sie sein kann), da man ja nicht wusste, wo man eigentlich ist, warum, was die Anklage ist, was die Verwandten davon wissen (häufig: nichts, aber es gab Vermutungen), wie lang man da bleiben muss und selbst die Zellen waren so, dass man im Grunde nicht mal abschätzen konnte, auf welchem Stockwerk man gerade ist, was draußen passiert. Meistens wusste man nur deswegen, dass man in der DDR war, weil man es am Geruch erkannt hat. Klingt lustig, ist in so einer Situation aber ultra hart.
Anomie kann auch zu schweren psychischen Störungen führen, wovon Schizophrenie noch die freundlichste ist, Paranoia schon eine etwas schlimmere. Das berühmte doublebind (“Wasch mich, aber mach mich nicht nass”) ist anomisch, weil es keine praktikable Handlung mehr möglich macht und zudem gegen die geltende Norm (beim waschen MUSS man nass werden) gerichtet ist und gerade diese verbietet, also indirekt Strafe für normgerechtes Handeln ausspricht. Das führt zu einem fatal error.

Anarchie ist nicht anomisch, kann es aber werden, da “keine Herrschaft” letztlich auch bedeuetet, das niemand und nichts Kontinuität absichern kann. (Davon abgesehen halte ich Anarchie für eine seichte Utopie einiger trauriger Leute; realisierbar ist vielleicht “möglichst wenig Herrschaft”…Hypoarchie/Hypokratie?)

Total interessant wäre mal die Frage nach der Anomie im (deutschen) Wissenschaftsbetrieb, vor allem im Promotionswesen (wobei seit Bacheloreinführung auch immer mehr Studis psychologische/psychiatrische Hilfe aufsuchen, vielleicht auch wegen der etwas chaotischen Struktur). Ein fehlender, brauchbarer Normenkatalog wie im “Fall: Prüfungswesen” dürfte da zu manchen Verwunderlichkeiten führen, psychologisch gesehen. Die kann man mit Sicherheit empirisch erfassen. Und daraus kann man dann sicherlich errechnen, was für ein Schaden auch volkswirtschaftlich dadurch entsteht zb. durch Krankenversicherungskosten, rechtswidrig langgezogene Promotionen, gegen die sich aber nicht gewehrt wird (weil man dann vielleicht “raus” ist?).
Soweit ich weiß hat Anomie ganz selten positiven Folgen, sondern fast immer schädliche, wobei eine davon logisch Unterwürfigkeit ist, da das zumindest irgendwie die Absicherung gibt, nicht als nächstes dran zu kommen. Was aber in anomischen Zuständen zumeist eine Illusion ist, da auch “Unterwürfigkeit schützt” evtl. nicht mehr gilt. Man kann das auch total pervers machen und in einem Fall Unterwürfigkeit fürstlich belohnen, im nächsten mit einem widerlichen Tod bestrafen. Das macht einen selbst zum Hirten und (fast) alle anderen zu Schafen. (Fast, da es aus der Folter”forschung” Berichte darüber gibt, dass ein Folterer dadurch aufhörte und der Gefolterete freikam/überlebte, dass der Gefolterete irgendwas völlig unerwartetes gesagt hat, wodurch der Folterer seinerseits (psychisch) handlungsunfähig wurde. Interessanterweise sind das meistens ziemlich witzige Sachen, ich las mal etwas über einen Gefolterten, der irgendwas sehr bissiges über die Mutter des Folterers sagte, woraufhin der nicht mehr weiter machen konnte – vermutlich, weil er dann die ganze Zeit an seine Mutter denken musste und an deren Verachtung seiner Tat, zudem wegen der Überraschung, als Folterer kalt erwischt worden zu sein vom Opfer).

Anomie ist eigentlich ziemlich interessant. Beseitigt wird sie übrigens fast automatisch durch stabile Normsysteme. Man vermutet auch, dass alle “verkappten Selbstgesetzgebungen” (Terrorismus, Extremismus) nach und nach sich auflösen, wenn stabile Normen wieder Einzug halten. Insofern ist Krieg (=Anomie) gegen Terrorismus zb. wahrscheinlich ziemlich dämlich, weil die Leute dann genau den Falschen in die Arme getrieben werden und auch gar nicht anders können.


So ein Dings
9.12.2012 21:07
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Mir fällt endlich das Beispiel für positive Folgen durch Anomie ein: zb nach Naturkatastrophen und die darauf folgenden Spenden und/oder (wie beim Oderhochwasser) das tatsächlich aktive Mithelfen beim Schädenbeseitigen. Auch die sogenannten Trümmerfrauen sind eine positive Folge des anomischen Zustands, dass alles zertört ist und nicht mehr ist wie vorher. Diese positive Begegnung von Anomie stellt selbst wieder Norm her, was sie so positiv macht, da die Anomie dadurch automatisch abnimmt. Ist aber wie gesagt sehr selten. Vielleicht dauert es noch ein paar hundert Jahre, bis die Menschen vornehmlich positiv aus der Anomie hervorgehen.


Garcia Horaz
9.12.2012 21:26
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Hallo Herr Danisch,

“Demokratie hat den Entwurfsfehler, dass eine (relative oder absolute) Unterschichten-Mehrheit sich stabil und dauerhaft auf „demokratischem” Wege eine Position verschaffen kann, in der sie ein hohes Verhältnis aus Einkommen zu eigenem Aufwand erzielt, faktisch also negativen Beitrag leistet. Leider wird das von manchen Parteien systematisch gefördert um Stimmen zu bekommen.”

Das ist eher falsch, da bekannt ist, dass gerade Arme eigentlich kaum noch wählen gehen.
Meinen Sie mit hohem Einkommen staatliche Transferleistungen wie ALG? Seit wann sind die denn noch hoch?

Vielleicht meinen Sie mit Unterschicht aber auch die ca. 65% der Deutschen (1.-7. Dezil), die kein Vermögen oder Schulden haben? Oder anders gefragt: wenn die Mehrheit eines Volkes verarmt ist, warum sollte diese Mehrheit dann nicht für sich selbst Politik machen? Ist schließlich die Mehrheit.


Hadmut
10.12.2012 7:15
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@Garcia: Ich habe überhaupt nichts von hohem Einkommen gesagt, sondern von hohem Verhältnis von Einkommen zu Aufwand.

Da Hartz IV-Empfänger dafür ja nicht arbeiten müssen, haben sie einen enorm hohen “Stundenlohn”


Garcia Horaz
11.12.2012 0:21
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Hallo Herr Danisch,

mir persönlich ist es noch nicht passiert, ich musste das bisher nicht beantragen in der regulären Form, aber HartzIV ist heute wohl ein Vollzeitjob.

Bekannt sind inzwischen die vollkommen sinnfreien “Wiedereingliederungsmaßnahmen”, also Bewerbungstraining und solche Sachen. Gestern lass ich von einem Mann, der promoviert war und gewzungen wurde, Bewerbungstraining zu machen. Dort musste dann in einer 40-Stunden-Woche eine Wandzeitung (!) erstellt werden mit dem jeweils eigenen Lebenslauf. Der Mann war Chemiker.

Eine Bekannte – Germanistik, Publizistik, Powi, jetzt Lektorin – musste nach Ende ihres Studiums solch ein Bewerbungsseminar machen, 2 Monate lang, jeden Werktag von 7.30-15.30.

Man darf dabei nicht unterschätzen, wie belastend dümmliche Arbeit sein kann.

Auch die Amtsgänge dürfen Sie nicht vergessen, die wohl nicht selten einen ganzen Tag dauern. Die Mentalität, Geschwindigkeit und Arbeitsmoral deutscher Ämter dürfte Ihnen wohl bekannt sein.

Arbeitslose beziehen auch keinen Lohn, sondern die Leistung einer Versicherung, in die sie vorher eingezahlt haben. Andernfalls kriegen sie Grundsicherung. Grundsicherung beziehen aber auch alle, die nach 12 Monaten (bzw 18 für Ü58) keine Stelle gefunden haben. Dabei ist es egal, ob Sie 30 Jahre gearbeitet + eingezahlt haben oder nur 2, nach 12 (bzw. 18) Monaten sind alle gleich. Das muss man in diesen Stundenlohn miteinberechnen in Form von Versicherungsleistungen, die man eingezahlt hat, aber nicht zurückbekommt, die einem also vorenthalten werden.

Die Arbeitslosenversicherung ist heute wie alle anderen Versicherungen auch, allerdings in der krassesten Version: das Beitrageintreiben verstehen sie wie Meister, darüber vergessen sie aber, dass man im Versicherungsfall auch was auszahlen muss. (habe ich das nicht sogar mal in diesem Blog hier gelesen?)

Jedenfalls meine ich, Sie vergessen da in Ihrer Rechnung einige Kostenstellen und rechnen deswegen falsch, weil sie nur das direkt Sichtbare als Summanden einbeziehen (arbeitet nicht + bekommt Geld). Schon das Abziehen der vorentahltenen Versicherungsleistung nach Beiträgen bei einem Menschen, der 20 Jahre darin eingezahlt hat, macht die Summe tiefrot, selbst wenn man wirklich nur zuhause nichtstuend säße.


Flusskiesel
14.12.2012 8:51
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“Dann geh doch nach drüben!”
SCNR